MOONA METAL FEST 2004: Der Bericht

Das Moona Metal Fest hätte einen besseren Startschuss nicht haben können und war eine hervorragende Symbiose aus Stressfreiheit und ausgelassener Stimmungslage, die sich besonders bei den größeren Acts als gefällig erwies.

Warm-Up-Show – Freitag, 11.06.04

TYRAX | ABANDONED | FRAGMENTS OF UNBECOMING | DESASTER

Samstag, 12.06.04

DEW-SCENTED | CALLENISH CIRCLE | TANKARD | GRAVE DIGGER

Sommerfestivals gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Dies bekommt man spätestens dann zu spüren, wenn man ein ebensolches besucht und anschließend sein Gefährt auf dem offiziellen Parkplatz abstellt – ein gefundenes Fressen für Verteiler von Werbeflyern. Dass die Automobilindustrie zwar bereits hochentwickelte Kraftstofffilter, bislang aber keine Spamfilter in ihre Fahrzeuge integriert, macht sich beim Mustern der zahllosen Flugblätter durchaus auch positiv bemerkbar, denn häufig findet sich darunter der ein oder andere ungeschliffene Rohdiamant. So zum Beispiel die Handzettel für das Moona Metal Fest, welche dieses Jahr zum ersten Mal unter den Scheibenwischern klebten.

War das Event ursprünglich als Open-Air geplant, einigten sich die Veranstalter für die Festivalpremiere schließlich doch auf ein Indoor-Event in der noch jungen Live Arena zu Münster, was sich dank ausbleibender Hitze und durchgehendem Regen an diesem Wochenende auch als segensreich herausstellte. Die Arena ist bereits seit einigen Monaten ein Garant für gut organisierte Live-Konzerte und schließt somit die Lücke, die der Abriss der Offenbacher Hafenbahn im Rhein-Main-Gebiet in Sachen Rock-Schuppen verursacht hat. Organisationstechnisch gab es tatsächlich recht wenig zu meckern: Die Parksituation war hervorragend, da direkt neben der Halle ein angemessener Parkplatz vorhanden ist, das Personal war insgesamt freundlich und die Getränkepreise auf einem durchschnittlichen Niveau. Diese positiven Eindrücke sind zwar vornehmlich der sympathischen Location zuzuschreiben, aber besonders lobenswert ist auch das mit durchweg erstklassigen Livebands gespickte und dabei enorm abwechslungsreiche Billing, mit dem die Veranstalter ein breit gefächertes Publikum in die Arena lockten. Sicherlich haben sich Bands wie DEW-SCENTED und GRAVE DIGGER auf deutschen Festivalbühnen in den letzten Jahren nicht gerade rar gemacht, aber sämtliche Acts hatten ein mehr oder weniger aktuelles Studioalbum vorzuweisen und im Falle der Totengräber konnte man den Auftritt sogar noch zur offiziellen Rheingold-Tournee zählen.

Desweiteren war es rühmlich, dass die Veranstalter nicht nur bereits populäre Hochkaräter in das Aufgebot integrierten, sondern auch den Underground unterstützten, indem sie mit ABANDONDED und SENCIROW zwei weitestgehend unbekannte, keineswegs aber minderwertige Kapellen eingliederten. Diese setzten sich anfang Mai in einem Bandcontest, der ebenfalls in der Live Arena veranstaltet wurde und der Qualifikation für diesen Festivalauftritt diente, gegenüber zwei anderen Newcomern durch. War es der Siegerband SENCIROW möglich, am Festivalsamstag das Geschehen zu eröffnen, so durften die zweitplatzierten ABANDONED an der am Freitag stattfindenden Warm-Up-Show, bei deren Headliner es sich immerhin um die deutsche Death/Thrash-Hoffnung DESASTER handelte, teilhaben. Auch wenn am Freitag im Vergleich zum eigentlichen Hauptfestival nur ein geringer Bruchteil der Besucher den Weg in die Live Arena fand, so feierten die Anwesenden das klasse Package doch recht ausgiebig Von der Zusammensetzung her war also an beiden Tagen für jeden Metalhead etwas brauchbares dabei, weil verschiedene Musiksparten mit soliden Vertretern, die allesamt mehr oder weniger überzeugen konnten, abgedeckt wurden. Da die Vorstellung dank des angemessenen Eintrittspreises von 17 Euro (VVK) nicht ganz ausverkauft, aber in jedem Falle gut besucht war, entstand eine hervorragende Symbiose aus Stressfreiheit und ausgelassener Stimmungslage, die sich besonders bei den größeren Acts als gefällig erwies.

