ROYAL ANGUISH: Mit Hoffnung zum Erfolg

Aus dem sonnigen Florida zog die Melodic Death/Gothic Metal-Combo ROYAL ANGUISH in unsere Redaktion, um mit "A Journey Through The Shadows Of Time" beinahe schon wieder vergessene Klischees aufleben zu lassen. Nachdem das Beauty & Beast-Motto in den letzten Jahre zur Genüge ausgeschlachtet wurde und man sich schon gelangweilt davon abzuwenden begann, gab es 2006 nur eine Handvoll von Releases dieser Sorte. Ob es Bandleader Matt Knowles ähnlich sieht, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview.

Aus dem sonnigen Florida zog die Melodic Death/Gothic Metal-Combo ROYAL ANGUISH in unsere Redaktion, um mit A Journey Through The Shadows Of Time beinahe schon wieder vergessene Klischees aufleben zu lassen. Nachdem das Beauty & Beast-Motto in den letzten Jahre zur Genüge ausgeschlachtet wurde und man sich schon gelangweilt davon abzuwenden begann, gab es 2006 nur eine Handvoll von Releases dieser Sorte. Ob es Bandleader Matt Knowles ähnlich sieht, erfahrt ihr im nachfolgenden Interview.

Spät aber doch will ich euch persönlich zu eurem – sagen wir einmal – Europa-Debüt gratulieren. A Journey Through The Shadows Of Time bietet eine sehr gesunde Mischung aus Death und Gothic Metal. Ist das derjenige Stil, dem ihr euch verbunden fühlt?

Ich würde eher sagen, dass sich die Band vom Stil her mehr dem Melodic Death Metal verbunden fühlt, aber ich war schon immer ein Freund davon, verschiedene Stile und Elemente zu kombinieren, und machte mir nie große Gedanken um Genregrenzen. Mehr oder weniger sind wir bis dato immer glücklich gewesen, unser eigenes Ding durchzuziehen.

Gemessen an modernen Bands, würdet ihr sagen, dass euer Musikstil schon ein wenig antiquiert ist?

Nicht im geringsten. Sicher nehmen wir Anleihen von einigen eher klassischen Metal-Elementen (etwa Gitarrensoli), aber selbst Musik, die trendy ist, nimmt sich heutzutage einiges von Bands wie IRON MAIDEN heraus. Somit glaube ich nicht, dass irgendetwas antiquiert klingen könnte, solange man versucht, dem Ganzen einen eigenen Anstrich zu verpassen. Und ehrlich gesagt, wir werden das spielen, was uns gefällt, ganz gleich, ob es dem aktuellen Trend entspricht oder nicht.

Ihr seid schon eine Weile aktiv, aber der richtige Durchbruch scheint euch noch nicht gelungen zu sein – zumindest hier in Europa seid ihr noch sehr unbekannt. Wie sieht die Situation in Amerika aus?

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Bislang kamen wir nie über den Underground-Status hinaus. Es scheint, dass uns immer wieder irgendwelche Umstände in den Quere kommen, die uns daran hindern, zum Mainstream-Markt vorzustoßen.

Bislang kamen wir nie über den Underground-Status hinaus. Es scheint, dass uns immer wieder irgendwelche Umstände in den Quere kommen, die uns daran hindern, zum Mainstream-Markt vorzustoßen. Aber was soll´s, alles was mir machen können, ist das Beste daraus zu machen. Wenn die Fans, die wir haben, unser Material mögen und neue Fans hinzustoßen, stellt es uns auch zufrieden.

Hat euch der Deal mit dem niederländischen Label FEAR DARK sowie die Tournee mit MORPHIA, ELUVEITIE und TAKETH geholfen, auch in Europa Fuß zu fassen?

Ich denke schon. Wir sind in jeder Stadt, in der wir spielten, wirklich gut aufgenommen worden und haben sehr viel Zeit mit dem Publikum verbracht und persönliche Kontakte geknüpft. Auch die mitwirkenden Bands waren phantastisch. Wir hatten tonnenweise Spaß mit allen. Demnach fiel es uns auch schwer, uns von ihnen zu trennen, und ich weiß, dass jeder von uns auf seine eigene Art und Weise so etwas wie eine Post-Tour-Depression hatte. Wir haben zu vielen Leuten, die wir trafen, ein sehr enges Band geschnürt.

