DISHARMONIC ORCHESTRA: Vergangenheitsbeältigung und Zukunftspläne

Patrick Klopf gibt bereitwillig Auskunft zur acht Jahre langen Auszeit.

Anfang der Neunziger Jahre als Death-Metal Band gestartet, erarbeiteten sich DISHARMONIC ORCHESTRA mit ihrem eigenwilligen Stil eine beachtliche Fanbasis. Nach ihrem superben dritten Album Pleasuredome wurde es jedoch plötzlich lange Zeit, genauer gesagt auch Jahre lang, still um die Revoluzzer aus der Alpenrepublik. Mit ihrem starken Comeback-Album Ahead wagen sie anno 2002 einen Neuanfang; ein triftiger Grund wie ich finde, bei unseren EURO-Nachbarn anzuklopfen um die Gründe für die lange Pause in Erfahrung zu bringen. Patrick Klopf (Guitar, Vocals) gab bereitwillig Auskunft:

Nach acht Jahren startet Ihr nun mit Ahead nochmals amtlich durch. Doch bevor ich auf Euer äußerst gelungenes Comeback-Album zu sprechen komme, ist nach dieser langen Pause zuerst Vergangenheitsbewältigung verpflichtend. Deshalb der obligatorische Fragenkatalog:

– Was waren die Gründe für diese lange Auszeit?
– Gab es Probleme innerhalb der Band?
– Womit wart Ihr in dieser Zeit beschäftigt beruflich und musikalisch)?
– Was hat euch dazu bewogen ein neues Album aufzunehmen?


Wahrscheinlich war diese Auszeit nötig, damit wir uns wieder zusammentun konnten. Gut Ding braucht eben Weile. Die Pause ist allerdings doch etwas länger geworden als wir uns das gedacht hatten. Nach der Pleasuredome wollten wir uns ein wenig zurückziehen, da unser damaliges Plattenlabel und Management leider keine so gute Arbeit geleistet hatten und der Businesskram uns einfach zu wider war. Herwig (Bass) war und ist mit seiner anderen Band NAKED LUNCH beschäftigt und so hat sich das Ganze ein wenig in die Länge gezogen. Ich hatte ein paar Jahre lang ein Techno/House Label und habe mit einen italienischen Dj Musik gemacht. Martin (Drums) war Taxifahrer und Herwig war wie gesagt mit seiner anderen Band NAKED LUNCH unterwegs. Jetzt bin ich mit Martin Webdesigner und Herwig hat neben den Bands auch sein Studio, das FUZZROOM.

Wie waren die ersten Reaktionen von Fans und Medien bzgl. Eures Comebacks? Gab es auch Vorwürfe, der Re-Union Manie zum Opfer gefallen zu sein?


Die Reaktionen auf unser Comeback waren sehr positiv. Es gab jedoch schon Fragen, ob wir bewusst das Comeback geplant hätten. Wir haben aus aller Welt E-Mails von Fans bekommen, die sich auf unser neues Material freuen und froh sind, dass wir wieder back sind.

Ahead setzt nun da an, wo Pleasuredome endete. Von Euren früheren Alben war man jedoch gravierendere Stilentwicklungen gewohnt. Habt Ihr nun mit diesem unverwechselbaren und eigenständigen Sound Euren ureigenen Stil gefunden, den Ihr nun weiter ausbaut und verfeinert?


Grundlegend kann man sicher sagen, dass wir einen sehr eigenständigen Stil haben, den wir über die Jahre hinweg eben weiterentwickelt und auch ausgebaut haben. Jetzt da wir auch elektronische Elemente in unsere Musik einfließen lassen, macht dies unseren Gesamtsound sicher noch eine Nuance reicher. Wir sind sicher noch nicht am Ende unserer Entwicklung, da kommt gewiss noch etwas – zumal wir mit der Elektronik auch erst angefangen haben.

Ahead als bloße Fortführung von Pleasuredome zu bezeichnen wäre dem Album gegenüber ungerecht, da sowohl Elemente eurer Death-Metal Wurzeln als auch moderne Stilmittel integriert wurden. Woher kommen diese teilweise Rückgesinnung und die modernen Einflüsse bzw. welches Bandmitglied ist dafür verantwortlich?


Dieser Stilmix hat sich so ergeben. Zu Beginn, als wir wieder zu proben anfingen, war noch nicht ganz klar wohin wir uns musikalisch bewegen würden. Herwig meinte eigentlich gleich zu Beginn, wir sollten ein komplettes Grindcore Album ohne Kompromisse machen. Aber Martin und ich fanden, dass dies nur eine unserer Seiten wäre und nicht die ganze Wahrheit. Aber vielleicht kommt so ein reines Grindalbum noch einmal, es macht jedenfalls mächtig spaß volles Tempo zu geben. Diese alten Wurzeln werden wir sicher nie ablegen und man wird immer hören woher wir kommen.

Spätestens seit Not To Be Undimensional Conscious kann man Eure Musik als avantgardistisch/progressiv und unkommerziell bezeichnen. War dies eine bewusste Entwicklung, um sich gegen gängige Klischees zu stellen bzw. welche Einflüsse gibt es dafür?


Bewusst sicher nicht. Wir legen Wert darauf, Musik zu machen, die noch keiner in der Art gemacht hat. Einmal gelingt es uns, dann wiederum etwas weniger. In Summe passiert alles eben so. Wenn wir ein neues Album machen, haben wir kein klar definiertes Ziel. Wir wissen nie, wie das Teil am Ende klingen wird, da wir uns auch nicht einschränken. Du hast sicher recht, das wir mit Not To Be Undimensional Conscious begonnen haben, unseren eigenen Weg zu gehen und uns musikalisch weiterzuentwickeln. Unsere Einflüsse waren zu dieser Zeit ähnliche wie auch die von heute. Wir hören uns alle Musikrichtungen an: Pop, Metal, Klassik, Elektronik – egal.

