Solitude Aeturnus Interview mit John Perez

Solitude Aeturnus Interview mit John Perez

geführt am 27.09.98 in der Rockfabrik Ludwigsburg

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Es war nicht einfach, an dieses Interview ranzukommen, was hautpsächlich an einer gewissen Willkür des zuständigen Tourmanagers an diesem Abend lag…aber unter Mithilfe von Massacres Bernie gelang es mir dann doch noch, den Mann hinter Solitude Aeturnus nach der Show in der Ludwigsburger Rockfabrik zu interviewen…hier also, was John Perez so alles zu sagen hatte…

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F: Okay…die Show heute war wieder mal großartig! Wie läuft die Tour bisher für euch?

J: Oh, ich denke, die Tour läuft bisher ziemlich gut! Es ist ja eine ziemlich unterschiedliche Bandzusammenstellung, aber ich denke, das ist okay, da verschiedene Leute kommen, um die Bands zu sehen. Vielleicht gibt´s ja auch Leute, die z.B. wegen SOLITUDE gekommen sind, sich die Show von SAVIOUR MACHINE anschauen oder andersrum. Vielleicht schauen uns ja auch Leute zu, die uns bisher nicht kannten und finden uns ganz gut…oder auch nicht! Es ist auch eine sehr kurze Tour! Ich wünschte sie wäre etwas länger. Schon allein des Geldes wegen würde sich eine längere Tour eher lohnen. Es kostet Massacre Records ´ne Menge Geld, uns von Amerika hier her zu bringen. Wir spielen ja nur 9 Shows, also kostet es doch eine ganze Menge Geld für wenig Auftritte. Wie gesagt, ich wünschte die Tour wäre länger, aber bisher ist es wirklich cool für uns. Wir bekamen bisher auch gute Resonanzen. Heute hatten wir leider ein paar Probleme auf der Bühne. Vielleicht hast du es nicht gemerkt, aber es waren 2 oder 3 Songs die wir wirklich verhunzt haben, aber sowas passiert halt.

F: Welche Songs waren das denn? (Ich hab natürlich wie immer nichts gemerkt… )

J: Bei ‚Insanity Circles‘ setzte der Drummer bei einem Part ein, wo er eigentlich noch gar nicht drangewesen wäre. Wir haben diesen Song halt erst heute zur Show dazugefügt. Oder ‚Dreams of Immortality‘! Die Rythmus-Sektion stieg zu schnell in den Song ein, das brachte uns etwas durcheinander. Nun, wir spielen keine perfekten Shows. Aber heute sind wir doch etwas down deswegen, aber das Publikum war wirklich gut, was uns etwas entschädigt.

F: Als ich nach euch die SAVIOUR MACHINE – Show ansah, fragte ich mich, ob diese verschiedenen Bands wirklich zusammen funktionieren können…

J: Nun, wenn du dir die Musik von SAVIOUR MACHINE anhörst, merkst du, daß sie doch sehr doomy ist. Es gibt wirklich einige Unterschiede, SAVIOUR MACHINE ist wirklich keine Metal Band! Wir sind schon ziemlich verschieden, aber ja, es funktioniert… es ist schon cool, eine Tour mit vier sehr unterschiedlichen Bands zu machen. Es ist doch irgendwie eine echte Hör-Erfahrung…

F: Okay…kommen wir zum neuen Album! Seltsamerweise benötigte ich einige Durchläufe, bis ich in das Album reinkam, was mich im Nachhinein selbst wundert, da es ja eigentlich eher in die Richtung der ersten Alben geht…hast du diese Reaktion schon öfter mitbekommen, oder wie kannst du dir das erklären?

