GRASPOP METAL MEETING 2007 in Dessel/Belgien vom 22.06. – 24.06.2007

GRASPOP METAL MEETING 2007 in Dessel/Belgien vom 22.06. – 24.06.2007

Das Festival

Freitag, 22.06.2007:

Static X | Vader | Belphegor | Amorphis | Volbeat | Chris Cornell | Joe Satriani | Aerosmith | Blind Guardian

Samstag, 23.06.2007:

Lamb of God | Stone Sour | Atheist | Heaven and Hell | Korn | Iron Maiden

Sonntag, 24.06.2007:

Eluveitie | Chimaira | Cynic | Finntroll | Slayer | Mastodon | Ozzy Osbourne

 

Das Festival

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Das GRASPOP METAL MEETING geht dieses Jahr bereits in die zwölfte Runde. Trotzdem ist das Festival hier in Deutschland lange nicht so bekannt wie die einheimischen Veranstaltungen WACKEN, BANG YOUR HEAD oder WITH FULL FORCE. Dabei liegt das belgische Dessel zumindest für den westlichen Teil Deutschlands näher als alle drei vorher genannten Festivals. Und dann wäre da noch das Billing. Jedes Jahr zaubern die GRASPOP-Veranstalter eine Ansammlung von Bands aus dem Hut, die dem gemeinen Metalhead den Kiefer runter klappen lässt. So wurden dieses Jahr AEROSMITH, IRON MAIDEN und OZZY OSBOURNE als Headliner gebucht. Dazu Bands wie SLAYER, TYPE O NEGATIVE, MASTODON, CHRIS CORNELL oder das Prog-Death-Duo CYNIC und ATHEIST. Und dann waren da natürlich noch HEAVEN AND HELL, der Hauptgrund für mich dieses Jahr zum dritten Mal den Weg nach Dessel anzutreten.

Graspop
Alleine der CYNIC-Auftritt war die Reise zum Graspop wert.

Was muss der deutsche Metaller noch so über das GRASPOP wissen? Dessel liegt etwa 200 Kilometer von Köln entfernt, ist also aus Nordrhein-Westfalen gut und schnell zu erreichen. Die 3-Tages-Karte hat dieses Jahr 135 Euro gekostet. Sicher, das ist noch mal einiges teurer als die 100 Euro inklusive Camping für WACKEN, aber dafür bekommt man auch Headliner geboten, die man hier sonst höchstens mal bei ROCK AM RING sieht, hat aber im Vergleich zum Ring ein deutlich metallischeres Gesamtpaket. Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil gegenüber ALLEN anderen Festivals, die ich kenne, ist die Toiletten-Situation. Dixies gibt es auf dem kompletten Gelände kein einziges. Überall, sowohl auf dem Festivalgelände, als auch auf dem Campingplatz, gibt es spülbare Toiletten, die auch am dritten Tag noch in gutem Zustand sind. Wem es zu langweilig wurde, sich die ganze Zeit nur Bands anzusehen, konnte sich die Zeit mit Autoscooter vertreiben oder sich von den Coca-Cola Mädels in knapper Krankenschwestern-Tracht mit Sonnencreme einreiben lassen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Die Essenauswahl auf dem Graspop ist gut und auch für Vegetarier gibt es mit vegetarischen Wraps, Fritten, Nudeln oder Frühlingsrollen eine ordentliche Auswahl. Des Weiteren haben viele der direkten Anwohner ihre Gärten und Einfahrten zu Biergärten umfunktioniert und bieten ebenfalls eine ordentliche Auswahl an Speise und Getränken, teilweise deutlich günstiger als auf dem Festivalgelände selbst.

Etwas ungünstig ist der Einlass auf den Campingplatz geregelt. Da hier eine oberflächliche Gepäckkontrolle durchgeführt wird, kann es sich schon mal zwei Stunden ziehen, bis man dann endlich auf dem Campingplatz ist. Parken am Zelt ist nicht möglich, das Mitführen einer Gepäck-Karre ist also empfehlenswert. Dieses Jahr hat man leider auch das Crowdsurfen verboten, was ich persönlich ziemlich daneben finde, aber das Publikum hat sich, bis auf wenige Ausnahmen, tatsächlich daran gehalten. Der Preis, eventuell vom Gelände geschmissen zu werden, war den meisten wohl doch zu hoch. Das Wetter dieses Jahr war über die drei Tage weg leider ziemlich schlecht. Regen gab es jeden Tag, mal mehr, mal weniger stark, und die Sonne zeigte nur selten mal ihr Gesicht. Trotzdem waren die drei Tage in Dessel die ganzen Strapazen der Anreise (dazu gleich mehr) wert, denn das musikalische Rahmenprogramm war einfach nur fantastisch. Aber der Reihe nach.

Freitag, 22.06.2007

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Erst mal hieß es hinkommen. Da ich alleine war, suchte ich mir eine Mitfahrgelegenheit und fand auch eine – ab Aachen. Also um drei Uhr in der Frühe aufstehen und sich zum Bahnhof fahren lassen. Was theoretisch einfach klingt, wäre wohl auch praktisch ganz einfach gewesen, wenn die Person, die mich zum Bahnhof fahren sollte, nicht gewaltig verpennt hätte und somit erst eine halbe Stunde nach der verabredeten Zeit eintraf. Na ja, kurze Zeit und einen halben Herzinfarkt später war ich dann trotzdem noch rechtzeitig am Bahnhof in Köln für meinen Zug nach Aachen. Ab da lief dann glücklicherweise alles recht glatt. Gegen neun Uhr standen wir dann also mitsamt Gepäck vor dem Einlass zum Campinggelände, welches wir letztendlich um elf auch mal betreten konnten. Noch reichlich Zeit, um das Zelt aufbauen und auszuruhen.

