MINSK: The Crash And The Draw

Der legitime Nachfolger zu "Through Silver In Blood" von NEUROSIS?

MINSK, auferstanden von den Toten. Ihr österliches, viertes Album, das erste seit der Wiedervereinigung, der Nachfolger von With Echoes In The Movement Of Stone vor nahezu sechs Jahren, ist so massiv, urgewaltig, heavy und konsequent, dass – ich nehme es vorweg – NEUROSIS meinetwegen in den Ruhestand gehen können. The Crash And The Draw episch zu nennen wäre untertrieben – die Rückkehr von MINSK wird gefeiert mit über 75 Minuten, in denen sich brachialer Sludge mit psychedelischen, ja rituellen Momenten verbindet. Das schaffte die Band aus Chicago auch schon 2007 mit The Ritual Fires Of Abandonment, heute ist das aber ausgereifter, verfeinert, mit neuen Elementen durchsetzt, zum Gesamtkunstwerk erhoben.

To The Initiate leitet das Album ruhig und spirituell ein, danach geben sich MINSK aber vorwiegend der heftigen Seite ihres Schaffens hin, die sogar in kurzen Uptempo Mosh-Ausbrüchen münden kann. The Crash And The Draw lebt von den monolithischen Riffs von Christopher Bennett, von dem hypnotischen, kräftigen Drumming des Neuzugangs Kevin Rendlemans, sowie dem Wechselspiel aus dem heftigen Geschrei und dem ruhigen, fast rituellen Gesang von Tim Mead. Die letzten Löcher in dieser Wand aus Klängen werden gestopft mit schön akzenzentuierten, oft verzerrten Basslinien und einer Vielzahl an Synthesizern. MINSK mögen sich vorwiegend auf der heftigen Seite ihrer Musik bewegen, The Crash And The Draw ist aber trotzdem ein Album, das eine tiefe Ruhe ausstrahlt.

Bis zu zwanzig Minuten dauern die Stücke, mit denen MINSK sich selbst und den Rezipienten von einem Extrem in das andere schleudern, und dennoch fühlt sich alles logisch, natürlich und auf gewisse Art und Weise sanft an. Onward Procession, das in vier Tracks aufgesplittet wurde, ist absolut erschöpfend, auch das abschließende When The Walls Fell und Within And Without mit seinem beeindruckenden Urschrei zehrt an Konzentration und Nerven. Dazwischen scheinen MINSK Läuterung zu erfahren: Das Instrumentalstück Conjunction und das zu Beginn fast Progressive Rock-artige The Way Is Through zeigen das Sextett von einer versöhnlicheren, ruhigeren Seite. Faszinierend ist auch das kurze Drum-Stück To You There Is No End – ein nötiges Durchschnaufen, da The Crash And The Draw ansonsten bei dieser Laufzeit beinahe unerträglich wäre.

Die Intensität, die sowohl in den gewaltigen, als auch in den etwas subtileren Momenten hervortritt, ist enorm. Dass macht einen gewissen Mangel an den Songwriting-Fähigkeiten von MINSK wieder wett. Auf The Crash And The Draw passiert so viel, die Wall Of Sound übertölpelt den Hörer so sehr, dass es beinahe egal ist, dass nur wenig von diesem Album hängen bleibt, auch auf Dauer will sich das Material nicht so recht setzen. Viel mehr umgibt es eine Aura des Geheimnisvollen, es baut sich sofort eine Faszination auf, die nicht weichen will. Das ist ein gelungener Gegenentwurf zu der Schwemme an Psychedelic Rock-Bands, die sich Endeffekt nur poppig an die Plattensammlung von Daddy anbiedern. MINSK gehen da tiefer, und fordern ungleich mehr heraus. Sich die Zeit zu nehmen, The Crash And The Draw zu erkunden, ist nicht gerade einfach, lohnt sich aber letztendlich immer. Vom ehemaligen MINSK-Bassisten Sanford Parker passend voluminös und schön dynamisch produziert, ist diese Rückkehr aus dem Totenreich eine wirklich beeindruckende, selbst wenn künftig mehr Eingängigkeit die Devise sein muss. Wer findet, dass NEUROSIS nach Through Silver In Blood eine falsche Richtung eingeschlagen haben und seit beinahe zwanzig Jahren auf dessen legitimen Nachfolger hofft, der könnte hier seine Erfüllung finden.

Veröffentlichungstermin: 3. April 2015

Spielzeit: 75:37 Min.

Line-Up:
Aaron Austin
Christopher Bennett
Zachary Livingston
Timothy Mead
Kevin Rendleman
Ryan Thomas

Produziert von Sanford Parker und MINSK
Label: Relapse Records

Homepage: http://www.thesoundofminsk.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Minsk

Tracklist:
1. To The Initiate
2. Within And Without
3. Onward Procession I: These Longest Of Days
4. Onward Procession II: The Soil Calls
5. Onward Procession III: The Blue Hour
6. Onward Procession IV: Return, The Heir
7. Conjunction
8. The Way Is Through
9. To You There Is No End
10. To The Garish Rememberance Of Failure
11. When The Walls Fell