AYREON: Grau ist nichts!

AYREON: Grau ist nichts!

Wer hätte zu Zeiten der Veröffentlichung von The Final Experiment jemals gedacht, was aus dem Bandprojekt AYREON werden würde? Mit der Doppelveröffentlichung The Universal Migrator hat Arjen Lucassen, der Mann hinter AYREON ein weiteres Mal Musikgeschichte geschrieben, nicht zuletzt aufgrund der vielen großen Musiker, die auf den Alben mitgewirkt haben. Da wundert es einen nicht, dass sich Arjen derzeit fast schon im Interview-Stress befindet. Umso schöner, dass ihm der Stress nichts auszumachen scheint und er nach wie vor sehr zuvorkommend und höflich mit seinen Interviewpartnern umgeht.

Ich will gleich zu Beginn des Interviews in die Geschichte von The Universal Migrator einsteigen, weshalb du vielleicht erstmal die Story kurz zusammenfassen könntest…

Okay, ich mach es ganz kurz. Die Geschichte beginnt im 22. Jahrhundert. Die Menschheit ist 2084 ausgestorben, so wie es auf meinem ersten Album The Final Experiment vorausgesagt wurde. Es gibt nur noch einen Überlebenden, das allerletzte menschliche Wesen. Er lebt auf einer Marskolonie, wo die Menschen einen Computer gebaut haben, der den Namen The Dream Sequencer trägt. Innerhalb dieses Computers kann man unter Hypnose in der Zeit zurückreisen, zu seiner Kindheit, und sogar noch weiter zu seinen vergangenen Leben. Das erste Album The Dream Sequencer handelt von der Reise dieses Marskolonisten zurück zu seinen früheren Leben. Er geht zum Beispiel zurück zu dem Krieg 2084, in die Zeit, als der erste Mensch den Mond betritt, er geht zurück ins Mittelalter, wo er herausfindet, dass er AYREON war. Und er geht noch weiter zurück bis zum ersten Menschen auf der Erde. Auf der zweiten CD wacht er auf, will aber noch weiter gehen. Der Dream Sequencer warnt ihn und sagt hör zu, das ist sehr gefährlich, noch weiter zu gehen. Aber er weiß, dass er ohnehin sterben wird – der gesamte Sauerstoff auf der Marskolonie ist so gut wie verbraucht – weshalb er zurückgehen möchte, bis zu der Zeit vor dem Urknall. Der Urknall war der Moment, an dem das Universum entstand und meine fantastische Theorie lautet, dass während des Urknalls eine gigantische Seele entstand. Ich nenne diese Seele den Universal Migrator. Diese Seele spaltet sich selbst auf in viele kleine Seelen – ich nenne sie Migrators – und jede dieser Seelen fliegt fort auf der Suche nach einem Planeten, dem sie Leben einhauchen können. Der Marsbewohner, der sich immer noch unter Hypnose im Dream Sequencer befindet, folgt der Seele, die eventuell die Erde erreichen wird.

Das ist die kürzeste Version, die ich dir geben kann…

Was mich von Anfang an an dieser Story fasziniert hat ist, dass sie auf der Geschichte von The Final Experiment aufbaut. Als du The Electric Castle geschrieben hast, hast du anscheinend auch schon an einer Fortsetzung zu The Final Experiment gearbeitet, die du aber wohl verworfen hast, da die Story zu kompliziert war.

