URIAH HEEP, MOSTLY AUTUMN – 13.12.2001 Bad Laasphe, Connection

Es ist nie zu spät, ein Heep-Fan zu werden. Denn genau dann, wenn einem die aktuelle Szene mit ihren Trends, ihrer Verlogenheit und ihrer Schnellebigkeit so richtig auf den Sack geht, schlägt die Stunde der Perlen aus der Vergangenheit. Und zu denen gehören eindeutig Uriah Heep…

Es ist nie zu spät, ein Heep-Fan zu werden. Denn genau dann, wenn einem die aktuelle Szene mit ihren Trends, ihrer Verlogenheit und ihrer Schnellebigkeit so richtig auf den Sack geht, schlägt die Stunde der Perlen aus der Vergangenheit. Und zu denen gehören Uriah Heep eindeutig. Und wenn man sich daraufhin genauer mit der Band beschäftigt, erschleicht sich die Begeisterung über die unterschiedlichen Facetten der Briten den Weg direkt ins Herz!

Speziell in den Siebzigern, in denen Uriah Heep bis zu vier Platten in einem Jahr veröffentlichten, überschlugen sie sich geradezu vor Kreativität. Und immer wurde eine andere Grundstimmung in ihren Songs verarbeitet. Diese ging von mystischer Melancholie oder aggressiven Hardrockern bis zu poppigen Hits und getragenen Rhythmusstampfern.

Welche Gelegenheit also, nach über 30 Jahren Bandhistorie diese Combo in einer Headlinershow bewundern zu können. Und diese Gelegenheit nahm ich an einem kalten und stürmischen Dezemberabend im „Connection“ in Bad Laasphe (nahe Marburg) war. Das „Connection“ ist eigentlich eine standartgemäße Disco, deren Frontseite zu einer großen Bühne umgebaut wurde, während sich das Fanvolk auf der Tanzfläche, auf den Treppen ringsum und auf der Tribüne ausbreitete.

Aufgewärmt wurde das Publikum von Mostly Autumn, die ihrem Namen alle Ehre machten und ideal zum dunklen Spätherbst zu passen schienen. Warme Klänge, vorgetragen von einem 7-köpfigen Ensemble, deren Vorbilder auf die Namen Pink Floyd, Jethro Tull, Genesis und in härteren Momenten Deep Purple hören. Der zusätzliche weibliche Gesang, die Violine und die Flöte wussten richtig eingesetzt zu werden und auch die Optik war mit der liebreizenden Heather Findlay am vorderen Bühnenrand richtig ausbalanciert.

Richtig gerockt haben dann allerdings erst die 5 Rockopas Phil Lanzon, Bernie Shaw, Mick Box, Lee Kerslake und Trevor Bolder, das bereits 14. Line Up von Uriah Heep. Die Stimmung im Publikum bekam einen kräftigen Schub und bereits in der ersten Minute zündete der Funken. Von der Bühne schwappte eine unglaublich positive Energie aufs Publikum über. Der Spaß an ihrer Arbeit stand speziell Vokalist Bernie Shaw und Guitarwizard Mick Box im Gesicht geschrieben und das breite Grinsen der beiden sollte den gesamten Gig nicht mehr verschwinden. Die Reihen im „Connection“ waren zwar nicht besonders stark gefüllt und auch die „aktiven Körperbewegungen“ der Zuschauer waren nicht gerade exstatisch (der Altersdurchschnitt lag dementsprechend hoch), der Jubel nach jedem Song steigerte sich jedoch im Laufe des Sets bis in ohrenbetäubende Dezibelstärken. Bei Songs wie ‚Return To Fantasy’, ‘Sunrise’ und dem obergöttlichen ‘Gypsy’ allerdings auch kein Wunder! Zum Song ‚Magicians Birthday’ kam die Band sogar uniform gekleidet mit roten Fliegen um den Hals auf die Bühne. Eine witzige Aktion, die Bezug nahm auf das denkwürdige Heepweekend vom 6.-8. Dezember in London. Es war immerhin noch keine Woche vergangen, seitdem die Heepsters diverse Ex-Mitglieder (Ken Hensley, John Lawton und John Wetton) ins „Shepherds Bush“ in London zu „The Magicians Birthday Party“ einluden und mit vielen DieHard Fans einige denkwürdige Gigs auf die Beine stellten. Das gleichnamige Album kam übrigens im November 1972 heraus, hatte also keinen Geburtstag. Ebenso treffend war auch die gesamte Tour betitelt: „The Magician´s Christmas Party“, die Uriah Heep im Dezember durch Holland und Deutschland führte. Aber zurück zum Gig in Bad Laasphe, denn erwähnenswert ist auch, dass einige Tracks wie das mystische ‚Rainbow Demon’ und das 95er Meisterstück ‚Against The Odds’ nicht im Set auftauchten (was speziell bei mir für ein langes Gesicht sorgte). Dafür wurde ein nicht unbedingt erforderliches Gitarrensolo von Mick Box eingebaut, der ganz im Wizardstyle wilde Handebewegungen dazu gestikulierte. Zuvor zeigte auch das (neben Mick) zweite Mitglied des legendären klassischen Line-Ups Lee Kerslake sein Können hinterm Drumkit. Doch irgendwann hat jeder Auftritt sein Ende und nach ca. 100 Minuten und vielen weiteren Klassikern war nach der zweiten Zugabe in Form vom obligatorischen Alltime Hit ‚Lady In Black’ Schluß! Wer lange genug geblieben ist, konnte mit den immer freundlichen Musikern noch einige Worte wechseln. Ich begab mich mit meiner Crew allerdings auf den langen Heimweg, bei einem Konzert mitten in der Woche leider ein notwendiges Übel.

Jens Koch

Photos: Andree Schneider

(Deep Purple Tribute Band Demon´s Eye)
Dank an: Louis Rentrop