RONNI LE TEKRO: Extra Strong String

Fans, denen softere Klänge zusagen und die diesen Reiz des Extravaganten – den diese Scheibe zweifelsohne besitzt – schmecken wollen, sollten ein Ohr riskieren.

Endlich ein Album aus dem riesigen Ozean der Veröffentlichungen, das nicht den gängigen Normen entspricht. Das Solowerk des TNT Gitarristen Ronni Le Tekro stellt mich auf die Probe, denn es glänzt bei jedem Song mit einer anderen Facette. Es ist sehr schwierig und vor allem aufwendig, sich einen Gesamteindruck zu verschaffen.

Man merkt „Extra Strong String“ an, dass Ronni hier alle Freiheiten der Welt besaß und sie auch ausgelebt hat. Dass es sich um das Album eines Gitarristen handelt, ist kaum nachzuvollziehen, denn die Klampfe mit der „Extra dicken Saite“ spielt keinesfalls die Hauptrolle. Es sind die Songs, ein bunter Haufen Irgendwas, gerührt – nicht geschüttelt und in kleine fruchtige Cocktailportionen unterteilt. Wäre das nicht so, hätte der alte Norwege auch gleich den Stempel TNT auf das Cover drücken können, denn eingespielt hat dieses Album fast das komplette Sprengstoffkommando. Doch so wurde es nach drei Jahren Testlauf in Japan mit einem Bonustrack (mal andersherum als sonst) für Europa als „verkäuflich“ bewertet.

Obwohl jetzt sicher der Eindruck entstanden ist, „Extra Strong String“ wäre der absolute Überflieger für mich, muss ich die Euphorie leider wieder bremsen. Die anfängliche Freude über die Stilfreiheit weicht dem Wunsch nach mehr Härte, um noch hardrock–kompatibel zu sein. Zwischen coolen Nummern wie ‚Shuffle Of The Buffalo’ (freaky), Tracks In The Snow’ (Thin Lizzy in Reinkultur), ‚Welcome To My Nightmare’ (Coverversion – Alice Cooper goes Funk) und ‚Love Keeps Calling’ (Ballade im Abba Stil)‚ mischen sich auch viele erschreckend harmlose Lückenfüller wie ‚Spend The Night’ und ‚I Remember’ denen einfach der nötige Kick fehlt, um zu zünden. Und wie das meistens bei Extratracks ist, dürfte auch ‚Publicity’, der „Europe only“ Bonus fehlen, ohne dass es jemand merken würde. Bei der Produktion fällt mir auf, dass der Gesang oft in den Hintergrund rückt, wenn die Rhythmussection aufdreht – was aber sicher keine Absicht gewesen sein dürfte.

Insgesamt also eine gelungene Abwechslung in der VÖ-Flut, aber auch nicht der absolute Oberhammer. Fans, denen softere Klänge zusagen und die diesen Reiz des Extravaganten – den diese Scheibe zweifelsohne besitzt – schmecken wollen, sollten ein Ohr riskieren.

Jens Koch

Spielzeit: 49:06 Min.

Line-Up:
Ronni Le Tekro (v./g.)

Morty Black (b.)

Frode Lamoy (d.)

Dag Stokke (key.)

Ken Ingwersen (key./b.)
Label: Escape Music/ Sony Music

Tracklist:
01. Shuffle Of The Buffalo

02. Dig It

03. Half Of The Tune

04. A Song For While Im Away

05. Tracks In The Snow

06. I Remember

07. Welcome To My Nightmare

08. Spend The Night

09. Nobody Loves On

10. Love Keeps Calling

11. The Brooklyn Alphabet

12. Publicity (Bonus Track)