MADDER MORTEM: Desiderata

MADDER MORTEM: Desiderata

Eigentlich wollte ich Desiderata mehr Zeit geben, es gründlicher analysieren, es in seine Einzelteile zerlegen und von all den Besonderheiten bereichten, die es auf diesem Album zu entdecken gibt. Doch schnell kam ich von diesem Vorhaben ab: denn das Sezieren des vierten Albums der Norweger gleicht einer Sisyphusarbeit, die kein Ende nähme. Knapp vier Jahre nach Deadlands legen MADDER MORTEM, die ohnehin schon für ihre eigenwilligen Kompositionen und den klischeebefreiten Gesang Agnete Kirkevaags bekannt waren, ein Werk vor, das so unsagbar unter die Haut geht, dass man es nicht beschreiben kann.

Schon bei den ersten Hördurchgängen flüchten die Ahhs und Ooohhs von den Lippen als Zeichen der schier unzähligen Überraschungen, die den Hörer erwarten. Und selbst nach Hördurchgängen im zweistelligen Bereich entdeckt man neue Details, die dem Album eine Langzeitmotivation zuteil werden lässt, die nur selten zu finden ist. Ja, und selbst wenn man mit dem Album schon derart vertraut ist, dass man jeden einzelnen Song mitsamt seinen markanten Irrungen und Wirrungen aus dem Effeff beherrscht, so bleiben die Spannungsmomente erhalten. Und von denen gibt es reichlich, ebenso wie individuelle Anhaltspunkte, die jeden einzelnen Track zu etwas Besonderem machen. Auf Desiderata gibt es keinen Ausreißer – oder besser gesagt – jeder Song reißt nach oben hin aus, fordert den Hörer und fördert eine Eigenständigkeit zu Tage, die jegliche Tiefenbohrung nach einer Genrezuordnung obsolet macht. MADDER MORTEM brauchen kein Genre – sie sind ein Genre.

Eines der bedeutendsten Markenzeichen der Norweger ist mit Sicherheit Agnete Kirkevaag, deren Stimme sich wie eine naturbelassene Urkraft schwer über die Songs legt, sie prägt und formt. Ungeschliffen mit Kerben und Kanten brilliert sie mit authentischem Gesang, der sich als variabel, kraftvoll und charismatisch erweist. Dabei nimmt sie nur wenig Rücksicht auf die jeweiligen Melodien, sondern spielt rücksichtslos ihre Dominanz aus. Doch nicht nur die Melodieführung der Stimme legt sich quer, auch instrumental erfreuen sich MADDER MORTEM an sperrigen Songs, die trotz allem eine Dynamik ihr eigen nennen können. Komplex aber doch eingängig, schwierig zu erfassen aber doch einfach zu verfolgen, stellenweise sanft andernorts hart, hier schleppend dort rasant. Desiderata lebt von seinen Gegensätzen!

Ich gebe zu, im Versuch die Musik MADDER MORTEMs – bar jeder Emotion – zu beschreiben, bin ich kläglich gescheitert, doch wer ein offenes Ohr für das Besondere, für das Ungestüme, für das nicht Glattgebügelte hat, der sollte – nein, der muss Desiderata eine Chance geben! Und ich gehe jetzt wieder zurück zum Seziertisch…

Veröffentlichungstermin: 21.04.2006

Spielzeit: 54:46 Min.

Line-Up:
Agnete M. Kirkevaag – Vocals

BP M. Kirkevaag – Guitars, backing Vocals

Odd Eivind Ebbesen – Guitars

Tormod Moseng – Bass, backing Vocals

Mads Solas – Drums, Percussion

Label: Peaceville

Homepage: http://www.maddermortem.com

Email-Adresse der Band: mail@maddermortem.com

Tracklist:
1. My Name Is Silence

2. Evasions

3. Plague Of This Land

4. Dystopia

5. M For Malice

6. The Flood To Come

7. Changeling

8. Cold Stone

9. Hypnos

10. Sedition

11. Desiderata

12. Hangman

Christian Wögerbauer
Christian ist seit 2005 unser Vertreter der Österreicher Metalszene, rezensiert gern im Bereich Symphonic Metal, Doom, Melodic Death und auffallend gern Bands mit Sängerin. Genres: Symphonic Metal, Gothic Metal, Melodic Death Metal, Doom.