BANG YOUR HEAD 2002: Der Festivalbericht

BANG YOUR HEAD 2002: Der Festivalbericht

Das Festival

Freitag

Rival | Rhapsody | Jag Panzer | Titan Force | Fozzy | Nightwish | Saxon

Samstag

Mägo de Oz | Tankard | Vanden Plas | Iron Savior |
Candlemass | Nevermore | Doro
| Halford | Slayer



Das Festival

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Sechs Jahre ist es nun her, dass ich zum ersten Mal das Bang Your Head-Festival – damals noch in Tübingen in der Stefan-Hartmann-Halle – besuchte, und auch dieses Jahr ist mir wieder einmal extrem bewusst geworden, was aus diesem kleinen, ich möchte fast sagen Liebhaberfestival geworden ist. Zum damaligen Zeitpunkt wäre es für die meisten wohl undenkbar gewesen, ein derart traditionell angelegtes Festival in der Größenordnung miterleben zu können, wie es dieses Jahr der Fall war. Bang Your Head 1996, das war ein Festival, bei dem sich einige wenige “ewig Gestrige” zusammengefunden hatten, um sich letzten Endes gemeinsam darüber klar zu werden, dass die fetten Jahre des Heavy Metal wohl endgültig vorüber sind und man glücklich darüber sein kann, dass es noch ein paar „unbelehrbare Verrückte“ gibt, die den Mut haben, eine derartige Veranstaltung durchzuziehen, und sich dabei nicht vom finanziellen Risiko eines solchen Unterfangens abschrecken lassen.

Im Jahr 2002 nun, kann man feststellen, dass sich die Mühen eindeutig gelohnt haben. Vieles hat sich seither verändert – sowohl Fans als auch das Festival, einiges zum positiven, einiges zum negativen. Ein paar Dinge sind aber geblieben und das sind genau diejenigen, die letzten Endes dazu beitragen, dass das Bang Your Head nach wie vor zum besten gehört, was der Festivalsommer mit sich bringt: das friedliche Miteinander der Fans, das Gefühl, gemeinsam Teil von etwas Besonderem zu sein, musikalische Momente für die Ewigkeit und die Rückkehr schwermetallischer Legenden.

Wenig Glück hatten die Veranstalter dieses Jahr mit dem Line-Up. Denn das Pech, dass mit MAGNUM und SYMPHONY X bereits kurz vor der Veranstaltung zwei wichtige Acts ausgefallen waren, setzte sich über die beiden Festivaltage hinaus fort. Mit DORO und BONFIRE konnten die Veranstalter ja immerhin kurzfristig zwei Acts engagieren, mit denen ein Großteil der Besucher zwar alles andere als glücklich war, der tragische Ausfall von OVERKILL war in der Kürze der Zeit jedoch nicht mehr zu kitten.

Für alle, die es bislang noch nicht mitbekommen haben: Bobby Blitz brach am Abend vor dem Bang Your Head-Festival plötzlich beim OVERKILL-Gig in Nürnberg zusammen, war zunächst halbseitig gelähmt und lag zwei Stunden im Koma. Glücklicherweise konnten die befreundeten Bands bereits am Samstag verkünden, dass es Bobby wieder deutlich besser ginge und er wieder in Ordnung käme. Deshalb auch an dieser Stelle vom gesamten vampster-Team alles Gute und eine schnelle Genesung an Bobby!

Ebenso wenig Einfluss hatten die Veranstalter darauf, dass dass der Schlagzeuger von IRON SAVIOR verkehrsbedingt festsaß, so dass deren Auftritt für kurze Zeit auf der Kippe stand und dass die speziellen Linkshändergitarren von CANDLEMASS nicht rechtzeitig auf dem Gelände eintrafen, weshalb deren Auftritt von Freitag auf Samstag verschoben werden musste. Dass das letztere Problem gelöst werden konnte, darf wohl in erster Linie Harry „The Tyrant“ Conklin angerechnet werden, der auf diesem Festival eine einfach unglaubliche Leistung vollbrachte. Nachdem er bereits am Vorabend einen leidenschaftlichen Gig bei der Warm-Up-Show hinlegte und am Freitag bereits um 12.25 Uhr mit JAG PANZER auf der Festivalbühne stand, sprang er nicht mal zwei Stunden später kurzerhand mit TITAN FORCE ein, deren Gig eigentlich für Samstag geplant war, und brillierte dennoch mit einer unglaublichen Gesangsleistung. Einfach fantastisch.

„Warm-Up-Show“ – ein Stichwort, das mich unweigerlich zu einem dicken Kritikpunkt am Bang Your Head-Festival führt, den ich einfach nicht unerwähnt lassen kann: die Preispolitik. Natürlich ist es leicht, einen Eintrittpreis von 50 Euro im Vorverkauf mit den Preisen der Einzeltickets für die einzelnen Bands aufzuwiegen und zu dem Ergebnis zu kommen, dass man auf diese Art weitaus billiger fährt. Doch diese Rechnung geht einfach nicht auf. Denn wenn man die Anzahl an Bands anderen Festivals gegenüberstellt, diese auf die Tickets umrechnet und dann vergleicht, so ist das Bang Your Head ganz klar auf einer der Spitzenpositionen. Hinzu kommt, dass der Preis des Tagestickets für den Samstag dem eines Festivaltickets vom Vorjahr ungefähr gleich kommt – und auch im letzten Jahr fand man nicht weniger lohnenswerte Acts im Line-Up vor. Was für mich aber ganz klar am Schwerwiegendsten ist, ist die Verteilung des Festivalpreises in kleine Pakete. Denn die Zahlerei endet nicht beim Erwerb des Festivaltickets. Auch die beiden Zusatzshows im WOM kosteten jeweils 15 Euro, genauso durfte man für´s Campen 7 Euro pro Fahrzeug plus 11 Euro pro Person (von denen man bei Rückgabe eines vollen Müllsacks 5 Euro zurück erhielt) löhnen. Wollte man also das Komplettpaket, so kam man summa summarum auf stolze 92 Euro, wenn man sich denn das Ticket bereits im Vorfeld an einer Verkaufsstelle besorgt hatte. Kurzentschlossene kamen mit dem Festivalticket gar auf 103 Euro. Und das ist meiner Meinung nach einfach zu viel! Das bekommen andere besser hin und ich glaube einfach nicht, dass das Bang Your Head derart knapp kalkuliert ist, als dass solche Preise gerechtfertigt wären. Wenn man sich dann noch ein wenig was zum Essen und Trinken (0,4 l Bier – 2,60 Euro, Currywurst – 2,60 Euro,…) gönnen wollte, evtl. gar noch auf die abwegige Idee eines Besuches des Metalmarkets (da dürften die 2,50 Euro Eintritt in den meisten Fällen den kleinsten Teil des ausgegebenen Geldes ausmachen) kam oder gar noch ein Festival-T-Shirt mitnehmen wollte, dann konnte man seinem Urlaubsgeld recht schnell Lebewohl sagen.

