THE HAUNTED: rEVOLVEr

THE HAUNTED: rEVOLVEr

Hatte das Vorgängeralbum One Kill Wonder schon erfolgreich den Test am spießigen Nachbarn mit Bravour bestanden, so muss ich bedauern, dass ich nun umgezogen bin und „leider“ sehr tolerante Nachbarn habe, die kein Problem mit meiner Metalsucht und diversen Lautstärkepegeln haben. Aber ich denke, meine ex-Nachbarn hätten sicherlich wieder kollabiert beim aktuellen Werk „rEVOLVEr“ der schwedischen Thrash-Maschinerie THE HAUNTED.

Und wieder einmal konnten sich THE HAUNTED ein Stück steigern. Auf dem fett produzierten „rEVOLVEr“ hat das Quintett ihren Stil aus brachialem Thrash Metal und dezenten Death Metal-Einsprengseln verfeinert. THE HAUNTED agieren anno 2004 immer noch kompromisslos, lassen allerdings mehr Groove und sogar akustisch-melancholische Abschnitte in die insgesamt elf Kompositionen einfließen, was dem Gesamthöreindruck sehr gut tut.

Beim Opener „No Compromise“ sagt allein schon der Songtitel was euch erwartet. THE HAUNTED wie man sie kennt – ohne Kompromisse straight in eure verdammte Fresse. Rasiermesserscharfe Riffs und Präzisionsdrumming im Highspeedbereich, aufgelockert durch kurze, rhythmusorientierte Breaks. Die Vocals vom neuen Frontbrüllwürfel Peter Dolving (er hatte bereits das selbst betitelte Debütalbum „The Haunted“ eingeschrieen) gefallen mir noch eine Ecke besser als von Marco Aro, da Peter mehr Abwechslung in die Tracks einfließen lässt. Zweiter Song auf „rEVOLVEr“ ist „99“, ein im Midtempo gehaltenes Groovemonster vor dem Herrn, dass so was von drückt und live bestimmt mächtig abgeht. Beim folgenden „Abysmal“ überraschen uns THE HAUNTED zunächst mit Akustikgitarren und cleanen, depressiven Vocals, um anschließend mit angezogener Handbremse in schwerer bedrohlicher Manier wiederum zu grooven. Nach der kurzen Thrash-Granate „Sabotage“ werden THE HAUNTED bei „All Against All“ sogar recht melodisch, was vor allem an den Gitarrenriffs liegt, die sich vermehrt am klassischen Metal orientieren. Überraschend, aber gut. Das flotte „Sweet Relief“ kann mit coolen Bay Area-artigen Klampfenlines aufwarten, während „Burnt To A Shell“ erneut den Hörer durch cleane Vocals und akustische Gitarren im positiven Sinne verwirrt. „Burnt To A Shell“ hält sich wiederum im Midtempobereich auf und wechselt durchgehend zwischen den cleanen und verzerrten Parts. „Who Will Decide“ ist etwas schwächer ausgefallen und erinnert durch die abgestoppten Stakkatogitarren nicht nur einmal an den derzeitigen Metalcore-Boom. Variabilität in sämtlichen Bereichen zeigt uns „Nothing Right“ und bei „Liquid Burns“ kommen mir anfangs sogleich SLAYER in ihren ruhigeren Momenten in den Sinn, bis die Band nach einer starken Minute beginnt um ihr Leben zu thrashen. Das abschließende atmosphärische „My Shadow“ ist mit fast sieben Minuten das längste Stück der Scheibe und akustische Gitarrenelemente, kombiniert mit kranken, verzweifelt gesprochenen Passagen, bzw. clean gesungenen Parts – präsentiert in schon fast doomigen Tempo – zeigen, dass THE HAUNTED sich auf „rEVOLVEr“ stark weiterentwickelt haben.

THE HAUNTED liefern mit „rEVOLVEr“ ihr bisher abwechslungsreichstes Album ab, haben mit Peter Dolving einen besseren Frontmann an Bord und vermeiden damit, dass sich die Kompositionen zu schnell tot hören.

„rEVOLVEr“ wird auch in einem limitierten Digipak mit alternativem Artwork und zwei Bonustracks auf dem Markt kommen.

Veröffentlichungstermin: 18.10.2004

Spielzeit: 45:58 Min.

Line-Up:
Peter Dolving – vocals

Anders Björler – guitars

Jonas Björler – bass

Jensen – guitars

Per Möller Jensen – drums

Produziert von J.Steen/F.Nordström
Label: Century Media

Hompage: http://www.the-haunted.com

Tracklist:
No Compromise

99

Abysmal

Sabotage

All Against All

Sweet Relief

Burnt To A Shell

Who Will Decide

Nothing Right

Liquid Burns

My Shadow

Psycho