Einen besseren Startschuss hätte das Moona Metal Fest wohl nicht erfahren können, weshalb es wohl außer Frage steht, dass dessen Organisatoren sich auch im nächsten Jahr wieder für zahlreiche begeisterte Metalheads verantworten werden.

WARM-UP-SHOW – FREITAG, 11.06.04

TYRAX

(nach oben…)

Nach einem eingespielten Intro eröffneten die bayrischen Death-Metaller TYRAX auf bemerkenswert positive Weise das Festival. Obwohl die Halle zu diesem Zeitpunkt noch etwas schwach besucht war, mühte sich das Quintett doch sehr und die Fans vor der Bühne wussten dies mit anerkennendem Applaus auch zu honorieren. Besonders gespannt durfte man sein, wie die Band das durchaus überragende Songmaterial des letzten Demos War In Heaven live umsetzen würde, hatte sie doch mit diesem durchweg positive Kritiken einfahren können. Auch wenn ein druckvoller Sound bei dieser Truppe noch auf sich warten ließ, so handelt es sich bei TYRAX um eine hervorragende Liveband, weshalb Perlen wie der Titeltrack und der Smash-Hit Eradication Day live noch mehr überzeugen konnten als auf dem besagten Tonträger. Für letzteren Song drehte die Band letztes Jahr übrigens einen selbstproduzierten Videoclip, auf welchen die Musiker durch das Verteilen einiger Datenträger an das Publikum aufmerksam machten. Einen entscheidenden Anteil am großartigen Gesamteindruck hatte wohl die dynamische Bühnenpräsenz des Sängers Frank Ruppert, dessen Stimme mit einer Wucht daher kam, wie sie die bescheidene Produktion des Demos so nicht einfangen konnte und deshalb auch der letzte Kritiker positiv überrascht wurde. Auch seine witzigen Ansagen schienen den Nerv des Publikums zu treffen und als sich die Band einen kleinen Fehlstart leistete und der Song After Life Pain Dies daher eine Ehrenrunde drehen musste – dies hat die ein oder andere renommierte Kapelle auch schon aus dem Konzept gebracht – rettete Ruppert den Vorfall mit einem spontanen Das ist ein neuer Song von uns … gut oder?. Einziger Minuspunkt der wirklich unterhaltsamen Dreiviertelstunde waren der Schlagzeugsound und das zumindest vereinzelt etwas ungenaue Drumming von Jochen Paul, der an diesem Abend wohl nicht unbedingt seinen besten Tag erwischt hatte – da der Monitorsound auf der Bühne aber scheinbar ziemlich spärlich ausgefallen war und die leichten Holprigkeiten in der Double-Bass das positive Gesamtbild nur geringfügig beeinflussten, war dies wirklich absolut entschuldbar und störte die Anwesenden wohl recht wenig. TYRAX ist also eine Band, die durchaus Potenzial hat, sich binnen weniger Jahre zu einem der ganz großen Acts im Death-Metal Bereich zu mausern, vielleicht aber noch etwas mehr Praxis im Zusammenspiel und somit noch etwas Zeit brauchen könnte. Jedenfalls wurde die Band ihrer Rolle als Opener mehr als gerecht und machte Lust auf das restliche Programm.

