MEGABITE: Lieber auf der Bühne stehen als in der Fabrik malochen!

MEGABITE: Lieber auf der Bühne stehen als in der Fabrik malochen!

Ich gestehe, ich kann so ein paar Vorurteile bzw. eine gewisse Abneigung gegenüber reinen Coverbands nicht verhehlen. Was macht man am besten in so einem Fall? Nun, man konfrontiert sich einfach mit einer plötzlich aufgetauchten CD voller Eigenkompositionen einer Band wie MEGABITE, die ansonsten als Coverband unterwegs war. Und nach gebührender Begeisterung angesichts erstklassiger Songs konfrontiert man die Band im Gegenzug einfach mal mit Kreuzverhör-Fragen und schaut, was dabei rauskommt. Staatsanwalt Rachendrachen traf in MEGABITE-Sänger Tomm auf einen zähen und überzeugenden Anwalt in eigener Sache. Hier dessen Plädoyer:

Bislang seid ihr eher als Coverband in Erscheinung getreten, wenn man so im Internet nach MEGABITE stöbert. Warum nun der „Seitenwechsel“ hin zu eigenen Kompositionen?

Als Seitenwechsel möchte ich das jetzt nicht gerade bezeichnen. Wir wissen, dass die Covermucke oder Covermucker an sich bei den richtigen“ Musikern immer etwas verrucht sind, zu Unrecht, wie ich finde, denn es erfordert sehr viel Arbeit, in dieser Szene erfolgreich zu sein. Ich meine, es gibt keine Seiten, wir sind alle Musiker. Jetzt zur eigentlichen Antwort. Unser Gitarrist Church hat in seinen vorherigen Bands viel eigene Musik geschrieben, dasselbe gilt für mich. Das Verlangen danach war schon immer vorhanden, nur küsst einen selten die Muse, weil man so viel Zeit in seinen Job in der Coverband steckt, um dort mithalten zu können, denn die Konkurrenz ist groß. Und einfach nur irgendeinen Dreck zu schreiben, darauf hatten wir keinen Bock, davon gibt es schon viel zu viel im Radio und bei MTV etc.. Schön ist es ja auch, dass wir nicht so wie andere Bands darauf angewiesen sind, Hits zu schreiben, die wir eigentlich gar nicht mögen. Die wollen ja nicht verhungern, oder endlich diesen Grammy gewinnen. Wir schreiben die Musik, die wir geil finden.

Wie wird es bei euch weitergehen, habt ihr euch für eigene Kompositionen entschieden oder werdet ihr auch weiterhin als Coverband aktiv sein?

Wir werden auf jeden Fall mit der Covermucke weiter machen, es ist ja auch Musik, die wir gern spielen: METALLICA, MAIDEN, KORN, DROWNING POOL, DISTURBED, AVANTASIA, SAVATAGE, DREAM THEATER usw.. Damit würden wir erst aufhören, wenn wir mit unserem eigenen Zeug so gefragt sind, dass wir keine Zeit mehr zum Covern haben…so wie´s halt jeder machen würde, der nebenbei arbeitet, nur geh´ ich lieber auf die Bühne als in die Fabrik.

Gibt es Unterschiede, wie live eure eigene Kompositionen und Covers aufgenommen werden?

Klar: Die Covers kennen die Leute und singen mit, bei unseren Songs hören sie erst zu. Wenn sie sie öfters gehört haben, gehen sie auch gut mit, fragen auch immer danach. Wir bekommen also ein gutes Echo…bis jetzt.

Merkt ihr Unterschiede, wie ihr selbst eigenes Material und Covers empfindet?

Das eine spielst du nach, das andere bist du. Aber wie gesagt, zu covern macht auch Spaß. Nun gut, Covern ist Petting, das „Eigene ist Ficken.

Wie weit half euch eure Coverbanderfahrung beim Schreiben der eigenen Songs?

Bestimmt beeinflusst einen die Musik, die man ständig spielt, ich wüsste jetzt aber nicht, welche der Bands uns am stärksten beeinflusst hätten. Ein wichtiger Punkt ist wahrscheinlich, dass wir wissen, was live gut ankommt. Das haben wir beim Schreiben bedacht. Dass die Songs live gut rüberkommen, war uns von Anfang an sehr wichtig.

Nervt es, dass Coverbands manchmal nicht die gleiche Hochachtung wie anderen Bands entgegengebracht wird?

Es wäre eigentlich eher etwas peinlich für uns, wenn ein Fan zu uns kommt und uns wie die Jungs von MAIDEN behandeln würde. Den Respekt, von dem du sprichst, geben wir uns gegenseitig. Die Leute sollen nur zu unseren Gigs kommen und abgehen, wir brauchen keine Hochachtung. Und selbst wenn es um´s Know-how gehen würde – Stichwort Musikerpolizei -, bräuchten wir uns auch nicht verstecken. Aber wie gesagt, darum geht es nicht.

Wie habt ihr euren ja schon sehr ausgefeilten Stil gefunden? Eure Coversachen gingen ja doch eher in eine andere Richtung…

Hm… gesucht haben wir nie.

Woher habt ihr eure Einflüsse für die Demosongs bezogen?

Darüber hab´ ich mir wirklich noch keine Gedanken gemacht, aber du weißt ja, Kritiker wissen das sowieso besser als die Künstler.

Einziger Kritikpunkt an eurem Demo: Der Gitarrensound ist etwas dünn. Lag das an finanziellen Engpässen oder sind die Gitarren bewusst eher kratzig und im Hintergrund?

