SACRED STEEL: Hammer of Destruction

SACRED STEEL gehen musikalisch wieder ein paar Schritte zurück und huldigen ihren Anfangstagen. Was auf der einen Seite ein energiegeladener Befreiungsschlag darstellt, ist auf der anderen das Wiederanlegen von Ketten. Dennoch bleibt: ein hervorragends True Metal-Werk.

Seit der Veröffentlichung ihres Debütalbums Reborn in Steel hat mich noch kein SACRED STEEL-Album in meiner Bewertung derart unentschlossen zurückgelassen, wie es bei Hammer of Destruction der Fall ist. Vorzüge und Nachteile lassen mich in meiner Meinung über dieses Album ein ums andere mal schwanken und ein abschließendes Ergebnis fällt mir trotz vieler Durchläufe immer noch schwer.

Nicht schwer fällt es hingegen, die positive Seite des Albums darzustellen. Fanbrille aufgesetzt und es kann losgehen: Hammer of Destruction ist eine Rückbesinnung auf die Anfänge der Band. Vorbei die Zeiten der musikalischen Experimente, stattdessen gibt es traditionellen Heavy Metal, der von vorne bis hinten durchschädelt. SACRED STEEL gehen wie gewohnt keine Kompromisse ein und orientieren sich wieder verstärkt an ihren ersten beiden Alben, sowohl beim Songwriting, als auch in der Umsetzung. Fans der ersten Stunde, die die Entwicklung vor allem auf den letzten beiden Alben nur schwer nachvollziehen konnten, werden ihre helle Freude haben, wobei Hammer of Destruction – entgegen vieler vorhergehender Behauptungen – nicht völlig ohne Grunts auskommt. Die werden nun allerdings wesentlich hintergründiger eingesetzt. Voll auf die zwölf mit so viel Spaß wie möglich scheint das Motto für dieses Album gewesen zu sein und das Konzept geht auf. Die beiden Neuzugänge Jonas und Kai passen perfekt ins SACRED STEEL-Bandgefüge und die Angst, mit Jörg Knittel den elementaren Rifflieferant verloren zu haben, ist nahezu weggefegt. Jonas und Jens sind sich ihrem Erbe definitiv bewusst, bringen aber auch gleichzeitig einen interessanten neuen, melodischen Aspekt mit ein. Schlagzeuger Matze macht, unterstützt von Kai, die gesamte Spielzeit über mächtig Druck und über die Klasse von Gerrit P. Mutz, der schon immer abseits von jeglichen objektiven Bewertungsmöglichkeiten agiert hat, braucht man keine Worte mehr verlieren. Heavy Metal voll auf die Glocke!

Doch da gibt es auch noch eine andere Betrachtungsweise. SACRED STEEL haben über ihre ganze Karriere hinweg eine konsequente Entwicklung durchgemacht – vom klischeebeladenen True Metal-Act zum völlig eigenständigen und geradezu unantastbaren Eckpfeiler der Szene. Mit ihrem letzten Album Iron Blessings erspielten sich die Jungs auf eine schwer darzustellende Weise völlige Narrenfreiheit; Dass SACRED STEEL ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt wieder einen Schritt zurück machen und ganz bewusst dieser Entwicklung ein Ende setzen, ist auf der einen Seite fast schon wieder typisch, auf der anderen aber auch bedauerlich. Die Grenzen, die sich SACRED STEEL auf Hammer of Destruction selbst setzen, erscheinen mir zu eng, fast schon zu bewusst. Das Album bietet genügend Hits, allen voran das speedige Maniacs of Speed, das Glaubensbekenntnis Impaled by Metal oder die Mitgröhl-Hymne Sword and Axes, jedoch bringt kein Song dieses ganz zwingende Klassikerpotential mit. Zwingend dagegen auf der anderen Seite Teile von Gerrits Gesangslinien – manchmal erscheinen die Songs fast schon ein Stück zu sehr aus dem SACRED STEEL-Songwriting-Lehrbuch geschrieben. Und nicht mal das herausragendste Stück Black Church, dieser epische düstere Midtempo-Song, der die richtige Heavyness, Düsternis und Struktur mitbringt, um hundert Prozent auf meiner Wellenlänge zu liegen, kann in mir nicht das Suchtpotential auslösen, wie ich es bislang von SACRED STEEL gewohnt war. Auf eine gewisse Weise wirkt Hammer of Destruction durch die Energie und die Spielfreude wie ein wichtiger persönlicher Befreiungsschlag, aus musikalischer Sicht hat sich die Band aber wieder Ketten angelegt.

Nun bin ich also am Ende meines Reviews angekommen und während ich diese letzten Zeilen eintippe muss ich feststellen: ich hab vergessen meine Fanbrille abzunehmen. Jetzt lass ich sie vollends auf und fass zusammen: Hammer of Destruction ist ein hervorragendes True Metal Album im besten Sinne dieser Genrebezeichnung geworden, das SACRED STEEL in hervorragender Verfassung zeigt. Rein vom songwriterischen Aspekt her wird Hammer of Destruction jedoch nicht mein SACRED STEEL-Favorit werden und neben dem lachenden gibt es auch ein weinendes Auge. Die Tränen sind angesichts der imposanten limitierten Boxset-Edition aber fast schon getrocknet, da diese neben der Bonus-CD Pounding Inferno, einem Aufnäher, einer Autogrammkarte und einem Poster zudem auch noch in einer großformatigen Pappschachtel daherkommt, die sich im Wohnzimmerschrank hervorragend macht. Der Song Pounding Inferno ist dabei mit seiner Aufzählung aller möglichen Metal-Bands ein super Einstieg in diesen Extra-Silberling, der neben insgesamt vier neuen Songs, die sich nahtlos an das Material der regulären CD anschließen, auch diverse bereits bekannte B-Seiten und drei zusätzliche Coverversionen beinhaltet, wobei die letztgenannten soundtechnisch deutlich vom Rest abfallen, aber dennoch dazu beitragen, dass sich die 26 Euro (bei Direktbestellung bei der Band) für Fans von SACRED STEEL absolut lohnen.

Veröffentlichungstermin: 10.11.06

Spielzeit: 48:15 Min.

Line-Up:
Kai – Bass
Jonas – Guitars
Gerrit – Vocals
Jens – Guitars
Mathias – Drums

Produziert von Harris Johns
Label: Massacre Records

Homepage: http://www.sacredsteel.de

Tracklist:
1. Hammer Of Destruction
2. Where Demons Dare To Tread
3. Maniacs Of Speed
4. Blood And Thunder
5. Impaled By Metal
6. Descent Of A Lost Soul
7. Black Church
8. Generally Hostile (Jag Panzer Cover)
9. Plague Of Terror
10. Sword And Axes
11. The Torch Of Sin

Pounding Inferno:
1. Pounding Inferno
2. Children Of The Spirit
3. Hell Insanity
4. Unholy Majesty
5. A Curse Upon Your Name
6. Iron Blessing
7. Zombie Ritual (DEATH)
8. All For One (RAVEN)
9. Metal Knights (NASTY SAVAGE)
10.(Empty) Tankard (TANKARD)