J: Nein…eigentlich nicht. Ich denke über sowas auch nicht unbedingt nach. Wenn du in einer Band spielst und ein Album machst, ist das einzige, nach dem du dich richten kannst, das, was du in deinem Herzen fühlst. So läuft es bei uns mit jedem Album, das wir machen. Bei ‚Adagio‘ war dies besonders wichtig! Das letzte Album, das wir machten, war ‚Downfall‘, das meiner Meinung nach großartiges Material beinhaltet, jedoch ist die Produktion nicht unbedingt gut! Deshalb mag ich es nicht komplett! Deshalb sollte unser neues Album auch wirklich unser bestes werden, sowohl was die Songs angeht, als auch die Produktion! So legten wir also los und schrieben die Songs! Einige davon klangen dann eher nach unserem ersten Album und einige klingen wie nichts, was wir je davor gemacht haben. Andere Songs waren dann wieder irgendwo dazwischen, doomige, schwere Sachen, sehr melodische…der erste Song ‚Days of Prayer‘ ist ein sehr powervoller, doomiger Song und so weiter…weißt du, wir machen Musik, die uns selbst zufriedenstellt. Wir machen mit der Musik kein Geld…das sag ich den Leuten immer wieder. Ich weiß nicht, ob die Leute das realisieren, aber eine Band wie wir verdient einfach kein Geld. Wir haben echte Jobs und deshalb ist Geld nicht die Basis für SOLITUDE. Die Basis ist, Musik zu machen, die wir wirklich lieben, und mit dem neuen Album haben wir meiner Meinung was wirklich großartiges abgeliefert. Es ist egal, ob es 10 Leute kaufen oder 10.000. Das ist nicht so wichtig, wichtig ist, daß wir zufrieden sind. Und das sind wir! Ich denke, jeder, der ein Fan von Solitude ist, und der die ersten Sachen von uns liebt, auch ‚Adagio‘ lieben wird. Es ist einfach so heavy, hat eine gute Produktion, gute Songs, großartige Melodien…wir haben uns wirklich viel Zeit genommen, gute Melodien zu schreiben. Ich denke nur, daß das Album etwas zu lang ausgefallen ist.

F: Ich denke, daß das die Fans anders sehen…

J: Nun, ich mag lieber kürzere Alben. Aber ich mochte alle Songs die wir geschrieben haben so sehr, ich hätte mir nicht vorstellen können, einen davon wegzulassen. Es gibt keinen Füller. Wir fangen an mit ‚Days of Prayer‘, Power Doom, dann geht´s weiter mit ‚Believe‘, der irgendwie eine majestätische Art von Doom Heavy Metal ist, dann kommt ‚Never‘, der wirklich doomig, trostlos, depressiv rüberkommt, dann Robert´s Song ‚Personal God‘, der ziemlich anders ist, sehr psychedelisch, abgefahren, verrückt. ‚Mental Pictures‘ ist eher ein Black Sabbath – typischer Song, dann ‚The Fall‘, auf dem ich die Vocals übernommen habe und der ja rein akustisch gehalten ist, usw.

F: Die Songs, auf denen Robert die Gitarren- und Bass – Parts übernommen hat, haben meiner Meinung nach was den Gitarrensound betrifft eine Art Psychotic-Waltz-Feeling…

J: Oh, ich weiß was du meinst. Auf diesem Album habe ich sehr viel geschrieben, aber es gibt ein paar Songs, bei denen ich mit der Musik nichts zu tun hatte. Mit den beiden Songs, die du meinst, kam Robert an und ich fand sie sehr progressiv. Sie paßten zur Band, sie waren immer noch düster und sehr heavy, aber doch mehr psychedelisch, mental und durchgedreht. Ich denke, sie geben dem Album eine gute ‚Farbe‘. Sie sorgen für einen gewissen Kontrast. Die Songs sind sehr seltsam. Ich denke nicht, daß sie wirklich nach PSYCHOTIC WALTZ klingen, aber sie vermitteln ein sehr progressives, merkwürdiges Gefühl. Eigentlich hört in der Band außer mir niemand PSYCHOTIC WALTZ. Rob spielte die Songs hauptsächlich deshalb selbst, da wir nicht die Zeit hatten die Songs einzustudieren. Also sagte ich ‚hey, Mann, du hast die Songs geschrieben und ich denke, es ist besser für das Album, wenn du die Songs mit deinem Feeling rüberbringst.‘ Er meinte, ‚okay, cool‘, und so wurde es gemacht. Er spielt Gitarre und wollte schon immer Gitarre spielen und ich finde, es ist eine großartige Sache. Auf der anderen Seite habe ich ja auch gesungen…

F: … wie kam denn das zustande?

J: ‚The Fall‘ ist eigentlich ein sehr einfacher Song, aber ich hatte ihn schon seit 2 Jahren im Hinterkopf. Ich fand einfach, daß er trotzdem ein guter Song ist. Es ist ein netter kleiner Kontrast zum Rest des Albums, aber trotzdem sehr düster. Ich meine, im Song geht´s ja schließlich um Luzifer, über den Teufel, der aus dem Himmel gekickt wurde. Es geht um Luzifer, der aus dem Himmel geworfen wurde, da er so sein wollte, wie sein Vater. Es soll die Sicht Luzifers darstellen, irgendwo dieses ‚Sympathy for the devil‘-Ding. Wie Satan zu seinem Vater sagt ‚let it be written, let it be done.‘ Luzifer wollte so sein wie Gott, wenn nicht sogar besser. Der Song ist aber nicht ‚Pro-Satanistisch.‘

F: Eher die Darstellung Luzifers, in der Art Miltons?