Trotz aller avantgardistischen Elemente sind Eure Songs leichter zugänglich als die anderer gleichgesinnter Bands. Wie kann man sich daher einen Sonwriting-Prozess vorstellen? Versucht Ihr bewusst möglichst disharmonisch zu klingen um dann mit melodischen Elementen den Zugang zu erleichtern und wie ist die Aufgabenverteilung innerhalb der Band?


Die Songs entstehen meistens beim jammen im Proberaum. Manchmal komme ich mit einem Riff oder Martin mit einem Drum-Takt daher, mit dem wir so lange herumexperimentieren bis es eben passt. Die Songs entstehen immer gemeinsam – wir sind da wie eine Einheit. Jeder hat einen Teil über und in Summe ergibt sich daraus unsere Musik. Disharmonische Elemente haben wir eigentlich kaum, da überwiegen doch eher die melodischen.

Bei DISHARMONIC ORCHESTRA gab es zumindest seit eurem ersten Album nie einen Wechsel im Line-Up. Was ist der Grund für diese außergewöhnliche Beständigkeit?


Wir haben mit der Zeit einfach bemerkt, dass die Basis von DISHARMONIC OR-CHESTRA nur aus uns Dreien bestehen kann. Jeder von uns hat das bestimmte Etwas menschliche wie vor allem auch musikalische, das unseren Sound ausmacht. Dafür kann man nicht so einfach Ersatz finden. Da Herwig mit seiner anderen Band so beschäftigt war, wollten wir es vor einiger Zeit mit einem anderen Bassisten versuchen, was jedoch einfach nicht funktionierte. Es können lediglich andere Musiker hinzukommen, wie eben jetzt LordDeisen und mphasis, die auch live für die Elektronik dabei sein werden.

Sowohl optisch als auch lyrisch ist auch bei Ahead alles echt DISHARMONIC ORCHESTRA – surrealistisches Cover und sinnfreie Texte. Was wollt Ihr mit eurem avantgardistischen/progressiven Konzept ausdrücken bzw. was soll damit beim Hörer bewirkt werden?


Naja, ein Konzept steckt eigentlich nicht dahinter. Wir wollen den Leuten einfach etwas bieten, was sie im täglichen Metal nicht finden werden. Der Hörer soll sich mit der Musik und dem Drumherum beschäftigen. Aber im Grunde wollen wir nur unterhalten – etwas anbieten in der Hoffnung, dass den Leuten gefällt was wir so produzieren.

Eure ersten beiden Alben Expositionsprophylaxe und Not To Be Undimensional Conscious erschienen bei NUCLEAR BLAST. Damals wart Ihr quasi mit euren österreichischen Kollegen von PUNGENT STENCH eine der Bands der ersten Stunde bei NUCLEAR BLAST, wohingegen Pleasuredome dann via STEAMHAMMER erschien. Wie kam es jetzt dazu, dass Ahead wieder über NUCLEAR BLAST erscheint? Die Rückkehr der verlorenen Schafe?


Nach der Wiederveröffentlichung unseres ersten Albums Expositionsprophylaxe habe ich mich bei Nuclear Blast gemeldet und Markus Staiger, der Boss von NB, hat daraufhin bei uns angefragt, ob wir nicht wieder etwas Neues machen wollten. Und ja, das wollten wir dann auch… Das Pleasuredome-Album ist bei Steamhammer leider etwas untergegangen, aber es wird Anfang nächsten Jahres mit ein paar neuen Sachen darauf wiederveröffentlicht. Bei NB hat sich seit unseren Anfangstagen einiges getan, die sind jetzt sicher eines der größten Metal Labels weltweit.

Ihr habt damals mit PUNGENT STENCH auch eine Split-LP gemacht und wart wenn ich mich nicht irre auch gut befreundet. Besteht noch Kontakt bzw. wie sieht es generell in der österreichischen Szene aus?


Ja, wir waren damals gut befreundet. Jetzt sehen wir uns zwar nicht mehr so oft, aber wenn es passiert dann ist es immer noch eine sehr freundschaftliche Begegnung. Wir finden es auch super cool, dass es PUNGENT STENCH wieder gibt, vielleicht werden wir ja einmal gemeinsam touren.

Wie können wir uns die Zukunft von DISHARMONIC ORCHESTRA vorstellen? Touren, weitere Alben, 8 Jahre Pause(-:)) etc.?


Im November werden wir ein paar Konzerte in Österreich spielen und hoffen, dass wir noch eine kleine Tour in diesem Jahr machen können. Ansonsten ist für nächstes Jahr im Februar eine ausgiebigere Tour geplant. Danach werden wir dann wohl unser nächstes Album aufnehmen, das wir im Herbst 2003 veröffentlichen wollen. Vier neue Songs stehen schon.

Zum Schluss noch die obligatorische Frage eines Internet-Fanzines: Wie wichtig ist das Internet für Euch als Band geworden? Auf Eurer redesignten Homepage www.disharmonic.com bietet Ihr auch zwei komplette Songs von Ahead zum download an. MP3 – Fluch oder Segen?


Wir finden das Internet natürlich supercool. Ohne könnte ich mir mein Leben gar nicht mehr vorstellen. Es ist toll, wie schnell man Informationen verbreiten kann. Musik zum download finde ich auch o.k. Auf unserer Page gibt es allerdings die Musik nur zum anhören.