Eigentlich lief es gerade anders herum! Ich habe nicht geplant, eine Fortsetzung zu The Final Experiment zu schreiben. Auf The Electric Castle habe ich alle Sänger durcheinander singen lassen. Es gab also verschiedene Sänger in einem Song. Das einzige, was ich für das neue Album geplant hatte war, dass ich für jeden Song einen bestimmten Sänger haben wollte. Dann habe ich mir überlegt, wie ich dabei eine Geschichte erzählen könnte. Also dachte ich mir, dass es vielleicht möglich wäre, dass wir dieselbe Seele, dieselbe Person betrachten, jedoch in all seinen vorherigen Leben, in verschiedenen Äras. Ich fand, dass es eine gute Möglichkeit war, da die Person dadurch auch männlich oder weiblich sein konnte. Das war die grundlegende Idee, mit der ich dann auch anfing, Songs zu schreiben. Dann kam mir der Gedanke, dass ich das ganze auf einer Marskolonie spielen lassen könnte, da ja heute auch schon Bestrebungen da sind, den Mars zu besiedeln. Einige erwarten, dass dieses Ereignis noch in diesem Jahrhundert eintreten wird. So kam also eines zum anderen. Ich überlegte mir, dass die Marskolonisten keine Nahrungsvorräte mehr von der Erde bekommen, da alles Leben auf der Erde ausgelöscht wurde und da fiel mir auf, dass das genau die Geschichte war, die ich schon auf dem ersten Album erzählt hatte. Ich erinnerte mich an dieses 2084-Thema und ich dachte mir warum nicht? Warum soll ich hieraus keine Fortsetzung machen? Nun hatte ich also diese Person, die in ihre frühere Leben zurückkehrt und da dachte ich mir, dass es ein netter Weg wäre, AYREON zurückzubringen. Die Person könnte in einem früheren Leben AYREON gewesen sein. Das ist die Verbindung zu The Final Experiment. Aber es gibt ja auch eine Verbindung zu The Electric Castle! Auf dem zweiten Album reisen wir durch das schwarze Loch und kommen wieder durch das weiße Loch heraus und erreichen die Andromeda-Galaxie, auch M31 genannt. Hier finden wir einen Planeten und wir finden heraus, dass es auf dem Planeten Leben gibt. Das Leben auf dem Planeten entpuppt sich als Forever, dem Alien auf Electric Castle. Das ist also eine weitere Rückblende.

Gerade das mag ich an dem neuen Album. Es gibt sowohl der Story, als auch der Band AYREON selbst eine besondere Note.

Ja, so geht es mir auch. Aber es war so nicht geplant, es ergab sich einfach. Und ich weiß auch noch genau, wie ich mich freute, als ich auf diese Ideen kam. Bevor ich anfing, die Lyrics zu schreiben, wusste ich ja noch gar nicht, was aus der Geschichte werden würde.

Aber gab es denn nun tatsächlich zuvor schon eine komplette Fortsetzung zu The Final Experiment?

Nun, ich habe es schon einmal versucht. Erinnerst du dich noch an die Geschichte von The Final Experiment? In dieser Geschichte schlug das letzte Experiment offensichtlich fehl, da die Menschheit ausstarb. Aber ich hatte die Idee, dass ich zwei CDs veröffentlichen könnte, wobei auf einer CD die Geschichte beschrieben wird, in der das letzte Experiment erfolgreich war, und auf der anderen CD die Geschichte, auf der es fehlschlug. Und ich überlegte mir, wenn das Experiment erfolgreich gewesen wäre, wie hätte man die Aggression und den Krieg und die Umweltverschmutzung bekämpfen können. Der einzige Weg wäre – wie es PINK FLOYD ausdrücken – Gedankenkontrolle, Thought Control. Computer, die deine Gedanken beeinflussen. Ich denke, Aggression und negative Gefühle sind in jedem Menschen, auch in dir und mir, in jedem, so gut man auch sein mag. Dann realisierte ich, dass es nicht der richtige Weg wäre, gegen die Natur des Menschen zu kämpfen. Das ganze wäre eine sehr moralische Geschichte geworden, mit einer Message, was aber nicht meiner Vorstellung von Musik entspricht. Ich möchte einfach gute Geschichten erzählen und den Leuten auch eine Fluchtmöglichkeit bieten.

Aber glaubst du nicht, dass in deinen Alben auch immer eine Art von Botschaft steckt, indem du den Leuten durch deine Geschichten sagst passt auf eure Umwelt auf, passt auf, was mit dieser Welt geschieht?

Oh, ja, es gibt so etwas, aber nicht offensichtlich. Du musst diese Botschaft nicht erkennen, sie steckt zwischen den Zeilen. Ich bin nicht wie STRYPER und werfe Bibeln in das Publikum, verstehst du?

Du willst also kein Moralist sein?

Nein, auf keinen Fall! Ich habe hier viele CDs, da ich auch für den Metal Hammer Reviews schreibe, und ich habe da diese CDs von Bands mit Kanonen, die über ihre politischen Ideen singen und ich denke mir nur Oh Mann, das interessiert mich gar nicht! Ganz besonders nicht, wenn die Leute Kanonen auf dem Cover tragen! Aber dann sag ich mir wieder, dass wenn die so etwas machen wollen, dann sollen sie halt, mich interessiert´s jedoch nicht.