Damit aber genug des Verwaltungskrams, denn letzten Endes soll das ganze ja ein Festivalbericht und keine Buchhaltung werden.

Und es gibt ja auch noch genug Positives zu sagen.

Was da ganz weit vorne ansteht, ist die Sache mit der Hygiene. Denn soweit diese auf einem Festival überhaupt zu gewährleisten ist, haben die Leute vom Bang Your Head ganze Arbeit geleistet. Dass Dixies bei Festivals extremst eklig verschmutzt werden, das ist einfach nicht zu verhindern. Vielmehr ist die Frage, wie lange man als Besucher diesen Zustand ertragen muss, bis man die Dinger endlich wieder betreten kann ohne dabei Würgekrämpfe zu bekommen, die entscheidende. Und da gibt es ein dickes ´Daumen nach oben´! Gleiches gilt natürlich auch für die „Festtoiletten“ auf dem Festivalgelände, die den langjährigen Festivalbesucher nur überraschen konnten.

Wie auch schon in den Vorjahren war die Security auch dieses Jahr wieder absolut vorbildlich! Jedenfalls hätten wir nichts Negatives mitbekommen und unsere Erfahrungen waren durchweg positiv. Ja, wir hatten sogar richtig Spaß mit der Security, wobei wir einen nach seiner witzigen Geschichtenerzählerei ganz besonders ins Herz geschlossen haben. Bei welchem Festival gibt´s das denn sonst, dass man sich geradezu freut, wenn einer der Ordnungskräfte am Zelt auftaucht und sich sogar die Zeit für ein geselliges Pläuschchen nehmen? Es geht eben auch so!!!

Und das ist ja auch das, was alle am Bang Your Head zu schätzen wissen: der friedliche Umgangston, der – von wenigen unrühmlichen Ausnahmen abgesehen – zwischen den Besuchern, den Veranstaltern, den Hilfskräften und der Polizei vorherrscht. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber ich denke das kann nicht oft genug erwähnt werden.

Und auch sonst stimmte die Organisation auch dieses Jahr wieder: zwar haben die Veranstalter die Schlangenbildung am Eingang zu Beginn des ersten Acts immer noch nicht in den Griff gekriegt, ansonsten gab es aber erneut kein langes Warten, egal, um was es ging.

Etwas merkwürdig mutete allerdings zunächst das „Bon-System“ an. Für Getränke musste man Marken erwerben, wobei der Preis von 2,60 Euro für einen Bon wohl alles sagt. Bezahlen musste man aber tatsächlich 3,60, denn in jeder Marke enthalten war gleich 1 Euro Pfand. Gab man dann seinen Becher ab, so bekam man ein schwarzes Plastikmärkchen, das man an der Bonkasse dann wieder in einen vollwertigen Euro eintauschen konnte. Gewöhnungsbedürftig, aber es hat funktioniert!

Weit entfernt von den Ursprüngen des Festivals haben sich die Veranstalter inzwischen jedoch, was das Rahmenprogramm anging. Ich denke das einzige, was da noch geblieben ist, ist der Metal-Market. Ansonsten waren kleine Sonderaktionen – von der ein oder anderen Autogrammstunde mal abgesehen – so gut wie nicht vorhanden. Vor allem von den angekündigten Kurzinterviews auf der Mainstage habe zumindest ich nichts mitbekommen.

Besondere Aktionen diverser Bands sind inzwischen auch fast gänzlich verschwunden. Klar, da war die SAXON-„Eagle“-Show, der Auftritt von RHAPSODY mit ihrem Kulissenaufbau, aber sonst? Special Appearances bei den einzelnen Gigs gab´s lediglich bei RAWHEAD REXX, als Geoff Thorpe die Bühne enterte und mit den Jungs gemeinsam alte VICIOUS RUMORS-Songs zockte. Und versteht mich nicht falsch: Natürlich ist es Blödsinn, derartige Dinge zu fordern. Ich persönlich würde mich einfach freuen, wenn solche Sachen, bei denen man bislang im Nachhinein immer das Gefühl hatte, ein Stück Metalgeschichte miterlebt zu haben, nicht gänzlich beim Bang Your Head aussterben. Kleine Erinnerung an die alten Werte also. 🙂

Vielleicht sollte ich mich aber einfach langsam damit abfinden, dass das Bang Your Head inzwischen eine ganz andere Zielrichtung verfolgt, als es noch vor sechs Jahren der Fall war. Und diese scheint mir inzwischen ein generationenübergreifendes Event zu sein, das die alte Hardrock- mit der „neuen“ Metalwelt in einen Einklang bringt und sich gleichzeitig gegen jede Trendanbiederei wehrt. Und diese Mischung scheint mir inzwischen immer mehr zu funktionieren.

Ja und was zum Schluss natürlich wieder auf keine Fall fehlen darf, das ist der Dank an den Metalheiligen Petrus, der auch dieses Jahr voll dabei war und uns das fast perfekte Festivalwetter bescherte – wer braucht schon ´nen Wetterbericht, der einem erzählen will, wie beschissen das Wochenende wird??? 🙂

So, und damit kommen wir also zum Wesentlichen.

FREITAG, 28.06.02

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Rival

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Es lag Spannung in der Luft. Vorfreue auf die Bands, deren Präsenz bereits spürbar war. Eine jungfräuliche Vorfreude, denn von den Absagen, Verlegungen und deren zugrundeliegenden Ursachen wussten viele Fans, die ab ca. 10 Uhr am Freitagmorgen vor dem großen Festivaltor standen noch nichts.

Die Torwächter vom letzten Jahr müssen blind gewesen sein (wahrscheinlich Blind Guardian Fans 😉 – ein unglaublicher Brüller, ich weiß), denn was die lange Warteschlange angeht, war auch dieses Jahr keine nennenswerte Läuterung eingetreten. Nur wer sich rechtzeitig angestellt hat, konnte den gesamten RIVAL Gig sehen.