Als erstes wollte ich mir eigentlich die Schwarzheimer von 1349 gönnen. Also zum in der Running Order angegebenen Zeitpunkt zum Zelt gewatschelt und was sieht man da? Ein Rudel Pandas trümmert noch eine Minute durchs Zelt und schleicht sich dann auch schon von der Bühne. Was war passiert? THIN LIZZY waren passiert. Diese sollten ursprünglich als zweite (!!!) Band auf der Hauptbühne spielen, zogen es aber lieber vor spontan abzusagen. Nach dem Soundcheck-Witz vom ROCK HARD FESTIVAL wirft auch dies kein gutes Licht auf die Iren.

STATIC X

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Die Veranstalter reagierten allerdings auch selten dämlich, zogen Sie doch die folgenden Bands einfach vor. So kam es dazu, dass ich 1349 verpasste und statt dessen mitten in den Auftritt von STATIC-X hinein geriet, die gerade auf der Hauptbühne ihren, ironischerweise schon wieder antiquiert klingenden Nu Metal zum Besten gaben. Jede Menge Groove, Samples, Geschrei und Geschrammel, kombiniert mit der Un-Frisur von Frontmann Wayne Static. Zum warm werden noch ganz okay, auch wenn die Songs irgendwie allesamt recht ähnlich klingen und absolut null bei mir hängen bleiben. Das Publikum geht allerdings bereits ordentlich steil und es sind die ersten Verstöße gegen das Crowdsurf-Verbot zu registrieren.

VADER

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Als nächstes spielten VADER auf der Zeltbühne 2. Das Zelt war, sicherlich auch aufgrund des Regens, sehr ordentlich gefüllt. Die Polen legten nach einem orchestralen Intro und einem knackigen Are you ready? von Peter ordentlich los und prügelten sich durch eine recht Mid-Tempo-lastige Setlist, die unter anderem Sothis, Hellejuya und Epitaph aufzubieten hatte. Ein paar schnellere Klopfer wie Litany hätte ich mir gewünscht, ansonsten war der wie üblich mit beängstigender technischer Perfektion vorgetragene Auftritt aber sehr unterhaltsam. Als Peter aufgrund der Publikumsreaktionen This is Madness, this is great zum Besten gab, lag mir ein dann doch nicht herausgebrülltes THIS IS SPARTA!!! auf der Zunge. Mauser wiederum hatte sichtlich Spaß am Ventilator-unterstützem Bangen. Alles in allem ein guter Auftritt von VADER die ich schon eine ganze Zeit nicht mehr live gesehen habe.

BELPHEGOR

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Belphegor
Fuck censorship, fuck moralizers, fuck the church – BELPHEGOR-Helmuth würde gern jeden mal…

Während ich mich für Getränkebons anstelle, legen auf der Mainstage PAPA ROACH los, zeitgleich packen BELPHEGOR im Metaldome den Knüppel aus. Aus irgendeinem mir immer noch unerfindlichen Grund zieht es mich trotz Regen erst mal zu Vater Kakerlake. Und PAPA ROACH rocken gar nicht mal so übel, während der Regen fleißig dafür sorgt, dass mein Glas nicht zu schnell leer wird. Letztlich siegt die Witterung dann doch und ich ziehe mich ins Metaldome zurück um den Klängen der Österreicher zu lauschen, die – wer hätte es bei dem Wetter gedacht – vor voller Hütte spielen. Fuck censorship, fuck moralizers, fuck the church lässt Hellmuth verlauten. Yeah! Was immer du sagst, Mann! Dazu passend ist die komplette Band brav mit Hose in den Stiefeln und Patronengurt uniformiert. Irgendwie klingt fast alles gleich, rasend schnell und geil! Plötzlich kommt überraschend ein Mid-Tempo-Song daher. Sehr schön das alles. Zur Belohnung gibt es einen kleinen Moshpit. Als letztes spielen BELPHEGOR noch Lucifer Incestus, dann mach ich mich wieder auf den Weg nach draußen. Dort geben die Kakerlaken gerade ihr IRON MAIDEN-Ripp-Off Last Resort zum Besten. Ab zur Zeltbühne 2, da stehen gleich AMORPHIS an.

AMORPHIS

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Amorphis
Der einzige Aktivposten auf der Bühne: Tomi Joutsen.

Das letzte Album von AMORPHIS hatte ich mir gerade mal eine Woche vor dem GRASPOP gekauft und war dementsprechend sehr gespannt auf den Auftritt der Finnen. So ging es auch direkt mal mit einem neuen Song los. Kurz darauf folgte Against Widows vom göttlichen Elegy-Album. Während Tomi Joutsen bangend über die Bühne fegte, gab sich der Rest der Band eher reserviert. Egal, es folgte Into Hiding. Das schien ja mal eine Knaller-Setlist zu werden. Auch das Debüt-Album wurde mit einem Song bedacht. Leider war der Sound Mist, da Bass und Schlagzeug doch ein wenig zu dominant waren. Um mal auf Tomi Joutsen einzugehen: Ich finde seinen Gesang auf der neuen Scheibe klasse und auch sein gegrowle kann sich hörne lassen. Dennoch vermisst man bei den clean gesungenen Passagen der alten Songs doch ein wenig seinen Vorgänger. Trotzdem lieferte Mr. Joutsen eine starke Leistung ab und grunzte sich bei Magic And Mayhem die Seele aus dem Leib. House Of Sleep setzte den Schlusspunkt unter einen starken, aber leider von mäßigem Sound getrübten Auftritt. Jetzt hieß es schnell weg, denn als nächstes standen WITHIN TEMPTATION auf der Hauptbühne an und die wollte ich nun wirklich nicht hören.

