ROYAL ANGUISH: A Journey Through The Shadows Of Time

Subjektiv gesehen, eine starke Death/Gothic-Scheibe mit großem Suchtpotenzial.

Schön langsam stellt sich heraus, dass sich die Betreiber des kleinen niederländischen Labels Fear Dark und meine Wenigkeit einen ähnlichen Musikgeschmack teilen. So riss mich in der jüngeren Vergangenheit KEKALs Acidity vom Hocker, SLECHTVALKs At The Dawn Of War weckte mein Interesse und auch andere Signings wie ELUVEITIE, TAKETH oder MORPHIA klingen vielversprechend. Doch aufmerksam wurde ich auf dieses Label erst über den Umweg, den ich über ROYAL ANGUISH ging, eine Band, die ich einst beim Surfen entdeckte und die meinen Geschmack ziemlich gut zu treffen schien.

Nun legt die Band aus Florida ihr erstes professionell und sinnvoll vertriebenes Album vor. Dabei ist A Journey Through The Shadows Of Time keineswegs ein Debütwerk, schließlich existieren ROYAL ANGUISH schon seit Anfang der 90er-Jahre, doch das bisherige Schaffen blieb uns Europäern bislang eher verborgen. Womit das aktuelle Album wiederum den Vorteil genießt, dass es zwar von einer relativ unbekannten und in diesem Sinne jungen Band kommt, die Songs jedoch ziemlich reif und durchdacht wirken.

Doch eines gleich vorweg: manchen wird der Mix aus Death und Gothic Metal weniger schmecken. Während sich das Album für die einen wie ein Abklatsch des aufkommenden Beauty & Beast-Gothic Metals der 90er-Jahre anhören wird, werden andere wieder Probleme mit dem mitunter unstrukturiert und überladen wirkenden Songaufbau haben. Und dann gibt es wieder andere, denen ROYAL ANGUISH all das bietet, was sie der Musik abverlangen: Härte, Atmosphäre, Melodie, Technik und ein optischer Blickfang. Diese Mischung wurde mir das letzte Mal von der anderen Seite der Erde so kompakt überreicht: die Russen von LITTLE DEAD BERTHA sind demnach in Ansätzen mit den Amerikanern vergleichbar, wenngleich ROYAL ANGUISH in gewissen Belangen einfach amerikanischer klingen. Das zeigt sich in der sehr klaren Produktion, in der etwas zu deutlich zur Schau gestellten Klischeetreue und schlussendlich am Zungenschlag des Erzählers Fred Mullen, der den zweiten Teil des Albums mit seinen akustisch begeleiteten Erzählungen bereichert.

Doch ich sehe schon, ich beginne mich bei dieser Rezension wieder hoffnungslos zu verzetteln. Also Zeit für ein paar klarere Worte. A Journey Through The Shadows Of Time hat eine Reihe von sehr knackigen Songs, die in ihren zumeist vier Minuten gut zum Punkt kommen. Allerdings herrschen oft ähnliche Strickmuster und im schlechtesten Fall fast identische Melodien (insbesondere die weibliche Gesangslinie wirkt oft austauschbar) vor. Darüber hinaus liefern sich ROYAL ANGUISH der Gefahr aus, dass durch das Zusammenpressen der verschiedenen Stilelemente, die die Amerikaner in jeden Song hineinquetschen wollen, ein überladener Eindruck entstehen könnte. Selbst wenn es sich hier um Kritikpunkte handelt, sind gerade diese Dinge auch reizvoll. Denn obwohl ich mir das Album schon zigmal zu Gemüte geführt habe, beschleicht mich bei keinem einzigen Song so etwas wie Langeweile. Auch gibt es da wie dort immer wieder neue Kleinigkeiten zu entdecken und die Lieblingsnummern wechseln sich von einem zum anderen Male ab.

Was mir insbesondere angesichts des Gothic-Genres sehr gut gefällt, ist die Tatsache, dass es bei A Journey Through The Shadows Of Time auch schon mal härter zugeht und an der Gitarre teilweise fleißig gefrickelt wird. Flitzefinger Marius Kozlowski entlockt seinem Saiteninstrument beeindruckende Soli (etwa in Pitch Black), aber auch die anderen Instrumente sind versiert gespielt und machen in den schnellern Blast Beat-Passagen (beispielsweise Shadows Of Time) ordentlich Druck. Hier soll auch das Instrumental-Stück The Battle Upon Us erwähnt werden, das den Wortsinn des Titels gut aufgreift und mächtig aggressiv und mit schnellem Riffing beeindruckt. Doch auch im Gesamtkontext mit dem Gesang gefallen mir ROYAL ANGUISH sehr gut: Zum einen setzt Matt Knowles seine Growls sehr tief an (sehr gut zu hören in Eternal) und gleicht dasjenige Maß an Theatralik aus, das Sängerin Katy Decker etwas zu fehlen scheint. Sie hat die typisch sanfte und sicherlich auch gute Stimme, die eine warme Grundstimmung versprüht, aber aus der sicherlich noch mehr herauszuholen wäre.

Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass mir A Journey Through The Shadows Of Time außerordentlich gut gefällt. Gewisse Dinge, die von anderen als Schwäche empfunden werden, bleiben mir zwar nicht verborgen, doch ich störe mich nicht daran. Mein subjektives Empfinden sagt einfach: starke Scheibe mit großem Suchtpotenzial.

Veröffentlichungstermin: 02.06.2006

Spielzeit: 44:10 Min.

Line-Up:
Matt Knowles – Male Vocals, Rhythm Guitars
Katy Decker – Female Vocals
Marius Kozlowski – Lead Guitars
Sean Tibbetts – Bass

Gastmusiker:
Anton Kalaj – Keyboards
Sean Currie – Drums
Fred Mullen – Narration

Produziert von Erik Rutan
Label: Fear Dark

Homepage: http://www.royalanguish.com

Email-Adresse der Band: royalanguish2004@yahoo.com

Tracklist:
1. Pitch Black
2. Playing God
3. Shadows Of Time
4. Frozen
5. Eternal
6. Time Space Continuum

The Battle Of Jericho & eNON
7. Legend I. The Loss
8. Fall From Grace
9. Legend II. The Search
10. The Darkened Sea
11. Legend III. Impending Doom
12. The Battle Upon Us
13. Legend IV. Victory at Hand
14. The End Is The Beginning