ABANDONED

(nach oben…)

Ein treibendes Schlagzeugintro eröffnete nach einer relativ kurzen Umbaupause den Auftritt der Darmstädter Thrash-Formation ABANDONED und sofort wurde klar, dass diese Band mit einem wesentlich druckvolleren und dabei trotzdem noch transparenten Soundgewand daher kam. Die Meute begrüßte die vier Musiker, die einzeln auf der Bildfläche erschienen und das Schlagzeugspiel von Konrad Cartini nach und nach ergänzten, mit tosendem Applaus. Es war spürbar, dass der Herkunftsort dieser Band nicht allzuweit entfernt war, hatte sich die Stimmung im Vergleich zur Vorband doch schlagartig verbessert, ohne dass ABANDONED überhaupt richtig losgelegt hatten. Die zunächst überschwänglich erscheinende Publikumslaune rechtfertigte sich allerdings ziemlich schnell, denn die Mannen um den ausdrucksvollen Frontshouter Eric Kaldschmitt glänzten durch technisch einwandfrei zelebrierten Thrash Metal, der durchaus mit dem Material diverser Bay Area-Ikonen verglichen werden kann. Neben den spielerischen Vorzügen und dem wirklich großartigen Songmaterial war es in erster Linie die enorme Publikumsnähe, die der charismatische Sänger versprühte. Mit völlig bodenständiger Selbstironie gestaltete er seine Ansagen, so kündigte er die ein oder andere Komposition mit breitem Grinsen als ungeschliffenen Rohdiamanten oder Gassenhauer erster Güte an. Solche Bescheidenheiten haben ABANDONED allerdings nicht wirklich nötig, denn die Qualität dieser Songs ist tatsächlich immens. Die geniale Eigenproduktion Misanthrope konnte dies mit zahlreichen positiven Kritiken im vergangenen Jahr bereits unter Beweis stellen. Dampfhämmer wie I Am The Sun und Forcefed 240 gehen voll auf die Zwölf, sind dabei intelligent arrangiert und strotzen nur so vor Virtuosität. Vergleicht man den Auftritt mit dem restlichen Angebot des Abends, so lässt es sich nur schwer nachvollziehen, dass sich das Quartett diesen lediglich durch einen zweiten Platz (!) im erwähnten Bandcontest der Live-Arena möglich gemacht hatte. Keine Band an diesem Abend, vielleicht sogar auf dem ganzen Festival hatte das Publikum derartig im Griff, präsentierte sich auf solch liebenswürdige Art und Weise und spielte dabei mit einer solch messerscharfen Genauigkeit. Eben aus diesem Grund waren ABANDONED die moralischen Sieger des Moona Metal Fests und konnten mit Sicherheit den ein oder anderen Fan hinzugewinnen. Hoffentlich dauert es nicht mehr all zu lange, bis sich eine passable Plattenfirma diesen Hochkaräter unter den Nagel reißt!

FRAGMENTS OF UNBECOMING

(nach oben…)

Mit sympathischer Publikumsnähe war es dann allerdings erstmal vorbei: Die Schweden-Deather FRAGMENTS OF UNBECOMING betraten nämlich die Bühne und es schien an diesem Abend so, als hätte es der Vierer ganz besonders eilig, von dort auch wieder zu verschwinden. Die Band spielte ihr Set nämlich im Eiltempo herunter, ohne zwischen den Songs besonders viel Raum für Ansagen zu lassen – gegen diese hätte der ein oder andere Zuschauer mit Sicherheit nichts einzuwenden gehabt. Stattdessen beschränkte sich Sänger Stefan Weimar auf ein etwas unbeholfen wirkendes Brüllen der Songtitel und ich frage mich, ob wenigstens die restlichen Musiker der Band diese ansatzweise verstehen konnten. Jedenfalls beobachtete das Publikum das doch etwas befremdende Auftreten der Band teilweise von den seitlich in der Halle befindlichen Sitzgruppen und vor der Bühne eröffnete sich eine üppige Tanzfläche. Abgesehen von diesem nicht gerade unbeachtlichen Defizit konnte die Band musikalisch durchaus überzeugen, schließlich hatten FRAGMENTS OF UNBECOMING mit dem Metal Blade-Release Skywards – A Sylphe´s Ascension einen recht passablen Tonträger in der Hinterhand und konnten diesen live auch adäquat umsetzen. Auch der AT THE GATES-Kultsong Blinded By Fear wurde qualitätsmäßig einwandfrei adaptiert und konnte immerhin vereinzelte Gäste wieder in die Nähe des Geschehens locken, der erwartete Szenenapplaus blieb allerdings auch hier aus. Auch wenn die Band an diesem Abend durchaus technisches Potenzial aufweisen konnte, so müssen sich die Hessen in Sachen Bühnenpräsenz noch gehörig steigern, wenn man den nächsten Schritt auf der Erfolgsleiter gehen möchte…

