SYSTEM OF A DOWN: Hypnotize

SYSTEM OF A DOWN: Hypnotize

Ist es das neue Use Your Illusion wie einige Kritiker bereits orakelten? Quatsch mit Soße, sag ich da nur. Erstens musikalisch ganz anders und zweitens besser, weil GUNS ´N´ ROSES, ich weiß ja nicht. Poser halt. SYSTEM OF A DOWN sind mittlerweile zwar genauso groß, Alben, die aus zwei Teilen bestehen, sind dennoch heutzutage nichts Ungewöhnliches, man denke nur an THE OCEAN oder NOCTE OBDUCTA, um etwas im undergroundigen Bereich herumzustochern. SYSTEM OF A DOWN müssen sich natürlich viel mehr mit Kommerzvorwürfen rumärgern, weil sie ja groß und erfolgreich sind und die Alben unterhalb der 45 Minuten-Grenze liegen und zwischen den Veröffentlichungen gerade mal ein halbes Jahr liegt. Jaja, ist ja schon gut.

Aber mal ehrlich, wenn eine Band wie SYSTEM OF A DOWN ein neues Album veröffentlicht, kaufen eh alle Lästermäuler das Teil in der ersten halben Stunde. Nichtsdestotrotz, SYSTEM OF A DOWN beweisen auf dem zweiten Teil ihrer 2005er Veröffentlichungen wieder ein verflucht gutes Händchen für geniale Songs, wahnsinnige Hooks und verrückte Spielereien. Es lässt sich deutlich erkennen, das Material von Hypnotize stammt eindeutig aus der selben Phase des Songwritings wie Mezmerize, die Trademarks sind auf beiden Alben ähnliche, die Songs schwanken zwischen hymnenhafter Großartigkeit, Wut und kranken Spielereien. So gut wie auf Mezmerize gelingt das jedoch nicht. Aber getreu der Formel Jeder Schuss zumindest ein Streifschuss haben sich viele hervorragende Songs und Stellen auf diesem Album versammelt, um der ganzen Rock- und Metalwelt zu beweisen: Wir haben den Status inne, den wir verdienen.

Gut, das klingt vielleicht ein wenig großkotzig, aber Songs wie Dreaming, Kill Rock ´n´ Roll oder die wahnsinnig gute Hymne Tentative lassen keinen anderen Schluss zu. Gerade letztgenannter Song hat das Zeug zu einem Klassiker a lá Chop Suey!. Ansonsten beweisen SYSTEM OF A DOWN hier gerade in den ruhigen und ernsteren Stellen ihr großes Können. Die ausgeflippten Passagen wirken aufgrund der größeren Ernsthaftigkeit etwas gewöhnungsbedürftig, wollen auf den ersten Eindruck nicht so recht ins Gesamtbild passen. Darum ist Holy Mountains, bei dem bewusst auf freakige Elemente verzichtet wurde, der beste des Albums. Ansonsten ist diese Scheibe mit Nummern gesegnet, die allesamt das Potenzial zu Großem haben. Denn in jedem Song verstecken sich ein paar unglaublich gute Passagen, die das Hirn des Hörers partout nicht verlassen wollen.

SYSTEM OF A DOWN glänzen wieder mit denselben Fähigkeiten wie auf Mezmerize, also mit knallenden Riffs, großen Melodien, kranken Einsprengseln und zwei hervorragenden Sängern, wobei gerade Serj Tankian ein weiteres Mal seine große Bandbreite zum Besten gibt. Doch auch Daron Malakian glänzt in Lonely Day mit seiner fast schon apathisch klingenden Stimme und bringt die traurige Grundstimmung des Songs in ein weiteres Level. Das Soundgewand ist ebenso schon wie beim Vorgänger durch den Mix von Andy Wallace mächtig und doch glasklar, tritt Arsch und lässt alle Feinheiten erkennen.

Und wer die Parallelen zwischen den Alben noch immer nicht erkennt, der soll sich mal das hervorragende Artwork anschauen. Hier und beim abschließendem Soldier Side wird die Reise abgeschlossen. Da dies gleichzeitig das Intro von Mezmerize darstellt, schließt sich der Kreis und ein passioniertes Werk findet sein Ende. Zwar kann der zweite Teil durch etwas schwächere Nummern wie Stealing Society und She´s Like Heroin nicht mit dem Ersten mithalten, jedoch ist dies besser als das meiste, was die Damen und Herren Modern-Metaller dieser Tage auf die Menschheit loslassen.

Veröffentlichungstermin: 18. November 2005

Spielzeit: 39:47 Min.

Line-Up:
Serj Tankian – Vocals, Keyboards

Daron Malakian – Vocals, Guitars

Shavo Odadjian – Bass

John Dolmayan – Drums

Produziert von Rick Rubin und Daron Malakian
Label: American Recordings

Homepage: http://www.systemofadown.com

Tracklist:
1. Attack

2. Dreaming

3. Kill Rock ´n´ Roll

4. Hypnotize

5. Stealing Society

6. Tentative

7. U-Fig

8. Holy Mountains

9. Vicinity of Obscenity

10. She´s Like Heroin

11. Lonely Day

12. Soldier Side