ANGEL: A Woman´s Diary: Chapter 1

Von Gothic Rock bis Pop – große Bandbreite, Unentschlossenheit und Obszönität.

Ehrlich gesagt habe ich von diesem Album etwas gänzlich anderes erwartet. Singer / Songwriter-Musik, die uns jedes mal aufs Neue von Tori Amos, Kari Rueslattenund PJ Harvey verzaubert, doch ANGEL, die neue Band der zugegebenermaßen richtig schnuckeligen Helena Michaelsen, flirtet mit Gothic Rock – zumindest größtenteils.

Jedenfalls beginnt das Album gleich mit einer schmissigen Nummer, die Trauerklöße sofort auf die Tanzfläche zitieren dürfte. Aber ehrlich gesagt, das ist eher oberflächlicher Natur. So richtig tief will Fallen Angel nicht gehen. Besser ist da schon der darauf folgende Titeltrack, der mit satter Opulenz und ordentlich Theatralik hier und da Gänsehaut erzeugen kann. Doch auch poppige Nummern finden sich auf dem Album – ein Beweis für eine große Bandbreite, aber auch für Unentschlossenheit – dem Gesamteindruck kommen kitschig-schöne Popsongs wie Butterfly und Glow in the Dark jedenfalls nicht zugute. Dennoch beinhaltet die Musik einen roten Faden – die Stimme von Helena Michaelsen. Die passt geradezu perfekt zu den bombastischen Songs, doch auch über die etwas leiseren Stücke passt es recht gut.

Opulenz ist auch in Mother gegeben, ein eigentlich sehr trauriges Stück, das gänzlich ohne Gitarren auskommt, doch Helena setzt ihren Gesang viel zu kräftig und stark ein, so dass man den fragilen Text nicht wirklich ernst nehmen kann. Auch etwas missglückt ist das vollkommen obskure Darkness, das größtenteils aus hysterischem Gezwitscher und schrägen Samples besteht. Völlig daneben hingegen ist Flames of Desire, das mit einem tanzbaren Beat und Soprangesang ausgestattet ist und ein paar obszöne Stöhneinlagen bereithält. Weil, wie wir alle wissen: Sex sells.

Die Band steht zwar komplett im Hintergrund, doch die Musiker die aus Bands wie LACRIMOSAund BETHLEHEM stammen, liefern für den Egotrip ihrer Diva das Grundgerüst, ohne das dieses zweischneidige Album gar nicht möglich geworden wäre. Fakt ist, dass dieses Album gerade richtig ist für die NIGHTWISH-Zielgruppe, selbst wenn es teilweise ein wenig zu experimentell ausgefallen ist. Allen Lästereien zum Trotz sind auf A Woman´s Diary: Chapter 1 ein paar wirklich schöne Songs vertreten, gerade wenn sie etwas poppiger und bodenständiger sind. Dennoch kann dieses Album zu keiner Sekunde mit den Werken der oben genannten Ausnahmemusikerinnen mithalten.

Veröffentlichungstermin: 20. Juni 2005

Spielzeit: 53:39 Min.

Line-Up:
Helena Iren Michaelsen – Vocals, choirs

Jan Orkki Yrlund – Guitar, Programming

John Stam – Guitar

Gerry Verstreken – Bass

Steve Wolz – Drums

Audun Gronnestad – Orchestrations

Label: Black Lotus Records

Homepage: http://www.helena-michaelsen.com

Tracklist:
1. Fallen Angel

2. A Woman´s Diary

3. Little Princess

4. Butterfly

5. Lead You Through Fire

6. Mother

7. Glow in the Dark

8. Flames of Desire

9. Darkness

10. Little Girl

11. Love of My Life

12. Funeral