ATLASES: Woe Portrait

„Woe Portrait“ hat diese Momente, wo plötzlich alles geradezu magisch zueinanderfindet. Wenn die zarte Post Rock-Struktur von „The Unsung Lament, Pt. I – Apparition“ etwa seinen verträumten Schleier ablegt und nach vier Minuten zum großen Finale ansetzt, dann geht das direkt unter die Haut. Der Optimismus, den die Gitarren trotz der markigen Growls versprühen, erinnert kurzzeitig an DEVIL SOLD HIS SOUL, ansonsten sind ATLASES aber oftmals in typischen Post Metal-Gefilden unterwegs.

Das machen die Finnen handwerklich ausgesprochen gut, wenngleich uns meist die üblichen Referenzen einfallen, wenn die massiven Riffs über uns hereinbrechen oder an anderer Stelle in geradezu sphärischen Dimensionen gedacht wird („Halos“). Eine Ausnahme bildet „The Unsung Lament“ auch im zweiten Teil: „Silhouettes“ bedient sich bezüglich melancholischer Instrumentierung sowie Schwermut bei GHOST BRIGADE und will auch in den härteren Ausbrüchen den leicht sludgigen Touch ihrer Landsmänner nicht abschütteln.

Im Mittelteil laufen ATLASES zur Höchstform auf

Einen Vorgeschmack davon hatten uns ATLASES schon im Opener „Dreadlight“ gegeben, zur Höchstform läuft die Band aber erst im Mittelteil von „Woe Portrait“ auf, wo neben dem erwähnten Zweiteiler „The Unsung Portrait“ auch das ausladende „Phoenix Trail“ neue Soundlandschaften erschließt. Auch hier öffnen sich die Finnen erneut dem Post Rock, der auch wegen des verträumt-nachdenklichen Klargesangs irgendwie andersweltlich wirkt. Das massive wie brutale Finale holt uns schließlich unbequem, aber intensiv auf den Boden der Tatsachen zurück.

Einen ähnlichen Spagat vollzieht das starke „Solarist“, das man – soweit man im Genre davon sprechen kann – vielleicht sogar als Albumhit bezeichnen darf. Das düstere „Marta“ vermählt zum Ende schließlich Filmscore („In The House, In A Heartbeat“) und Post Metal zu einem weiteren dieser Augenblicke, wo alle Versatzstücke geradezu wie von Geisterhand zusammenfinden. Leider erreichen ATLASES diesen außergewöhnlichen Zustand auf „Woe Portrait“ nicht immer; doch wenn sie es tun, fühlt es sich fast an wie Magie.

Veröffentlichungstermin: 23.10.2020

Spielzeit: 47:11

Line-Up

Jani Lamminpää – Vocals
Ville-Veiko Laaksonen – Gitarre
Nico Brander – Gitarre
Jerkka Perälä – Bass
Rami Peltola – Drums

Label: Lifeforce Records

Facebook: https://www.facebook.com/atlasesband

ATLASES “Woe Portrait” Tracklist

  1. Dreadlight (Audio bei YouTube)
  2. Halos 5:08
  3. Eternia 6:17 (Lyrics-Video bei YouTube)
  4. The Unsung Lamennt Pt. I – Apparition 5:49
  5. The Unsung Lamennt Pt. II – Silhouettes 5:37 (Lyrics-Video bei YouTube)
  6. Phoenix Trail 7:29
  7. Solarist 5:38
  8. Marta 6:25 (Video bei YouTube)