DESASTER

(nach oben…)

Es ist mir immer wieder ein großes Rätsel: Da liefern die Jungs von DESASTER seit nunmehr acht Jahren stets überdurchschnittliche Alben und hervorragende Live-Auftritte, sind aber in der Metalszene nach wie vor ein weitestgehend unbeschriebenes Blatt – und das, obwohl die Presse diese Band schon seit Jahren über den grünen Klee lobt. Vielleicht hat es mich gerade deshalb gefreut, dass die Situation an diesem Abend einfach vollkommen anders war, denn die meisten der Besucher waren extra wegen der deutschen Death-/Thrash-Formation angereist und feierten diese frohlockend. Wäre beim Vorgänger vor der Bühne noch ausreichend Platz für eine Partie Hallenfußball gewesen, tummelten sich hier schon beim Umbau nahezu alle Metalheads in der Nähe des Geschehens. Mit Profanation eröffnete das Quartett schließlich ein ausgelassenes Spektakel und die Stimmung in der Arena erreichte höchte Dimensionen, was nicht zuletzt auf die herzliche Art und Weise, mit der sich die Musiker präsentierten, zurückzuführen ist: So behielten es sich die Akteure nicht vor, zwischen ihren musikalischen Glanzleistungen auch das ein oder andere Bier zu konsumieren – Sänger Sataniac ermunterte die Menge neben liebenswürdiger Ansagen mit vereinzelten Prost!-Rufen – und Gitarrist Infernal kämpfte auf ebenso sympathische Art des öfteren mit seinem Kabel, welches an diesem Abend wohl etwas widerspenstig gesinnt war. Sofern dieses aber einsatzbereit war, entfachten die Koblenzer ein wahres Thrash-Feuerwerk, darunter bandinterne Klassiker, wie Teutonic Steel oder die Überhymne Metalized Blood, die von den zu diesem Zeitpunkt euphorischen Fans auch angemessen mitgegröhlt wurde. Dass mit zunehmendem Alkoholpegel die spielerische Präzision ein klein wenig zu leiden hatte, störte unter den restlos zufriedenen Zuschauern wohl niemanden mehr. Dann war es bereits Zeit für eine Zugabe – diese wurde selbstversändlich lautstark gefordert – und DESASTER performten das SEPULTURA-Cover Troops Of Doom, um danach noch einmal im eigenen Backkatalog zu blättern und mit Witchcraft einen Song aus der Frühphase der Combo auszugraben. Insgesamt wurden DESASTER ihrem Headlinerstatus also mehr als gerecht, überzeugten in puncto Bühnenpräsenz und konnten die Menge über die gesamte Länge des Auftritts bei Laune halten. Daumen hoch für eine wirklich sympathische Live-Band – das ist in diesem Genre wirklich nicht immer der Fall!

SAMSTAG, 12.06.04

DEW-SCENTED

(nach oben…)