J: Ja, genau, etwas in der Art. Ich fand einfach, daß der Song sehr düster ist, und deshalb wollte ich ihn auf dem Album haben.

F: Was mich interessieren würde, ist die Sache mit dem Split von Lyle, eurem ehemaligen Bassist. Die Sache ist zwar schon ´ne Weile her, aber ich konnte nie wirklich was darüber lesen. Ich meine, ihr ward ja immer gute Freunde und Lyle war auch für viele der Lyrics verantwortlich…

J: Wir sind immer noch gute Freunde! Wir haben das nie groß publik gemacht. Er schrieb wirklich fast alle Lyrics. Es war wirklich schade, Lyle ist ein begnadeter Songwriter und er hat auch viele großartige Ideen in die Band mit eingebracht. Ich denke, es war so 1996, als er einfach müde von der Sache wurde…er war müde von der Musik und von all dem Bullshit, der um die Band herum passierte. Es ging nicht um die Bandmitglieder, mehr um den ganzen Businesskram.

F: Und was macht er nun heute?

J: Nun, er hat einen guten Job bei einer Licht-Design-Firma. Er macht da gutes Geld. Er ist mit der Situation glücklich. Er hat für ungefähr ein Jahr ein Punk-Rock-Projekt gehabt. Er, Robert und ich, wir sind Punk-Rock-Fans, der alten Tage. Deshalb hat er auch ein Punk-Rock-Album gemacht, das meiner Meinung nach wirklich großartig war. Die Band nannte sich die ‚Kill-Creeps‘ und sie waren wirklich exzellent. Er hat die eine CD gemacht, die er auf seinem eigenen Label ‚Angry-Planet-Records‘ rausgebracht hat. Das Album ist in Europa leider nicht erhältlich, man muß es sich über direkten Mailorder bestellen, ich verkaufe es auch über mein Brain-Ticket-Mailorder. Falls es jemand haben möchte, wir verkaufen es für 8 Dollar. Ich habe eine Brain-Ticket-Homepage und dort kann man das Teil bestellen. Es ist wirklich gut, ich war wirklich überrascht und fand es besser, je öfter ich es gehört habe.

F: Über die Lyrics der ersten Albums las ich mal, daß sie einen Kontrast zur damals aufkommenden Death-Metal-Welle darstellen sollten, und deshalb eher christlich angelegt waren…auf dem neuen Album ist davon nichts mehr zu spüren, die Texte sind eher Anti-Religiös…

J: Laß mich das aufklären…wir waren nie eine christliche Band. Als ich die Band 1987 gründete hatten wir noch einen anderen Sänger, der ein ‚Born-Again-Christian‘ war. Seine Lyrics waren denen von SAVIOUR MACHINE ziemlich ähnlich. Sehr apokalyptisch. Er schrieb Lyrics für 5 Songs und auf dem ersten Album verwendeten wir 2 davon. Deshalb dachten damals auch viele, wir wären eine christliche Band. Auf dem zweiten Album war noch ein Song von dem alten Demo-Tape. Deshalb gab es erneut christliche Lyrics zu hören. Aber wir waren wirklich nie eine christliche Band. Lyle´s Texte waren jedoch auch sehr ähnlich zu denen unseren ersten Sängers. Auf dem neuen Album ist dies wohl ziemlich deutlich. Wir sind keine Anti-Christen, Roberts Texte befassen sich einfach viel mit Spiritualität, Konfusion und vielen persönlichen Problemen. Seine Lyrics sind eigentlich, als lese man ein Buch über Robert. Sie sind absolut nicht Anti-Christlich, sie handeln über die Konfusion, die Scheinheiligkeit, über die Probleme, die Religionen aufwerfen.

F: Also hat der erste Satz auf ‚Adagio‘ – ‚Look what your god has done to me‘ ebenfalls eine sehr persönliche Bedeutung?

