AUTUMNBLAZE: Bleak

Ein phantastisches Meisterwerk – pure Melancholie in Musik gegossen… für mich das bisherige Album des Jahres. Mischung aus Synthesizer-Loops und Gitarrenriffs, unterlegt mir langsamen Rhythmen und überlagert von einer wunderschönen Stimme. Die tiefe Essenz der Seele.

Ein Meisterwerk. Ein betäubendes, bedrückendes, geniales Meisterwerk. „Bleak“ ist pure Seelenpein, gegossen in schlichte Songs voller Emotionen, voller Tragik, voller Liebe. Musik, die gefangennimmt, von der man sich zu lösen kaum vermag, schlichtweg ein Stück Kunst, das seinesgleichen sucht in der heutigen Musiklandschaft.

Schon das Debütalbum des PARAGON OF BEAUTY-Ablegers AUTUMNBLAZE, „DämmerElbenTragödie“ war ein Genistreich. Doch wer dieses Album kennt, sollte „Bleak“ nicht damit vergleichen. Denn „Bleak“ ist so grundlegend anders, daß es von einer anderen Band stammen könnte. Herrschten auf „DämmerElbenTragödie“ noch lodernde, bunte, melancholisch-romantische Feuerwerke voller Leidenschaft und Hingabe, stilistisch ausgedrückt in einem Mix aus Black Metal- und Gothic-Elementen mit Folk-Einschlag, zeigt „Bleak“ die Seele Eldrons (der Kopf der Band) in einem völlig anderen Licht – in einem finsteren, düsteren. Schon das Artwork ist dunkel, und dann der Titel: „Bleak“ bedeutet „trüb, finster, kalt“. Und hat man dann die ersten Klänge dieses bedrückenden, wunderschönen Werks vernommen, ist die Veränderung komplett: Synthesizer-Loops, eine zerbrechliche, zarte Stimme, die mit dem pathetischen Gesang auf „DämmerElbenTragödie“ *nichts* mehr zu tun hat, einige schwere Gitarrenriffs, langsames Schlagzeug – das ist pure, in Musik gegossene Melancholie, fast schon Depression. Doch mit diesen Worten kann man die Stimmung von „Bleak“ gar nicht adäquat ausdrücken – denn was ich fühle, wenn ich solch schlichte, aber dennoch zutiefst tiefgehende Stücke wie „so close yet so far“, „thoughts by a weary man´s side“ und vor allem das letzte Stück „…and we fall“ höre, kann ich nicht mit Worten beschreiben. Auch einen Stil des Albums zu nennen, widerstrebt mir; nichtsdestoweniger werde ich es tun: eine Mischung aus neueren Katatonia, Trip Hop der Marke Portishead oder Massive Attack und einer eigenen, sehr naturverbundenen Attitüde. Also wirklich etwas vollkommen anderes als noch auf dem Debüt.

Die Texte, welche ebenfalls in ihrer Schlichtheit in krassem Gegensatz zu den fantasy-beeinflußten Flammenworten der „DämmerElbenTragödie“ stehen, tun ihr übriges, diese ganz eigene, triste, aber trotzdem irgendwie aufwühlende Stimmung zu erzeugen, von der ich schon sprach. Denn sie handeln von Verlust (u.a.). Vom Verlust einer Liebe („I shiver“, „so close yet so far“), vom (zeitweisen?) Verlust eines Freundes („bruderseele“), vom Verlust der Liebe für die Welt und die Menschen („thoughts by a weary man´s side“, „…and we fall“). Ich persönlich kann mich mit allem so sehr identifizieren, daß es fast weh tut, und es erscheint mir fast magisch, daß dieses Album genau zu dem Moment kommt, an dem ich genau das fühle, was es für mich eben aussagt. So ist beispielsweise der gesprochene, deutsche Text am Ende von „thoughts by a weary man´s side“ eine perfekte Spiegelung meiner momentanen Gedanken. Faszinierend, wunderbar – und beklemmend.

Für mich ist „Bleak“ das bisherige Album des Jahres. Gerade, weil es so mutig ist, etwas völlig anderes unter gleichem Namen zu machen. Gerade, weil es noch echte KUNST ist und *keine* Kommerzattitüde dahinter steht. Schlichtweg ein Meisterwerk. Aber das sagte ich schon.

Mag sein, daß ihr mich jetzt für leicht verrückt haltet, weil ich dieses Werk dermaßen in den Himmel lobe, während in den großen Magazinen wahrscheinlich wieder nur kleine, nichtssagende Rezensionen erscheinen. Ich weiß nicht, warum so wenige die Genialität dieser Künstler erkennen. Ich kann euch nur raten, saugt „Bleak“ in euch auf, lest die Texte, versucht, die Essenz der Musik zu verstehen. Dann werdet vielleicht auch ihr von dem Seelenfunken, den die Kunst erzeugt, entzündet.

Spielzeit: 50:37 Min.

Line-Up:
Eldron – bleak vocal trips, bleak acoustic and electric strings

Schwadorf – bleak drums, loops, low frequencies and electronic devices

Arisjel – bleak additional loops
Label: Prophecy Productions
Email: Arisjel@aol.com

Tracklist:
1. someone´s picture

2. I shiver

3. scared

4. bleak

5. so close yet so far

6. bruderseele

7. the wind and the broken girl

8. thoughts by a weary man´s side

9. …and we fall