Nun, manchmal kommt eben alles anders: Da fährt man auf eine falsche Autobahnauffahrt und bemerkt erst nach etlichen Kilometern, dass man die ganze Zeit in die falsche Richtung gefahren ist – und das, obwohl man in meinem Falle schon am Vortag den richtigen Weg zur Live-Arena problemlos zurückgelegt hatte! Diesen merkwürdigen Orientierungsproblemen fiel leider der Auftritt der Siegerband des erwähnten Newcomer-Wettbewerbs, SENCIROW, zum Opfer, denn diese spielten bereits ihren letzten Song, als ich gegen 19 Uhr die Pforten der Arena passierte. Trotzdem sei gesagt, dass die Power Metaller einen durchweg positiven Eindruck hinterließen – das konnte man dem anerkennenden Applaus eindeutig entnehmen. Nach einer kaum erwähnenswerten Umbaupause starteten anschließend die deutschen Thrash-Lieblinge DEW-SCENTED ihren Auftritt und sofort war die Stimmung in der Halle immens. Während das Parkett am Vorabend noch einige Lücken aufzuweisen hatte, wurde das eigentliche Hauptfestival von erwartungsgemäß deutlich mehr Metalheads heimgesucht, welche die Band schon beim Opener Unconditional ausgelassen feierten. Frontröhre Leif Jensen machte seine Sache an diesem Abend wirklich hervorragend – Fans der Band dürften ihm mittlerweile sowieso schon aus der Hand fressen – und er hatte wirklich keine Schwierigkeiten, den Mob über den gesamten Zeitraum der gespielten Dreiviertelstunde zu unterhalten. Als sich der Sänger schließlich erkundigte, ob jemand im Publikum den Auftritt von DESASTER am Vorabend gesehen habe, traf er ebenso ins Schwarze, denn viele der Anwesenden hatten deren großartige Show noch genau vor Augen und reagierten deshalb mit ausgelassenem Jubel. Highlight des Gigs war wohl das geniale Cities Of The Dead vom aktuellen Impact-Album, dass für die meisten Gäste als Anlass dazu empfunden wurde, gelegentlich die eigene Haarpracht in Szene zu setzen. Auch dass abschließende Acts Of Rage fand erneut hohen Anklang beim Publikum und somit beendeten DEW-SCENTED eine rundum gelungene Vorstellung und die Band konnte wieder einmal ihren hervorragenden Ruf, in puncto Live-Gigs zu den besten deutschen Thrash-Bands zu zählen, mühelos bestätigen.

CALLENISH CIRCLE

(nach oben…)

War der Raum vor der Bühne an diesem Abend bis dato ziemlich gut besetzt, ergriffen nun einige der Gäste plötzlich die Flucht, was aufgrund der Tatsache, dass die Death-Metaller CALLENISH CIRCLE an der Reihe waren, ziemlich unverständlich erschien. Nun, immerhin handelte es sich bei den Niederländern um die einzigen Akteure dieses Festivals, die einen deutlich weiteren Anreiseweg als maximal eine halbe Stunde hatten zurücklegen müssen und wesentlich seltener in dieser Gegend verkehren als der teilweise schon überpräsente Rest der Running Order. Scheinbar waren CALLENISH CIRCLE aber nicht gerade der Act, wegen dem der Hauptteil der Zuschauer nach Münster/Breitefeld gekommen war, jedenfalls wiesen die zahlreichen TANKARD-Shirts unter den nach draußen stürmenden Gästen darauf hin – offensichtlich wollte man während der folgenden Dreiviertelstunde noch einen zulänglichen Alkoholpegel akquirieren, um seine Lieblinge auch entsprechend gerüstet empfangen zu können. Schade, dass diese Leute aus einem solchen Grund den wirklich grandiosen Auftritt der Holländer verpasst haben. Überflüssigerweise schlichen sich allerdings gleich beim Opener Soul Messiah einige Probleme im Soundgefüge ein – die Gitarrenverstärker waren anfangs auf Zimmerlautstärke eingestellt, die Bassdrum versteckte sich zu Beginn vollkommen im Soundwall um sich schließlich nach einigen Minuten mit angemessener Itensität zu den anderen Instrumenten zu gesellen. Diese Querelen konnten zwar selbst Laien nicht entgehen, jedoch änderten sie nichts an der positiven Energie, welche die fünf Musiker von der Bühne aus absonderten, zumal die technischen Probleme auch lediglich den Beginn des Konzertes markierten. Spätestens beim großartigen Forsaken dröhnte ein einwandfreier Sound aus den Boxen und die gute Laune der Musiker sprang auch schnell auf das Publikum über – man konnte beobachten, dass sich nach und nach immer mehr Leute näher an das Geschehen heranwagten und die Stimmung kontinuierlich besser wurde. Auch wenn die Publikumslaune zu keinem Zeitpunkt eine echte Analogie zur Euphorie beim DEW-SCENTED-Gig bilden konnte, waren die Holländer sichtlich begeistert, als beim ruhigen Intro von What Could Have Been die gesamte Belegschaft vor der Bühne die Hände gen Himmel reckte und diese ersten Takte mitklatschte, beim Einsetzen der verzerrten Gitarre sogar in ohrenbetäubenden Jubel ausbrach – leider flachte diese Haltung der Besucher schon im gleichen Song wieder ab und konnte dieses Niveau auch im Folgenden nicht wieder erreichen. So endete ein musikalisch vollkommen überzeugender, beim Publikum aber trotzdem insgesamt zu wenig Ankang findender Auftritt, welcher der Erwartunghaltung der Fans dieser Truppe zweifellos zufrieden gestimmt haben dürfte.

