MINSK: With Echoes in the Movement of Stone

Unterhalten wirst du wo anders. Hier erforschst du deine Seele.

Für den, der mit Musik mehr verbindet als nur Rhythmen und Melodien, der sich in der Tiefe einer beseelten Schwärze verlieren mag, der mache bitte einen unbefristeten Urlaub nicht in, sondern mit MINSK. Zeremonieller oder ritueller kann Musik fast nicht sein, denn die unglaublich fordernden Werke dieser Band laden zur Selbstaufgabe ein, zum völligen Verlust und Neuaufbau des Bewusstseins. Und was auf Out of a Center Wich Is Neither Dead nor Alive und dem Nachfolger The Ritual Fires of Abandonment begonnen wurde, wird nun weiter gesponnen und verfeinert.

Die Ausgangsbasis von MINSK ist simpel, aber genial. Die Musik pulsiert, die Rhythmen atmen, die Gitarren tanzen im Trance, die Gesänge sind wie Gebete tibetischer Mönche. Generell, mit Meditation hat MINSK sehr viel zu tun. Statt mit dissonanten Riffs und wildem Drumming alles zu zerquetschen wird hier mit Ruhe und Gelassenheit gearbeitet, auch wenn Three Moons und Consumed by Horizons of Fire oftmals noch entfesselt und wild klingen, wodurch eindeutige Beeinflussung von Through Silver in Blood deutlich wird. Die spirituelle Verbindung zu NEUROSIS ist überdeutlich, aber MINSK haben trotzdem eine ganz eigene Art Musik zu schreiben.

Denn gerade was mit dem Gesang hier angestellt wird, scheint nicht von dieser Welt. Harsche Chöre und tiefe Schreie, dezenter, aber auch epischer Gesang voller stiller Leidenschaft lassen den Eindruck erwecken, dass hier mehr als nur vier Musiker am Werk sind. Kräftig und multidimensional ist auch das instrumentale Zusammenspiel, das auf rauen Riffs und auf Rhythmen basiert, die mehr zu bieten haben als nur simple Grooves: Dazu kommen wieder viele Percussion-Elemente und ethnisches Trommeln zur Bewusstseinserweiterung. Auch die Synthesizer, stets dezent im Hintergrund, tragen viel zur Gewinnung dieses rituellen Charakters bei.

Die acht Stücke auf With Echoes in the Movement of Stone sind extrem wirksam, allerdings erst nach einer gewissen Eingewöhnungszeit. Ganz klar, The Ritual Fires of Abandonment hat schneller in den Bann gezogen. Aber tiefen und beseelten Songs wie The Shore of Trancendence, Almitras Premonition und Crescent Mirror kann sich niemand entziehen. In kurzen Stücken wie Means to an End und Pisgah funktionieren MINSK auch optimal, da sie hier etwas anders zu Werk gehen und ihre Experimente in klare Bahnen rücken. Und mit dem abschließenden Requiem: From Substance to Silence schaffen es MINSK ein großes Finale zu erschaffen, das auch, im Vergleich zu ihren Genrekollegen an Zurückhaltung nicht zu überbieten ist.

Der Titel lässt es bereits erahnen: Diese Echos, diese Klänge, sie wecken den versteinerten Geist wieder zum Leben. Es ist unglaublich, welche Wirkung die Musik von MINSK hat, wie dieses pulsierende, organische Wechselspiel von Sanftheit und Wildheit, von Lärm und Harmonie hat und wie es den Hörer beruhigen kann. With Echoes in the Movement of Stone ist trotz aller Großartigkeit nicht ganz so mitreißend wie sein nahezu perfekter Vorgänger, aber dieses Erlebnis ist dennoch überirdisch. Die vier Musiker aus Chicago machen weit mehr als Musik. Unterhalten wirst du wo anders. Hier erforschst du deine Seele.

Veröffentlichungstermin: 29. Mai 2009

Spielzeit: 63:03 Min.

Line-Up:
Christopher Bennett
Timothy Mead
Sanford Parker
Tony Wyoming

Produziert von Sanford Parker
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.thesoundofminsk.com

MySpace: http://www.myspace.com/minsk

Tracklist:
1. Three Moons
2. The Shore of Transcendence
3. Almitras Premonition
4. Means to an End
5. Crescent Mirror
6. Pisgah
7. Consumed by Horizons of Fire
8. Requiem: From Substance to Silence