SHAI HULUD: Misanthropy Pure

SHAI HULUD: Misanthropy Pure

Als ich SHAI HULUD wirklich lieb gewonnen habe, war es schon fast zu spät, da die Band zu dieser Zeit im Begriff war, sich aufzulösen, umzubenennen, sich selbst auf Eis zu legen. Doch die vier Musiker haben es sich glücklicherweise anders überlegt und sind mit neuem Schlagzeuger und neuem Sänger gestärkt, motiviert und voller Leidenschaft wieder da. Misanthropy Pure heißt das Album, das nach fünfjähriger Auszeit den Kopf vom Hals schraubt. Und auch bei diesem Werk gilt es zunächst: Aufraffen, anwerfen, ertragen. Mehrmals. Bis endlich der Groschen gefallen ist und diese Platte kickt wie der Leibhaftige selbst.

Zunächst sind SHAI HULUD trotz aggressiverer Ausrichtung keinen Deut näher an aktuellen Strömungen als zuvor. Wer also nur Breakdowns, brutal slamming Deathcore und ähnliche Grausamkeiten hören will, wird bitter enttäuscht. Denn die Basis von SHAI HULUD ist verflucht altmodisch, eben wirklicher Hardcore. Darüber gelegt wird eine enorme Menge an altmodischem Thrash Metal, ein wenig Chaoscore und Progressive. Die Gitarren sind enorm vertrackt, sehr melodisch und gut durchdacht. Hier gibt es eine enorme Tiefe, die der Aggression der Musik wie durch ein Wunder keinen Abbruch tut. Das liegt zu großen Teilen auch am enorm wütenden Gesang von Neuzugang Matt Mazzali, der brüllt, bis die Stimmbänder abgeschabt sind.

Die Vocals sind vielleicht eher eindimensional, in Verbindung mit der Musik ist das jedoch kein Beinbruch, viel eher ein Element, das die Musik zusammenhält. Bei der enorm abwechslungsreichen, manischen und unberechenbaren Musik tut es gut, eine Art Anker zu haben. Die Songs an sich sind jedenfalls auf den ersten Blick nur schwer greifbar. Aber immer wieder tauchen aus dem Chaos großartige Momente auf, die sofort in Mark und Bein gehen und Wiedererkennungswert haben. So beim radikalen Opener Venomspreader, beim Titeltrack, bei In the Mind and Marrow, Four Earths, Be Winged und beim epischen Rausschmeißer Cold Lord Quietus. Eine Platte voller Hits.

Wobei Hits eher relativ ist, denn wie gesagt, simpel ist hier nichts. Wenn das Material aber erstmal gezündet hat, ist Misanthropy Pure aber eine reinigende, wunderbare und bei allem Hass auch sehr positive Scheibe, beziehungsweise mit wirklich positivem Effekt. Und das ist etwas, für das dieses Genre auch stehen muss. Mit entfesselter, mächtiger Energie, hoher Kreativität und der richtigen, sehr sympathischen Attitüde sind SHAI HULUD auf dem richtigen Weg, das aufzuholen, was sie in den letzten fünf Jahren versäumt haben.

In Zeiten des Undergrounds, da vierzehnjährige Musiker von großen Metal-Labels kaputtgemacht werden, nur damit sie die schnelle Mark machen, werden SHAI HULUD nicht zu den Megasellern gehören, aber zu denen, die sich ihrer Vision und ihrer Herkunft treu bleiben. Ihr Publikum wird entsprechend ebenso treu sein, über die Kurzlebigkeit diversen Trends hinaus. Schön, dass sie wieder da sind. Misanthropy Pure tut verflucht gut.

Veröffentlichungstermin: 30. Mai 2008

Spielzeit: 41:53 Min.

Line-Up:
Matt Mazzali – Vocals
Matt Fox – Guitar
Matt Fletcher – Bass
Andrew Gormley – Drums

Label: Metal Blade Records

Homepage: http://www.hulud.com

Tracklist:
1. Venomspreader
2. The Creation Ruin
3. Misanthropy Pure
4. We Who Finish Last
5. Chorus of the Dissimilar
6. In the Mind and Marrow
7. To Bear the Brunt of Many Blades
8. Four Earths
9. Set Your Body Ablaze
10. Be Winged
11. Cold Lord Quietus
I. The Congregate to Mourn
II. The Persecution of Every Next Breath
III. Go Forth to Life