SHADOW KEEP: A Chaos Theory

SHADOW KEEP: A Chaos Theory

Die musikalische Qualität des neuen SHADOW KEEP-Albums mal völlig außen vor gelassen, bin ich mir nicht sicher, ob die Band mit dem eingeschlagenen Pfad auf A Chaos Theory auf der richtigen Fährte ist. Mit dem 6-Track-Mini-Album und dem kurz darauf folgenden Debüt hat die Band sicherlich die Messlatte sehr hoch gelegt. Natürlich spielt auch ein gewisser Überraschungseffekt bei den beiden Scheiben eine Rolle, der nun nicht mehr in dieser Form zu tragen kommt, doch während einem vom aufpeitschenden Power Metal der Erstlingswerke so richtig die Füße weggezogen wurden, geht die Band auf dem zweiten Full-Length eine ganze Ecke zurückhaltender zu Werke. Dabei lag für viele Anhänger des Erstlings doch gerade in der unglaublichen Energie der Musik die Faszination und davon gibt es auf A Chaos Theory um einiges weniger zu spüren. Ganz im Gegensatz zum Albumtitel wirkt die Musik kontrollierter und weniger ungezähmt.

Nun gut, angeblich unterliegt ja auch das Chaos festen Regeln, allerdings in einer nicht fassbaren Komplexität, womit ich dann auch wieder eine eher schlecht als rechte Überleitung zu einem weiteren Punkt gefunden hätte. Komplexer ist nämlich auch das Material auf dem neuen Album und somit natürlich auch zunächst weniger zugänglich – ist das nun schon progressiver Power-Metal? Wurde man vom Vorgänger noch regelrecht überrollt, muss man sich in A Chaos Theory erst mal hineinfinden. Was sich einem aufgrund der Mühen dann erschließt ist ein sehr gutes Album mit hervorragenden Songs, sehr guten Melodielinien und zurückhaltenden Ohrwürmern – eingespielt von einer technisch versierten Truppe und einem Sänger mit Persönlichkeit. Doch auch Rogue kann auf A Chaos Theory nicht vollauf überzeugen. Die Schwächen von Corruption Within konnten nicht behoben werden, in dem getrageneren Songmaterial wirkt seine Stimme dagegen oftmals zerbrechlicher denn je, stellenweise ist gar die Nervgrenze überschritten. Ein Grund, warum sich Band und Frontmann inzwischen getrennt haben? Schade, der Mann war sympathisch und hatte enormes Potential.

Falls hier nun allmählich der Eindruck entstehen sollte, dass SHADOW KEEP auf A Chaos Theory völlig saft- und kraftlos agieren, so will ich nun doch mal deutlich klar stellen, dass sich die Band nach wie vor die Zugehörigkeit zum Power Metal Lager redlich verdient. Man kommt aber dennoch nicht darum herum, dem Album eine gewisse Neigung in softere Gefilde zu attestieren, was wohl am deutlichsten wird, wenn man bei Thorns and a Rose immer wieder an WHITE LION erinnert wird, wobei dies aber auch gleichzeitig Beweis dafür sein soll, dass SHADOW KEEP ihr Gespür für starke Hooks nicht verloren haben! Und knackige Riffs kombiniert mit einer hervorragenden Gitarrenarbeit gibt es noch zuhauf im Sound der Band, was allein der starke Opener A Distant Paradox unter Beweis stellt.

A Chaos Theory ist also ein hervorragendes Album geworden, das die hohen Erwartungen allerdings nicht erfüllen kann. Umso mehr kann man allerdings gespannt sein, was die Zukunft der Band mit neuem Sänger bringt.

Fierce

Veröffentlichungstermin: 23.09.02

Spielzeit: 49:18 Min.

Line-Up:
Rogue M. – Vox

Nicki Robson – Guitars

Steve Kightley – Bass

Scott Higham – Drums

Chris Allen – Guitars

Produziert von Karl Groom & Shadow Keep
Label: LMP / SPV

Hompage: http://www.shadowkeep.co.uk

Tracklist:
1. A Distant Paradox

2. Seventeen

3. Beware the Signs

4. Thorns and a Rose

5. Believe

6. Atlanta Fugiens

7. A War of Principles

8. Fear and Loathing

9. The Kethers Syndrom

10. A Crack in the Mirror

11. Chaosgenesis

12. Lucifer´s Pastime

Fierce
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