Die neue Geschichte bietet sich ja eigentlich erneut dazu an, eine Fortsetzung zu schreiben, da der Protagonist am Ende ja dazu bestimmt ist, eine neue Welt zu erschaffen. Da steckt doch eine Menge Material dahinter, oder?

Oh, darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht. Ich mag es eigentlich, eine Geschichte mit einer realistischen Idee zu beginnen, wie zum Beispiel die Marskolonie, die es einmal geben könnte. Wenn ich hierzu eine Fortsetzung schreiben würde, dann müsste ich eine komplett neue Welt erfinden. Ich glaube nicht, dass dies mein Weg wäre. Sowas wie der Herr der Ringe zum Beispiel, mir würden nie so viele Namen einfallen, haha!

Oder wie zum Beispiel bei Die unendliche Geschichte, wo am Ende ja ebenfalls eine komplett neue Welt erschaffen wird…

Nun, ich könnte so eine Geschichte wirklich niemals schreiben, Fantasien, das Nichts, das ganz Fantasien auffrisst, usw. Nein, ich mag die Geschichte und ich wünschte, sie wäre von mir, aber ich könnte es nicht, haha.

Was fasziniert dich denn an Zeitreisen? Dieses Thema scheint auf all deinen Alben eine Rolle zu spielen.

Ja, das stimmt. Ich habe diese Sache schon immer geliebt und ich weiß gar nicht so recht, warum. Vielleicht, weil ich weiß, dass es nicht möglich ist. Wir wissen, dass Zeitreisen nicht möglich sind, da wir noch nie besucht wurden. Genauso ist es nicht möglich, sich schneller als das Licht zu bewegen, was ja bedeuten würde, dass man sich in der Zeit rückwärts bewegen könnte. Warum fasziniert mich diese Sache? Ich denke, es ist auch eine Art von Flucht. Es gibt so viele interessante Äras in der Vergangenheit und ich bin so neugierig, wie die Welt in 1000 Jahren aussehen wird. Ich mag es einfach auf dieses Big Picture zu schauen. Die großen Dinge zu sehen, anstatt die Zeitung zu lesen und festzustellen, dass irgendwo wieder ein Unglück geschehen ist und dabei zu denken, dass ich nichts dagegen tun kann. Ich könnte darüber weinen, aber in Wirklichkeit berührt es mich nicht. Das ist schon irgendwie merkwürdig. Wenn man denkt, dass da so viele Menschen sterben und ich die Wahl hätte, dass diese Menschen sterben oder meine Katze…verstehst du? Ich denke mir, dass ich diese Dinge nicht ändern kann und da bin ich eher wie ein Strauss, und stecke meinen Kopf in den Sand…einfach nichts darüber wissen…

Musikalisch gesehen hätten die ruhigen, sphärischen Keyboard-Sounds vom ersten Album doch eigentlich eher zu dem Flug durch das Universum gepasst. Gab es einen Grund dafür, dass du dich anders entschieden hast?

Das stimmt, was du sagst! Was war der Grund? Darüber muss ich wirklich nachdenken…es gab einen Grund. Es gibt auf dem ersten Album viele Soundeffekte, die gut zu den Songs passen, wie etwa das Rudern bei Dragon of the See oder bei One small step mit diesen Mondgeräuschen. Aber da muss ich echt nachdenken, da du recht hast. Es würde anders herum mehr Sinn machen. Aber ja…auf dem zweiten Album sind ja alle harten Songs vertreten und ich wollte im ersten Teil über die verschiedenen Äras der Menschheit schreiben. Was hätte ich also mit all den harten Songs anfangen sollen? Ich hätte über all die Kriege schreiben müssen, was ich aber nicht wollte. Ich wollte, dass das erste Album sehr melancholisch und traurig anfängt und gegen Ende eher fröhlich wird. Ja, das war der Grund…gute Frage übrigens!

Danke schön, dann kann ich ja gleich mit einer Frage kommen, die du sicher ständig und bei jedem Album beantworten musst…

Du willst wissen, ob ich das Album live spielen werde, richtig?

Ähm…nein!

Gut! Danke, vielen Dank, haha!

Naja, das wäre ja eh unmöglich, aber was mich erneut interessiert ist, nach welchen Kriterien du die Sänger für dieses Album ausgesucht hast.

Zunächst schrieb ich die Songs, ohne dass ich einen speziellen Sänger im Kopf hatte. Wenn ich die Songs schreibe, bin ich zunächst einmal für ein oder 1 1/2 Jahre beschäftigt. Da weiß ich dann noch gar nicht, welche Sänger ich bekommen kann. Einige Sänger sind bis kurz vor Schluss unsicher. Ich schreibe Songs, wobei ich bereits verschiedene Melodien dafür im Kopf habe. Dann schau ich, welche Sänger ich bekommen kann und daraufhin schreibe ich mir alle Songs auf und überlege, welcher Sänger zu welchem Song passen könnte. Dann kommt der harte Part, denn normalerweise würde jeder sagen, dass er sich den Sänger für den Song auswählt, zu dem dieser auch passt. Aber das wollte ich nicht. Ich überlegte mir, was der Sänger für gewöhnlich singt und genau für diese Art von Song habe ich ihn nicht verwendet. Bruce Dickinson zum Beispiel wollte ich in keinem schnellen Song wie Through the Wormhole haben. Ich wollte ihn in einem Song, der sehr langsam und dramatisch ist. Mal schauen, was er daraus macht! Es ist doch interessanter, wenn er anders singt als bei MAIDEN. Ein gutes Beispiel ist auch Ralf Scheepers, der bei PRIMAL FEAR ja sehr wie Rob Halford singt. Bei mir singt er um einiges melodischer. Oder Timo Kotipelto singt sehr bluesig, in einem DEEP PURPLE-mäßigen Song. Ich wollte die Sänger einfach in meine Welt versetzen und nicht ein Teil deren Welt sein.

Was waren deine Beweggründe, Johan Edlund in das Projekt einzubringen?

Sein Song war zunächst ein schrecklicher Song und ich mochte ihn überhaupt nicht! Ich veränderte ihn also total und es wurde ein sehr depressiver Song. Ich mag TIAMAT wirklich sehr und ich dachte mir, dass es großartig wäre, wenn Johan ihn singen würde. Ich mailte also seinem Manager und ich dachte mir eigentlich, dass Johan kein sehr einfacher Mensch wäre, da ich vieles über ihn gehört hatte. Ich ging davon aus, dass ich die Sache vergessen könne. Aber ich bekam eine E-Mail von seinem Manager, der mir mitteilte, dass Johan interessiert wäre. Ich rief ihn also an und er war wirklich sehr nett! Er sagte Großartig! Ich bin sehr stolz, dass du mich fragst. Ich höre mir AYREON gerne an und denke, dass die Musik sehr progressiv und sehr gut ist. Ich bin wirklich glücklich darüber, denn My House on Mars ist inzwischen einer meiner Lieblingssongs.

Gab es denn auch jemanden, der auf dem Album mitwirkte und sagte es ist okay, dass ich auf dem Album zu hören bin, aber eigentlich kann ich mit der Musik nichts anfangen?

Nun, Damien Wilson zum Beispiel mochte seinen Song überhaupt nicht. Ich habe ihm den Song zugeschickt und er meinte ähm, ich mach´s, da es sich um AYREON handelt, aber ich mag den Song nicht. Wenn es irgend ein anderes Projekt wäre, würde ich es nicht machen! Ich mach es dir zuliebe. Aber inzwischen liebt er den Song. Als er die CD hörte rief er an und meinte ich liebe diesen Song, er passt perfekt zu mir! Ich denke, er kann auf diesem Song sein ganzes Talent ausspielen, die softe und die harte Seite.

Timo konnte glaub ich auch nicht verstehen, warum ich ihn gebeten habe, seinen Song zu singen. Er meinte, dass das nicht seine Art zu singen ist und nicht seine Art von Song. Aber er war letztendlich auch sehr glücklich darüber. Ich habe ihn in Frankreich getroffen und er mag den Song inzwischen auch sehr.

Ich habe aber leider noch nicht von allen Sängern eine Resonanz bekommen. Aber ich denke, dass die meisten mit dem Ergebnis zufrieden sind.

Im Booklet hast du ja geschrieben, dass du für das Album die besten Musiker haben wolltest und diese auch bekommen hast. Ich habe aber mal ein bisschen nachgeforscht und ein paar Musiker gefunden, die du soweit ich weiß schon immer gerne gehabt hättest, aber nicht bekommen hast…

Du wirst vermutlich David Gilmore aufgeschrieben haben?

Richtig! 🙂

Alice Cooper und Ronnie James Dio?

Nein, die nicht…Robert Plant, Paul McCartney und Jon Oliva?

Ah, ja. Jon Oliva habe ich CDs geschickt und Mails geschrieben, aber ich habe von ihm keine Reaktion bekommen. Ich weiß nicht, ob er sie nicht erhalten hat oder ob er keine Zeit hatte, keine Ahnung. Es kam einfach nichts.

Paul McCartney…nun, es war etwas verrückt, es überhaupt zu versuchen. Ich habe von seinem Management eine Mail zurückbekommen, in dem sie schrieben, dass er jeden Tag 100 CDs bekommt, auf denen er singen solle.

Ich habe es bei David Gilmore probiert, als ich ihn für ein holländisches Magazin interviewt habe. Ich war sehr aufgeregt, da er mein Held ist! Nicht unbedingt als Person, mehr als Musiker. Aber ich versuchte es trotz meiner Aufregung, da ich die Chance nutzen wollte, ihn persönlich zu fragen. Er ist aber heutzutage nicht sehr an Musik interessiert und Prog mag er überhaupt nicht. Das konnte ich also vergessen.

Robert Plant habe ich auch über sein Management kontaktiert und eine E-Mail zurückbekommen, dass er gerade mit PAGE aufnimmt. Das war zu The Electric Castle-Zeiten. Als ich sein Album angehört habe, mochte ich es überhaupt nicht, vielleicht ist das der Grund, warum ich es nicht nochmal probiert habe.

Wie sieht es denn mit Grunzern aus? Warum hast du auf dem neuen Album nicht wieder einen Grunzer verwendet, als Kontrast zum Rest?

Ich denke nicht, dass ich das nochmal machen werde. Ich möchte mich nicht unbedingt ständig wiederholen. Ich habe das jetzt zwei mal gemacht, und ich denke, das reicht. Auf dem ersten Album habe ich mit Jan Chris gearbeitet, weil er es war. Und es passte zur Story. Bei The Electric Castle habe ich es gemacht, da es da diese Geschichte mit dem Tod gab, also was hätte besser gepasst? Und diese hohen Grunzer auf dem Album sind auch fantastisch, so erschreckend, haha!

Du hast dich ja dazu entschieden, zwei Alben gleichzeitig zu veröffentlichen. Kannst du dir vorstellen, dass es Leute gibt, die sich nur das Prog oder nur das Metal Album kaufen?

Absolut, darum ging es ja auch! Ich denke, dass sich das harte Album besser verkaufen wird. AYREON-Fans werden sich natürlich beide Alben kaufen, aber ich denke ich werde mit dem harten Album einige Fans hinzugewinnen. Vor allem wegen der vielen großen Namen. Da wird es sicher einige geben, die AYREON bisher nicht kannten und sagen werden was, da singt Bruce Dickinson? Das muss ich mir anhören. Die Metal Fans sind sicher auch einfacher zu erreichen, als die Prog Fans. Und das Album ist auch besser. Aber ich bin froh, dass ich den Leuten auch die Möglichkeit geben kann, dass sie sich zwischen den beiden Alben entscheiden können. Es wäre schön gewesen, wenn ich es wieder in einem Package billiger hätte veröffentlichen können, aber es kostet einfach zu viel Geld. Ich könnte das nicht nochmal machen.

Aber schmerzt es dich nicht, wenn sich jemand nur ein Album kauft? Sagst du dir da nicht, oh, Mann, ich habe da so eine großartige Geschichte geschrieben und derjenige kennt nur die Hälfte davon?

Haha! Es ist glücklicherweise möglich, nur die Hälfte der Geschichte zu kennen und trotzdem durchzublicken. Es sind im Grunde genommen schon zwei verschiedene Geschichten. Nein, die Idee war ja auch, zwei Alben zu veröffentlichen. Die Chance für den Fan eben ein Album zu kaufen, das komplett seinem Geschmack entspricht. Was ich natürlich am besten fände wäre, wenn ein Metal Head beide Alben kauft und ich eine E-Mail von ihm bekommen würde, in dem er mir schreibt, ja, ich habe mir beide Alben gekauft, ich habe mir die erste CD angehört und ich muss dir sagen – aber erzähl´s nicht weiter – dass ich es absolut liebe! Haha, das wäre ein riesen Kompliment für mich! Und das ist eine weitere Idee hinter dieser Doppel-Veröffentlichung, beide Seiten mit der jeweils anderen bekannt zu machen.

Beim Cover-Artwork hast du ja erneut mit Jef Bertels zusammengearbeitet, allerdings nur beim ersten Album. Was ist die Geschichte hinter den beiden Cover?

Zuerst wollte ich Jef gar nicht, da es ein anderes Album ist als The Electric Castle und die Leute könnten es aufgrund des Covers als eine Fortsetzung dazu ansehen. Ein anderer Grund war, dass es eine Science-Fiction-Story war und keine Fantasy-Geschichte. Ich denke Jef ist eher ein Fantasy-Künstler. Ich versuchte es also mit vielen verschiedenen Leuten, die ein Cover für The Dream Sequencer erstellen sollten. Es hat aber einfach nicht geklappt. Entweder war es mir zu kalt oder es schien nicht zur Musik zu passen. Wir hatten also nur noch zwei Wochen Zeit und ich dachte mir nur Scheiße! Ich muss jemandem finden, dem ich auch vertrauen kann. Und da kam ich eben wieder auf Jef, auf den ich mich 100% verlassen konnte. Er hat bei Electric Castle so eine großartige Arbeit geleistet, weshalb ich ihm wieder anrief und ihn fragte, ob er mir innerhalb zwei Wochen ein Cover erstellen könne. Und er wollte es machen! Und inzwischen bin ich auch so glücklich darüber, dass ich ihn gefragt habe. Ich denke auch, dass das „The Dream Sequencer„-Album „The Electric Castle„ um einiges näher ist, als das Metal Album. Beim Metal Album gibt es viele Sachen, die ich mit AYREON noch nie gemacht habe, wie die Double-Bass-Drums usw. Natürlich wollte ich nicht nur, dass die Musik auf den Alben verschieden ist, sondern man sollte es auch schon äußerlich erkennen. Deshalb verwendete ich eine Zeichnung auf dem ersten Album und eine computergeneriertes Bild auf dem zweiten.

Hört sich Jef denn überhaupt solche Musik an?

Nein, er ist auch nicht von dieser Welt, haha! Er weiß nicht, was Computer sind und er weiß nicht, was Rock ist. Er hört immer noch klassische Musik. Als ich zu ihm das erste mal kam und ihm die Musik vorspielte meinte er nur ja, ja, sehr heavy! Aber inzwischen hat er zugegeben, dass je öfter er Electric Castle gehört hat, er einiges davon zu mögen gelernt hat. Er fängt an, die Musik zu mögen aber er ist eher der Klassik-Typ.

Auf dem Cover von Flight of the Migrator bist – wenn ich das richtig gesehen habe – du auf dem Cover abgebildet. Steckt dahinter eine Bedeutung oder war es einfach eine Idee?

Ja, das bin ich. Ich, wie ich in das schwarze Loch gezogen werde. Bei jedem Album, das ich mache, gibt es eine Zeit, in der ich nicht kreativ sein kann. Ich nenne das immer das schwarze Loch. Ich gelange immer wieder in dieses schwarze Loch und es ist wirklich schrecklich! Keine Ideen und nichts zu tun. Du sitzt einfach da. Furchtbar! Aber das ist nicht, was ich auf meinem Front Cover darstellen wollte. Es ist einfach die Idee des Marskolonisten, der dem Migrator folgt. Natürlich hatte ich auch einige Cover, auf dem dieser Migrator abgebildet war, aber ich dachte mir auf keinen Fall. Er sollte unsichtbar bleiben, ich wollte ihm kein Gesicht geben. Ich denke, das wäre kindisch gewesen. Ich entschloss also, einfach mich auf das Cover zu packen, haha.

Als du mit AYREON angefangen hast, war es ja im Grunde genommen nur als Experiment gedacht. Das zweite Album war meiner Meinung nach nicht zu spektakulär und ich dachte damals eigentlich, dass es kein zweites Album geben wird, auf dem die vielen Sänger zu hören sein werden. Beim dritten Album setztest du aber den Weg des ersten Albums fort und mit dem vierten erneut. Wie würdest du denn die ganze Entwicklung von AYREON beschreiben?

Das ist sehr schwer, da ich da überhaupt nicht objektiv sein kann. Ich bin stolz auf jedes AYREON-Album, das ich gemacht habe. Im Gegensatz zu den VENGEANCE-Sachen, die ich zuvor gemacht habe. Vieles davon kann ich mir echt nicht mehr anhören. Ich denk mir nur oh, Mann, das ist so dämlich! Wie konnte ich sowas nur machen? Aber damals war das großartig, die Zeit auf der Bühne, wenn wir den Frauen zuriefen los Mädels, lasst uns nass werden! Hinter der Bühne war´s natürlich genauso, aber das ist eine andere Geschichte, haha! Aber mit AYREON ist das etwas komplett anderes.

Ich mag wirklich jedes Album und ich verstehe nicht warum die Leute – warum du – das zweite Album nicht mögen. Wenn ich es mir anhöre denke ich nach wie vor, dass es großartige Songs beinhaltet. Ich verstehe es echt nicht, aber vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass kein echter Drummer darauf zu hören ist oder dass keine große Namen darauf vertreten sind. Oder vielleicht, weil es keine durchgehende Story hat, weil es kein Konzept-Album ist.

Entwicklung…alles, was ich versuche ist, jedes mal etwas anderes zu machen, aber das wird auch immer schwieriger, verstehst du? Es wird immer schwieriger, mit etwas neuem anzukommen. Mein Stil ist sehr breit gefächert aber ich würde nie ein komplettes Death Metal Album machen oder ein Rap Album oder sowas.

Hast du denn zu der Zeit, als du das zweite Album gemacht hast, daran geglaubt, dass du jemals wieder ein Album machen wirst, auf dem diese großen Namen vertreten sind?

Als ich das zweite Album machte, war ich glaub ich etwas zu arrogant. The Final Experiment war ein großer Erfolg und ich dachte mir, dass ich es jetzt alleine machen könnte. The Final Experiment war natürlich ein sehr teures Album, aufgrund dieser vielen Gastmusiker, und das zweite Album hat sich nicht besonders gut verkauft und ich dachte mir wow, ich brauche doch Hilfe von anderen Leuten und ich schaff es wohl nicht allein. Damals entschied ich, dass das nächste Album wieder größer werden müsse, mit wirklich großen Namen, da ich die Linie nicht nach unten fortsetzen wollte.

War es denn damals für dich sehr schmerzhaft, so dass du vielleicht gedacht hast wollen die Leute nun eigentlich nur die Namen oder wollen sie meine Musik?

Nun, nein, ich war wirklich stolz auf das Album und es verkaufte sich auch ganz gut, aber eben nicht so gut, wie The Final Experiment. Es verkaufte sich gut aber nicht gut genug. Du musst dir dann einfach eingestehen, dass du es nicht allein schaffst. Du denkst dir in dieser Situation natürlich, dass sich diese Art von Musik gerade in einer Tiefphase befindet, dass die Leute kein Geld mehr haben, dass jetzt jeder eine Kopiermaschine zu Hause stehen hat und die Leute sich das Album nicht mehr kaufen müssen, oder sowas, haha. Ich glaube ich fand damals wirklich viele großartige Entschuldigungen dafür.

Hast du denn nun für dich die Entscheidung getroffen, dass AYREON immer eine Band sein wird, die diese vielen Gastmusiker haben wird?

Ja! Ich mag es inzwischen, mit all diesen Sängern und Musikern zu arbeiten. Und natürlich ist es auch einfacher, ein Album zu promoten, auf dem all diese großen Namen mitgewirkt haben. Viele Leute nehmen dich plötzlich ernst! Sie sagen Wow, wenn Bruce Dickinson auf dem Album singt…! Aber auf der anderen Seite würde ich nie einen Sänger aus diesen Gesichtspunkten heraus fragen, ob er mitwirken würde. Wenn ich einen Sänger nicht mag, dann würde ich ihn auch nicht fragen.

Du hast ja auch einige Angebote von Bands wie ACCEPT oder KINGDOM COME bekommen, die du aber immer ausgeschlagen hast. Wie wichtig ist dir AYREON, dass du diese Angebote abgelehnt hast?

Bei AYREON muss ich mit niemandem Kompromisse eingehen. Ich kann machen, was ich will, es gibt keine Streitereien und keine Kompromisse. Ich hasse diese Kompromisse. Wenn einer schwarz sagt und der andere weiß und man sich dann darauf einigt, es grau zu machen, das ist nichts. Grau ist nichts! Deshalb machte ich auch diese beiden Alben, die zwei Extreme darstellen – natürlich nicht zu extrem. Ich denke, dass das die Erklärung dafür ist, dass ich AYREON nie aufgab.

Wie würdest du dich denn entscheiden, wenn nun IRON MAIDEN anrufen würden und dir sagen würden hey, wir brauchen dringend einen vierten Gitarristen! Würdest du das Angebot ausschlagen?

Haha! No Way! Auf keinen Fall, mit keiner Band! Ich bin absolut glücklich mit AYREON. Vielleicht mit….nein…nicht einmal mit PINK FLOYD! Nein!

Meine Fragen neigen sich wieder dem Ende zu, weshalb die Pflichtfragen erfolgen…deine letzten 3 Alben?

Oh, das ist schwer, da muss ich erstmal zu meinem CD-Regal…TRANSATLANTIC wäre mal eine! Lass mal sehen…ah, ja, die neue LANA LANE, da ich auf ihr Gitarre spiele, haha! Ich habe hier so 30 neue CDs rumliegen…die neue PORCUPINE TREE, die ich noch nicht gehört habe, aber ich erwarte sehr viel! Oh, und NIGHTWISH, die mag ich auch! Reicht das?

Bei AYREON wird die nächste Frage etwas schwieriger, aber vielleicht kannst du ja was von VENGEANCE erzählen: was war das lustigste, was dir je auf der Bühne passiert ist?

Ha, da gab es so viele verrückte Sachen. Ich stand z.B. mal auf der Bühne und spielte mein Solo und vor mir standen diese ganzen Typen, die mir ihren Fingern mitspielten, was wie viele Würmer aussah. Ich nahm meine Gitarre ab, zog einen von den Typen auf die Bühne und sagte ihm, er solle jetzt spielen. Ich gab ihm meine Gitarre und plötzlich taten das alle anderen Bandmitglieder. Nach einer Weile stand die ganze Band im Publikum und wir schauten uns eine komplett andere Band auf der Bühne an. Das war großartig!

Und wie war die Band?

Schrecklich, haha! Glücklicherweise, stell dir vor, sie wären besser gewesen!

Wäre ziemlich peinlich gewesen! Wen würdest du denn gerne mal in deinem Leben treffen und warum? Es kann sich auch um Personen handeln, die nicht mehr am Leben sind…

Oh, mit einem Toten zu reden wäre glaub ich ziemlich langweilig! Ich denke, ich würde gerne Alice Cooper treffen! Er hat eine gute Art von Humor und ich mag das ganze Horror-Zeug von ihm. Seine ganze Persönlichkeit, seine Lyrics! Ich denke, ich hätte aber auch Angst, ihn zu treffen. Was, wenn er nicht derjenige wäre, der ich denke, dass er ist. Das wäre ein echter Schlag. Ich könnte mir seine Alben nie mehr anhören. Ich hatte schon einige Male die Möglichkeit, ihn zu treffen, aber ich hatte immer Angst davor. Was, wenn er ein echtes Arschloch wäre.

Hast du sein neues Album schon gehört?

Ich habe ein paar Songs gehört. Sehr modern. Ich hätte es geliebt, wenn er was im alten Stil gemacht hätte – so wie Welcome to my Nightmare – anstatt einem Trend zu folgen. Ich habe es mir aber nicht genau angehört, weshalb ich kein echtes Statement abgeben kann. Ich mag lieber den jungen ALICE COOPER.

Fierce
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