VOLBEAT

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Volbeat
Sorgten mit Country-Pogo für ordentlich Stimmung im Zelt: VOLBEAT.

Also wieder zurück ins Metaldome wo VOLBEAT gerade mit der Hälfte ihres Gigs durch waren. Michael Poulsen forderte das Publikum auf Scream for Johnny Cash. Das Publikum gehorchte und bekam zur Belohnung dass, sehr cashige Sad Man´s Tongue vor den Latz geknallt. Da gab es ordentlich Country-Pogo im Zelt. Und weiter ging es mit Soulweeper und The Garden´s Tale, da war jede Menge Action im Pit. Kein Wunder, ließen VOLBEAT dem Publikum mit ihrer fantastischen Performance doch gar keine andere Wahl als völlig am Rad zu drehen. Diese Dänen muss man live gesehen haben!

CHRIS CORNELL

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Chris
Willkommene Abwechslung auf dem GRASPOP: CHRIS CORNELL.

Hiernach gönnte ich mir dann erst mal eine kurze Pause, ließ PAIN OF SALVATION beziehungsweise TYPE O NEGATIVE sausen und war pünktlich zu CHRIS CORNELL wieder zur Stelle. Der Ex-SOUNDGARDEN und Ex-AUDIOSLAVE-Fronter und seine Band kamen gegen zehn mit leichter Verspätung auf die Bühne, schnallten sich ihre Instrumente um und legten mit Spoonman los. Nach Outshine gab es mit Show Me How To Live die erste AUDIOSLVAE-Nummer. CHRIS CORNELL war stimmlich bestens aufgelegt und bekam einen erstklassigen Sound beschert. Als er das Crowdsurfing-Verbotsschild entdeckte sagte er nur: What the fuck ist that? Noboy told me!. Ob soulig, bluesig oder rockig, Mr. Cornell verwöhnte die Ohren der Zuschauer an diesem Abend nach Strich und Faden. Besonders in den ruhigeren Momenten ist CORNELLs Stimme wirklich ganz groß! Begleitet von seiner arschtighten Backing-Band spielte er sich durch eine granatenstarke Setlist mit viel SOUNDGARDEN, wenig AUDIOSLAVE und etwas Solo-Kram. Bei Rusty Cage stachelt er die paar Leute im Moshpit an, glänzt kurz darauf aber auch ganz alleine mit der Akustik-Klampfe. Mit der James Bond-Nummer You Know My Name (mal so nebenbei: Kann es einen cooleren Songtitel für einen James Bond Film geben???) und den SOUNDGARDEN-Hits Black Hole Sun und Jesus Christ Pose beendet CHRIS CORNELL einen erstklassigen Auftritt der inmitten all der schwermetallischen Herrlichkeit willkommene Abwechslung bot.

JOE SATRIANI

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Joe
Hat die Sonnebrille wahrscheinlich auch nachts im Bett an: JOE SATRIANI.

Vor AEROSMITH stattete ich der Zeltbühne 1 noch mal einen Besuch ab, wo der Vater aller Gitarrenhelden, Mr. JOE SATRIANI, sein Können zum Besten gab. Und der ist so verdammt cool, dass er sogar nachts im Zelt eine Sonnenbrille trägt. Und die Herren Musiker rockten das Zelt sehr beachtlich. So ist Instrumental-Musik spannend und mitreißend. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht dass das auf einem Festival dieser Art so gut funktioniert. Aber dem Meister der Gitarre gelang es auch ohne Stimme, Gefühle zu vermitteln. Sogar Singspielchen mit dem Publikum konnte SATRIANI allein mit seiner Axt anzetteln. Ich hätte dem Mann gerne noch stundenlang zugehört aber leider war gegen zwanzig vor zwölf Schluss…

AEROSMITH

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Aerosmith
Bestes Rock´n Roll Entertainment aus der Altkleidersammlung: AEROSMITH.

…zumindest für JOE SATRIANI. Die Rock´n´Roll-Party ging nämlich erst so richtig los. Und zwar mit Love In An Elevator Im Vordergrund standen natürlich die Toxic-Twins Joe Perry und Steven Tyler. Letzterer sah Outfit-technsich mal wieder ordentlich nach Altkleider-Sammlung meets Travestie-Show aus, sang dafür aber erstklassig und gab sich äußerst extrovertiert auf der Bühne. Mit Cryin und Eat The Rich folgte Hit auf Hit. Und natürlich ließ auch der Regen nicht lange auf sich warten, was Tyler zu einem kitschigen God is crying hinriss. Fast noch kitschiger ging es mit I Don´t Wanna Miss A Thing weiter. Baby Don´t Go wurde mit einem ellenlangem Jam-Part zelebriert. Auch das Honkin On Bobo-Album fand Berücksichtigung in der Setlist. Hier übernahm dann auch Joe Perry mal den Gesang. Nach Sweet Emotion, bei dem auch Basser Tom Hammilton mal den Weg nach vorne auf den sonst für die beiden Hauptpersonen reservierten Steg ins Publikum fand, war erst mal Schluss. Aber all zu lag ließen sich AEROSMITH nicht bitten und legten mit Train Kept A Rollin und Walk This Way noch mal richtig nach. Und so endete ein starker Auftritt mit dem äußerst ansprechenden Videoclip zu Crazy mit Liv Tyler und Alicia Silverstone. Das waren noch Clips, für die es sich gelohnt hat, hinzusehen.