J: Richtig, es stellt eine gewisse Rebellion dar. Es geht um den Kampf mit Spiritualität, jeder fragt sich irgendwann, ‚wenn es einen Gott gibt, warum gibt es dann dort tausende von hungernden Menschen, warum hat mich dieser Kerl neben mir einfach verprügelt, warum töten Menschen, wie kann Gott das zulassen. Ich möchte leben, nicht getötet werden.‘ Deshalb also ‚look what your god has done to me!‘

F: Okay, kommen wir zu was anderem…in einem Interview las ich mal, daß ihr eigentlich den Song ‚Heaven and Hell‘ nicht mehr spielen wollt, nun gibt es auf dem neuen Album jedoch einen Song namens ‚Heaven and Hell‘, der von Black Sabbath gecovert wurde… wie kam es zu dem Sinneswandel.

J: Genau deshalb haben wir den Song auf das Album gepackt. Es ist ein großartiger Song, den wir lange live gespielt haben, aber wir wurden es müde, diesen Song zu spielen. Deshalb dachten wir, ‚laßt uns den Song einfach aufnehmen.‘ Somit haben wir den Song also zu Bette getragen. Nun haben wir dafür ‚Sign of the Southern Cross‘ im Programm!

F: Vor ein paar Jahren gab es ja eher zufällig eine Headliner Tour mit euch…würdet ihr in der heutigen Situation gerne wieder eine Headliner Tour machen?

J: Ich würde es eigentlich eher bevorzugen, für eine größere Band zu eröffnen…MANOWAR, JUDAS PRIEST, DIO, SAXON…eine Band, die Leute zieht, verstehst du? Wenn man uns genug Geld geben würde, um hierher zu kommen, würde ich auch wieder eine Headlinertour machen, vor vielleicht 200 Leute pro abend, das wäre schon okay. Es ist halt so teuer, zu touren, wir kriegen kein Geld dafür…(zeigt auf seine Bierdose) This is what we make on tour…for real! Wir kriegen 2 Kästen Bier pro Abend, das ist, was wir auf Tour machen. Es ist schwierig, denn du hast zuhause Rechnungen zu bezahlen, deshalb brauchen wir auch Jobs! Wenn wir also genug Geld kriegen würden, würden wir gerne eine größere Tour machen. Ich mag die Tour hier, aber mit einer großen Band touren, wo du bezahlt wirst, das wäre schon cool.

F: Wie siehst du im Nachhinein die Tour mit Morgana Lefay?

J: Die Tour wurde durch eine Booking-Agentur gemanagt, JF Entertainment, sie fanden uns gut und baten uns an, mit MORGANA LEFAY zu touren.

F: Kanntest du die Band zuvor?

J: Nein, ich hab die Band nie gehört. Ich kannte deren Namen, da ich immer viel lese, ich hatte allerdings keine CDs.

F: Kannten die Jungs euch?

J: Nein…

F: Eine andere Sache, die ihr mal geplant hattet, war eine Scheibe mit Weihnachtsliedern in Doom-Versionen aufzunehmen…gibt es die Pläne noch?

J: Oh, du hast davon gelesen? Nun, wenn Massacre mitmachen würden, würden wir dies machen. Der Grund für die Sache war, daß wir zuhause ein paar Live-Shows um Weihnachten herum spielten, weshalb wir auch einen Weihnachtssong ins Programm nahmen. Wir spielten ‚God rest ye merry gentleman‘, kennst du den Song? Wir spielten den Song jedoch so verdammt heavy, ungefähr so… (John gibt mir eine kurze Air-Guitar-Kostprobe des Songs…) und jeder meinte ‚goddamn, this is so fucking cool‘, wir hörten uns das ganze nochmal an und fanden es großartig und so kam die Idee vor ca. 5-6 Jahren. Es wäre wirklich cool, eine kleine Promo-Sache, einfach ein bißchen etwas anderes. Wenn wir das machen würden, würde ich gerne noch z.B. ein paar rare Demo-Sachen draufpacken, vielleicht ein paar Cover Songs und solche Dinge. Es wäre eine lustige Sache, für die Fans zum sammeln.

F: Wie sehr seid ihr über die europäische Doom-Szene informiert, DAWN OF WINTER ist euch ja offensichtlich bekannt…

J: Ja, ich mag die Band sehr, die Band wurde besser mit allem, was sie gemacht haben.

F: Memory Garden?

