ANODYNE-29: Was hat der Papst mit Sport-Bild zu tun?

Ragga…ist das nicht eine Unterart von Reggae? Diesem Musikstil, der ein fast schon 100-prozentiger Gegenentwurf zum Metal ist mit seiner Fixierung auf Entspanntheit und seiner völlig anderen Instrumentierung? Und sowas soll nun in Verbindung mit deftigem Nu Metal funktionieren, der obendrein noch von Stoner Rock-Passagen und einem eher gothiclastigen Sänger verfeinert wird? ANODYNE-29 machen es möglich, indem sie einen Ragga-Sänger in die Band aufgenommen haben und nun mit ihm zusammen innovative, spannende, vor allem aber auch ungemein mitreißende Songs zu fabrizieren. Drummer Carsten Behring verriet vampster, wie es zu dieser ungewöhnlichen Kombination kam und wie es seither mit der Band weiterging.

Ragga…ist das nicht eine Unterart von Reggae? Diesem Musikstil, der ein fast schon 100-prozentiger Gegenentwurf zum Metal ist mit seiner Fixierung auf Entspanntheit und seiner völlig anderen Instrumentierung? Und sowas soll nun in Verbindung mit deftigem Nu Metal funktionieren, der obendrein noch von Stoner Rock-Passagen und einem eher gothiclastigen Sänger verfeinert wird? ANODYNE-29 machen es möglich, indem sie einen Ragga-Sänger in die Band aufgenommen haben und nun mit ihm zusammen innovative, spannende, vor allem aber auch ungemein mitreißende Songs fabrizieren. Drummer Carsten Behring verriet vampster, wie es zu dieser ungewöhnlichen Kombination kam und wie es seither mit der Band weiterging.



Zunächst mal die naheliegendste Frage: Wie kommt man um alles in der Welt auf die Idee, “Ragga-infected Metal” spielen zu wollen?

Tja, wie kommt man dazu? Es war eine Entwicklung, muss ich unspektakulärerweise sagen. Wir hatten vor rund zwei Jahren ein Konzert hier in Worms anstehen, und da kamen wir bei einem Song auf die Idee, Finga [Ragga-Sänger – Anm. d. Verf.] zu fragen, ob er Lust hätte, live seinen Senf dazuzugeben. Nachdem die Resonanz auf diesen Song auch noch rund ein Jahr nach dem Konzert sehr groß war, beschlossen wir, Finga fest einzustellen.

Wie erklärst du jemandem, dem diese Bezeichnung nichts sagt, euren Sound?

Das kommt immer darauf an, aber im Grunde erkläre ich es meist mit “SEEED meets FEAR FACTORY meets TYPE O NEGATIVE meets KYUSS. Gut, die Bands variieren für gewöhnlich, aber im Grunde trifft das den Kern unserer Musik.

War es anfangs schwer, die Ragga-Vocals in euren Sound einzubauen?

Teilweise schon. Vor allem für Finga war es etwas schwerer, weil die Betonungen im Reggae/Ragga anders sind als im Metal. Aber diese Hürde hat er sehr schnell genommen. Auch für uns war es teilweise ungewohnt, aber es war eine spannende Herausforderung, weil halt eben etwas Neues dabei rauskam. Ich muss aber auch dazu sagen, dass das Ergebnis der “Phoenix“-Box im Moment noch am Wachsen ist und nicht mehr unbedingt unsere momentane Entwicklung widerspiegelt! Unser Sound hat sich bei den neueren Songs schon sehr viel mehr gefestigt und ist, was die Gesangsabstimmung angeht, viel homogener geworden als noch auf der “Phoenix”-Box, die ja nun auch schon ein Jahr alt ist!

War von Anfang an abzusehen, dass ihr ein derart breites Spektrum zwischen Nu Metal, Stoner Rock, Gothic, Elektro und Reggae abdecken würdet?

Ja, eigentlich schon, weil alle Bandmitglieder den unterschiedlichsten Musik- und Metalstilen entstammen. Hinzu kommt eben mittlerweile die Tatsache, dass eigentlich niemand eine solche musikalische Mischung gemacht hat und diese dann “Ragga-infected Metal” getauft hat, soweit wir wissen. Gut, es gab DUBWAR, und mit denen werden wir auch öfters verglichen, allerdings finde ich, wir haben mit der Band bis auf den Reggae-Shouter nichts gemeinsam! Jedenfalls ist es für uns relativ leicht, neue Einflüsse zuzulassen, weil keine andere Band bisher diese Schublade bedient hat. Wir haben dementsprechend keine Vorlagen und sind relativ frei. Wir erschaffen uns lieber unsere eigene Schublade, als ausgelatschten Trends hinterherzurennen.

Wie einigen sich eure zwei Sänger, wer wann singt? Gewalt oder Konsens, hehe?

Das machen die Beiden unter sich aus, im Normalfall ist der Rest der Band bei diesem “Konsens” aus Rauchgräsern und ´nem gepflegten Pils nicht dabei. Aber sie einigen sich schon, und der Rest der Band macht seine Vorschläge zu dem, was im Proberaum gesangstechnisch aufgenommen und vorgestellt wird, gegebenenfalls wird das dann überarbeitet oder nachgebessert.

Wie weit haben euch eure Erfahrungen von euren vorherigen Bands bei ANODYNE-29 geholfen?

Im Großen und Ganzen war das doch ziemlich hilfreich, mir z. B. insofern, dass ich meine alten Kontakte von SOMNIFERE für das neue Projekt bestens nutzen kann. Auch die Erfahrungen, die wir alle bereits gemacht haben, lassen uns die Sache zwar professionell angehen, aber dennoch mit einer gewissen Vorsicht agieren. Wir haben alle bereits unsere Enttäuschungen hinter uns und sind einfach etwas vorsichtiger geworden. Wir prüfen genauer, wer uns was erzählt und warum. Es sind sehr viele Geier da draußen unterwegs, und denen wollen wir eigentlich aus dem Weg gehen!

ANODYNE-29 - Interview 2004
ANODYNE-29 im variierenden Kern: “SEEED meets FEAR FACTORY meets TYPE O NEGATIVE meets KYUSS”

Du bist wie erwähnt zuletzt mit SOMNIFERE in Erscheinung getreten, doch leider hörte man von euch nach dem Release eurer CD über Massacre Records nichts mehr. Was war passiert?

Oha, interessiert das überhaupt noch jemanden? Tja, das ist ´ne lange Geschichte, welche eigentlich schon in der Zeit vor dem Release bei Massacre begann. Denn nach unseren Aufnahmen zu “Audioporn” waren wir bei Massacre erst mal ein Jahr auf Eis gelegen! Genug Zeit zu bandinterner Selbstzerfleischung! Im Anschluss daran war – mit dem nötigen Abstand von heute betrachtet – der Zug für uns bereits abgefahren. Wie dem auch sei, die Band zerbrach intern, und nach all den Tiefschlägen einigte man sich darauf, SOMNIFERE aufzulösen. Vielleicht gibt´s irgendwann mal ein Konzert just for fun, aber dazu müssen wir uns erst alle wieder verstehen lernen.

Wo nimmt man nach all den Jahren, die ihr ja alle schon bandtechnisch aktiv seid, noch die Motivation her, ein neues Projekt aus dem Boden zu stampfen?

Das ist ebenfalls nicht einfach zu beantworten, weil wir alle vor ANODYNE-29 musiktechnisch irgendwie am Boden lagen. Guido hatte seine Enttäuschungen mit CENTURY und GIANTS CAUSEWAY, Andy hat nach sehr langer Zeit STILL PATIENT? aufgelöst, ich hatte mein Erlebnis mit SOMNIFERE, und so zieht sich das eigentlich durch die komplette Band. Für mich kam der richtige Motivationsschub, als ich merkte, dass wir mit einem neuen Sound etwas reissen können. Wenn ich ehrlich bin, war das, als Finga fest bei uns eingestiegen ist. Es dürfte für viele jetzt komisch klingen, aber ab dem Zeitpunkt war mir einfach klar, wir können hier was erreichen. Wir werden nicht in irgendwelchen Proberäumen vergammeln und irgendwelchen Stilrichtungen hinterherrennen, denn genau das war mein vorheriges Problem. Jedenfalls wurde meine Motivation bisher nicht enttäuscht und wir haben mit ANODYNE-29 bereits sehr viele Erfolge in kürzester Zeit erzielen können, auf die wir bandintern sehr stolz sind.

Was verbirgt sich hinter dem Bandnamen?

Hinter dem Bandnamen verbirgt sich eigentlich nichts Aufregendes. Anodyne heißt Schmerzmittel und beginnt mit dem Buchstaben ´A´. Soll heißen, es war eigentlich eine Marketingentscheidung, hehe. Wer mit ´A´ beginnt, steht vorne im CD-Regal oder in den Bandlisten im Internet! 29 reimt sich englisch ausgesprochen auf Anodyne. That’s all…

Die Idee, gleich eine Video-CD zur Demo-CD zu packen, ist sicherlich nicht gerade gewöhnlich. Wie kamt ihr darauf?

Wir sehen ANODYNE-29 als multimediales Projekt und wollen den Fans immer auch was für´s Auge bieten! Zudem ist unser Sänger Andy von Videodrehs fasziniert, warum sollten wir das also nicht nutzen? Wir wollten den Plattenfirmen, Verlagen, Bookingagenturen und was es sonst noch zu bemustern gilt, gleich zeigen, was sie erwartet, wenn sie sich mit uns einlassen. Es war für uns der leichteste Weg, uns visuell zu präsentieren, weil wir zu dem Zeitpunkt live noch nicht fit waren.

Wie aufwendig war die Produktion der Videos?

“Torture” war sicherlich das aufwendigste Video. Da Andy alles geschnitten hat, weiß ich bezüglich dieses Aufwands nicht allzu viel. Die Auswahl, zu welchen Songs wir Videos gemacht haben, haben wir bandintern besprochen.

Hand auf´s Herz: Wo hattet ihr die Maden für das “Torture”-Video her?

Aus der Tierhandlung!

Auf eurer Page gibt es neben umfangreichen Infos und den Videos auch ein Online-Game, wie kamt ihr denn auf die Idee und wie schwierig war die Umsetzung?

Das Online-Spiel basiert ebenfalls auf der Idee des multimedialen Konzepts. Eigentlich gab es auf der ANODYNE-29-Homepage schon immer ein Spiel. Ich glaube, das damalige Spiel war älter als der erste ANODYNE-Song, hehe.

Habt ihr den Eindruck, dass ihr durch solche Extra-Gimmicks wie Videos und
Computerspiel zusätzliche Aufmerksamkeit bekommt?

Was die Videos angeht, kann ich nur sagen: auf jeden Fall! Schließlich lief unser Video zu “Torture” rund ein Dreivierteljahr wöchentlich auf onyx.tv. Für eine ungesignte Band ist das ein Riesenerfolg und Werbung für umsonst! Das Computerspiel ist ein nettes Gimmick für die Fans, die an der monatlichen Verlosung teilnehmen wollen. Uns ist es einfach wichtig, uns komplett zu präsentieren und alle Fähigkeiten – vom Tontechniker über Grafiker bis hin zum Kaufmann -, die in der Band vorhanden sind, auszuspielen. Klar ist die Musik im Endeffekt das Wichtigste an einer Band, aber es gibt viele andere Felder, die man auch beackern kann und heutzutage auch sollte, wenn man die Möglichkeiten dazu hat. Und den Fans die Möglichkeit zu geben, monatlich etwas zu gewinnen, ist unsere Art, Danke zu sagen! Denn unsere Fans sind echt hammergeil und unterstützen uns, wo sie können.

ANODYNE-29 - Interview 2004
Eigene Schubladen haben Vorteile! Carsten: “Für mich kam der richtige Motivationsschub, als ich merkte, dass wir mit einem neuen Sound etwas reissen können.”

Mittlerweile dürften es ein paar mehr sein, schließlich nehmt ihr an der Jägermeister-Rockliga teil. Was hat es damit genau auf sich?

Die Rockliga ist eine Idee von Jägermeister und umfasst 18 Bands, die für die jeweiligen Fussball-Bundesligastädte rocken. Zum Beispiel starten DIMPLE MINDS für Bremen, wir für Mainz als Aufsteiger und BLACK RAVEN für Dortmund. Es sind Newcomer wie wir genauso vertreten wie etablierte Acts wie 4LYN oder DIMPLE MINDS. Anders als in der Bundesliga werden allerdings nur die brisantesten Begegnungen ausgespielt, z. B. ein Rheinland-Pfalz-Derby oder den Ruhrpottklassiker Schalke vs. Dortmund. Jede Band hat in einer Saison zwei Heimspiele und zwei Auswärtsspiele. Die Ergebnisse, welche von einer Jury und dem Publikum ermittelt werden, werden in der Rockligatabelle festgehalten. Pro Tabellenplatz gibt es am Ende der Saison eine festgelegte Prämie. Ich glaub Jägermeister könnte mich nun langsam für deren Qualitätsabteilung abwerben, so oft, wie ich das jetzt schon erzählt hab´…(lacht)

Was erhofft ihr euch davon und was waren eure Erfahrungen bisher?

Die Erfahrungen sind bisher sehr gut mit Jägermeister als Partner. Sie machen sehr anständig und groß Werbung und investieren hier nicht nur Geld, sondern zeigen auch Engagement. Dabei sein ist hier wirklich alles! Egal, welchen Tabellenplatz wir am Ende einnehmen sollten: Die Publicity, die wir uns hier erspielen, ist nicht in Geld aufzuwiegen. Ich bin aber schon erschrocken, als ich unser Bandfoto in der Sport-Bild gesehen habe. Wir haben sonst schließlich so viel mit Sport zu tun wie der Papst mit seinen Eiern.

Wie wird es mit ANODYNE-29 weitergehen?

Tja, das weiß man ja nie so genau, aber wir hoffen jetzt erstmal, dass wir in der Rockliga noch ein bissl was reißen können, und werden parallel neue Songs schreiben, sobald unser Proberaum fertig renoviert ist. Dann sieht es unser Plan vor, im Frühjahr 2005 einen Longplayer aufzunehmen. Natürlich hoffen wir, bis dahin einen potenziell fähigen und vertrauenswürdigen Partner in Form eines Labels finden zu können. Man wird uns außerdem in der nächsten Zeit vermehrt live sehen können. Ich denke, es wird sehr positiv mit ANODYNE-29 weitergehen!