Was waren allgemein die Eindrücke von Europa, die ihr von der Tour mitnehmen konntet?

Wundervoll! Die Leute waren großartig und gastfreundlich. Wir hatten großen Spaß, die Erfahrung von anderen Kulturen und Traditionen zu machen. Da waren einige Sachen, an die wir uns erst gewöhnen mussten, etwa dass man für das Benutzen der Toilette bezahlen muss, wenn man unterwegs ist, die verschiedenen Druckknöpfe anstatt der Hebel an den Toiletten um runterzuspülen oder die unterschiedliche Küche, nur sechs Stunden Dunkelheit in der Nacht et cetera. Aber im Gesamten war es eine beeindruckende Zeit.

Gibt es einen besonderen Unterschied zwischen Gigs bei euch zu Hause und solchen in Europa?

Das Publikum in Europa scheint großteils mit mehr Begeisterung bei der Sache zu sein. Außerdem scheint die europäische Szene dichter zu sein, was eine gute Sache ist. Damit meine ich vor allem, dass es einfacher ist, eine große Gruppe von Metalheads zusammen zu bringen, um eine Show zu sehen. In Amerika sind die Leute weit mehr verstreut, so dass es schwer ist, eine geeignete Location zu finden, die für jeden annehmbar ist.

Was haltet ihr generell von der Labelarbeit von FEAR DARK?

Wir alle respektieren die Leute von FEAR DARK sehr. Sie haben ihr Herz und ihren Geist am rechten Platz. Als kleineres Label verfügen sie zwar nicht über das Budget, um Maßnahmen wie ein größeres Label zu setzen, aber sie finden kreative Wege, um dann doch diverse Dinge zu bewerkstelligen. Wir haben im Mai 2006 die Zeit sehr genossen, als wir ein paar Wochen mit diesen Leuten verbringen durften. Und ich bin froh, dass einige ihrer Bands Erfolg haben – so haben ELUVEITIE einen Vertrag beim deutschen Label TWILIGHT unterschrieben, was zeigt, dass FEAR DARK etwas richtig gemacht haben, um den Leuten weiterzuhelfen.

Zurück zum Album: A Journey Through The Shadows Of Time ist sozusagen zweigeteilt: Da sind zum einen die ersten sechs Songs und dann zum anderen der Konzeptteil The Battle Of Jericho & eNON. Reichten die Ideen für ein gesamtes Konzeptalbum nicht aus oder woran lag diese Zweiteilung?

Der Konzeptteil war nie als volle CD angedacht worden. Am Anfang hätten es nur ein paar wenige Songs werden sollen, aber als die CD-Produktion näher rückte, begann die Geschichte immer mehr zu wachsen. Wir hatten allerdings schon viele Songs fertig für das Album und hatten dementsprechend kein Interesse daran, diese zu zerstückeln, nur um den Konzeptteil in die Länge zu ziehen. Wir haben dann also einfach die Tracks, die wir hatten, aufgenommen und arrangiert.

In mancherlei Hinsicht klingt ihr für unsere europäischen Ohren sehr amerikanisch. Sei es die glasklare, professionelle Produktion oder das Hochhalten von Klischees. Inwiefern spielt eure amerikanische Herkunft eine Rolle in eurer Musik?

Alle Mitglieder der Band (egal ob derzeitige oder ehemalige) haben sowohl ein Ohr für die amerikanische als auch die europäische Szene. Die Musik, die wir hören, umfasst viele Genres und Szenen, so nimmt es nicht wunder, dass sich diese Mannigfaltigkeit auch auf das Songwriting niederschlägt.

Aber ihr spielt einen Musikstil, den ich bislang von amerikanischen Bands nur selten gehört habe. Gibt es tatsächlich so wenig amerikanische Death/Gothic Metal-Bands oder sind sie bloß nicht so bekannt in Europa?

Ich glaube auch nicht, dass es viele Bands von dieser Sorte gibt. Der Musikstil ist hier nicht wirklich ausgeprägt und auch mit ROYAL ANGUISH werden wir uns in Hinkunft eher wieder den extremen und melodischen Wurzeln annähern als den Gothic-Elementen. Aber mal sehen, wohin uns das Songwriting führt.