J: Ja, ich bin ein großer Fan dieser Band, ich habe Kontakt mit deren Label, da ich die CD über mein Mailorder verkaufe….sie sind wirklich heavy, Andreas Reissnauer von Metal Blade hat mir heute die neue CD gegeben, das war wirklich klasse! Ja, ich kenne schon einige Bands, wie DAWN OF WINTER, MEMORY GARDEN oder NAEVUS…wer noch…eine Band namens SUBVERSION, aus Ost-Deutschland…sehr gut, eher Stoner Rock, aber sehr heavy. Ich bin immer noch sehr interessiert, immer noch ein großer Metal-Fan. Ich war über Jahre in der Underground-Szene und ich lese noch immer die ganzen Fanzines, deshalb bin ich informiert. Ich denke, es gibt viele Scheiß-Bands, aber auch eine Menge großartiger Bands. Ich kaufe immer noch viele CDs und tausche auch viel. Heute hab ich mir z.B. die neue GRAVE DIGGER gekauft, alter Heavy Metal, aber ich mag das Zeugs.

F: Hast du dir mal die neue CANDLEMASS angehört? Was hältst du so von der?

J: Ich habe sie mir gekauft und ich liebe sie!

F: Ernsthaft?

J: Ja, jeder meint, sie wäre furchtbar, aber Mann, das Teil ist fantastisch! Ich liebe sie, ich habe sie schon zigmal angehört.

F: Meine größten Probleme bei der Scheibe habe ich mit dem Sänger, er hat meiner Meinung nach einfach nicht die Power für ein Doom-Album…

J: Ich denke, das Problem war, daß jeder erwartete, als Leif Edling das Album unter CANDLEMASS laufen lies, daß das Album wie ‚Nightfall‘ klingen würde, oder daß ein Sänger wie Messiah zu hören wäre. Ich denke, der einzige Fehler war, daß er das Album vielleicht unter ABSTRAKT ALGEBRA hätte veröffentlichen sollen. ‚Nightfall‘ oder ‚Tales of Creation‘ sind großartige Alben, vielleicht mit die besten aller Zeiten, aber ich denke Leif, den ich persönlich kenne, wollte sich einfach weiterentwickeln, er mußte tun, was er für richtig hielt, er versuchte nicht, ein Doom-Metal-CANDLEMASS-Album zu veröffentlichen, er wollte eine 90er-Heavy-Doomy-Band. Nicht einmal Metal. Okay, es ist schon etwas Metal, aber er hat versucht, sehr heavy und strange zu sein. Das ist, was ich an dem Album mag, ich denke, es ist eine klasse Scheibe.

F: Schon, aber wie du bereits sagtest, hätte es meiner Meinung nach unter ABSTRAKT ALGEBRA laufen müssen…

J: Ja klar! Ich weiß nicht genau, was tatsächlich die Gründe dafür waren, daß das Album als CANDLEMASS rauskam, vielleicht hatte es kommerzielle Gründe. Weißt du, Leif Edling war im Grunde immer CANDLEMASS, er hat alles geschrieben, einschließlich der Gesangslinien. Es war seine Vision und eigentlich ist dies die Fortsetzung seiner Vision. Vielleicht nicht wirklich die CANDLEMASS-Vision, aber letztendlich ist es doch egal, unter welchem Namen er dies veröffentlicht, es ist tiefgreifende und gute Musik. Aber es kann wohl nicht mit den Erwartungen gegenüber alten CANDLEMASS mithalten. Ich mag es!

F: Ist wohl immer das Problem mit den alten Fans…

J: Oh, ich bin ein alter Fan…ich hatte die CANDLEMASS-Demos und die NEMESIS-Alben, bevor überhaupt die erste CANDLEMASS rauskam. Ich war sicher einer der ersten CANDLEMASS Fans überhaupt. Ich verstehe schon, daß die Leute die alten Sachen hören wollen, aber da ich ebenfalls in einer Band spiele, verstehe ich auch, daß du nicht immer dasselbe machen kannst, es geht einfach nicht! Irgendwann wird es langweilig.

F: Könntest du dir also vorstellen, daß spätere SOLITUDE-Alben ähnliche Unterschiede zu den ersten aufweisen, wie dies bei CANDLEMASS mit dem neuen Album der Fall ist?

J: Ja! Oder nein, ich nehm das zurück…nicht so drastisch. Wenn ich den SOLITUDE-Sound so sehr verändern würde, würde ich es anders nennen. Bei SOLITUDE AETURNUS ging es immer darum, heavy doomy Metal Songs zu schreiben, mit viel Melodie. Wenn ich mit anderen Sounds experimentieren würde, würde ich es nicht SOLITUDE AETURNUS nennen.