BLIND GUARDIAN

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Eigentlich war ich nach AEROSMITH völlig im Eimer und wollte nur noch zum Zelt. Aber auf dem Weg zu diesem musste ich an dem unwesentlich größeren Zelt vorbei, in dem gerade BLIND GUARDIAN Valhalla spielten. Aaargh! Na gut, dann schau ich mir die halt noch von draußen, im Biergarten sitzend an. Es folgte When Time Stands Still und Hansis Ansagen sind auf englisch auch keinen Deut besser als auf Deutsch. Aber um noch ins Zelt zu watscheln hab ich echt keine Kraft mehr. Als nächstes zersingt Hansi Lord Of The Rings und auch Welcome To Dying habe ich schon mal besser gehört. Natürlich stehe ich trotzdem sofort bangend auf der Bierbank. Bei The Quest For Tanelorn versucht Hansi mal wieder zu schreien, was irgendwie auch nur bedingt klappt. Bewegen will sich zu so später Stunde auf der Bühne scheinbar auch niemand mehr. Es folgt Bright Eyes. Ok, ok, ich geh ja schon rein ins Zelt. Was will man bei so einer Setlist schon machen. BLIND GUARDIAN kriegen mich eben doch wieder. Und kaum stehe ich vorne, gibt es mit This Will Never End von der neuen Scheibe auch schon den absoluten Tiefpunkt. Was soll das denn??? Wenn der Rest der Scheibe auch so klingt bin ich froh dass ich mir A Twist In The Myth nicht geholt habe. This Will Never End? Klingt fast wie eine Drohung… Aber mit dem immer wieder magischen Bards Song und dem abschließenden Mirror Mirror betreiben BLIND GUARDIAN genügend Wiedergutmachung, um mich davon zu überzeugen, meine Zeit nicht verschwendet zu haben. Allerdings merkt man Hansi immer mehr an, dass er die alten Sachen teilweise nicht mehr hin bekommt. Auch wirkte diese Band schon mal motivierter. Nicht gerade der beste Auftritt, den ich von BLIND GUARDIAN gesehen habe, aber irgendwie ist man als Fan ja dann doch konditioniert…

Samstag, 23.06.2007:

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Nach 24 Stunden auf den Beinen merkt man erst mal wie schmerzhaft Rock´n´Roll doch sein kann. Aber nach ein paar Stunden Schlaf sieht die Welt doch gleich wieder viel freundlicher aus. Also flugs geduscht und gefrühstückt und ab ging es wieder auf das Festivalgelände.

LAMB OF GOD

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Lamb
Boten nur solide Kost: LAMB OF GOD.

Bei LAMB OF GOD gab es zur Abwechslung mal wieder Regen, was die beachtliche Menge an Zuschauer vor der Bühne nicht zu beeindrucken schien. Der Sound der Amis war genau das richtige, um mir zu früher Stunde die Ohren frei zu blasen. Da wird gegroovt und gemosht bis der Arzt kommt. Gegen Ende gab es sogar ein paar Circle Pits und eine kleine Wall Of Death. Die große Variante des Spektakels hatten die Veranstalter durch einen Graben von der Bühne bis zum Soundturm, der das Publikum in zwei Hälften spaltete, von vorne herein verhindert. Nun ja, LAMB OF GOD sorgten mit Songs wie Again We Rise oder Walk With Me In Hell für ordentlich Bewegung, aber der letzte Funke wollte bei mir dann doch nicht über springen. Solider Auftritt, aber nicht mehr.

STONE SOUR

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Stone
Braucht SLIPKNOT nicht mehr: Corey Taylor.

Als nächstes machten STONE SOUR die Hauptbühne unsicher. Eingeleitet wurde das ganze von The Final Countdown vom Band. Corey Taylor betrat mit Jacket und Jeans die Bühne. Zumindest des letzterem entledigte er sich im Laufe des Auftritts noch. Nach zwei Songs begrüßte Corey die Fans und bezeichnete das GRASPOP als einen seiner liebsten Plätze. Vor zwei Jahren war er ja bereits mit SLIPKNOT in Dessel. Bei Made Of Scars gab es ordentlich Action im Pit, für das Crowdsurf-Verbot interessierte sich hier keiner mehr. Ganz im Gegenteil dazu stand das balladeske, großartige Through Glass welches vom Publikum ebenfalls frenetisch bejubelt wurde obwohl man Mr. Taylor laut seinen Worten noch davon abgeraten hatte, diesen Song hier zu spielen. Wer´s glaubt… Man merkte Corey Taylor an, dass er bei STONE SOUR voll aufgeht und SLIPKNOT sicher nicht mehr zur musikalischen Verwirklichung braucht. Dass STONE SOUR mehr sind, als nur ein Side-Project, sollte ja eh schon länger klar sein.

ATHEIST

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Atheist
Sorgten für Knoten im Gehörgang: ATHEIST.

Und ab ins Zelt zu den Frickelkönigen von ATHEIST. Teil 1 des großen, zweiteiligen Ami-Prog-Death-Marathons stand an. ATHEIST mussten vorlegen, CYNIC würden morgen nachziehen. Und da sollten sich die Jungs besser ins Zeug legen, denn ATHEIST spielten mir im Zelt Knoten in die Gehörgänge. Wo zum Teufel haben diese Freaks gelernt so zu spielen? ATHEIST fanden sichtlich Gefallen am Treiben vor der Bühne. There´s nothing like european metal fans entfuhr es Frontmann Kelly Shaeffer. Aber das wissen wir doch! Das Stageacting der Band war eher mau, was allerdings bei der Komplexität der Mucke irgendwie verständlich ist. Aber mit Songs wie Minerals, Retribution oder dem abschließenden Piece Of Time machten ATHEIST dieses kleine Manko mehr als wieder wett. Fantastischer Auftritt!

