NIGHTFALL: Astron Black And The Thirty Tyrants

Hinter der professionellen Fassade versteckt sich ein erschreckend gefühlskaltes Death Metal-Album.

Man will sich ja nie zu viel versprechen, aber der vollmundige Titel lässt ein großes, komplexes Opus erwarten, das mit Geduld erschlossen, verstanden und erarbeitet werden will. Leider ist “Astron Black And The Thirty Tyrants” in musikalischer Hinsicht so ziemlich das genaue Gegenteil. Recht geradlinigen Death Metal mit Thrash-, Black- und Gothic-Referenzen gibt es und mehr auch nicht. Zugegeben, derart viele Einflüsse sind schon weit mehr als das, was man sonst heutzutage bekommt. Anstatt hieraus jedoch faszinierende Klangwelten zu weben, beschränken sich NIGHTFALL auf das Nötigste.

Das heißt im Klartext Doublebass, typisches Death Metal-Riffing, tiefe Growls. Je nach Bedarf werden dann die Gitarren mit Thrash-Anleihen gewürzt, oder das Gebilde mit einem melancholischen bis dramatischen Keyboard unterlegt. Was auf technischer Ebene absolut sauber umgesetzt wurde, vermag es indes nicht, den Hörer emotional an sich zu binden. Dafür sind “Astronomica / Saturnian Moon”, “Astra Planeta / We Chose The Sun” oder das doomige “Asebeia” schlicht nicht frisch genug, die Arrangements zu routiniert und die einzelnen Stücke insgesamt zu einfallslos.

NIGHTFALL fehlt schlicht der Charme

Nach objektiven Maßstäben ist “Astron Black And The Thirty Tyrants” indes keinesfalls schlecht. Das spieltechnische Niveau lässt keinen Grund zur Beanstandung, die zwölf Songs wurden allesamt professionell umgesetzt und an Abwechslung mangelt es dank klar gesungener Passagen, dezenten Keyboard-Teppichen und stilistischen Ausbrüchen wie im theatralischen Death / Black-Inferno “Ambassador Of Mass” auch nicht. Und trotzdem fehlt NIGHTFALL hier ein ganz integraler Bestandteil: Charme.

Irgendwie lässt mich das Gefühl nicht los, dass “Astron Black And The Thirty Tyrants” primär im Kopf entstanden ist, so kalt und emotionslos rauschen die 43 Minuten an mir vorbei. Mit “Astron Black” und “The Criterion” sind zwar durchaus zwei gelungene Tracks vorhanden, der steril-mechanischen Produktion können diese allerdings ebenfalls nicht unbeschadet entfliehen. Da zeigt sich für mich mal wieder, dass Professionalität und musikalische Expertise lange nicht alles sind. Philosophisches Konzept hin oder her, wenn davon beim Hörer nichts ankommt, dann hilft auch eine ausgefeilte Vision wenig – egal ob die Musik dazu nun geradlinig oder komplex ist.

Veröffentlichungstermin: 27.08.2010

Spielzeit: 43:10 Min.

Line-Up:

Efthimis Karadimas – Vocals
Evan Hensley – Guitars
Stathis Kassios – Keyboards
Jörg Uken – Drums

Produziert von Jörg Uken
Label: Metal Blade

Homepage: http://www.nightfallstar.com

NIGHTFALL “Astron Black And The Thirty Tyrants” Tracklist

01. Intro
02. Astron Black (Audio bei YouTube)
03. Astronomica / Saturnian Moon
04. Astra Planeta / We Chose The Sun
05. Ambassador Of Mass (Video bei YouTube)
06. The Criterion
07. Asebeia
08. I-I
09. Archon Basileus
10. Proxima Centauri / Dead Bodies
11. The Thirty Tyrants
12. Epsilon Lyrae