XALPEN: Sawken Xo On

Es ist ja kein Geheimnis, dass der südamerikanische Kontinent immer schon eine Menge an obskuren Bands ausgespien hat, die sich ganz und gar der rohen und chaotischen Seite des Black Metal verschrieben haben. XALPEN aus Chile bilden da keine Ausnahme und machen von Anfang an keine Gefangenen. Wüster Black Metal mit Black Thrash-Note, viel punkiger Energie, die zu den Ursprüngen des Genres zurückführt, dargeboten mit jeder Menge blankem Hass, teilweise hart an der Grenze zum Bestial Black Metal und immer schön obsessed by cruelty.

XALPEN machen keine Musik zum Nachdenken

Die Songs sind in einem positiven Sinne roh und „unbearbeitet“ und wirken damit sehr direkt. Die Jungs übertragen die Unmengen an Energie, die sie in ihre Instrumente prügeln, ohne Umwege über elaborierte Songstrukturen oder überhaupt ohne den Umweg über den rationalen Teil des Bewusstseins direkt auf den Hörer. Insofern kann man den schamanistischen Ansatz, der den konzeptuellen Rahmen der Musik darstellt, durchaus nachvollziehen.

„Sawken Xo On“ ist wahrlich keine Musik zum Nachdenken, schon gar nicht darüber, wo man dieses oder jenes Riff schon mal gehört haben könnte, man würde unweigerlich bei VENOM oder frühen MARDUK landen, macht aber gerade deswegen eine Menge Spaß. Originalität drückt sich schließlich nicht alleine in der reinen Auswahl der Töne aus, sondern im Erschaffen von originärer Kunst. Und das gelingt den Chilenen trotz begrenzter Ausdrucksmittel tatsächlich erstaunlich gut. Jede Standard-Single-Note-Harmonie, etwa im Song „1340“, wird mit dermaßen überzeugenden Faustschlägen in die Gitarrensaiten geprügelt, dass einem noch einmal bewusst wird, warum diese Harmonie einstmals zu einem Genre-Standard geworden ist. Normalerweise spreche in an dieser Stelle immer von “Musik mit Herzblut”, das man hören oder in der Musik wahrnehmen kann, bei XALPEN wäre es aber angebrachter von “Musik mit Hassblut” zu sprechen.

Audiophobes Chaos mit Eiern

Und wenn in „Han K´win Saik“ sogar so etwas wie Melodie durchschimmert, möchte man sich aufgrund des latenten Wahnsinns gar an eine alte Proberaumaufnahme von NECROPHOBIC und Konsorten erinnert fühlen, was allerdings mit dem nächsten HELLHAMMER-Riff wieder gerade gerückt wird.

Songs wie „Among the Pillars of Death“ mit mächtigen Gitarren oder das mit wunderbar rüpeligen, fast grindigen Blastbeats durchgeprügelte „Tres Chamanes“ zeigen die ganze Vitalität und Kraft der Band. Keine vergeistigten Waldspaziergänge in der Jack-Wolfskin-Funktions-Jacke, um die Natur zu fühlen, sondern stattdessen mit Patronengurt und Lederweste kopfüber in einen Abgrund voller Blut und Exkremente in einem vergessenen Winkel der Anden springen, um die Natur einfach umzubringen.

Was mir, neben der ungestümen und ursprünglichen Musik, aber besonders gut an XALPEN gefällt, ist die wunderbar undergroundige Produktion, die puren Black Metal atmet OHNE magersüchtige Rasier-Apparat-Gitarren, ohne nicht hörbare Bassdrums und all die Lächerlichkeiten, von denen man in Europa meint, dass sie eine Produktion „trve“ klingen lassen. Der Sound hat Eier, Wucht und ist trotzdem völlig unpoliert und damit in der Lage, das audiophobe Chaos der Chilenen angemessen zu transportieren und  versackt nicht auf der Hälfte der Strecke im Schneematsch der 90er.

So muss Underground Black Metal klingen.

Release Date: 15.09.2021
Label: Morbid Skull Records / Black Lodge Records

XALPEN “Sawken Xo’on” Tracklist

1. Devourer of Light (Ya’alwe Kar-t’en) (Audio bei Bandcamp)
2. 1340
3. Dark Nights of Winter (On Stekenjhio’ joshckek)
4. Han K’win Saik (For Those Who Have Departed)
5. Among the Pillars of Death (Han on Outeken Chesk) (Audio bei Bandcamp)
6. Tres Chamanes (Sawken Xo’on) (Audio bei YouTube)
7. The Formidable Fumes of Hell-Fire (On Tohown Tahner on Kár Xawqekyen)

Line-Up:

Tarem Keláash Bass, Vocals
Keyrók – Guitar, Vocals
Kenenek – Drums
K´awx – Guitar, Vocals

https://xalpencult.bandcamp.com/album/sawken-xo-on-remastered-2021