HEAVEN AND HELL

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Heaven
Setlist HEAVEN AND HELL:
Mob Rules, Children Of The Sea, I, Voodoo, Falling Of The Edge Of The World, Die Young, Heaven And Hell
Neon Knights

Um halb sieben war Götterdämmerung in Dessel. Wegen dieser Band hatte ich hauptsächlich den Weg nach Belgien angetreten. Und jetzt stand ich tatsächlich vor der Bühne und sollte die Landung der Götter erleben. Was sollte jetzt noch schief gehen? Nun ja, zum Beispiel das Wetter. Der Regen legte los und wurde stärker so dass ich schon vor dem eigentlichen Beginn ordentlich nass war. Aber egal, das alles war ab dem Moment nebensächlich, als das Quartett Appice, Ward, Iommi und Dio die Bühne betrat und mit Mob Rules loslegte. JAAAAA!!! DIO singt perfekt und Iommis Gitarrenspiel ist genau das, was den Unterschied ausmacht zwischen DIO´s Solo-Interpretationen der SABBATH Songs und dem hier. Anbetungswürdig! Weiter geht es mit dem göttlichen Children Of The Sea. Iommi und Butler sind auf der Bühne die Coolness in Person, während Vinnie Appice irgendwie nach Mafiaschläger aussieht. Bewegen tut sich hier außer DIO niemand mehr als nötig, aber das ist egal. Wen interessieren schon Nebensächlichkeiten, wenn Göttergaben wie Die Young oder Heaven And Hell auf einen losgelassen werden. Bei letzterem gönnte man sich einen ausschweifenden Instrumentalpart, wohl auch um DIO ein wenig Luft zu verschaffen für die einzige Zugabe, das phänomenale und diesem großartigen Auftritt das I-Tüpfelchen aufsetzende Neon Knights. Ganz ehrlich? Wer braucht Ozzy? Das hier sind die besten BLACK SABBATH, die man in diesem Jahrtausend bekommen kann!

KORN

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Korn
Gesundheitlich angeschlagen: Jonathan Davis

Nach einer kurzen Pause war ich halbwegs pünktlich zu KORN wieder auf dem Gelände. Als ich gerade in Richtung Bühne trottete, lief das Intro, und die Herren Musiker schnallten sich Ihre Instrumente um. Wusste gar nicht, dass KORN jetzt SLIPKNOT Konkurrenz machen wollen. Dem, was da auf der Bühne los war, hätte man dies glatt entnehmen können. Da waren gleich zwei Drumkits aufgebaut, ein weiteres, kleines Percussion-Set und ein Keyboard gab es auch noch. Der zweite Gitarrist durfte ebenfalls im hinteren Bereich neben dem Drumkit Platz nehmen. Die verbleibenden drei KORN-Musiker durften dann tatsächlich vorne auf der Bühne stehen. Die fünf Session-Musiker hatten gefälligst auf dem Drum-und-was-weiß-ich-was-noch-alles-Riser zu bleiben. Der Bassist trug zur Feier des Tages auch gleich mal ein schönes IRON MAIDEN Killers-Shirt zur Schau. Nach Coming Undone musste Jonathan Davis bereits das erste Mal an das Sauerstoffgerät. Die Kamera hielt fröhlich drauf, damit wir auch alle was davon haben. Der sollte mal den Sechzigjährigen, der gerade vor ihm gesungen hat fragen, wie er das so durchsteht… Es folgte Falling Away From Me. Davis, beileibe nicht der einzige Mode-Verbrecher auf diesem Festival, trug einen Camouflage-Kilt und dazu passend (oder auch nicht) schwarze Socken bis zu den Knien. Das kommt davon, wenn man sich von Mama anziehen lässt. Munky wirkte bislang nicht all zu motiviert, bewegen wollte er sich jedenfalls erst mal nicht. Nach den ersten zwei Songs gab es eine kurze Beatmungspause, nach zwei weiteren Songs gab es wieder eine Unterbrechung. Da fragt man sich doch, wie kaputt Mr. Davis eigentlich so ist. Im weiteren Verlauf folgten Somebody Someone, Munky kam so langsam in Bewegung und die Band spielte METALLICA´s One an. Nach Got The Life gab es sogar einen neuen Song, der – wenn ich richtig gehört habe – auf den Namen Evolution hört. Pausen gab es erfreulicherweise keine weiteren mehr, dafür aber Freak On A Leash und Blind als gelungenen Abschluss eines ordentlichen Auftritts, aus dem die Band allerdings deutlich mehr hätte machen können.

IRON MAIDEN

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Iron
Setlist IRON MAIDEN:
Different World, These Colours Don´t Run, Brighter Than A Thousand Suns, Wrathchild, The Trooper, Children Of The Damned, The Reincarnation Of Benjamin Breeg, For The Greater Good Of God, Number Of The Beast, Fear Of The Dark, Run To The Hills, Iron Maiden
2 Minutes To Midnight, The Evil That Men Do, Hallowed Be Thy Name

