ARCHITECTS: The Here And Now

ARCHITECTS: The Here And Now

ARCHITECTS, das waren doch die, die mit „Hollow Crown“ fordernden Metalcore mit MESHUGGAH-Rhythmik und dosiertem Klargesang verbunden haben. Richtig, das waren sie, denn anno 2011 haben die Briten damit kaum noch etwas am Hut. Im Prinzip gibt es zwei Optionen, an „The Here And Now“ heranzugehen. Entweder lobt man den Mut zur Evolution und den Schritt, Fans des Vorgängers vor den Kopf zu stoßen, auch wenn die Entwicklung eher einem Umbruch gleichkommt denn einer konsequenten Weiterführung des Sounds. Oder man zerreißt die neue Platte ob ihrer Massentauglichkeit in der Luft, denn in der Tat unterscheiden sich ARCHITECTS mittlerweile nur noch wenig von anderen Emocore- / Metalcore- / Alternative-Bands – insbesondere von ATREYU sind viele Songs vom Grundgedanken her gar nicht so weit entfernt.

Verschachtelte Songstrukturen haben auf „The Here And Now“ keinen Platz

Die letztendliche Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Mutig im Sinne eines musikalischen Hinzugewinns ist „The Here And Now“ leider nicht und auch an Charakter und Profil haben ARCHITECTS heftig eingebüßt. Gute Songs gibt es aber trotzdem über weite Strecken zu hören, selbst wenn das geradlinige Konzept mit den vielen eingängigen Gesangslinien über die komplette Spielzeit hinweg doch einige Längen verzeichnet. Die Screams und Shouts wurden zwar nicht verbannt, kommen allerdings nur selten derart dominant zum Zug wie etwa in „Stay Young Forever“ und „Delete, Rewind.“, wo auch im Hintergrund allerhand Fingerakrobatik an der Leadgitarre betrieben wird.

Verschachtelte Songstrukturen und die besagten MESHUGGAH-Einflüsse haben auf „The Here And Now“ dafür keinen Platz mehr und wichen stattdessen straighten Rockern vom Schlage eines „BTN“. Sänger Sam Carter macht immerhin eine richtig gute Figur, hat eine charismatische Stimme und berührt insbesondere in den ruhigen, unverzerrt gespielten Parts. „An Open Letter To Myself“ und die Ballade „Heartless“ dürften in dieser Hinsicht wohl die Aushängeschilder sein; sind zugleich außerdem ein angenehmer Kontrast zu den schnellen und härteren Stücken „The Blues“ sowie „Stay Young Forever“.

ARCHITECTS verlieren ihre Alleinstellungsmerkmale

Angesichts der hochwertigen songschreiberischen Leistung wäre es also vermessen, von einem verwässerten Sound zu sprechen, zumal die Produktion trotz klarem Gesamtkonzept die Hardcorewurzeln der Band nicht verleugnet. Verschweigen darf man den Verlust, bzw. das bewusste Abstreifen der bisherigen Alleinstellungsmerkmale, jedoch ebenso wenig. „The Here And Now“ ist ein gutes Album, wenn auch eines unter vielen; die Faszination eines „Hollow Crown“ können ARCHITECTS mit dem Nachfolger zu keiner Zeit aufleben lassen. „The Here And Now“ ist also künstlerisch betrachtet weder besonders gewagt noch weichgespülter Ausverkauf, sondern schlicht ein unerwarteter Schachzug, der den Erwartungen alter Fans ausweicht und in eine neue Richtung durchstartet. Mit Erfolg? Nun, bei ATREYU und RISE AGAINST hat es in einem ähnlichen Rahmen auch geklappt.

Veröffentlichungstermin: 21.01.2011

Spielzeit: 39:16 Min.

Line-Up:
Sam Carter – Vocals
Tom Searle – Guitars
Alex Dean – Bass
Tim HB – Guitars
Dan Searle – Drums

Produziert von Steve Evetts
Label: Century Media

ARCHITECTS „The Here And Now“ Tracklist

01. Day In Day Out (Video bei YouTube)
02. Learn To Live (Video bei YouTube)
03. Delete, Rewind. (Video bei YouTube)
04. BTN
05. An Open Letter To Myself
06. The Blues
07. Red Eyes
08. Stay Young Forever
09. Heartburn (Video bei YouTube)
10. Year In Year Out/Up And Away

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.