F: Nun, dies hast du mit Liquid Sound Machine ja eigentlich schon getan…

J: Oh cool, du weißt davon…ja, wir machen auch gerade ein neues Album. Aber mal davon abgesehen, wird das nächste SOLITUDE-Album wohl auch eine ganze Ecke anders sein. Es muß!

F: So, wie wird das dann klingen? Habt ihr schon Pläne?

J: Nein, noch keine Pläne. Die einzigen Pläne, die ich habe ist, das es anders werden wird. Wir müssen dies auch tun. Wir wollen mehr psychedelische, strange Sachen reinbringen.

F: In etwa so wie bei ‚Elysium‘ vom letzten Album?

J: Ja, genau. Für mich war ‚Elysium‘ Psychedelic Doom. Doomig, bizarr, merkwürdig. Die meisten Leute mochten den Song nicht, aber Rob und ich haben den Song geschrieben und ich liebe ihn. Ich weiß nicht, ob es so klingen wird, aber wir wollen auf jeden Fall diese strangen Sachen reinbringen. Das nächste Album wird vielleicht einige ziemliche Heavy Metal Songs beinhalten, aber sicher nicht nur Metal. Ich weiß nicht, was auch immer, es wird eine Überraschung werden. Das nächste Album macht uns entweder zu einer großen Band, oder es wird uns zerstören. Ich weiß es nicht. Es kümmert mich auch nicht wirklich. Alles was ich habe ist mein Ruf und alles ander ist nicht wirklich so wichtig. Wir machen kein Geld und was für mich am wichtigsten ist, ist daß die Musik für mich zählt. Es ist sicher auch wichtig, daß ich bei SOLITUDE AETURNUS ehrlich mit dem weitermache, um was es bei der Band geht….ich würde mit SOLITUDE sicher nie etwas so drastisches machen, daß es nichts mehr mit SOLITUDE zu tun hätte. Wir werden nie nach DEPECHE MODE klingen oder ein Death-Metal-SOLITUDE-AETURNUS Album rausbringen. Es gibt für SOLITUDE ein Limit und das nächste Album wird knapp an der Grenze sein. Ist diese Überschritten, dann wird es nicht mehr SOLITUDE heißen.

F: Auf der anderen Seite scheinen die Side-Projekte für die Band-Mitglieder sehr wichtig zu sein. Du hast LIQUID SOUND MACHINE, Rob hat was mit LAST CHAPTER gemacht, Edgar wollte soviel ich weiß ein Solo-Album rausbringen…

J: Ja, die Sache bei Edgar ist, daß er einiges an Material geschrieben hat, das wirklich gut ist. Aber es ist nicht unbedingt Heavy Metal, eher Guitar….’Guitar-God‘-Zeug…es hat großartige Melodien, wirklich cooler Stoff. Vielleicht wird die Scheibe nächstes Jahr über Brainticket veröffentlicht… Bei Robert handelt es sich bei LAST CHAPTER nicht wirklich um ein Side-Project. Es ist eine richtige Band, die Rob fragten, ob er den Gesang übernehmen könnte da sie keinen Sänger finden konnten. Er hat das Album lediglich eingesungen. LIQUID SOUND MACHINE ist mein Ding und ist ein wirklich ernsthaftes Side-Projekt. Das erste LSM-Album war wirklich gut und das nächste wird wohl noch ein ganzes Stück besser werden. Es ist absolut kein Metal. Aber ich denke, daß es doch einige Open-Minded-SOLITUDE-Fans gibt, die es mögen könnten. Es ist düster, trippy… jemand meinte mirgegenüber, es wäre wie SOLITUDE AETURNUS unplugged. Es ist sehr anders, aber ich werde es machen. Ich arbeite jedoch noch an dem Material.

F: Und wie sieht es mit den Vocal-Parts aus?

J: Oh, ich werde wohl alle Vocals übernehmen. Vielleicht werden wir im November oder Januar aufnehmen. Ich bin noch nicht sicher.

F: Nun, damit hätte ich wohl alles gefragt, ich hoffe, das Interview war okay für dich…

J: Ja natürlich, es war cool. Vielen Dank…ich muß jetzt eh zur Band, da wir morgen einen Day-Off haben und wir noch ein bißchen trinken möchten…hahaha…..

Fierce
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