Den Panzer im Hintergrund hatten KORN bereits während ihres Auftritts auf der Bühne stehen. Jetzt wurde das Teil freigemacht und sogleich wieder nach unten gefahren. Dafür gibt es einen schönen Schützengraben-Aufbau auf der Bühne. Als während des Aufbaus Aces High aus den Boxen erschallt, singt das Publikum sofort mit. Ja, man merkt, dass IRON MAIDEN Stammgäste auf dem GRASPOP sind. Erst vor zwei Jahren waren sie hier und lieferten, im Rahmen der Early Years-Tour ein sagenhaftes Konzert ab. Diesmal stand aber das Standard-Programm an und somit ging es erst mal mit ein paar neuen Songs los. Davon gab es mit Different World, These Colours Don´t Run und Brighter Than A Thousand Suns zum Einstieg gleich drei am Stück. Aber IRON MAIDEN machten natürlich nicht den Fehler, hier ihr neues, zweifellos großartiges Album am Stück zu spielen. Heute gab es neben einem guten Teil neuer Songs Klassiker an Klassiker. Den Anfang machten Wratchild und The Trooper. Dann schleimte Dickinson sich erst mal bei den Belgiern ein. Zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum von The Number Of The Beast wollte man heute was ganz besonderes tun. Aber statt dem kompletten Meilenstein am Stück gab es erst mal nur Children Of The Damend. Soviel sei verraten: viel mehr als üblich gab es auch im weiteren Verlauf nicht vom dritten MAIDEN-Album zu hören. Sehr schade. Jannick Gers gab wie immer die Prima-Ballerina, sprang wie wild über die Bühne und vollführte mit seiner Axt die unglaublichsten Kunststücke. Manchmal glaubt man fast, der ist nur zum Posen und nicht zum Spielen da. Nach zwei weiteren neuen Songs, inklusive des Highlights For The Greater God Of God, folgte mit Number Of The Beast, Fear Of The Dark, Run To The Hills und der Bandhymne Iron Maiden der Endspurt. Bei letzterem Song kam dann auch endlich der Panzer hinter Nicko McBrains Drumkit hoch und Eddie kam heraus. Der Zugabenteil kam dann noch mal ganz gewaltig und bei The Evil That Men Do wackelte noch ein übergroßer Eddie in Uniform mit Knarre auf die Bühne. Ja, an Show-Effekten haben MAIDEN noch nie gegeizt. Und so endete nach knapp zwei Stunden ein erneuter Triumphzug der eisernen Jungfrauen über Dessel. Nur der Rückweg erwies sich als etwas schwierig, da man die Absperrungen nicht öffnete und das komplette Publikum sich so durch das Nadelöhr am Einlass quetschen durfte. Aus Frust gingen einige Leute auf die Zäune los, die scheinbar auch nachgaben, denn plötzlich kamen sie aus allen Richtungen. Na ja, eine halbe Stunde für einen Weg, der normalerweise zehn Minuten dauert, war sicherlich mehr als uncool, aber nach den Konzerten des heutigen Tages konnte dies meine Stimmung nun wirklich nicht mehr trüben.

Sonntag 24.06.2007:

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ELUVEITIE

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Eluveitie
Brachten bereits zu früher Stunde Stimmung ins Zelt: ELUVEITIE.

Eigentlich lautete der Plan für den heutigen Morgen möglichst früh auf die Beine zu kommen um DEVILDRIVER zu sehen. Das klappt leider so gar nicht und somit kam ich erst auf das Festivalgelände, als DEVILDRIVER schon vorbei und ELUVEITIE auf der Zeltbühne 1 zu Gange waren. Diese brachten mit ihrem Folk Metal bereits zu früher Stunde ordentlich Stimmung ins Zelt. Das Publikum hüpfte, bangte und tanzte zu den Melodien der Schweizer. Kein Wunder bei der mitreißenden Performance der acht Musiker, die sich auf der Bühne viel bewegten. Der Flötist sprang die ganze Zeit über die Bühne und brachte dabei auch schon mal einen Verstärker-Turm arg ins Schwanken. Die Gitarristen wiederum übten sich im Synchron-Sprung vom Drumriser. Wirklich ein grandioser Auftritt von ELUVEITIE, bei dem es mir Leid tat den Anfang nicht miterlebt zu haben. Glücklicherweise hatte ich vor kurzem die Gelegenheit, die Band auf dem DONG OPEN AIR noch mal in voller Länge zu erleben.

CHIMAIRA

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Chimaira
Enttäuschten mit hüftsteifer Performance: CHIMAIRA.

Auf den direkt folgenden Auftritt der Modern-Metaller von CHIMAIRA hatte ich mich aufgrund des starken aktuellen Albums Resurrection“ schon gefreut. Leider konnte die Band um Frontmann Marc Hunter die hohen Erwartungen live nicht erfüllen. Das Publikum war noch nicht wirklich bewegungsfreudig, tat es hiermit jedoch nur der Band gleich, die eine recht statische Performance bot. Kein Vergleich zu den völlig aufgedrehten ELUVEITIE kurz zuvor. Erst ein Weckruf von Marc Hunter brachte ein bisschen mehr Bewegung in die Massen. Trotz guter Songs wie Resurrection“, Pleasure In Pain“ oder Fuck Your Powertrip“ waren CHIMAIRA eine der schwächeren Bands des diesjährigen GRASPOP. Da hatte ich mir deutlich mehr erwartet.