TANKARD

(nach oben…)

Es ist wirklich schwierig, bei einer Band wie TANKARD in einer Berichterstattung neutral zu bleiben: Dass sich die Frankfurter bei ihren Anhängern nicht ausschließlich durch ihre technische Brillianz profilieren und auch in Sachen Innovativität mittlerweile eindeutig überholt sind, dürfte wohl hinlänglich bekannt sein. Auch die Tatsache, dass der pfundige Frontmann Andreas Geremia nahezu jede Musikveranstaltung in der Umgebung dazu nutzt, durch das Verteilen von Werbeflyern für Konzerte seiner nicht gerade auf einer finanziellen Hochblüte befindlichen Band aufmerksam zu machen, stößt zumindest nicht ausschließlich auf Gegenliebe. Trotzdem beweist er durch seine ständige Präsenz auch ein hohes Maß an Fannähe, weshalb es auch niemanden verwundert haben dürfte, dass man den bäuchigen Bierprediger schon Stunden vor seinem Auftritt zusammen mit einigen Fans und einem Kasten Lebenselixier auf dem Parkplatzgelände zu Gesicht bekam. Trotz gewisser Streitpunkte erfüllen die Kings Of Beer unanfechtbar seit jeher das einfache Prinzip, auf eine Bühne zu steigen und die Anwesenden auf höchstem Niveau – in welcher Form auch immer – zu unterhalten. Wer hätte vor seinem ersten TANKARD-Besuch geahnt, welche vielfältigen Optionen eine vom exessiven Biergenuss gezeichnete Käsewampe für eine Live-Performance bieten kann: Da wird Gerre´s Bauch bei jeder Gelegenheit präsentiert, dabei in Instrumentalpassagen rhythmusgetreu vom Mikrofon tangiert und des öfteren vom ein oder anderen Fan, der den Weg auf die Bühne gefunden hat, liebevoll getätschelt. Mit diesem eigenartigen Entertainment hatten die Frankfurter aber die Zuschauer, die ja ohnehin überwiegend wegen dieser Band gekommen waren, schnell unter Kontrolle und es war selbst für Skeptiker wohl unmöglich, sich diesem fröhlichen Treiben zu entziehen. Lediglich die Aufseher dürften sich an diesem Abend nicht gerade ungehemmt erfreuen, denn das Security-Team hatte mit der etwas unpässlichen Spielweise der TANKARD-Mannschaft eine verdammt schwere Partie. Die Thrasher ließen sich nämlich an diesem Abend von der unbändigen Euphorie der Besucher und dem steigenden Alkoholpegel etwas zu sehr mitreißen und so machte man sich eben mal durch Verstöße gegen den Konzert-Knigge bei den Verantwortlichen ziemlich unbeliebt. Zum einen bildeten die unkontrolliert auf die Bühne kletternden und dabei stark wankenden Fans sowie ein sich an Lautsprecherboxen hängender Frontkloß tatsächlich eine nicht zu unterschätzende Gefährdung für die Tontechnik, zum anderen hatten die Musiker im Ethanolrausch ihre Uhren möglicherweise doppelt gesehen und deshalb auch eine zweifache Spielzeit einkalkuliert. Demzufolge überzog man dann auch mal eben eine halbe Stunde, obwohl mehrfache Ermahnungen der Organisatoren schon zu einem früheren Abbruch aufgeffordert hatten. Trotz aller Risiken und Verstöße war das sonderbare Benehmen des Trios für das Festival wirklich Gold wert, denn eine solche Stimmung erfährt man nicht alle Tage bei einem Indoor-Event dieser Größenordnung. TANKARD können es sich problemlos anheften, wirklich jeden Besucher angemessen unterhalten zu haben, ob es nun die erwähnten Eigenarten oder die gewohnten Weisheiten des Sängers waren, denn es wurden wieder einmal klare politische Statements abgegeben (Die With A Beer In Your Hand), menschliche Notsituationen aufgezeigt (Empty Tankard) und universale Konfliklösungen angeboten (Freibier für Alle). Auf ihre ganz eigene Art und Weise sind Gerre und Co. also auch anno 2004 eine absolut ernstzunehmende Liveband und beweisen erneut, dass eine Metalszene ohne die Frankfurter einfach nicht denkbar ist. In diesem Sinne: Prost, TANKARD!

