OOMPH: Das allgegenwärtige Fragezeichen!!

Puh, da bin ich aber froh. Fing schon langsam an, mir Gedanken über den Fortbestand einer meiner Lieblingsbands zu machen. Es war nämlich in den letzten zweieinhalb ziemlich ruhig im Hause OOMPH!. Das letzte Album „Ego“ erschien im Juli 2001 und nach der Veröffentlichung der letzten Single „Niemand“ im September 2001 wurde es veröffentlichungstechnisch ziemlich still um die Band. Zu ruhig, wie ich fand und finde, denn eine so lange Pause zwischen zwei Releases kannte man bisher nicht. Doch nun melden sich die Wolfsburger, die seit der der Gründung im Jahre 1989 in der unveränderten Besetzung Dero (Gesang, Drums), Crap (Gitarre, Keyboards) und Flux (Gitarre, Sampling) zusammen spielen, mit einem neuen Label (G.U.N. Records) und einem neuen Album („Wahrheit oder Pflicht“) zurück. Grund genug für ein Interview mit Sänger Dero, der einiges über das achte Album des Trios zu berichten hatte…

Puh, da bin ich aber froh. Fing schon langsam an, mir Gedanken
über den Fortbestand einer meiner Lieblingsbands zu machen. Es war nämlich in
den letzten zweieinhalb ziemlich ruhig im Hause OOMPH!.
Das letzte Album “Ego” erschien im Juli 2001 und nach der Veröffentlichung der
letzten Single “Niemand” im September 2001 wurde es veröffentlichungstechnisch
ziemlich still um die Band. Zu ruhig, wie ich fand und finde, denn eine so lange
Pause zwischen zwei Releases kannte man bisher nicht.

Doch nun melden sich die Wolfsburger, die seit der der Gründung im Jahre
1989 in der unveränderten Besetzung Dero (Gesang, Drums), Crap (Gitarre, Keyboards)
und Flux (Gitarre, Sampling) zusammen spielen, mit einem neuen Label (G.U.N.
Records) und einem neuen Album (“Wahrheit oder Pflicht”) zurück. Grund genug
für ein Interview mit Sänger Dero, der einiges über das achte Album des Trios
zu berichten hatte…

Ganz lapidar die Einstiegsfrage, was Ihr – abgesehen vom Labelwechsel – über
zweieinhalb Jahre lang getrieben habt?

Wir haben viel komponiert und in diesem Zeitraum so viel Material wie noch nie
zuvor erarbeitet. Aber gerade durch die Veränderungen im Musikbusiness haben
sich so viele vertragliche Dinge geändert, daß es mit einem Handschlag zwischen
zwei Partnern leider nicht mehr getan ist. Dann verging natürlich Zeit bei der
Labelsuche, denn wir suchten ein Label, das die gleichen Visionen hat wie die
Band und nicht die gleichen Fehler macht, die die Virgin gemacht hat. Schließlich
verging allein über ein Jahr bis wir den Vertrag mit unserem neuen Label unterschreiben
konnten, denn der juristische Schriftverkehr zwischen beiden Seiten hat sich
wirklich gezogen.

Ist das Songamaterial auch in diesem o.g. langen Zeitraum entstanden oder
sind es alles relativ neue Stücke.

Nee, die Songs entstanden schon über den gesamten Zeitraum, wobei es zu dem
echten Kuriosum kam, dass die deutschsprachigen Songs doch deutlich in der Überzahl
standen. Wir haben aber auch drei englischsprachige Stücke aufgenommen, die
dann auf die “limited Edition” des Albums gepackt werden. Wir haben uns dieses
Mal auch grundsätzlich bezüglich der Arbeitsweise geändert, denn 50 – 60% Prozent
der neuen Songs entstanden in Sessions, was in der Vergangenheit nie der Fall
war. Diese Herangehensweise hat die Band sehr befruchtet, und ich bin wirklich
froh, dass wir diese Arbeitsweise mal ausprobiert haben. Der Rest des Songmaterials
ist dann auf die eher traditionelle Art entstanden, d.h. jeder hat für einen
gewissen Zeitraum für sich und in seinem stillen Kämmerlein komponiert.

Hast Du eigentlich schon mal überlegt, ob Du in einer anderen Sprache als
“englisch” oder “deutsch” singst?

Nein, dazu müsste ich mich in der entsprechenden Sprache wohl fühlen und diese
gut genug kennen. Und ich hatte zwar in der Schule einige Jahre “Französisch”,
aber ich würde das glaube ich nicht packen und es würde zu bemüht klingen.

Zumal ja auch französisch nicht unbedingt eine Sprache ist, die zum OOMPH!-Sound
passt!