CYNIC

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Cynic
Setlist CYNIC:
Veil Of Maya, Celestial Voyage, The Eagle Nature, Sentiment, Evolutionary Sleeper, Uroboric Forms, I´m But A Wave To…, How Could I

Mit CYNIC haben sich die GRASPOP-Veranstalter ein echtes Schmankerl gekrallt. Nachdem ATHEIST bereits am Vortag furios vorgelegt hatten, stellte sich nun die Frage, wie CYNIC die Songs ihres einzigen Albums Focus“ auf die Bühne bringen würden. Gegen fünf nach drei lief das Intro vom Band und Nebel füllte die Bühne. Ansonsten passierte erst mal gar nichts. Erst einige Minuten später, nachdem das Intro wohl schon den einen oder anderen Zuhörer eingeschläfert hatte, kamen CYNIC auf die Bühne und legten los. Vom Line-Up, das den Klassiker Focus einspielte, waren immerhin Sänger und Gitarrist Paul Masvidal und Schlagzeug-Virtuose Sean Reinert an Bord. Den Bass bediente Chris Kringel (ja, ich glaube auch, dass der Mann hier als Kind jede Menge Spott hätte ertragen müssen…), der damals schon mal live für Sean Malone aushalf und außerdem in der Post-CYNIC-Ära mit Masvidal, Reinert und Jason Gobel die Band PORTAL gründete. Die zweite Gitarre schließlich spielte David Senescu. Und los ging es auf einen musikalischen Trip mit Veil Of Maya“, Celestial Voyage“, The Eagle Nature“ und Sentiment“. Kommunikation mit dem Publikum gab es bisher nicht all zu viel. Doch jetzt kündigte Paul Masvidal mit Evolutionary Sleeper“ einen neuen Song an! Dieser passte, trotz reduziertem Härtegrad und fehlenden Growls, gut zum restlichen Songmaterial und lässt die Erwartungen an ein neues CYNIC-Album in ungeahnte Höhen schnellen. Mit drei weiteren Songs von Focus“ beendeten CYNIC einen den Ausflug in fremde Sphären und verabschiedeten sich mit einem kurzen We love you, thank you“. Sean Reinert leistete unglaubliches am Schlagzeug inklusive eines kurzen Drum-Solos. Überhaupt wirkten CYNIC trotz der langen Pause wie eine perfekt aufeinander eingespielte Einheit. Die Growls kamen leider vom Band, was den großartigen Gesamteindruck aber nicht wirklich schmälerte. Wenn es einen Metal-Gott gibt, sorgt dieser für ein zügiges Erscheinen eines neuen CYNIC-Albums und am besten eine gemeinsamen Tour mit ATHEIST in unseren Breitengraden! Leider waren CYNIC, die hier ihren gerade mal zweiten Auftritt in 14 Jahren spielten (der erste war einen Tag zuvor auf dem HELLFEST in Frankreich), die Shirts ausgegangen, so dass es auf dem GMM keine CYNIC-Leibchen zu erwerben gab. Aber wer online suchet, der findet… hoffentlich…

FINNTROLL

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Finntroll
Sorgten im Zelt für eine amtliche Humppa-Party: FINNTROLL.

Pünktlich zur letzten halben Stunde von CHILDREN OF BODOM war ich wieder auf dem Gelände. Die Finnen spielten auf der Hauptbühne einen guten, routinierten Gig. Zu hören bekam ich unter anderem noch Needled 24/7 und Mask Of Sanity. Dann ging es ab zu FINNTROLL ins Zelt. Diese betraten die Bühne erst mal – völlig untrollig – in schwarzen Shirts und zum Teil mit schwarzen Röcken. Wenn das Mama-Troll hört… Los ging es mit einem Song der aktuellen Scheibe Ur Jordens Djup“ und die Party im Pit konnte beginnen. Front-Troll Vreth hat sich im Vergleich zu der recht blassen Performance auf dem ROCK HARD FESTIVAL ein wenig gesteigert, die Ansagen gingen in Ordnung und er versuchte auch das eine oder andere Mal das Publikum anzuheizen. Eine echte Rampensau wird der Kerl aber wohl nie. So beschränkte sich sein Aktionsradius auch auf ein bisschen Mädchen-Bangen. Beim Überhit Trollhamaren“ bangte, pogte oder tanzte das gesamte Zelt und sogar hinten am Mischpult bildeten sich noch kleine Moshpits in denen die Leute sich teilweise mit Plastikäxten beharkten. Im weiteren Verlauf gab es dann auch noch eine Polonaise durch das ganze Zelt. So sieht wohl die perfekte Troll-Party im finnischen Wald aus. Doch das klappt auch auf belgischen Festivalbühnen ganz ausgezeichnet.

SLAYER

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Slayer
Setlist SLAYER:
Disciple, War Ensemble, Jihad, Die By The Sword, Cult, Mandatory Suicide, Supremist, Eye Of The Insane, Dead Skin Mask, Raining Blood
South Of Heaven, Angel Of Death

Ich muss ja sagen, dass ich an den SLAYER-Auftritt nach der katastrophalen WACKEN-Performance und einem auch eher mäßigen Auftritt auf dem GRASPOP vor zwei Jahren keine all zu hohen Erwartungen hatte. Doch mit einem starken neuen Album im Gepäck scheinen die Totschläger auch live wieder zu erstarken. Jeff Hannemann steht mit Eishockey-Trikot und dazu passenden Schienbein- und Knie-Protektoren auf der Bühne – da fragt man sich ja glatt, was der heute noch so vorhat. Wirkte Tom Araya gerade in WACKEN noch arg einschläfernd, so war er dieses Mal äußerst gut gelaunt und grinste doch des Öfteren mal vor sich hin. Auch wenn der gute Tom inzwischen schon mehr als nur ein paar graue Strähnen hat und natürlich nicht mehr ganz so wild herum schreit wie vor zwanzig Jahren, ist er als Fontmann immer noch eine Klasse für sich. Cult kündigte er als einen Song about People coming together and enyoing life an. Na ja – gut, dass jeder seine eigene Vorstellung von Spaß hat. Die Setlist war eine ausgewogene Mischung aus Klassikern, garniert mit vier Songs der starken aktuellen Scheibe. Insbesondere das saugeile Eye Of The Insane wird so schnell sicher nicht mehr aus der Setlist der Totschläger weichen. Disciple als Opener war okay, ich hätte mir aber doch eher einen anderen Song gewünscht. Doch mit dem folgenden War Ensemble war klar, dass SLAYER sich heute von Nichts und Niemandem die Butter vom Brot nehmen lassen würden. Einige wohl schon leicht angesäuselte Fans lieferten als optisches Begleitprogramm noch eine Mischung aus Steptanz und Wrestling ab, welche äußerst unterhaltsam anzusehen war. Im weiteren Verlauf konnten die Herren sogar einen beträchtlichen Teil des Publikums dazu bewegen, ihnen, statt den Totschlägern zuzusehen. Sicher, bei der Spielzeit fehlten natürlich so einige Songs, die man dann doch noch gerne gehört hätte, aber trotzdem haben SLAYER mit diesem Auftritt bei mir jede Menge Boden gut gemacht und sich ihres Co-Headliner Status mehr als würdig erwiesen!