Und der hatte es in sich und mutierte zum Überraschungserfolg! Ich kannte RIVAL bisher von einigen Fanzine-Berichten und durch die Anpreisungen diverser True Metal Fanatiker (die allerdings alles bedenkenlos abfeiern, was der alten Lehre entspricht). Dementsprechend vorsichtig habe ich mich an den Sound der vier Amis herangetastet. Doch innerhalb von kürzester Zeit hatten RIVAL bei mir gewonnen. Ihr energiegeladener US Metal glänzt durch abwechslungsreichen Songs, zielgerechtem Einsatz von Gitarrensoli und einem coolen Stageacting. Die gesamte Band war in schwarz gekleidet, ausgerüstet mit, zum guten Wetter passenden, schwarzen Sonnenbrillen. Die Spielfreude der Men In Black war von der ersten bis zur 40. Minute allgegenwärtig. Wie bereits in vielen anderen Berichten zu lesen, beschwört die Stimme von John Johnson den Vergleich mit der 80er US Metallegende OMEN herauf. Musikalisch dagegen treffen RIVAL mit ihren doppelläufigen Gitarrenmelodien und dem routinierten Dampfhammer Drumming vom (weniger cool wirkenden, dafür unglaublich konzentriert spielenden) Gary Olson eine Auswahl aus diversen qualitätsbehafteten Zutaten von Maiden bis (alten) Metallica. Nach einer selbstbetitelten EP stehen RIVAL, die bereits vor 12 Jahren in Chicago gegründet wurden, mit der neuen CD „Modern World“ in den Startlöchern. Und ich werde gleich mal sehen, wo ich die Teile herbekomme. Wenn es euch (wenigstens zum Teil) auch so geht, haben sich die Flugtickets zum BYH (die die Band selbst bezahlt hat) schon bewährt. (Jens Koch)

Rhapsody

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Oha, RHAPSODY trugen nach dem erdigen Auftritt von RIVAL dann gleich mal so richtig dicke auf. Ein riesiges Fantasy-Backdrop, Kulissen in Form von großen gemauerten Pforten (die ganz SPINAL TAP-like auch gerne mal vom Wind verweht wurden) und ein langes Intro zu Beginn der Show, inklusive Laienschauspieler in Knochenmaske – witzig anzuschauen, aber alles andere als besonders dramatisch. Und dann enterte die Band die Bühne und ging ordentlich nach vorne los. Was die Live-Show der Italiener anging, hatte ich bislang nur die gruseligsten Stories gehört und so war ich letzten Endes dann doch positiv überrascht. Denn die Performance ging auf jeden Fall in Ordnung und man muss einfach zugeben, dass das, was RHAPSODY machen, auch gut machen. Musikalisch kann mich die Band zwar auch live nicht überzeugen, zu sehr wirken die Songs auf mich wie eine austauschbare Aneinanderreihung immer wiederkehrender Ideen und Strukturen, doch zumindest war der Auftritt unterhaltsam. Die Band ging mit sehr viel Elan an die Sache, hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt und wenn ich den Geschichten vergangener Auftritte glauben schenken darf, so haben die Italiener auch an ihren Instrumenten dazugelernt. Das heißt, soweit man das überhaupt beurteilen konnte, überlagerten die Keyboards doch fast alle anderen Instrumente, so dass sich die anderen Musiker ohne Probleme auch den ein oder anderen Fehler erlauben konnten, ohne dass man diesen heraushören hätte können. Richtig ernstnehmen konnte ich den Gig letzten Endes aber beim besten Willen nicht. Es war eben wie eingangs bereits erwähnt, einfach alles ein bisschen zu dick aufgetragen und das auf eine sehr poserhafte Weise. Ich meine wozu brauche ich z.B. Backgroundmusiker, wenn diese schlicht und ergreifend keine Funktion haben? Dem Flötist hat man netterweise immerhin ja noch ein Mikrophon hingestellt, damit man wenigstens das Gefühl hatte, dass er auch tatsächlich spielen möchte (hören konnte man ihn selbstverständlich nicht!), doch das schien man bei dem blonden Mädel, das beim letzten Song mit Tamburin bewaffnet die Bühne betrat, vergessen zu haben, so dass die Frau tatsächlich keine andere Funktion hatte als hübsch auszusehen und die Möpse hüpfen zu lassen…dann lasst das Tamburin doch gleich weg! 😉 (Fierce)

Jag Panzer

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JAG PANZER sind genial. Immer wieder. Da brauchma garnet drübber redde! Was mich aber langsam ein wenig anödet, ist die „Tourpolitik“ der Band. Ich als egoistischer Fan, der das Berufsleben der Musiker bewusst ignoriert, hätte viel lieber wieder einmal eine schweißtreibende Clubshow der Colorado Stahlsymphoniker. Egal ob im Vorprogramm oder als Headliner. Bereits seit 1999 pendeln JAG PANZER nur noch zwischen Wacken und Balingen hin und her. Und immer wieder das gleiche: brillante Stimme von Harry Conklin, geniale Gitarrenarbeit von Chris Broderick und ein tightes Zusammenspiel von John Tetley (b.), Rikard Sternquist (d.) und Bandkopf Mard Briody (g.). Aber das alles über den Köpfen der Fans, bei Tageslicht in einer Entfernung, in der eine echte Liveatmosphäre nur schwer aufkommt.

So wie ich die Band bis jetzt kennen gelernt habe, würde jeder einzelne von ihnen wohl sehr gerne meinem Wunsch nachkommen. Aber ein „anständiger“ Beruf finanziert ihr Hobby „JAG PANZER“ und nicht jeder Personalchef ist so großer Fan, dass er für eine Tour seine Angestellten freistellt (ganz abgesehen von den ernormen Kosten einer Tour). Mal seh´n, was die Zukunft bringt. In Balingen spielten JAG PANZER einen gelungenen Set, der nur durch diverse Soundquerelen gestört wurde. Z.B. bei den Soli von Chris Broderick, die viel zu laut aus den Boxen dröhnten, während seine Rhythmusarbeit ungleichmäßig still war. Oder bei Mark Briody, dessen Gitarre zeitweise überhaupt nicht mehr zu hören war. Als Blickfang agierte ein sehr gut gelaunter „Harald, der Tyrann“ der seine anwachsende Matte wieder dem Finanzamtfachangestellen Look incl. Seitenscheitel opferte. Die Setlist war sehr abwechslungsreich. Die Höhepunkte lagen eindeutig bei ‚Generally Hostile’ von „Ample Destruction“, ‚Black’ von „The Fourth Judgement“ und ‚Iron Eagle’ von „The Age Of Mastery“. Der Rest der 45 Minuten stand dem natürlich nicht weit nach. Auch die beiden letzten filigranen Werke „Thane To The Throne“ und „Mechanized Warfare“ wurden berücksichtig, fanden beim Publikum jedoch nicht den gleichen Anklang wie die älteren Werke. Schade fand ich, ähnlich wie letztes Jahr in Wacken, dass ‚Shadow Thief’ – der Mitte der Achtziger verschütt gegangene und auf dem „Judgement“-Album erneut aufgenommene Klassiker – nicht im Set aufgetaucht ist. Dann wäre nächstes Jahr wieder Wacken an der Reihe, oder? (Jens Koch)