Das mag sein, aber ich muß ohnehin sagen, dass man sich in seiner Muttersprache
eben am besten und am berührensten ausdrücken kann, da man das, was man da reflektiert,
ja auch in dieser Sprache ge- und erlebt hat. Das Englische hat da mehr die
Aufgabe einer Klangfarbe, obwohl ich natürlich versuche, soviel Sinn und Autobiografisches
in die englischen Texte unterzubringen.


Sind denn wieder viele autobiografische Dinge in Deine Texte eingeflossen?

Nicht ganz so offensichtlich wie früher, denn ich habe das Ganze – glaube ich
zumindest – doch viel, viel philosophischer verpackt. Also diese Sinnfrage und
Sinnsuche, die die Menschheit schon bewegt, seit es reflektiertes Denken gibt.
Von daher kann ich mich davon auch nicht lossprechen, aber ich versuche halt
immer wieder neue Aspekte zu finden und neue Fragen zu stellen. Ich bin ein
Mensch, dem es wichtiger ist, Fragen zu stellen, als Antworten zu bekommen.
Deshalb sage ich den Fans und Journalisten, denen meine Texte zu vieldeutig
sind, und die mich dann in Gesprächen darum bitten, diese Texte zu erklären,
dann nur, dass sie für mich auch vieldeutig sind. Für mich besteht das Leben
eben nicht aus einer Formel. Es besteht für mich aus vielen, vielen Fragen und
dementsprechend uneindeutig und verwirrend wirken dann eben die Texte auf Leute,
die erwarten, dass ich die Formel für den Sinn des Lebens parat habe.

Hättest Du diese Formel gerne parat?

Nee, glaube ich nicht, denn für mich ist das Leben erst dadurch interessant
und erträglich, dass man eben Fragen stellen kann und nicht immer weiß, ob dieses
oder jenes einen Sinn oder auch keinen Sinn hat. Ich bin da halt doch eher fernöstlich
orientiert und sage “Der Weg ist das Ziel!!”

Du musst also nicht zwangsläufig auf jede Frage eine passende Antwort bekommen?

Nein. Ich bin überzeugter Agnostiker (hier ein weiterer Beitrag aus der Reihe
“Vampster macht schlau!” : Agnostizismus – Der Agnostizismus (von Agnosie griechisch:
a-gnoein “nicht wissen”) bestreitet die Möglichkeit, grundsätzliche definitive
Aussagen treffen zu können. Häufig wird der Begriff im Zusammenhang mit der
Unmöglichkeit verwandt, die Existenz oder Nichtexistenz eines Gottes zu beweisen.
Im Unterschied zur starken Form des Atheismus schließt der Agnostizismus nicht
grundsätzlich die Möglichkeit der Existenz eines Gottes aus. Der Begriff des
Agnostizismus wurde maßgeblich durch Thomas Henry Huxley (1869) geprägt. Obwohl
es sich um einen sehr jungen Begriff handelt, ist die dahinter stehende Auffassung
deutlich älter und wird u.a. schon bei Xenophanes, Buddha, Laotse oder den griechischen
Sophisten (“Von den Göttern weiß ich nichts, weder dass es solche gibt, noch
dass es keine gibt”) erwähnt. Der Agnostiker ist sich der Grenzen des menschlichen
Wissens bewußt. Er weiß bzgl. gewisser Fragen (Sophisten), “dass er nichts weiß”.
Er repräsentiert einen offenen Standpunkt, der weder die Existenz von Göttern
noch deren Nichtexistenz behauptet. Der Agnostiker ist weder Theist noch Atheist:
er bestreitet die Notwendigkeit, sich angesichts fehlenden Wissens in einen
Glauben der einen oder anderen Richtung zu flüchten. Man kann auch zu anderen
Fragen, die außerhalb des menschlichen Wissens liegen, einen agnostischen Standpunkt
vertreten, z.B. in Bezug auf die Existenz außerirdischen Lebens, eines Lebens
vor der Geburt/nach dem Tode, paralleler Universen, etc. – der Verf.) für den
das Fragezeichen allgegenwärtig im Leben ist. Ich erwarte auch nicht, dass ich
Antworten auf meine Fragen bekomme, zumal das nicht der Anspruch ist, den ich
ans Leben habe. Das Fragenstellen ist mir viel wichtiger, zumal man sich durch
das Stellen von Fragen auch nicht im Kreise dreht – das ist viel eher der Fall,
wenn man meint, die Antworten auf die Fragen zu wissen.

Du würdest Dich also, um mal mit Eurem Albumtitel “Wahrheit oder Pflicht”
zu sprechen, immer für die “Pflicht” entscheiden, weil Du einige Fragen nicht
beantworten kannst oder willst.