GRAVE DIGGER

(nach oben…)

Mit einer Verspätung von einer knappen Stunde (!) – für diese war nicht zuletzt die mangelnde Disziplin von TANKARD verantwortlich gewesen – betraten die Headliner GRAVE DIGGER die Bühne. Mit ihrem letzten Studioalbum Rheingold konnten die Totengräber durch die Bank hindurch positive Bewertungen ernten und auch die Welttournee war erneut ein großer Erfolg. Zu den letzten Stationen dieser Tour gehörte auch der Auftritt an diesem Abend und man durfte gespannt sein, wie Boltendahl und Co. das hervorragende Material des letzten Outputs live umsetzen würden. Eine Antwort auf diese Frage sollte recht schnell geliefert werden, denn man eröffnete das Konzert mit dem Titeltrack des aktuellen Outputs, der auch ohne die Unterstützung von IN EXTREMO-Fronter Das letzte Einhorn gut funktionierte. Überhaupt performten GRAVE DIGGER erstaunlich viele neue Songs – knapp die Hälfte des gesamten Sets lässt sich auf den letzten beiden Tonträgern wiederfinden – wobei man enttäuschenderweise auf das allgemeinhin als Rheingold-Highlight deklarierte Maidens Of War verzichtete, was aber aufgrund des ansonsten wirklich sehr gut gewählten Sets verzeihlich war. Weniger enschuldbar war allerdings der anfangs doch etwas übertrieben lärmende Sound, man hatte fast den Eindruck, als wollte der Mischer sein Equipment bis auf das Maximum ausreizen. Nach einigen Songs schien dieser Störfaktor aber etwas abzunehmen und man konnte sich an Klassikern, wie Dark Of The Sun und The Grave Dancer, sowie dem unschlagbaren Lionheart erfreuen, außerdem neues Material (Valhalla, Twilight Of The Gods) bewundern, welches sich hinter den erwähnten Kultsongs wirklich nicht verstecken musste. Auch das Zusammenspiel des Quintetts wusste zu gefallen, die Band befindet sich ohnehin durch die Verpflichtung von Ex-RAGE-Gitarrist Manni Schmidt auf einem neuen Höhenflug – sein Spiel erfrischt den Totengräber-Sonor deutlich, auch wenn seine Performance auf der Bühne eher schwerfällig ausfällt. Trotz aller Lobeshymnen sollte aber eines angemerkt werden, denn die beschriebe Routine warf nicht nur positives Licht auf die Teutonen-Metaller. Nachdem das Fass bei TANKARD eigentlich schon übergelaufen und eine wahre Stimmungsflut auf die Besucherschar niedergeprasselt war, konnte das Feuer der Totengräber anscheinend nicht mehr so recht zünden, obwohl man ja mit der restlos begeisternden Setlist und der ansonsten auch positven Präsenz ausreichend Brennstoff geliefert hatte. Die Mannen um Uncle Reaper bemühten sich einfach zu wenig, die Zuschauer noch einmal zum Ausrasten zu animieren, auch wenn die Fans zu diesem Zeitpunkt – schließlich war es auch nicht unbedeutend später als vorgesehen – bereits merklich ausgelaugt waren. Trotzdem kommt man nicht ganz um den Verdacht herum, dass jene bei einer weiteren Stunde Gerre & Co. auch noch die allerletzen Energien freigesetzt hätten, während sie sich diese beim GRAVE DIGGER-Auftritt eher für die immer näher rückende Heimreise aufhoben. Insgesamt betrachtet war der Auftritt aber alles andere als eine Enttäuschung und die allesamt hohen Anklang findenden Zugaben Rebellion, Roundtable und Heavy Metal Breakdown beendeten das alles in allem mehr als zufriedenstellende Moona-Fesival auf angemessene Weise und man entließ die überglückliche Meute in die regnerische Samstagnacht…