Titan Force

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Nachdem sich die Doomfans bereits in die vorderen Publikumsreihen aufgemacht hatten um ihrem Gott CANDLEMASS zu huldigen, erschien unerwartet Horst Odermatt auf der Bühne um mitzuteilen, dass die Schweden nicht auftreten können, da deren speziellen Linkshändergitarren nicht rechtzeitig auf dem Gelände ankamen. Lange Gesichter waren die Folge, Beruhigung trat jedoch ein, als Horst klar machte, dass CANDLEMASS am Samstag auftreten würden und TITAN FORCE mit den Doomern getauscht haben. „Dann schau ich jetzt eben TITAN FORCE“, war die Reaktion der meisten Anwesenden und die Band war auf jeden Fall ein würdiger Ersatz! Denn neben dem phänomenalen CANDLEMASS-Auftritt gehörte der von TITAN FORCE ganz klar zu den absoluten Höhepunkten des Festivals!

Und auch wenn neuere JAG PANZER-Stücke nicht immer so eindeutig vom alten TITAN FORCE-Sound abzugrenzen sind, unterscheiden sich die Bands auf jeden Fall optisch und auch von der Ausstrahlung her deutlich. Das wurde schon klar, als der Tyrant in Schlabberjeans und –Longsleeve die Bühne betrat. Den Rest der Band hätte ich ehrlich gesagt aufgrund der alten Bilder nie im Leben wieder erkannt. Am krassesten hat sich dabei sicherlich der kleinste der Flores-Brüder am Bass verändert, der mehr wie ein zu alt geratener Informatikstudent im Sommerurlaub wirkte, als wie ein Metalmusiker. Und auch seine entspannte und durchweg sympathische Art (ein echter Klassiker, ich weiß, aber was soll ich machen, wenn es halt so ist??? >g< ) wirkte alles andere als Metal. Aber genau diese Eigenwilligkeit gab dem Auftritt noch mal ein Plus an Ausstrahlung und so konnten die Dinge ihren Lauf nehmen.
TITAN FORCE boten ein verdammt gut gewähltes Best-Of-Programm, das ganz klar nicht alle Klassiker der Band beinhalten konnte, aber durchweg überzeugte. „Small Price to Pay“, „Shadow of a Promise“ (soooo genial!!), „Master of Disguise“, „Fields of Valor“, „Chase Your Dreams“ – hammergeil! Und ich bereute. Ich bereute dass ich die beiden Alben dieser Band schon zu lange nicht mehr in den Player gelegt und die Texte nicht mehr derart verinnerlicht hatte, um sie aus dem Stehgreif mitsingen zu können. Zum Glück gab es aber genug Leute im Publikum, die besser waren als ich und so konnte sich die Band auf die anwesenden verlassen und entsprechend agieren.

Ihr wisst was jetzt kommt: der Lobgesang auf Meister Conklin, der auf diesem Festival von der Metalgemeinde endgültig heilig gesprochen wurde. Ich meine welcher andere Sänger schafft es schon, innerhalb von 12 Stunden 3 Gigs hinzulegen und dabei auch noch beim dritten eine derart geniale Leistung abzuliefern – einfach jeder Ton saß, war mitreißend umgesetzt und für lange, hohe Screams war auch noch genug Raum. Genial!

Viel zu kurz war letzten Endes der Auftritt und überglücklich, sich aber in einem unlösbaren Zwiespalt befindlich blieb der Fan zurück: wünsch ich mir nun eine richtige Reunion mit neuen hoffentlich genialen Songs oder möchte ich lieber, dass die Dinge so belassen werden, wie sie sind, damit das Risiko erst gar nicht entsteht, dass das Andenken an diese Band und vor allem diesen Auftritt zerstört wird. (Fierce)

Fozzy

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Nun war also die Zeit für FOZZY gekommen und im Vorfeld hatte das Heavy, oder was!? für diesen Auftritt dick Werbung gemacht. So spektakulär und umwerfend, wie das ganze angekündigt wurde, ist die Show dann allerdings beileibe nicht geworden. Damit sage ich nicht, dass FOZZY ihre Sache nicht gut gemacht hätten! Diese Band ist ganz klar eine hervorragende Coverband, die gut Action auf der Bühne macht, mehr aber auch nicht. Ich persönlich hab mir die ganze Sache jedenfalls um einiges spektakulärer vorgestellt, als wie sie letzten Endes geworden ist und ich denke ich war nicht der einzige, der sich an dieser Stelle gefragt hat, wieso nun ausgerechnet diese Band diese Position auf dem Billing bekommen hat (man kann sich seinen Teil ja denken…).

Die Songauswahl jedenfalls hat sicherlich den Nerv des Publikums getroffen, wobei sich die Band eigene Lieder im Grunde hätte sparen können. Die traditionellen Metalklassiker wie „Balls to the Wall“, „Stay Hungry“ oder „Stand Up and Shout“ setzte die Band jedenfalls sehr gut in einen zeitgemäßen Sound um und konnte sich auch sicher sein, dass diese vom anwesenden Publikum aus dem ff mitgegrölt wurden. Die Band war super tight, Chris Jericho glänzte mit seinem kräftigen, wenn auch etwas identitätslosen Metalorgan und Bewegung war auf der Bühne ebenfalls ausreichendst vorhanden. Chris fegte wie ein Wahnsinniger über die Bretter und profitierte ganz offensichtlich von seiner Wrestlerkondition. Doch auch seine sportliche Erfahrung verhinderte nicht, dass es ihn in seinem Elan das ein oder andere mal ordentlich hinsetzte, was das Muskelpaket aber ganz locker nahm und professionell in seine Show integrierte. Aber das sagt schon einiges aus, denn offensichtlich war diese Band dazu bereit, alles zu geben und so richtig abzugehen. Und so bleibt auf jeden Fall ein angenehmer Gesamteindruck, außergewöhnliche Gags, wie man sie vermutete, blieben bis auf ein in Tarnklamotten gekleidetes Kameraschwein allerdings aus. (Fierce)

Nightwish

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Die Finnen sind mittlerweile Vollprofis – und somit vielleicht sogar etwas zu professionell. Am Auftritt kann man nicht mäkeln, technisch sauber gespielte Songs – sieht man mal von der gewöhnungsbedürftigen Version von „Kinslayer“ ab – eine technisch perfekte Gesangsleistung von Tarja, doch insgesamt konnte mich die Band nicht begeistern.

