SHADOW GALLERY: Room V

SHADOW GALLERY: Room V

Es ist nur schwer vorstellbar, dass es SHADOW GALLERY auch nur annähernd allen Leuten recht machen können. Betonen doch einige Fans immer wieder, dass die Band am besten so wie auf Carved In Stone klingen sollte, so sehen andere irgendwo in den letzten beiden Alben das Heil der Band.

Dass SHADOW GALLERY sich über die Jahre nicht grundlegend verändert haben, scheinen die meisten dabei zu übersehen. Mit „Room V“, das im Internet sogar mit Trailern beworben wurde, ändern die Amerikaner ihren Stil natürlich auch nicht. Dazu passt auch die Aussage von Gitarrist und Mastermind Gary Wehrkamp, dass die Band längst einen ganz eigenen, unverrückbaren Stil habe.

Das aktuelle Album setzt die Geschichte des Konzeptwerkes Tyranny (1998) fort. Rückblende: Die beiden Protagonisten aus Tyranny versuchen ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und sind auf der Suche nach einer neuen Identität. Room V schließt direkt an die Handlung an. Folgerichtig wurden Akt III und IV vertont. Die Geschichte der beiden Protagonisten beginnt jetzt erst so richtig.

Musikalisch setzen SHADOW GALLERY dann auch dort an, wo sie nie aufgehört haben: Geschwindigkeit und Bombast im Opener Manhunt, große Melodiebögen, in den am Rande zum Kitsch stehenden Balladen wie Vow, auch einige kurze Instrumental Interludes finden sich auf Room V wieder, wie zum Beispiel das atmosphärische Dark, das dann nahtlos in das ruhig beginnende Torn übergeht. Eine Ballade, die zum Ende hin mit Chören epische Ausmaße erreicht. Die Balance zwischen härteren Gitarren (The Andromeda Strain), Balladen, technischen Songs (Room V) und den Interludes ist SHADOW GALLERY gut gelungen. Und trotzdem kann – wieder einmal – nicht von einem abwechslungsreichen Album gesprochen werden. Zu gleich sind die jeweiligen Schemata, die Verwendung finden. Die Rettung naht in Form der gelungenen Instrumental-Passagen. Während das harmonische Spektrum der Band, obwohl man versucht allzu offensichtliche Wiederholungen zu vermeiden, oft einen erschöpften Eindruck macht und es nur selten gelingt solch außergewöhnliche Momente, wie die rockigen Gitarrensoli von Encrypted, zu schaffen, können die Soloabschnitte überzeugen. Das sollten einige unsägliche Bands des Genres mal zu Hause nachspielen. Denn zum einen ist das Level von SHADOW GALLERY richtig beeindruckend, in The Archer Of Ben Salem könnte man Gary Wehrkamp fast mit MALMSTEEN verwechseln, und zum anderen muss man nicht das Gefühl haben, dass während der Instrumentalspielereien der Song auf Pause steht, da alle Parts harmonisch sorgsam eingebettet wurden.

Wenn man Gary Wehrkamp und seine Kollegen für den ganzen Bombast und die Harmonien kritisiert, sollte man dabei nicht außer Acht lassen, wie viele andere Bands – vornehmlich die bombastischen Rasereien aus Italien – des Progressive-Power Metals klingen. Abgesehen von SYMPHONY X gibt es da nichts, was auch nur annähernd in derselben Liga spielt. Diese Position können SHADOW GALLERY mit Room V bestätigen. Auch, wenn sicher wieder einige sagen werden, dass das Album nicht wie Carved In Stone oder Tyranny klingt.

Veröffentlichungstermin: 30.05.2005

Spielzeit: 75:35 Min.

Line-Up:
Gary Wehrkamp – Guitar, Keyboards, Piano & Vo

Carl Cadden James – Bass, Flute & Vocals

Mike Baker – Lead Vocals

Brendt Allmann – Guitar & Vocals

Chris Ingles – Piano & Keyboards

Joe Nevolo – Drums

Laura Jaeger – Vocals (2)
Label: InsideOut

Homepage: http://www.shadowgallery.com/

Email: info@shadowgallery.com

Tracklist:
ACT III

01. Manhunt 2:07

02. Comfort Me 6:49

03. The Andromeda Strain 6:44

04. Vow 8:25

05. Birth of a Daughter 2:38

06. Death of a Mother 2:13

07. Lamentia 1:02

ACT IV

08. Seven Years 3:35

09. Dark 1:01

10. Torn 8:21

11. The Archer of Ben Salem 7:26

12. Encrypted 7:59

13. Room V 7:42

14. Rain 8:59