DORO, SONATA ARCTICA und JON OLIVA’S PAIN: Nürnberg, Löwensaal, 16. April 2006

DORO, SONATA ARCTICA und JON OLIVA’S PAIN: Nürnberg, Löwensaal, 16. April 2006

Ein zugegeben nettes Paket für einen stinklangweiligen Ostersonntag. Aber ganz ehrlich: Eigentlich bin ich nur aus zwei Gründen in den gutbesuchten Löwensaal gegondelt. Um mit Dom Will ein paar kühle Apfelschorlen zu zischen und um zu checken, wie es eigentlich um die Helden meiner Jugend bestellt ist. In diesem Fall Mr. Jon Oliva, der mit seiner aktuellen Truppe JON OLIVA´S PAIN den Vorkasper für Deutschlands ewige Metalqueen machte.

Mit seiner Band SAVATAGE spielte der Sänger Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre Power Metal von einer Güte, wie sie seither nie wieder zu hören war. Doch die Zeiten sind nicht spurlos an dem Ausnahme-Talent aus Tampa/Florida vorübergegangen. Während SAVATAGE aus unerklärlichen Gründen seit Jahren auf Eis liegt, tourt der von seiner Alkoholsucht gezeichnete und optisch längst zur Tonne mutierte Bandleader mit neuen Begleitmusikern um den Globus, um das Erbe seiner alten Truppe zumindest live am Leben zu halten. So gibt es im gutbesuchten Löwensaal im Vorprogramm von Doro Pesch ein Wiederhören mit dem alten Mann und seinem Klavier — und zeitlos-edlen Sava-Hymnen wie Gutter Ballet und Hall Of The Mountain King.

Der interessante Teil des Abends ist damit bereits abgehakt. Wie banal die Stilrichtung Power Metal heute klingt, führt im Anschluss an JON OLIVA´S PAIN das junge finnische Quintett SONATA ARCTICA vor: Handzahmer, lächerlich keyboardgeschwängerter Gute-Laune-Micky-Maus-Metal, der in keinem Moment über die Kopie der Kopie (STRATOVARIUS, HELLOWEEN, alte RAINBOW — man darf‘s sich‘s aussuchen) hinausreicht. Früher war alles besser? In diesem Fall aber bitteschön absolut …

Als Doro Pesch zu fortgeschrittener Stunde die Bühne stürmt, hat sich der Löwensaal bereits merklich geleert. Angetrieben von einer vorzüglichen Begleitband legt die zierliche Düsseldorferin ein straffes Best-Of-Programm vor, das neben zahlreichen Gassenhauern ihrer alten Band WARLOCK (Burning The Witches, True As Steel, Hellbound, I Rule The Ruins) jede Menge Songs aus ihrer inzwischen 18-jährigen Solokarriere beinhaltet. Und ich bleib´ dabei: Die Liedlein nach 1987 taugen nix.

Hinzu kommt, daß Fräulein Pesch eine beneidenswerten Peinlichkeitsresistenz besitzt in dem, was sie da auf der Bühne so treibt. Bizarre deutsch-englische Kuschelansagen der Marke Ihr alle habt wirklich einen Platz deep in my Herz (Kult!), gepaart mit das Haltbarkeitsdatum längst überschrittenen Totgenudelt-Nummern wie Für immer bescheren dann doch den ein oder anderen gruseligen Konzertmoment.

Bei allem Spott muss man der 41-Jährigen jedoch eines lassen: Auch live in Nürnberg erweist sie sich – konstant vorwärtsgepeitscht von ihrer famos eingespielten und entfesselt posenden Begleittruppe – mal wieder als unermüdliche Arbeiterin, die erst dann Ruhe gibt, als auch der letzte im Saal die Hände oben hat. Respekt für so viel Einsatz!

gnadiator
Stef (aka “gnadiator”) steuert seit 2002 immer wieder Konzertberichte, Interviews, Reviews oder Filmkritiken bei.