Auch wenn Tarjas Stimme über alle Zweifel erhaben ist, könnte sie doch etwas mehr Kontakt zum Publikum schaffen – oder es zumindest versuchen, statt in den Gesangspausen nur mit dem Mikro zu wedeln und unmotiviert zu gestikulieren. Als Frontfrau wirkt sie noch immer schüchtern und unsicher, was einfach nicht zum selbstbewussten Auftreten ihrer Bandkollegen passen will. Auch Tuomas übertriebenes Rumgehopple hinter seinen Keyboards wirkte eher bemüht als ehrlich. Dementsprechend steril kam der Auftritt rüber, und ich wurde den Eindruck nicht los, dass sich die Finnen Mühe gaben, eine ordentliche Show zu liefern, aber eben nur routiniert ihr einstudiertes Programm abspulten. Sicher, die Reaktionen in den ersten Reihen waren gut, doch insgesamt blieb nach dieser Show ein schaler Nachgeschmack – was nicht unbedingt an den anfänglichen Soundproblemen lag.

NIGHTWISH spielten erstaunlich wenige Songs vom aktuellen Chartbreaker „Century Child“: Unter anderem „Dead To The World“ und „Slain The Dream“, vervollständigt wurde die Setlist von älteren Nummern wie„Kinslayer“, Sacraments Of Wilderness“, “Wishmaster“ und den Zugaben „Sleeping Sun“, dem Gary Moore Cover “Over The Hills And Far Away“ und “Come Cover Me”. Alles in allem war der Auftritt ganz nett, doch auf mich wirkte die Band vollkommen seelenlos – eine Meinung mit der ich nicht alleine bin, doch genauso viele NIGHTWISH Fans waren begeistert. An dieser Band scheiden sich eben nicht nur in puncto musikalischer Qualität die Geister. (vampi)

Saxon

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Seit ihrem Auftritt beim BANG YOUR HEAD 2000 gehören SAXON, die bis dahin für mich nur ein Haufen alter Männer mit ein paar netten Songs waren, zu den Bands, die ich mir immer wieder sehr gerne anhöre und vor allem ansehe – denn live sind die „alten Männer“ noch immer eine Macht. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an Biff und seine Mitstreiter im Publikum.

Los ging es mit „Killing Ground“ vom gleichnamigen Album, neben der KING CRIMSON Coverversion „Court Of The Crimson King“ der einzige Titel von der aktuellen Veröffentlichung. Die Setlist glich einem „Greatest Hits“ Programm, wobei man sicher darüber streiten kann, welche Songs gefehlt haben – doch auch SAXON können nicht ewig spielen. Und so freute sich das Publikum über Klassiker wie „747-Strangers In The Night“, „Motorcycle Man“, „Forever Free“, „The Power And The Glory“, „Dallas 1 p.m.“, „Princess Of The Night“, „Strong Arm Of The Law“ oder dem Urlat-Song „Backs To The Wall“. „Crusader“ wurde stürmisch gefordert – und natürlich spielten SAXON den Song am Ende des regulären Sets, doch bis dahin gab es noch eine ganze Menge zu sehen und zu hören: Der Adler, der schon fürs letztjährige Wacken Open Air abgestaubt wurde, schwebte auch beim BANG YOUR HEAD 2002 zu „The Eagle has Landed“ vom Himmel. Auf der Bühne war eine kleine Burgkulisse mit Galerie -Laufsteg und Ritterrüstungen aufgebaut. Die Deko wirkte beim genauen Hinsehen zwar etwas improvisiert, doch das machten SAXON durch viel Bewegung auf der Bühne locker wett. Nur Bassisten-Energiebündel Nibbs hatte etwas Anlaufschwierigkeiten – erst nach ein paar Songs lief der Gute zur gewohnten Form auf und wetzte headbangend über die Bühne.

„Conquistador“ wurde durch ein Schlagzeugsolo von Fritz Randow aufgelockert, doch wer die Band auf der „Killing Ground“ Tour gesehen hatte, war über das eingeschobene „Heavy Metal Thunder“, das dann wieder in „Conquistador“ mündete, nicht überrascht. Wenig überraschend, wenn auch beeindruckend, waren die Reaktionen des Publikums: Sämtliche Mitsingspielchen wurden brav ausgeführt, jeder Song, jede Ansage ausgiebig bejubelt. Kein Wunder, denn mit Biff Byford steht nicht nur ein Routinier, sondern auch ein Sänger mit ungebrochener Ausstrahlung auf der Bühne. Nach „Crusader“ und diversen Solo-Einlagen der einzelnen Musiker war erwartungsgemäß noch nicht Schluss, schließlich legen SAXON immer gerne die ein oder andere Zugabe nach. „Solid Ball Of Rock“, „Wheels Of Steel“ und „Denim And Leather“ waren die Extrasongs, wobei besonders „Denim and Leather“ arg in die Länge gezogen wurde. Hätten sich SAXON die ein oder andere ausufernde Ansage oder das WM-Final Tippen (laut Biff 3:5 für Deutschland, wobei er sich gleich Gedanken darüber machte, ob er nach diesem Tipp in Brasilien noch herzlich empfangen werden wird) gespart, dann wäre noch Zeit für „20,000 Feet“ oder „Broken Heros“ gewesen, worüber sich der ein oder andere Fans bestimmt gefreut hätte. Wie auch immer, SAXON haben einmal mehr bewiesen, dass sie alles andere als gealterte Rockstarts sind – im Gegensatz zu manch anderem, der beim diesjährigen BYH aufgetreten war. (Vampi)

SAMSTAG, 29.06.02

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Mägo de Oz

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Kurzes Schlagzeugintro und fünf Musiker stürmen die Bühne um ein Festival für sich zu gewinnen.

Die Band, die auf dem diesjährigen Bang Your Head mit Sicherheit den größten Fanzuwachs für sich verzeichnen konnte, waren MÄGO DE OZ aus Spanien. Stand ich zu Beginn des Gigs noch mit bestimmt fünf Meter Freiraum um mich herum vor der Bühne, wurde die Menge mit jeder weiteren Minute, die die Band spielte, dichter (Missverständnisse sind nicht beabsichtigt!).

