ANNIHILATOR, NEVERMORE, SOILWORK, RAWHEAD REXX am 25.03.01 in Nürnberg

ANNIHILATOR, NEVERMORE, SOILWORK, RAWHEAD REXX am 25.03.01 in Nürnberg

Über 5 Wochen waren die 4 Bands in Europa unterwegs und zum letzten Gig der Tour wurde der Nürnberger Club „Hirsch“ besucht, in welchem mittlerweile fast alle mittelgroßen Bands spielen. Sehr gut gefüllt war er, trotz des sicherlich nicht gerade günstigen Eintrittspreises von 40 Mark.

Aber dann passierte wieder etwas, was leider „typisch Hirsch“ ist. Einlass ab 20 Uhr. Die Einlasstür so breit wie eine normale Küchentür, kein separater Eingang für Leute mit Eintrittskarte und Konzertbeginn um 20.15 Uhr. Das ist Fan- und Bandverarsche. Nachdem ich Diktiergerät etc. zum Auto brachte und gegen dreiviertel Neun in der Halle war, sah ich nur noch die letzten 3 Songs von RAWHEAD REXX, welche auf dieser Tour ihr Debutalbum vorstellten. Die Band wirkte eingespielt, bestach durch ein gutes Stageacting und der Sänger poste mit freiem Oberkörper und Schweißbändern. Die Publikumsreaktionen waren o.k., wenn auch nicht überschwenglich wie es später am Abend der Fall sein sollte und da ich ja nicht allzuviel gesehen habe und auch mit dem Debutalbum nicht vertraut bin kann ich euch auch nicht viel mehr über RAWHEAD REXX berichten. Auf jeden Fall ein Opener, bei dem sich die Leute nicht langweilten.

Nach einer extrem kurzen Umbaupause ging es weiter mit SOILWORK. Und da war schon gleich um einiges mehr los. Die Band spielte hauptsächlich Songs ihres aktuellen Albums „A Predator`s Potrait“ und die Reaktionen der Fans waren teilweise sehr gut. Da es ja der letzte Gig der Tour war, tauchten auf einmal etliche bunte Luftballons hinter dem Drumkit der Schweden auf und der Sänger wurde von einem Crewmitglied (?) bei einem Song mit einem Einkaufswagen über die Bühne geschoben. Coole, aber leider auch einzige Aktionen dieser Art. Schade. Mit ihrem komplexen und verspielten Death Metal konnte ich schon auf CD (ich kann ja auch nicht zu jeder Art von Musik einen Zugang finden…) wenig anfangen, so beschränkte ich mich darauf mit ein paar Freunden an der Theke zu quatschen und freute mich so richtig auf die beiden nächsten Bands. Ach ja, ein Wort noch zu SOILWORK. Beim Verlassen der Halle habe ich einige Leute gesehen, welche sich ihre CD gekauft haben. Es scheint als hätten die Schweden viele neue Fans dazugewonnen.

Endlich. NEVERMORE stellen ihren aktuellen Output „Dead Heart In A Dead World“ vor. Richtig voll war es vor der Bühne als Warrel Dane mit coolem Lederoutfit und CRIMSON GLORY-mäßiger Silbermaske die Bretter die die Welt bedeuten betrat und „Nacrosynthesis“ anstimmte. Geiler Song, klasse, druckvoller Sound eine Band welche ständig bangte und mittendrin ein Halbgott am Mikro. Was will man mehr? „Inside Four Walls“ folgte und dann gab es erste Begrüßungsworte. Die Songs beschränkten sich fast nur aufs neue Album, vom Vorgänger gab es lediglich „Dreaming Neon Black“ und „Beyond Within“. Höhepunkt des Abends war zweifelsohne „Heart Collector“. Der Refrain wurde aus hunderten von Kehlen mitgesungen (ihr wisst schon: „Nevermore To Feel The Pain…The Heart Collector Sang“), und selbst mir, als gefühlskalten Menschen, bescherte das eine ganz schöne Gänsehaut. In der Mitte des Sets meinte Warrel Dane übrigens, dass er nicht mehr so gut bei Stimme wäre….war wohl ein Witz, ich habe selten einen Sänger gesehen, welcher selbst in den hohen Tönen noch so druckvoll rüberkommt. Überhaupt Warrel Dane…ohne die Leistung seiner Mitstreiter schmälern zu wollen, er ist jemand der alle Blicke auf sich zieht (wie später auch Jeff Waters) und einfach der geborene Frontman. Fast zu jeden Song gab es Ansagen, er verschwand kurz im Fotograben um kurz zu den ersten Reihen „Hallo“ zu sagen,… Kurzum: Ein hervorragender Auftritt einer hervorragenden Band. Fehlte eigentlich nur noch der SANCTUARY Klassiker „Future Tense“. Aber das sollte leider nur Wunschdenken bleiben. Normalerweise könnte man jetzt nach Hause gehen…

…aber nicht wenn die nächste Band ANNIHILATOR heisst! Es war schon kurz vor Mitternacht als die Kanadier anfingen, eines der besten Konzerte zu geben, welchem ich beiwohnen durfte.

Aber der Reihe nach: Mit „Denied“ und, „King Of The Kill“ ging es ja noch ganz solide los. Zwei sehr gute Songs, ein Joe Comeau welcher klasse sang und Jeff Waters wie eh und je total durchgeknallt. Weiter ging es mit „Set The World On Fire“ und hier gab es schon das erste „aha“- oder „kann nicht sein“-Erlebnis. Dieser melodiöse Track wurde von Joe Comeau 1:1 nachgesungen. Hätte man seine Augen geschlossen, wäre man sich wohl sicher gewesen, Aaron Randall würde auf der Bühne stehen. So ging das den ganzen Abend weiter. Bei den thrashigen Songs wie „W.T.Y.D“, „Alice In Hell (killt übrigens noch genauso wie vor 13 Jahren) oder „Bloodbath“ dachte jeder, Randy Rampage wäre zurück. Ja und bei „Never, Neverland“ oder „Phantasmagoria“, Coburn Pharr stünde wieder auf der Bühne. Wahnsinn, wie abwechslungsreich Joe Comeau singen kann. Der war die letzten Jahr bei OVERKILL wirklich verschenkt. Und sang er einmal nicht, so verschwand er geschickt hinter oder neben der Bühne und lies genügend Raum für Jeff Waters und sein verrücktes Gitarrenspiel. Es ist unglaublich was dieser Mensch mit seiner Gitarre anstellt, dabei noch von einem Ende zum nächsten rennt, ein Gesten- und Mimenspiel besitzt, welches man gar nicht beschreiben kann. Szeneapplaus gab es ständig und ich denke viele Hobbygitarristen haben nach diesem Abend aufgehört ihre Klampfe weiter zu bearbeiten. Jeff Waters rulte einfach und besitzt auch noch eine sehr natürliche und nette Art. Ein echter „Star“ eben. Viele Songs gab es vom neuem Album „Carnival Diabolous“, wobei besonders der Titeltrack und die AC/DC Hommage „Shallow Grave“ die besten Publikumsreaktionen hervorrief. Es war kurz vor 1 Uhr, als ANNIHILATOR ihren Set beendete und der Hirsch war immer noch voll. Daran sieht man auch, wie klasse der Gig war. Da konnte man einfach nicht eher nach Hause, oder gar an den nächsten Arbeitstag denken. Die Band spielte tight ohne Ende, es war einfach unglaublich. Wer nicht dort war ist selbst schuld.

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