MASTODON

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Mastodon
Entfesselten einen akustischen Sturm: MASTODON.

Vom Thrash-Urgestein ging es zu einem der Hoffnungsträger des modernen Prog-Metal. MASTODON hatten allerdings ein wenig mit dem Sound zu kämpfen. Das Schlagzeug war zu laut und der Gesang stellenweise kaum zu hören. Trotzdem fegte MASTODON wie ein Sturm durch das Zelt und entfesselten einen akustischen Mahlstrom. Das chillige Sleeping Giant“ kam als ruhender Pol im akustischen Chaos gerade recht. Doch die Pause währte nur kurz, denn direkt im Anschluss hieß es The Wolf Is Loose“. Auch Capilarean Quest“ von der aktuellen Scheibe gab es zu hören, mit den älteren Stücken bin ich leider noch nicht vertraut. Kommunikation mit dem Publikum fand den gesamten Auftritt über nicht statt. MASTODON ließen die Musik sprechen und vergeudeten keine Zeit mit Worten. Definitiv eines der Highlights des Festivals.

OZZY OSBOURNE

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Ozzy
Setlist OZZY:
Bark At The Moon, Mr. Crowley, Not Going Away, War Pigs, Believer, Road To Nowhere, Suicide Solution, Zak Wylde Solo, I Don´t Know, There For You, No More Tears, I Can´t Change The World,
Mama I´m Coming Home, Crazy Train, Paranoid

Meine Erwartungen an den Auftritt des Prince of fucking Darkness waren ziemlich gering. Erstens hatten seine Kollegen am Vortag bewiesen, welches aktuell die beste BLACK SABBATH-Besetzung wäre und zweitens hatte ich vom Auftritt eine Woche zuvor auf dem FIELDS OF ROCK von mehreren Seite nur Schlechtes gehört. Da war von einem katastrophalen Gig des Madman die Rede gewesen. Zu viele Balladen und ein OZZY in desolater Form. Das konnte ja heiter werden. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend verdammen. Mit Bark At The Moon“ und Mr. Crowley“ gab es jedenfalls einen Einstand nach Maß. Ok, stimmlich war OZZY sicher schon besser drauf und hätte auch gerne mal ein paar Töne mehr treffen können. Na ja, wenigstens weiß man bei den schiefen Gesang, dass alles live ist. Ob man das Publikum nach drei Tagen Regen dann noch unbedingt mit dem Schlauch abspritzen muss, halte ich auch für eher fragwürdig. Dafür ließ Zak Wylde, der zuvor schon mit seiner BLACK LABEL SOCIETY dieselbe Bühne beackert hatte, die Rocksau raushängen. Mit Not Going Away“ gab es den ersten Song des neuen Albums zu hören. Genau wie das später folgende There For You nicht so richtig begeisternd. Der erste SABBATH-Song folgte mit dem göttlichen War Pigs“. OZZY´s Stageacting wechselte zwischen Klatschen und Bangen, wenn er nicht gerade sang. Das auf den Leinwänden noch mal explizit erwähnte Mooning-Verbot (die Hose runterlassen), wurde von Mr. Osbourne dann auch mal grob missachtet. Hätte ich nicht unbedingt sehen müssen, aber erfreulicherweise war ich ja weit weg von der Bühne. Aber wozu gibt es Großbildleinwände… Das nur mäßig spannende Gitarren-Solo von Mr. Wylde hätte auch ruhig etwas kürzer ausfallen können, gefühlt war es ungefähr drei Tage lang. Zwischen den Songs gab es immer und immer und immer und immer und immer wieder ein neckisches I can´t hear you“ von OZZY – man glaubt´s ihm ja schon. Entschädigt wurden wir aber immerhin mit einem blitzsauberen Finale, bestehend aus Crazy Train“ und dem unvermeidlichen Paranoid“. Trotz all der Häme war der Auftritt lange nicht so schlimm wie befürchtet, eigentlich sogar relativ in Ordnung. Trotzdem sollte der Madman so langsam mal an die Rente denken, denn im Gegensatz zu gutem Wein wird OZZY sicher nicht mehr besser. Ob man nach Paranoid noch Zugaben spielte kann ich nicht sagen, da wir uns während der letzten Songs bereits auf den Weg zum Auto machten um nicht in den großen Rückfahrtstau zu geraten.

agony&ecstasy
Seit 2005 bei vampster und hauptsächlich für CD Reviews zuständig. Genres: Power, Speed und Thrash Metal, Epic Metal, Death Metal, Heavy Rock, Doom Metal, Black Metal.