Aber kein Wunder, denn ich denke den generationsübergreifenden Grundgedanken des Festivals verkörperte keine andere Band besser als MÄGO DE OZ. Mit ihrer Mischung aus altem Hardrock, traditionellem Metal und Folk schafften es die Spanier mit Leichtigkeit ein breit gefächertes Publikum jeden Alters (ich habe Kinder und Senioren tanzen sehen!) anzusprechen. Dabei profitierte die Band deutlich davon, dass sie sich als genrefreie Rockband zu verstehen scheint, die nicht nur eingeschränkte Zielgruppen ansprechen möchte. Hinzu kommt, dass hier nicht ein paar Jungspunde auf der Bühne stehen, die sich beweisen wollen, sondern „reife“ Musiker, die ganz offensichtlich sehr viel Spaß an ihrer Musik haben und die zudem noch in ihrem Heimatland sehr viel Möglichkeit hatten, Liveerfahrungen zu sammeln. Jedenfalls schöpfte die achtköpfige Band aus den Vollen des Rockposingpools und setzten diese Zitate der Rockgeschichte so um, dass sie dennoch stets spontan und nicht einstudiert wirkten. Von STATUS QUO-mässigem Gitarrengeschunkel (mit sieben Musikern in einer Reihe bekommt das ganze wieder eine völlig neue Dimension) über Violinen/Flötenjagden über die Bühne in bester SKYCLAD-Manier, bis hin zum schönsten 80er-Metal-Gitarrengepose hatten MÄGO DE OZ wirklich alles drauf, ja Gitarrist Carlitos mimte mitunter gar den Yannick!

Dass der Großteil des Publikums die Songs dieser Band nicht kannte, war für die Spanier kein Hindernis. Denn mit Stücken wie „Maritormes“, „El Que Quiera Entender que Entienda“, „Fiesta Pagana“ oder „Mounos de Viento“ wählte die Band bewusst eingängige, rockige Stücke, die sich schon nach kurzem im Gehör festsetzen und mit denen man zudem auch gut mitgehen/-tanzen/-hüpfen/-singen/-… konnte. Unerwartete Breaks wusste vor allem Sänger José durch entsprechende Gestiken anzukündigen, Rhythmuswechsel und ähnliche Spielchen wurden einfach dirigiert, so dass der Spaß nie ins Stocken geriet. Und dass José das Publikum zum Schluss gar dazu bewegen konnte, in die Hocke zu gehen und auf sein Kommando wieder aufzuspringen zu lassen, spricht sicher Bände.

Kein Wunder also, dass MÄGO DE OZ als einzige der „Vorbands“ lautstarke Zugaberufe zu hören bekamen, obwohl die Bühne bereits umgebaut wurde. Gewinner auf der ganzen Linie! (Fierce)

Tankard

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TANKARD haben sich für das BANG YOUR HEAD entweder ein ganz besonderes Outfit zurecht gelegt, oder sind, was man bei den Königen des Bieres wohl eher vermuten würde, erst kurz vor Beginn ihres Festival-Auftritts aus den Betten gefallen. Jedenfalls stand das Quartett morgens gegen 11 Uhr in Schlafanzügen auf der Bühne, die dem „Design“ nach überwiegend aus den Siebzigern stammten, um ihren alkoholgeschwängerten Metal gleich dosenweise in die Menge zu kippen. Die Songauswahl war eine gewohnte Mischung aus alten Klassikern (Chemical Invasion, Space Beer…), neueren Stücken wie Kings Of Beer (vom gleichnamigen Album) sowie einem brandneuen, geilen Stück vom nagelneuen Album namens „Rectifier“. Obwohl die frühe Stunde noch nicht so sehr zum Feiern einlud, waren die Frankfurter über diesen Platz im Billing ganz froh, da sie nach eigenen Angaben (selbstverständlich *g*) erst abends um acht hätten spielen sollen, dies aber mit der Begründung ablehnten, dann schon lange nicht mehr nüchtern zu sein. Fraglich ist allerdings, ob sie an diesem Tag überhaupt noch betrunken wurden, Frontbauch Gerre beschwerte sich während des Auftritts jedenfalls lautstark, dass das Bier, das an die Musiker ausgegeben wurde, absolut ungenießbar sei, um es darauf hin munter im Publikum zu verteilen. Um seinen Unmut noch zu bekräftigen verlangte er standesgemäß nach „Freibier für alle“ (sonst gibt´s ja bekanntlich Krawalle), während Teile seiner Band mit heruntergezogener Schlafanzughose über die Bühne stolperten. Und so ging ein weiterer sehenswerter, weil sehr unterhaltsamer, Auftritt TANKARDS zu Ende…(Boxhamster)

Vanden Plas

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Die zweite musikalische Abwechslung im schwermetallischen Billing nach MAGÖ DE OZ betrat in Gestalt der Pfälzer Progmetaller von VANDEN PLAS den Ort des Geschehens und sorgte von Beginn an für Begeisterung in den ersten Reihen. Auch wenn Frontmann Andy Kuntz aussah, als hätte es an diesem Morgen besonders schnell gehen müssen mit dem Anziehen, zogen er und seine Mannen alle Register, soll heißen, vom Klassiker „Rainmaker“ (der zum Glück von Petrus ungehört blieb, hehe) über den Titeltrack von „Far Off Grace“ bis hin zu neuen Stücken wie „Cold Wind“ (ebenfalls ohne Auswirkungen auf das Wetter…) und dem live ebenso genial wie auf Platte drückenden Abgehstück „Free The Fire“ präsentierten die Fünf aus der Heimat des 1. FCK einen bunten Querschnitt durch ihr Schaffen. Besonders angenehm fielen wieder einmal die heftigen Gitarrenriffs und das unprätentiöse Spiel der Instrumentalisten auf, die dennoch locker mit zu den technisch hochwertigsten Musikern der zwei Tage zählten. Manch einer mag zwar so seine Probleme mit dem Stageacting der Jungs haben, doch letztlich wirkten sie auf mich einfach so, als hätten sie eine Menge Spaß auf der Bühne, den sie mit den Zuschauern teilen wollten, und daran gibt es nun wahrlich nichts auszusetzen. Manch ein Freund der reinmetallischen Lehre war vielleicht toleranztechnisch überfordert von der Masse an Tonleiterskalen, Rhythmuswechseln und krummen Takten, aber die große Stärke von VANDEN PLAS, mit der sie auch diesmal den Großteil des Publikums auf ihre Seite zogen, waren die supereingängigen Melodien, die stets bei aller Komplexität natürlich und nachvollziehbar wirkenden Übergänge sowie die gesunde Portion Härte, die andere Frickelfreunde so gerne vernachlässigen. Ich war sicherlich nicht der Einzige, der sich lieber noch ein paar VANDEN PLAS-Songs mehr gewünscht hätte, statt später von verkrampften Teutonenmetallern mit Einheitsbrei abgespeist zu werden. Aber man kann nun mal nicht alles haben J . (Rachendrachen)

