TNT: A Farewell To Arms

Ok für die Leute, die TNT eh mögen, oder sich über die Wiedergeburt von skandinavischen Bands wie TREAT und Co. freuen. Wer jetzt erst in den Melodic-Rock reinschnuppert, der sollte auch  mal rein hören.

Das war schon cool: alle Welt schaute Anfang der 80er auf die Hair-Bands in den USA, und da kommt die Band TNT aus Trondheim in Norwegen daher, die – natürlich auch mit Turbofrisur und bunten Klamotten – mit tollem, catchy Melodic Rock, eindrucksvollem Gesang, damals noch vom Ami Tony Harnell, und vor allem starker Gitarrenarbeit auf sich aufmerksam machte. Das in Norwegisch gesungene, und dadurch natürlich recht witzig klingende Debüt kursierte dann doch eher nur bei Insidern, Knights Of The New Thunder hingegen sorgte für die verdiente internationale Aufmerksamkeit. Vor allem das dritte Album Tell No Tales und das folgende Intuition hatten einige kleine Hits, die zumindest hier fleißig in den Rockdiscos die Tanzflächen füllten. Nach Besetzungswechseln, wenig erfolgreiche Ausflügen in Alternative-Regionen und dem wirklich schlechten letzten Album Atlantis will man nun zu alter Stärke zurückfinden, sicher auch, um mal wieder etwas Erfolgsluft zu schnuppern.

Nun denn, im Vergleich zu den letzten Alben können sich TNT mit A Farewell To Arms da durchaus eher Chancen ausmalen. Genau genommen gehen die Norweger sehr auf Nummer Sicher und präsentieren einen recht bunten Mix, der keinem Fan der Band weh tut, aber alle weitestgehend zufrieden stellt, die sie über die Jahre begleitet haben. Es gibt recht heavy und modern groovende Rocker wie den Opener, viele Songs, die deutlich wieder an die alten Haarspray-Zeiten anknüpfen und ein paar dezentere Erinnerungen an den Sound der letzten Alben. Wie gehabt dominiert das immer noch hörenswerte Gitarrenspiel von Ur-Mitglied Ronni Le Tekrö, auch die Vocals des Engländers Tony Mills (SHY, SIAM) passen viel besser zu diesem Melodic-Rock als zu dem, was die beiden Vorgängeralben mit ihm boten. Ship In The Night hätte sich auch auf den alten Hitalben gut gemacht, es gibt immer wieder Melodien zum Mitsummen, den ein oder anderen treibenden Song. Muss man als erwachsener (?) Musiker aber einen Text wie bei ansonsten gelungenen Rocker Take It Like A Man – Woman hinlegen, ich weiß ja nicht. Ein Teil der Songs läuft gut rein, das mit dem Hitpotential bleibt aber überschaubar. Waren die Balladen von den frühen TNT zwar klebrig süß, aber doch lieblich und schön, so zieht God Natt, Marie doch arg schmalzig an einem vorbei, gute Nacht.

Schaut man auf die letzten Jahre der Band, dann ist A Farewell To Arms sicher ein Schritt in die richtige Richtung, gerade weil der klassische 80er Hair/Melodic-Rock aktuell ja doch wieder recht gut angesagt ist und jeder noch so belanglose Held der 80er gerade wieder ausgegraben wird. Da hätten  die Norweger gleich richtig trumpfen sollen, um wieder vorne mitreden zu können. Haben sie aber nicht, Trend verpennt. A Farewell To Arms ist ok für die Leute, die TNT eh mögen, oder sich über die Wiedergeburt von skandinavischen Bands wie TREAT und Co. freuen. Wer jetzt erst in den Melodic-Rock reinschnuppert, der sollte mal rein hören, aber dann auch zwingend nach Tell No Tales, Knights Of The New Thunder oder auch Intuition Ausschau halten. Wem sogar mal das norwegische Debüt von ´82 über den Weg läuft, der sollte unbedingt zugreifen, allein weil es so witzig klingt. Dessen Opener Harley Davidson gibt es hier als Europa-Bonus in Englisch, hm, gab es glaub ich schon mal damals auf EP oder Import. Aber bevor ich wieder im Keller Umzugskartons mit LPs um türme (warum sind die bloß so schwer – ach ja, ist HEAVY Music drin) belassen wir es mal dabei, die neue Version ist ja ganz nett.

Veröffentlichungstermin: 21.01.2011

Spielzeit: 42:13 Min.

Line-Up:
Tony Mills – Vocals
Ronni le Tekrø – Guitars
Victor Borge – Bass
Diesel Dahl – Drums

Produziert von Ronni Le Tekrö
Label: Metal Heaven

Homepage: http://www.tnttheband.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/tntonline

Tracklist:
1. Engine
2. Refugee
3. Ship In The Night
4. Take It Like A Man – Woman
5. Come
6. Barracuda
7. Signature On A Demon´s Self Portrait
8. Don´t Misunderstand Me
9. A Farewell To Arms
10. Someone Else
11. God Natt, Marie
12. Harley Davidson