LOREENA MCKENNITT: The Wind That Shakes The Barley

Wer Celtic-Folk oder auch metalfreie Mittelalterklänge mag, dem geht "The Wind That Shakes The Barley" direkt ans Herz, versprochen!

Das war schon ein wenig traurig: gemeinsam mit ENYA war LOREENA MCKENNITT lange wohl die bekannteste Sängerin, die Mitte/Ende der 80er keltisch beeinflusste Folkmusik salonfähig machte. Bevor jedoch 2001 der ganz große Boom für diese Musik ausbrach, nicht zuletzt durch den Film HERR DER RINGE und den dazugehörigen Gänsehautsong May It Be von Kollegin ENYA, wurde es ruhig um die Kanadierin. Während jeder Produzent, der auf dem Keyboard oder Computer einen Harfen- und Viola-Soundfile hatte, den Markt mit lieblosen Celtic- und Mittelalterklängen überschüttete, zog sich LOREENA MCKENNITT nach einem schweren privaten Schicksalsschlag zurück. Und während sich der Celtic Folk-Markt quasi selbst kaputt machte, orientierte sich LOREENA MCKENNITT neu und brachte noch mehr iberische, orientalische und aus aller Welt stammende Klänge auf ihre Alben als bisher.

Nun also ist sie zu ihren Wurzeln zurückgekehrt. Manchmal muss man den Pfad verlassen, um den rechten Weg zu finden. Und sie geht sehr weit zurück, The Wind That Shakes The Barley ist eine Sammlung von Traditionals, die LOREENA MCKENNITT auf ihre eigene Weise interpretiert, ohne sich zu weit vom überlieferten Lied zu entfernen. So kommt wahlweise Lagerfeuer- oder Pubstimmung auf bei fröhlichen Liedern wie dem Opener As I Roved Out, dem eigentlich traurigen Instrumental Brian Buru´s March, welcher im siegreichen Kampf gegen die Wikinger starb. Wer mag beim beswingten The Star Of The County Down nicht durch den Sonnenuntergang tänzeln, das selbstgeschriebene Down By The Sally Garden stimmt melancholisch. Generell ist die zweite Hälfte des Albums von eher dunklen, tief melancholischen Klängen durchtränkt. Der wunderschöne, ergreifende Titeltrack The Wind That Shakes The Barley jagt einem Gänsehaut über den Rücken in der Stärke der Rinde einer uralten Eiche. Hier muss ich unweigerlich auch an Lisa Gerrard´s magische Version beim DEAD CAN DANCE-Konzert denken. Mit so wenig Musik und so großer Stimme so viel auszudrücken wie bei The Parting Glass, das gelingt nur wenigen Künstlern. Neben der tollen Stimme sorgen wieder allerlei alte Instrumente für ein stimmungsvolles Klangbild, nicht nur die üblichen irischen Elemente tauchen auf, auch LOREENA MCKENNITTs schottischen Wurzeln hört man gut heraus, darauf einen Glenlivet. Hier gibt es keinen (zugegeben schönen) Kitsch vom schwarzen Mann, keine Anbiederung an Popmusik oder gar Plastikklänge aus dem Keyboard. Alles klingt echt und homogen, man sieht raue Küsten, grüne Hügel und ein ebenso raues wie liebenswertes Volk den Klängen des Barden auf dem Marktplatz lauschen.
    
Oberflächlich gesehen mag man denken, LOREENA MCKENNITT fällt nichts Neues mehr ein, also macht sie eben das, was sie eh schon kann. Aber hier spürt man deutlich, dass dieser Schritt für sie wichtig war und die Musik aus tiefstem Herzen kommt. Zu den eigenen Wurzeln und Anfängen zurückzukehren, um die vertrauten Dinge wiederzuentdecken, die man einst liebte und immer noch liebt war ihr Ziel, etwas, das man in dieser schnelllebigen Zeit viel zu oft vergisst. LOREENA MCKENNITT ist dies gelungen, ohne große Überraschungen oder Innovationen, dafür mit viel Gefühl und Ehrlichkeit, was man im großen Boom dieses Sounds meistens vermisste. Wer Celtic-Folk oder auch metalfreie Mittelalterklänge mag, dem geht The Wind That Shakes The Barley direkt ans Herz, versprochen!

Veröffentlichungstermin: 12.11.2010

Spielzeit: 45:17 Min.

Line-Up:
Loreena McKennith – Vocals, Keyboards, Harfe, Accordion
Brian Hughes – Electric Guitar, Celtic Bouzouki, Acoustic Guitar, Drone
Hugh Marsh – Violine
Caroline Lavelle – Cello
Ben Grossman – Bodhran, Frame Drum, Taber, Triangle, Bells, Shaker, Hurdy Gurdy Drone
Ian Harper – Uilleann Pipes, Whisle
Tony McManus – Acoustic Guitar
Jeff Bird – Mandola, Mandocello
Pat Simmonds – Acoustic Guitar, Button Accordion
Andrew Collins – Mandolin, Mandocello
Brian Taheny – Mandolin
Chris Downing – Bass
Jason Fowler – Acoustic Guitar

Produziert von Loreena McKennith
Label: Quinlan Road

Homepage: http://www.quinlanroad.com

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/loreenamckennitt

Tracklist:
1. As I Roved Out
2. On a Bright May Morning
3. Brian Boru´s March   
4. Down By The Sally Gardens  
5. The Star Of The County Down
6. The Wind That Shakes The Barley
7. The Death Of Queen Jane
8. The Emigration Tunes   
9. The Parting Glass