SUBWAY TO SALLY, MONO INC.: München, Muffathalle, 26.04.2009

Im Gespräch mit Schlagzeuger Simon Michael ließ dieser vor rund zwei Monaten verlauten, dass die Tour zum aktuellen Album „Kreuzfeuer“ alles in den Schatten stellen würde, was SUBWAY TO SALLY je in punkto Bühnenshow aufgefahren hätten. Damit mag er zwar prinzipiell nicht übertrieben haben, nur trifft das leider nicht vollständig auf das Münchner Gastspiel zu.

MONO INC.

Zunächst einmal dürfen jedoch MONO INC. ran, welche die Potsdamer Folk-Rocker auf der diesjährigen Tour begleiten und so auch an diesem Abend um kurz nach Acht vor eine gut gefüllte Muffathalle treten. Laut eigener Aussage ist es sogar der erste Auftritt der Band in der bayerischen Landeshauptstadt, weshalb Frontmann Martin Engler passend witzelt, dass der erste Eindruck bekanntlich entscheidend sei – für beide Seiten.

Nun, wenn es nach uns geht, dann kann man es auch dabei belassen. Denn musikalisch haben MONO INC. nicht viel mehr zu bieten als den seichten, klischeebeladenen Gothic-Rock, den es überall zuhauf gibt und den die kleine Schwester während ihrer schwarzen Phase ganz toll findet. Soll heißen, dass das zumeist sehr gleichförmige Material wenig Überraschendes bietet und erwartungsgemäß vom Wir-sind-böse-aber-eigentlich-doch-nicht-so-richtig-Riff bis zur kitschigen Düsterballade alles vertreten ist.

Aber es geht ja nicht nach uns und deshalb darf sich das Quartett über für Vorbandverhältnisse große Resonanz freuen. Das Publikum zeigt sich bei Stücken wie „Bloodmoon“ textsicher und wird sogar regelmäßig zu aktiver Partizipation aufgefordert, was auch bereitwillig erwidert wird. Der Applaus, den die sympathische Formation nach ihrem 45-minütigen Auftritt erntet, belegt schlussendlich, dass es wohl immer noch ein großes Publikum für derartige Musik gibt. Wir gehören da allerdings nicht dazu.

SUBWAY TO SALLY

Nachdem es schon im Laufe der Vorband mit der Bewegungsfreiheit recht eng geworden ist, wird es während der Umbaupause nochmal ein ganzes Stück kuscheliger. Rund 1400 Fans warten ungeduldig auf den Headliner des Abends. Lange lassen SUBWAY TO SALLY ihre Anhänger auch nicht zappeln, denn schon um 21:05 Uhr wird es dunkel und das Intro von „Komm in meinen Schlaf“ ertönt.

Eigentlich ist es ja schon eine coole Idee, mit dem kontroversesten Song von „Kreuzfeuer“ anzufangen. Aber so gut der Track auf Platte auch sein mag, als Opener tun sich die Potsdamer damit keinen Gefallen. Die Einleitung mit Frauengesang vom Band vermag nicht die rechte Atmosphäre zu erzeugen und das Stück selbst ist, trotz Pyroeinsatz zu Beginn, viel zu schleppend und ruhig, um die Meute vor der Bühne auf Touren zu bringen. Die muss schon auf das anschließende „Aufstieg“ warten, um richtig losfeiern zu können.

SUBWAY TO SALLY haben schon früh perfektes Live-Material in der Hinterhand

Von da an wird das Konzert allerdings weitgehend zum Selbstläufer. Mit „Besser, Du Rennst“, „Knochenschiff“ und „Veitstanz“ hat man schon früh perfektes Livematerial in der Hinterhand, so dass beste Stimmung in der brütend heißen Muffathalle garantiert ist. So kann man auf halber Strecke mit der Akustikversion von „Kleid aus Rosen“ sowie „Minne“ auch gefahrlos einen ruhigen Block einschieben. Da sich das Septett zudem in bester Spiellaune befindet, viel mit dem Publikum kommuniziert und auch noch eine äußerst abwechslungsreiche Setlist im Gepäck hat, die nebenbei bemerkt nur ganz wenige Wünsche offen lassen dürfte, steht einem fantastischen Konzert eigentlich nichts mehr im Wege.

Wieso aber dann die Bemerkung zu Beginn? Nun, es liegt weder an SUBWAY TO SALLY noch am Publikum oder der grandiosen Lightshow, die mit drei großen LED-Wänden im Hintergrund und unzähligen Scheinwerfern begeistert. Die Wermutstropfen stecken diesmal im Detail. So haben wir während des gesamten Konzerts mit einem sehr basslastigen und undifferenzierten Sound zu kämpfen. Was in den vorderen Reihen einen unerträglichen Brei bedeutet, wird erst auf Höhe des Mischpults halbwegs akzeptabel und lässt dort Frau Schmitts Geige zumindest ein wenig aus dem Gemisch hervorstechen.

Kleinere Pannen trüben die Bühnenshow

Was den Auftritt weiterhin etwas trübt, ist die abgespeckte Pyroshow. Zwar ist der stark reduzierte Einsatz der Flammenwerfer und die Wegrationalisierung einiger Effekte schade, schlechter wird ein gutes Konzert dadurch aber nicht. Schädlich ist für die Atmosphäre jedoch das nur mäßig funktionierende Alternativprogramm. So stehen den wie immer tollen Feuerspuckeinlagen bei „Veitstanz“ und „Mephisto“ kleinere Pannen wie ein ausgefallener Flammenwerfer bei „Aufstieg“ und der ziemlich kopflos anmutende Pyroeinsatz während „Tanz auf dem Vulkan“ gegenüber. Dies lässt die Platzierung der Effekte teilweise unrund und wenig durchdacht wirken. Ein Novum bei SUBWAY TO SALLY, denn Feuer um seiner selbst Willen gibt es bei den Folk-Rockern sonst nicht.

Natürlich ist das Kritik auf sehr hohem Niveau und eine solide Show von SUBWAY TO SALLY bedeutet immer noch ein tolles Erlebnis. Aber dennoch kommt der Blick fürs Detail nicht von ungefähr, schließlich hat die Formation in den vergangenen Jahren die Messlatte für sich selbst sehr hoch gelegt.

Nichtsdestotrotz bleibt abschließend festzuhalten, dass uns auch das diesjährige Gastspiel der Sieben ein sehr schönes Konzerterlebnis bereitet hat, das nach sagenhaften 125 Minuten und zwei Zugabenblöcken mit dem fast schon epischen „Vater“ einen würdigen Abschluss findet. Denn dass SUBWAY TO SALLY zu den besten Livebands Deutschlands zählen, merken wir sogar, wenn Mal nicht alles perfekt läuft.

SUBWAY TO SALLY Setlist

  1. Komm in meinen Schlaf
  2. Aufstieg
  3. Besser, Du Rennst
  4. Knochenschiff
  5. Unsterblich
  6. So Fern, So Nah
  7. Judaskuss
  8. Liebeszauber
  9. Veitstanz
  10. Kleid aus Rosen
  11. Minne
  12. Die Trommel
  13. Einsam
  14. Eisblumen
  15. Falscher Heiland
  16. Die Jagd beginnt
  17. Alle Psallite Cum Luya
  18. Mephisto
  19. Sag dem Teufel
  20. Tanz auf dem Vulkan
  21. Auf Kiel
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  22. Ohne Liebe
  23. Sieben
  24. Julia und die Räuber
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  25. Fatum
  26. Vater

Fotogalerie: SUBWAY TO SALLY, MONO INC.

Florian Schaffer
Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal.