THEORY IN PRACTICE: Colonizing the Sun

THEORY IN PRACTICE: Colonizing the Sun

Szenen aus der Vampster-Redaktion: Der Captain stellt mit Entsetzen fest, dass THEORY IN PRACTICE schon vergeben ist. Mist, aber auch, denn der Vorgänger The Armageddon Theories war zum Hören eine richtige Herausforderung und er wollte schon gerne auch über Colonizing the Sun etwas schreiben, zumindest mal hören. Also wird bei Vampi angefragt, die sich für diese Scheibe eingetragen hat, ob eine Möglichkeit besteht sie zumindest mal zu hören. Vampi antwortet, er dürfe sie auch gerne besprechen. Der Captain denkt, wer hat’s geschafft, doch was zu dieser Zeit niemand weiß: Damit hat er sich selbst ins Elend gestürzt.

Selten hat sich ein derart schwerverdauliches Stück Musik in meinem Player gedreht. Hier wird von Progressive Death Metal gesprochen, dessen Beschreibung sich auch schon einiger anderer Bands annahmen, bis auf ATHEIST und teilweise auch die göttlichen CYNIC, sich niemand wirklich verdient hat. Aber hier kann man beim besten willen von nichts anderem sprechen. Die Herangehensweise an die Stücke lässt an DREAM THEATER und Co. erinnern, während die Ausführung ganz klar schwedisch-deathig ist. Also geht’s hier auch hochmelodisch zu.

Es gibt Licht und Schatten auf diesem Album. Beginnen wir mal mit der positiven Seite: Was Gitarrist Peter Lake hier abliefert ist der helle Wahnsinn. Ein unglaublicher Gitarrist, der wahnsinnige Techniken perfekt zu meistern weiß. In einer Info der Plattenfirma war auch der großspurige Satz zu lesen: Ihr dachtet Yngwie Malmsteen wäre der schnellste Gitarrist Skandinaviens? Aber wo sie recht haben, haben sie recht. Er schreibt außerdem extrem spannende Songaufbauten, wie in Conspiracy in Cloning nachzuhören. Dazu ein paar irre prägnante Leads und fertig ist ein kleines Meisterwerk. Außerdem hinterlässt Colonozing the Sun einen absolut geschlossenen Gesamteindruck (bis auf die abschließende Cover-Version This Town ain´t big enough for both of us der SPARKS) .

Doch was gibt an diesem Album auszusetzen? Zunächst einmal die Produktion. Die ist, wie auch schon auf dem Vorgänger viel zu gitarrenlastig ausgefallen, so sind die Drums sind nur schwer rauszuhören. Da gibt’s nur eins, die Bässe richtig dolle aufdrehen und es geht einigermaßen. Leider sind sie Vocals auch manchmal sehr eintönig, und langweilen nach einiger Zeit, weil sich Henrik nur an einem kreischenden Gesangsstil festhält. Etwas mehr Abwechslung hätte sicher nicht geschadet.

Das letzte Manko, dass ich habe, ist ein schwerwiegenderes. Denn teilweise sind die Kompositionen so dermaßen überladen, dass man nichts mehr nachvollziehen kann. In The Clockwork that Counts Aeons wird wieder mal gnadenlos drauflos gefrickelt und plötzlich kommt ein kleiner Break auf der Akkustikgitarre, der so überhaupt nicht reinpassen will. Leider sind auch die Keyboards, die von Bassist Mathias eingespielt wurden, manchmal ziemlich deplaziert.

Unterm Strich eine absolut empfehlenswerte Platte für Fans von Progressive Metal Acts, die auch mal die andere Seite der Härteskala kennen lernen wollen. Außerdem für Fans des schwedischen Death Metals geeignet, denen es dabei aber immer zu straight zu geht. Leute, die komplexer Musik nichts abgewinnen können, sollten von diesem Scheibchen lieber die Finger lassen. Immer dran denken: Hier ist der Name noch Programm!

Spielzeit: 47:33 Min.

Line-Up:
Henrik – Vocals

Peter – Guitars

Mathias – Bass / Keyboards

Patric – Drums

Label: Listenable Records

Homepage: http://hem.passagen.se/theory

Tracklist:
1. Colonizing the Sun

2. Conspiracy in Cloning

3. The Psycomantum Litany (Chronicle Exerpt)

4. Shapeshifter

5. Asken Apocrypha

6. The Clockwork that Counts Aeons

7. Illuminati

8. Replica Dwan

9. This Town ain´t big enough for both of us (Sparks Cover)

Captain Chaos
Ehemann, Vater, Musikenthusiast, Plattensammler, Trauerbegleiter, Logistiker, Autor, Wandergeselle