SHADOW GALLERY: Tyranny

SHADOW GALLERY: Tyranny

Hach, ist das schön…SHADOW GALLERY veröffentlichen mit ‚Tyranny‘ ihr drittes Album, das wieder etwas mehr in Richtung des Debuts geht. Dies heißt in erster Linie, daß die Band auf dem Drittwerk eher wieder Wert auf Melodien und Gefühle legt, statt auf instrumentale Lehrstücke. Daß die Band musikalisch in der ersten Liga mitspielen kann und sich hinter Bands wie DREAM THEATER nicht verstecken braucht, hat sie ja zu genüge mit ‚Carved in Stone‘ bewiesen und so dürfte dieser Beweis hoffentlich auch für die Zukunft ausreichen. Dies heißt jedoch nicht, daß auf ‚Tyranny‘ nicht höchstens musikalisches Niveau geboten wird. Ganz und gar nicht, nur sind eben die Fertigkeiten nicht so sehr in den Vordergrund gestellt und spielen sich mehr in kleinen Feinheiten ab. Und von diesen gibt´s auf ‚Tyranny‘ genug zu entdecken, womit wir auch gleich beim Thema wären…dieses Album erfordert nämlich mal wieder die ganze Aufmerksamkeit des Hörers und läßt sich nicht mal eben mit einmal Durchhören einstufen. Auch bei mir hat es einige Durchläufe gebraucht, bis ich mal wieder dahintergekommen bin, jedoch waren meine anfänglichen Bedenken, daß dieses Album aufgrund der Länge und der typischen Melodieführung etwas eintönig werden könnte, spätestens zu diesem Zeitpunkt weggefegt, als ich mir die Zeit nahm und mal mit dem Booklet vor die Stereoanlage zu sitzen.

Ja, auch SHADOW GALLERY wollen uns nun ein Konzeptalbum vorlegen, daß den Weg in die Hall of Fame der Konzeptalben finden soll, was meiner Meinung nach jedoch nicht ganz gelungen ist. Wie gesagt, musikalisch paßt die Umsetzung der Geschichte eines Militärspezialisten, der aufgrund seiner Hinterfragungen aus dem Dienst ausscheidet, sich dem Internet widmet und gegen das vom Geld verpestete System ankämpft. Doch leider erreicht die etwas zerfahrene Geschichte nicht die Tiefe solcher Werke wie ‚Operation: Mindcrime‘. Vielleicht wäre etwas weniger mehr gewesen, denn so bleibt die Internet-Liebesgeschichte genauso auf der Strecke, wie die familiäre Tragödie und auch der Spannungsbogen des Kampfes gegen das System, bis zu der Erkenntnis, daß die ganze Menschheit durch Medien manipuliert werden und alles nur eine Inszenierung der ‚Großen‘ ist, hätte um ein deutliches stärker herausgearbeitet werden können. Dafür entschädigt uns die Band jedoch mit einem musikalischen Genuß, der recht vielfältig ausgefallen ist. Ganz klar mit von der Partie sind natürlich die schmachtenden Melodien, die keine Band so herzergreifend rüberbringt, wie SHADOW GALLERY. Jeder anderen Band würde man wohl Kitsch, Schmalz oder ähnliches vorwerfen, doch bei SHADOW GALLERY bewegen einen auch Balladen wie ‚Hope for Us?‘ oder ‚Spoken Words‘. Hervorragend auch, wie die Band symphonische Kompositionen erschaffen hat, die jedoch immer dezent den eigentlichen Song unterstützen und nicht unter sich begraben. Als ebenso unaufdringlich kann man die Unterstützung der beiden Gastmusiker James LaBrie (DREAM THEATER – auf ‚I Believe‘) und D.C. Cooper (ROYAL HUNT – auf ‚New World Order) bezeichnen und so kann man über das ganze Album wirklich sagen, daß es nur so vor musikalischer Genialität strotzt, aber nicht damit protzt. Ja, und mit ‚Mystery‘ hat die Band nebenbei noch eine kleine Hymne für alle Internet-Junkies erschaffen…was wollen wir denn mehr?

Fierce

Spielzeit: 73.54 min.

line up:

Brendt Allman – Guitars, Vocals
Mike Baker – Lead Vocals
Carl Cadden-James – Bass, Vocals, Flute
Chris Ingles – Piano, Synthesizer
Joe Nevolo – Drums
Gary Wehrkamp – Guitars, Piano, Synths, Vocals

Produziert von Carl Cadden-James, Gary Wehrkamp & Shadow Gallery

Erschienen bei Roadrunner Records

Homepage: http://www.shadowgallery.com

Tracklist:

ACT I:
1. Stiletto in the Sands
2. War for Sale
3. Out of Nowhere
4. Mystery
5. Hope for Us?
6. Victims
7. Broken

ACT II:
8. I Believe
9. Roads of Thunder
10. Spoken Words
11. New World Order
12. Chased
13. Gost of a Chance
14. Christmas Day

Fierce
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