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Harte Vocals befinden sich immer in einem work in progress-Status. Sie klug einzusetzen, es nicht zu übertreiben und sich die Kehle nicht zu ruinieren, sind gute Ansatzpunkte.

Was mir auf A Journey Through The Shadows Of Time besonders gut gefällt, ist die Tatsache, dass ihr den Death Metal nicht nur als Worthülse in der Genre-Bezeichnung führt, sondern diesen Stil auch wirklich in das Soundgefüge integriert. Habt ihr eine Vergangenheit als reine Death Metal-Band?

Wenn man die frühen Tage der Band in Betracht zieht (frühe bis Mitte der 90er-Jahre), waren wir eher eine traditionelle Death Metal-Band. Es hat aber schon immer einige andere Elemente gegeben, ob das nun Keyboard, Violine oder weibliche Vocals waren. Manche Veröffentlichungen waren davon stärker geprägt, manche weniger. Es hängt alles von der derzeitigen Stimmung ab. Aber ich glaube, in Zukunft werden wir uns wieder vermehrt den härteren Klängen widmen.

Besonders stark finde ich die Lead Gitarren-Arbeit von Marius Kozlowski. Seine Lead-Spuren und Soli sind sauber und sehr schnell gespielt. Er gehört aber nicht zum Gründungs-Line-up. Wie seid ihr auf ihn gestoßen?

Im Sommer des Jahres 2003 haben wir nach neuen Mitgliedern gesucht, damit ROYAL ANGUISH auch wieder als Live-Projekt funktionieren konnte, und Marius hat auf die Annonce geantwortet. Ein großartiger Gitarrist und ein guter Kumpel.

Du bist ja als einziger von Anfang an dabei. Gibt dir das eine Art von Bandleader-Status?

Ich habe mit ROYAL ANGUISH in den frühen 90ern begonnen und verkörpere die Band in gewisser Weise. Also ja, ich bin der Bandleader und steuere das Schiff, aber wir haben auch starke Individuen an Bord mit großartigen Ideen und einer gesunden Motivation – und das hilft. Leider ist die Anzahl an Leuten, die wir schon in der Band hatten, sehr groß, aber manche Bands sind eben nicht mit der Möglichkeit gesegnet, mit immer der gleichen Besetzung zu spielen.

Deine Growls sind sehr tief und fügen sich wunderbar ins Beauty & Beast-Muster ein. Was hast du alles an Zigaretten und Alkohol in deine Stimme investiert? 😉

Verblüffender Weise genug anderes, da ich weder trinke noch rauche. Aber danke für das Kompliment. Es kommt wohl vom jahrelangen Lernen von vielen verschiedenen Techniken. Harte Vocals befinden sich immer in einem work in progress-Status. Sie klug einzusetzen, es nicht zu übertreiben und sich die Kehle nicht zu ruinieren, sind gute Ansatzpunkte. Eine Zeitlang bekam ich auch einige kleinere Tipps von einem klassisch ausgebildeten Sänger, was mir neben den eigenen Entdeckungen auch sehr weitergeholfen hat.

Wie sehen eure aktuellen Pläne für die Zukunft aus?

Im Moment bereiten wir das Material für unsere nächste Aufnahme vor und tüfteln an den Details für unsere nächsten Gigs. Es gibt schon eine Reihe von neuen Songs und Ideen, aber noch wenige Details, wann wir sie aufnehmen werden oder ob es eine Full Lenght-CD wird oder nicht. Auch planen wir im zweiten Quartal unsere Live-Aktivitäten fortzusetzen. Mal sehen, was sich ergibt.

Wie kommt es, dass man in einem sonnigen Bundesstaat wie Florida eher düstere Musik machen kann?

Ach, das Wetter hat damit nichts zu tun. Es geht ja nur um den persönlichen Antrieb, die Emotion und die Dinge, die wir alle durchmachen. Es spielt keine Rolle, wo du bist, um die musikalischen Schwingungen zu spüren.

Hattet ihr zu Hause weiße Weihnachten?

Weiße Weihnachten in Florida? Keine Chance! Das höchste der Gefühle ist es, wenn es ein, zwei Nächte einmal zum Gefrierpunkt kommt.

Und was hast du dir zu Weihnachten gewünscht?

Ein gutes Jahr 2007 und als Band endlich die Kurve zu kratzen.

Fotos: FEAR DARK & ROYAL ANGUISH