Iron Savior

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Ohne irgendwelchen Schnickschnack betraten dann IRON SAVIOR die Bühne und legten direkt mit „Protector“ vom neuen Album Condition Red los. Davon, dass auf der Bühne drei Gitarristen in die Saiten hauten, war allerdings wenig zu hören, denn der Sound war sehr durchwachsen. Dass Bandkopf Piet Sielck nur seine Klampfe bediente, wenn er nicht mit Singen beschäftig war, machte die Sache nicht besser. Denn so fehlte bei jedem Solo, dass er spielte grundsätzlich der Anfang. Es folgte ein Querschnitt durch das bisherige Schaffen der Band (u.a. „Coming Home“, „Iron Savior“, „Condition Red“, „Mindfeeder“, „I’ve Been To Hell“). Die Band legte eine grundsolide Show ohne Ausfälle hin, obwohl die Ansagen vor allem im Vergleich zu CANDLEMASS doch arg dürftig ausfielen. Und da IRON SAVIOR nun wirklich keine Newcomerband mehr sind, müssen die Jungs mit der Kritik leben, dass ihrem Auftritt schlicht und ergreifend der Enthusiasmus fehlte. So ist es mir angesichts der riesigen Bühne unverständlich, daß Piet Sielcks Aktionsradius ungefähr eineinhalb Meter betrug. Außerdem hoffe ich, dass Schlagzeuger Thomas Nack bei den Hauptacts gesehen hat, was man alles aus einem Schlagzeug rausholen kann. Nach „Atlantis Falling“ wurde die Bühne dann wieder den Roadies überlassen. Ein paar Fans in den ersten Reihen schien es gefallen zu haben, doch ich denke, dass die meisten Besucher einfach eine gewisse Spielfreude vermisst haben. (Jutze)

Candlemass

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Deutschland, Balingen, Messegelände, 13.45 Uhr – die Stunde der Götter war gekommen.

Und mit was für einer alles niederwalzenden Macht! Was hatte ich mich schon auf diesen Auftritt gefreut, durfte ich die Band bislang doch noch nie live sehen. Und ich sollte erwartungsgemäß nicht enttäuscht werden und so war ich schon nach wenigen Minuten wie in einem Rausch. Ein Rausch, den ich gemeinsam mit einer großen Schar weiterer Fans teilen durfte, die alle so wie ich seit langem diesem Ereignis entgegenfieberten. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Schweden all denjenigen, die CANDLEMASS bereits in der Vergangenheit bewundern konnten, nichts wirklich neues boten. Aber auch diese durften diesem Nostalgietrip verfallen sein, denn die Götter des Doom wussten genau, was sie ihren Jüngern schuldig waren. Klassiker auf Klassiker schlugen auf die versammelte Anhängerschaft ein, als hätten die Schweden die Urgewalten der Erde freigesetzt (Nein, nein, ich greife nicht zu übertriebenen Formulierungen!). Wenn Messiah Marcolin mit seinen Beinen auf die Bretter stampfte, glich es einem Hammerschlag Thors und man bangte um den Bühnenaufbau. Und man musste ihn einfach lieben – gesanglich noch in absoluter Topform, eine Ausstrahlung, die es ihm leicht machte, das Publikum vom ersten Moment an in den Griff zu bekommen und eine Bühnenpräsenz, dem seine Mitstreiter nichts entgegenzusetzen hatten. Natürlich waren sich alle im Publikum der Bedeutung jedes einzelnen Bandmitglieds bewusst und jeder wusste die Leistung derer auch zu würdigen, aber den Blick von Messiah abzuwenden war schlichtweg unmöglich. Und er hatte seinen Fans auch genug zu geben, bangte, stampfte, kniete und warf sich auf den Boden.

Es war so genial und keiner wollte, dass es jemals aufhören würde. „Well of Souls“, „Crystal Ball“, „Under the Oak“; „Solitude“ in all seinem Glanz und „Samarithan“ in seiner unglaublichen Genialität. Eine Hammersongauswahl, der lediglich das kurz angespielte „Black Stone Wielder“ nicht gerecht werden konnte und doch gab es noch so viele Hymnen für die Ewigkeit nach denen es den Fans dürstete. Wieso gab man dieser Band nur eine dreiviertel Stunde Spielzeit? Warum wurde ein Act wie RAWHEAD REXX in der Setlist auf eine „höherrangige“ Position gesetzt (Mann, die Frage war rhetorisch ihr ewigen Besserwisser! >g< )? DAS war es doch was die Leute sehen wollten und DAS war es, was den Fans für immer im Gedächtnis bleiben wird, wovon sie ihren Enkeln noch in einigen Jahren erzählen werden.
Der Moment war einfach perfekt. CANDLEMASS boten genau die Show, die ich aufgrund der Live-Aufnahmen erwartet hatte, das Publikum wusste die Texte jedes Songs mitzusingen und lediglich die Tatsache, dass die Schweden bei hellem Tageslicht spielen mussten, ließ die Aussicht zu, dass es einen noch magischeren Moment hätte geben können.

Eine Offenbarung! (Fierce)

Nevermore

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NEVERMORE waren definitiv eine Bereicherung für das diesjährige BANG YOUR HEAD-Festival und ihr Gig wurde eine Mega-Party. Ich durfte schon einigen NEVERMORE-Konzerten beiwohnen und für mich stellte dieser Auftritt einer ihrer besten dar.

Das Quintett um Frontpsychopath Warrel Dane agierte mit viel Spielwitz und verbreitete eine überschwenglich gute Laune im Publikum, so dass die örtliche Security gegen später im Gigverlauf zu bedauern war. Warrel Dane forderte die Menge durch seine schelmische Art und Weise auf, die Bühne zu erklimmen. Anfangs waren vereinzelt ein paar Stagediver zu erblicken, allerdings entwickelte sich dies zu einer „Privatparty“ von bestimmt 25-35 NEVERMORE-Fans auf den Brettern, die Warrel fast erdrückten und mit ihm die eigenwillige „Ride The Lightning“-Coverversion von METALLICA zu intonieren. Genialer Zug der Band, was sie für mich noch sympathischer machte.

Songtechnisch wurde auch eine gute Auswahl getroffen, wobei der Schwerpunkt auf den letzten beiden Veröffentlichungen („Dreaming Neon Black“ und „Dead Heart In A Dead World“) lag. So bekam das hungrige Publikum u.a. „Dead Heart In A Dead World“, „The River Dragon“, „Beyond Within“, „The Sound Of Silence“, „Narcosynthesis“, „The Heart Collector“, „This Sacrament“ und einen brandneuen Track vom kommenden Output „Enemies Of Reality” zu hören.

