NAZARETH: live am Dienstag, 21. März 2006 im Hirsch, Nürnberg

NAZARETH mal wieder in der Stadt – ein Abend, auf den sich nicht nur der gnadiator schon lange gefreut hat …

Es ist eines jener Rock-Rituale, wie sie in der Stadt seit Jahren regelmäßig über die Bühne des Nürnberger Musikclubs Hirsch gehen: Eine mehr oder minder in Ehren gealterte Kapelle, der Saal voller Altfans, die Stimmung nostalgisch. So auch die Rahmenbedingungen für das Gastspiel von NAZARETH, die nach langer Zeit mal wieder in Nürnberg vorbeischauen — ohne aktuellen Tonträger und den damit einhergehenden Druck, diesen auch noch groß bewerben zu müssen.

Und das ist gleich mal der erste Grund, der für das Hardrock-Urgestein aus dem schottischen Dunfermline spricht: Die jüngeren Lieder stehen den alten Hits nicht groß nach. Das war schon vor 14 Jahren so, als NAZARETH im Erlanger E-Werk gegen die Kollegen von URIAH HEEP antrat (beide Truppen damals schon tief in der Dinosaurier-Liga). Während sich bei Mick Box & Co. eklatante Stimmungsschwankungen zwischen altem und neuen Material auftaten, rockte The Naz’ wie aus einem Guß durch. Was für die Homogenität des schottischen Schaffenswerkes spricht.

Und das lebt auch 37 Jahre nach der Bandgründung nach wie vor von den immergrünen Grundzutaten einer hart arbeitenden Rock-Truppe: Simple, aber handfeste Gitarrenriffs, pumpende Bassläufe und ein mächtig drückendes Schlagzeug. Hinzu gesellen sich hier die markante Reibeisen-Röhre von Sänger und Frontmann Dan McCafferty und ein goldenes Händchen für Balladen. Mit den in den Classic-Rock-Radiostationen rund um den Globus dauerrotierenden Tränendrückern Dream On und Love Hurts sollten die Musiker bei einem halbwegs steten Lebenswandel eigentlich bis zum Ende ihrer Tage ausgesorgt haben und nur noch des Spaßes wegen auf die Bretter steigen — was hier offensichtlich der Fall ist.

Andererseits macht das Nürnberg-Gastspiel auch klar, dass NAZARETH nie zu den stilprägenden Protagonisten ihrer Epoche zählten. Dafür ist der Sound dann doch zu hausbacken und angestaubt. Nichtsdestotrotz: Ein solider Rockabend und ein Wiedersehen der angenehmen Art.