Was will ich als Sänger dazu sagen? Es ist ehrlich gesagt auch nicht gerade mein Lieblingssound. Ich kann aber damit leben, wenn´s die Gitarristen können. Beim nächsten Album wird jedenfalls alles anders.

Lass uns zu den einzelnen Songs kommen: Bei „Here and Now“ kommt u.a. der von CHER etablierte Effekt bei den Vocals zum Einsatz, und auch sonst sind die Vocals oft verfremdet und sehr abwechslungsreich. War das von Anfang an so geplant?

Da steh´ ich total drauf. Der Produzent musste mich die ganze Zeit bremsen, sonst würden jetzt die Leute fragen ob das ein Roboter ist, der da singt, hehe. Ich bin schon ein Spielkind, muss ich zugeben.

Leider gibt es im Inlay keine Texte. Erzähl daher doch bitte kurz, um was es in den Texten geht.

Meine Lieblingsaufgabe: Texte erklären. Ich fand das schon immer komisch, wenn Bands das gemacht haben. Man sollte nicht immer alles genau erklären, denn es sollte ja auch immer was für die Fantasie übrig bleiben. Es ist schließlich was Persönliches. Also nur ein paar Schlagwörter:

„Spaceage Aggressor“: Es dreht sich darum, wie wir Menschen mit der Erde umgehen und uns trotzdem noch sehr wichtig nehmen, obwohl wir alles falsch machen, oder besser gesagt die Machtgierigen. Das geht solange, bis deswegen eines Tages ein Computer mit Herz die Erde und damit die ganze Menschheit auslöschen will, es aber dann doch nicht macht, weil er sich in die Schönheit der Natur verliebt hat.

„Here and Now“: Alles geht um die Gegenwart, wer in der Vergangenheit lebt, existiert nicht,

dasselbe gilt für die Zukunft. Man muss verstehen, dass die Gegenwart entscheidend ist. Aus der Vergangenheit lernen, die Gegenwart leben, um eine schöne Zukunft zu haben – Amen.

„Galaxy Riders“: ganz einfach, zwei Kometen bedrohen die Welt, sie werden personifiziert als Galaxy Riders…das Ganze auf abenteuergeschichtliche Weise erzählt.

„Venus Ascending“: eine zweideutige Geschichte über die große Liebe und den Planeten Venus.

Bei „Galaxy Riders“ kommen auch Sprachsamples zum Einsatz. Stammen die aus einem Film oder habt ihr die selbst aufgenommen?

Die habe ich gesprochen. Orson Welles ist ein Scheiß dagegen, was, hehe?

Ihr habt inzwischen neue Songs am Start. In welche Richtung werden diese gehen?

Kann ich noch nicht viel dazu sagen, denn es sind ein paar neue Leute dazu gekommen. Mal sehen, auf was die so stehen. Aber die, die gegangen sind, waren sowieso nicht am Songwriting beteiligt. Es wird aber auf jeden Fall heavy und etwas durchsichtiger werden.

Auf eurer Homepage war zu lesen, dass es euer Lineup ganz schön zerpflückt hat. Warum ging es auseinander?

Wir hatten einfach nicht die selben Ansichten, kamen nicht aus der selben Region und feierten zu wenig miteinander. Es lebte sich auseinander, und das merkte man auf der Bühne. Bei den eigenen Sachen hatten sie sich ja sowieso schon ganz am Anfang ausgeklinkt.

Wer sind die neuen Musiker bei MEGABITE?

Sebastien ist unser neuer ´man and machine´ am Schlagzeug, da er auch das Programming usw. macht. Außerdem sind Joey am Bass und Chris an der Gitarre neu dabei.

Songtitel und Homepage weisen auf eine starke Faszination von Sci-Fi-Themen hin. Woher resultiert das?

Das darf man nicht so ernst nehmen, das war nur eine Phase. Wir stehen alle ein bisschen auf ´Star Wars´, ´Star Trek´ usw. Es hatte sich halt angeboten, den Inhalt der Songs hat das jedoch nicht beeinflusst.

Etwas irritiert war ich zu Beginn von dem Spruch „If it ain´t steel it ain´t real“ im Inlay. Ich fürchtete schon, gleich mit Truemetal gequält zu werden…Warum habt ihr da so einen Klischeespruch reingesetzt, der zu eurer Mucke nicht wirklich passt?

Ich merke schon, du stehst mehr auf eigenwillige, ausgefallene Musik. Das wollen wir aber gar nicht krampfhaft machen. Wir stehen zum Teil sehr auf Truemetal und haben ganz sicher, auch wenn man sie nicht so raushört, ein paar Elemente davon in unserer Musik. Ganz davon abgesehen: Stahl ist hart und das wird MEGABITE voraussichtlich immer bleiben, das wollten wir dem Fan damit sagen.

Was sind eure Erwartungen bezüglich eures Demos?

Wir wissen, dass unsere Musik nicht bei Antenne Bayern um 12.00 Uhr mittags gesendet werden wird. Wir wünschen uns, das Glück zu haben, dass unsere Mucke einem Visionär mit den richtigen Verbindungen in die Hände fällt. Das Zeug zu Rockstars hätten wir auf alle Fälle, und unsere Songs würden die Fans live auch erkennen.

Was ist für die Zukunft geplant?

Mehr eigene Musik, mehr Geld und (noch) mehr Sex, hehe…