NEVERMORE haben abgeräumt und sicherlich einige neue Fans hinzugewonnen. Thumbs up! (Psycho)

Doro

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DORO als Ersatz für MAGNUM. Zum Glück war das schon im Vorfeld bekannt! So hielt sich die Enttäuschung zumindest während des Festivals in Grenzen. Denn als gleichwertig konnte man den blonden Überallauftaucher und deren Begleitband wirklich nicht bezeichnen.

Aber klar, DORO ist für einen Festivalveranstalter eine sichere Investition und somit die Entscheidung verständlich – der Großteil der Songs ist bekannt, DORO hat aus alten Zeiten einige echte Hits am Start, für die Optik ist etwas geboten und somit ist sie absolut massentauglich und ein Garant für gute Stimmung.

Bei mir persönlich hat sich allerdings der Nostalgiefaktor – ein Hauptbestandteil einer DORO-Show – zu sehr abgenutzt. Zu oft hat man DORO in letzter Zeit zu sehen bekommen und dementsprechend unberührt ließ mich dieser Auftritt.

Ein Song wie „Ruin the Ruins“ kann zwar auch heute noch überzeugen, es fehlt aber einfach diese gewisse „Bandausstrahlung“, etwas, an dem man sich festbeissen kann. Und so steht da auf der Bühne eben keine Band, sondern eine Solistin mit ein paar „unwichtigen“ Begleitmusikern. Auf mich wirkt das ganze jedenfalls so, als müsste im nächsten Moment Dieter Thomas Heck auf der Bühne auftauchen und ankündigen, dass nun DORO einen bunten Strauß ihrer größten Hits zum Besten gibt und spätestens bei „Für immer“ kuschelt dann das Altrockerpärchen mit verklärtem Blick in seligen Erinnerungen schwelgend.

Letztendlich ist daran ja auch nichts wirklich Schlechtes und das was man von DORO sehen und hören wollte, bekam man dann ja auch. Klassiker wie „All we are“, „Metal Tango“ oder „Burning Witches“ wechselten sich mit weit unbedeutenderen neuen Stücken (wirklich hängen geblieben ist mir eigentlich nur „Burn it Up“ und die BILLY IDOL-Coverversion „White Wedding“) ab, die vorderen Reihen waren begeistert, die mittleren genossen etwas stiller und weh tat der Auftritt niemandem. DORO war bei bester Stimme, mit den langem schwarzhaarigen Bassisten bekamen auch die weiblichen Fans trotz seines doch etwas zu übertriebenen Posings ein optisches Zuckerchen und am Ende waren alle zufrieden (solange man sich nicht in Erinnerung rief, wer eigentlich hätte spielen sollen). (Fierce)

Halford

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Was den Auftritt von DORO angeht, muss ich Fierce wiedersprechen, ich konnte dem Auftreten DOROs überhaupt nichts positives abgewinnen. Nachdem Deutschlands „Goldkelchen“ (es ist nicht alles Gold was glänzt) DORO mit großen Schwächen in den Stimmbändern ihren Gig mit Zweitliganiveau absolvierte, setzte der „Metal-God“ HALFORD dann aber noch eins oben drauf.

Das zunehmende Alter (Rob Halford wird dieses Jahr 51) geht eben nicht an jedem spurlos vorbei und hinterlässt deutliche Spuren in der Performance.

Man wurde das Gefühl nicht los, dass HALFORD keine Lust auf dieses Konzert hatte und ließ dies das Publikum durch ein überhebliches, arrogantes und lustloses Auftreten spüren. Keine einzige Ansage, keine Kontaktaufnahme zu seinen Fans (er hätte sich vielleicht mal zuvor die Jungs von NEVERMORE anschauen sollen…) und vor allem sehr große stimmliche Probleme (die Schlümpfe lassen grüßen…) ließen meine Stimmung rapide zum Nullpunkt sinken.

Der „Meister“ spielte ein buntes Programm aus Songs seiner Solowerke (z.B. „Crucible“, „Golgotha“), wie auch JUDAS PRIEST-Klassiker („Freewheel Burning“, „Exciter“, „Painkiller“ oder „Electric Eye“), die allerdings ebenso kraftlos und gelangweilt vorgetragen wurden.

Stageacting war auch ein Fremdwort für Herrn HALFORD, der wie angewurzelt mit sturem Blick zum Boden (hat da jemand die Texte vergessen??) die Stücke intonierte. Nur seine Mitmusiker nutzten den Platz der großen Bühne aus. Im Ganzen gesehen war der Gig von HALFORD, dem viele Anhänger entgegengefiebert hatten, enttäuschend und die anschließenden Thrash-Kings SLAYER zeigten, wie man es richtig macht. (Psycho)

Slayer

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Mit dem Intro des aktuellen Longplayers „God Hates Us All“ begannen die Amis das Messegelände von Balingen in Schutt und Asche zu legen. Leider meinte es der Mischer zunächst gut mit unseren eh schon geschädigten Ohren und hielt den Lautstärkepegel der P.A. relativ weit unten, was sich glücklicherweise noch ändern sollte. SLAYER zündeten ein Feuerwerk aus Aggression und Spielfreude ab. Allen voran Drumtier Dave Lombardo (Männer, holt diesen Mann wieder zurück hinter die Kessel), der trotz der hohen Geschwindigkeit stets ein tightes Drumming bot. Absoluter Wahnsinn!

Auch Tom Araya hatte die lechzende Meute von der ersten Sekunde an im Griff – das Klampfenduo King/Hannemann ist schon seit jeher eine Macht und stellten dies wieder einmal unter Beweis. So fiel es den „Totschlägern“ auch nicht schwer das Publikum mit vielen Klassikern wie z.B. „Reign In Blood“, „Hell Awaits“, „Dead Skin Mask“, „War Ensemble“, „Spirit In Black“, „Chemical Warfare“, „Die By The Sword“ oder neueren Tracks („Bloodline“, „Disciple“) zum multiplen O(h)rgasmus zu bringen. Nach zwölf Songs und den Zugaben „South Of Heaven“ und „Angel Of Death“ war dann endgültig Schluss. Zufriedenheit machte sich auf den Gesichtern der Thrash Metal-Fans breit, die an den beiden Tagen durch das eher lasche Billing leer ausgingen. Zwei bis drei härtere Bands hätten dem BANG YOUR HEAD 2002 sicherlich gut getan! (Psycho)

Beim BANG YOUR HEAD mehr oder weniger geistig anwesend waren: Boxhamster, Fierce, Frank, Jens Koch, Jutze, Psycho, Rachendrachen und Vampi.

Die Gallery zum Festival findet ihr hier:


Fierce
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