Ja, ich bin eher ein “Pflicht”-Mensch, auch wenn ich sehr, sehr gerne rede und
lese. Aber im Endeffekt zählt die “Pflicht” oder die “Tat” viel mehr, denn man
kann in seinem Leben immer viel erzählen. Wenn man dann nicht irgendwann das
durch die “Pflicht” einlöst, was man in seinem Kopf kreiert macht man sich unglaubwürdig.

Gibt es einen textlichen “roten Faden”, der sich durch die Songs zieht?

Ich würde sagen, dass der philosophische Aspekt bei diesem Album erstmalig und
in dieser Krassheit dominant ist, aber es ist nicht so, daß man den Songs die
Käseglocke eines Konzeptes überstülpen kann. Deswegen haben wir mit einer weiteren
Tradition gebrochen und erstmalig einen Albumtitel verwendet, der aus mehr als
einem Wort besteht. Wir wollten halt demonstrieren, dass nicht nur die Musik
enorm vielschichtig ist, sondern dass auch die Texte dieses Mal sehr manigfaltig
sind, weswegen wir dieses Mal darauf verzichtet haben, dem Ganzen mit der Brechstange
ein Konzept überzustülpen…

Das Video Eurer ersten Single-Auskopplung “Augen auf” (die von Null auf Platz
Vier in die deutschen Singlecharts einstieg) erinnert nicht nur dezent an einen
Film wie “Shining”…

Ja, das ist schon eine Art Hommage an die alten Klassiker und in diesem Fall
an Stanley Kubrick (Amerikanisch-Britischer Filmregisseur und Produzent, der
von 1928 – 1999 lebte und mitverantwortlich für Filme wie z.B. “2001: Odyssee
im Weltraum”, “Uhrwerk Orange”, “Shining”, “Full Metal Jacket” oder “Eyes Wide
Shut” war – der Verf.) der einer meiner Lieblingsregisseure ist und – genau
wie David Lynch – die Art von Subtilität an den Tag legte, die man vielleicht
auch in unseren Texten und unserer Musik finden kann. Wir haben natürlich bewusst
einige Dinge in unser das Video einfließen lassen, um eben auch zu zeigen, worum
es bei OOMPH! geht. Eben Fragen zu stellen, zu verwirren und zu verstören, was
wir viel lieber wollen, als eindeutig und plakativ-plumpe Statements abzugeben.

Ein weiterer Tabubruch ist das Aufnehmen einer Coverversion. Ihr habt Euch
für GRAUZONE’s “Eisbär” entschieden. Für mich einer der drei geilsten NDW-Songs
und eigentlich schon im Original so gut, dass man sich mit einer Coverversion
eigentlich nur in die Nesseln setzen kann. Was hat Euch bewogen, dieses Stück
aufzunehmen?

Wir haben das Aufnehmen einer Coverversion ein bißchen als Herausforderung gesehen.
Wir wollten erstens ein Stück nehmen, mit dem wir alle aufgewachsen sind und
zweitens einen Song covern, bei dem jemand mit wenigen Worten eine sehr eigene
und skurile Stimmung verbreitet. Wir haben aus “Eisbär” fast eine Ballade gemacht
und das Stück ja auch nicht 1:1 gecovert, was ich persönlich immer ganz schrecklich
finde, wenn ich mir eine Coverversion anhöre. Das braucht wirklich kein Mensch.
“It’s My Life” von NO DOUBT ist so ein Beispiel, bei dem es mir echt eiskalt
den Rücken runterläuft. Die haben den Song fast 1:1 übernommen und es tatsächlich
geschafft, noch schlechter, als das Original zu klingen.

Nun hab ich Dich gerade im Studio angerufen! Was machst Du a.) schon wieder
im Studio und b.) bereitest Du vielleicht gerade ein Dero-Soloalbum vor?

Nein, aber bastelt natürlich immer an irgendwelchen Ideen, wenn man – wie ich
– das Glück hat, dass das Studio in seinem eigenen Haus ist. Es ist ja nicht
so, dass ich mir eine Auszeit von mehreren Wochen oder Monaten nehme, nur weil
das Album draußen ist. Nein, wenn eine neue Idee da ist, dann muß diese auch
umgesetzt werden. Sonst würde ich explodieren. Ich brauche auch kein Soloalbum,
denn innerhalb der Band ist alles möglich und wir standen noch nie vor der Situation,
dass wir uns gesagt haben “Das kann man mit OOMPH! nicht machen!”. Wir haben
ohne Rücksicht auf Verluste alles gemacht, was wir wollten. Ich habe zwar bei
OOMPH! nur 1/3 Stimmrecht, aber die Möglichkeit des 100%igen freien musikalischen
Auslebens. Wir sind ne Demokratie, in der über diverse Dinge abgestimmt wird,
und in der man sich manchmal auch der Mehrheit beugen muß, selbst wenn man dann
zur Minderheit gehört und akzeptieren muß, dass die Mehrheit nicht immer zwangsläufig
Recht haben muß.