ROAD TO MEMPHIS

ROAD TO MEMPHIS

Selbst in der Beale Street, dem einstmals pulsierenden Zentrum heißer schwarzer Musik im Herzen von Memphis, das heute nur mehr aus Souvenirläden und Touristenlokalen besteht, mag sich keiner mehr an Rosco Gordon erinnern. Nur der Musiker am Eingang eines Restaurants, der Kunden herbeisingen soll, erkennt den alten Blueshelden, ganz selbstverständlich legen die beiden mitten auf dem Bürgersteig eine improvisierte Session hin.

Es ist einmal mehr der Zauber der gefundenen Bilder, der den Reiz dieser liebevollen Hommage ausmacht. Unter verschiedenen Kapitelüberschriften montiert Regisseur Richard Pearce mit feiner Hand unveröffentlichtes Archivmaterial und verwehte Erinnerungen in schwarz-weiß zu zeitgenössischen Aufnahmen und famosen Konzertmitschnitten von 2001. Die Kamera verfolgt die Protagonisten von einst zu den alten Schauplätzen, begleitet Ike Turner in Sam Philips legendäre Sun Studios, wo auch Elvis seine ersten musikalischen Gehversuche machte, geht mit Bobby Rush auf Tour und folgt dem großen B.B. King zu WDIA, der ersten Radiostation, die schwarze Musik spielte und schwarze Moderatoren (darunter King selbst) beschäftigte.

So entsteht das leise, spannende Portrait einer musikalischen Epoche, in der der Blues noch dem schwarzen Mann gehörte und das Ersetzen des Wortes „Jesus“ durch „Baby“ in den Liedtexten einer Revolution gleich kam. In der Musiker und Produzenten noch ganze Kerle waren und es dennoch genauso ums Geld ging wie heute.

Der Blues, soviel steht fest, ist selbst in Memphis auf den Hund gekommen – zumindest, was die alte Schule angeht. Früher, erinnert sich Gordon, der mit 15 seinen ersten Cadillac kaufte, nach dem Ende seiner Karriere in einer Reinigung arbeitete und sechs Wochen nach den Dreharbeiten starb, wurde der Blues von einem oder zweien gespielt, „da stand keine Armee auf der Bühne.“ Und: „Sie spielten ihn nicht so laut.“

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.