ALESTORM: Live in Tilburg

ALESTORM fahren auf “Live in Tilburg” ein schönes Kontrastprogramm auf, während sie das Publikum kurzerhand als sechstes Bandmitglied etablieren. Das allein setzt noch keine Maßstäbe, verkürzt aber die Wartezeit bis zur nächsten Tour.

So muss sich ein Seemann fühlen, der nach monatelangem Landaufenthalt endlich wieder den Ruf der Möwen und das Rauschen der Wellen vernehmen darf. Das Raunen und Tosen einer prall gefüllten Konzerthalle jagt uns dieser Tage einen Schauer über den Rücken – und ALESTORM scheinen das zu wissen. Denn „Live in Tilburg“ etabliert das Publikum kurzerhand als sechstes Bandmitglied, so präsent ist die Menge im finalen Mix.

Das ahnen wir bereits im Intro und bekommen es dann spätestens im Refrain des Openers „Keelhauled“ zu spüren. An Konzert-Feeling mangelt es der Platte somit keineswegs, die zudem recht authentisch und wenig nachbearbeitet wirkt – ein ALESTORM-Konzert darf auch Kanten haben. Einzig Gitarre und Bass gehen inmitten der Keyboardteppiche etwas unter, diesbezüglich hätte „Live in Tilburg“ gerne etwas mehr Saft vertragen.

ALESTORM fahren ein schönes Kontrastprogramm auf

Ein KO-Kriterium ist das jedoch kaum, da das Paket ansonsten stimmt: Die Show ist gut durchgetaktet, auch weil Pausen und Ansagen für die Live-CD größtenteils gekürzt wurden. Verzichten müssen wir zwar auf Material des aktuellen Werks „Curse Of The Crystal Coconut“ (2020) – „Live in Tilburg“ wurde bereits im Frühjahr 2019 aufgezeichnet -, ansonsten versorgen uns ALESTORM aber mit einem schönen Querschnitt ihrer Diskografie. Zu den obligatorischen Party-Tracks wie „Alestorm“, „Drink“, „Fucked With An Anchor” oder “Wolves Of The Sea” gesellen sich ein paar hymnischere Nummern Marke „1741 (The Battle Of Cartagena“ oder „Captain Morgan’s Revenge“.

Ein schönes Kontrastprogramm, das die Schotten über 76 Minuten auffahren, auch wenn die epischeren Stücke mangels orchestraler Instrumentierung etwas ‚dudeliger‘ intoniert werden als auf den Studioalben. Unterhaltsam ist „Live in Tilburg“ nichtsdestotrotz, wenngleich die Veröffentlichung in keinem Bereich neue Standards zu setzen vermag.

“Live In Tilburg” eignet sich zur Vorbereitung auf die nächste Kaperfahrt

Als Erinnerung an alte Zeiten und optimistischen Ausblick auf die kommende Konzertsaison erfüllt die Live-Platte ihren Zweck hingegen allemal. So lässt sich für ausgehungerte Fans die Durststrecke bis zur tatsächlichen Live-Erfahrung noch ein Weilchen überbrücken, bis endlich wieder das Raunen und Tosen von 2000 Kehlen die Ohren betäubt und sie ihrer Rolle als sechstes Bandmitglied alle Ehre machen dürfen. Als Anschauungsmaterial und zur Vorbereitung ist „Live in Tilburg“ dafür durchaus eine ordentliche Referenz.

Veröffentlichungstermin: 28.05.2021

Spielzeit: 76:00

Line-Up

Christopher Bowes – Vocals, Keytar
Máté Bodor – Guitars, Backing Vocals
Elliot Vernon – Keyboards, Vocals
Gareth Murdock – Bass, Vocals
Peter Alcorn – Drums

Produziert von Lasse Lammert (Mix und Mastering)

Label: Napalm Records

Homepage: https://alestorm.net/
Facebook: https://www.facebook.com/alestormband

ALESTORM “Live in Tilburg” Tracklist

1. Intro
2. Keelhauled
3. Alestorm
4. Magnetic North
5. Mexico
6. Over the Seas
7. The Sunk’n Norwegian
8. No Grave But The Sea
9. Nancy the Tavern Wench
10. Rumpelkombo
11. 1741 (The Battle of Cartagena)
12. Drunken Sailor
13. Hangover
14. Pegleg Potion
15. Bar ünd Imbiss
16. Captain Morgan’s Revenge
17. Shipwrecked
18. Drink (Mitschnitt bei YouTube)
19. Wolves of the Sea
20. Fucked with an Anchor