IN FLAMES: Come Clarity

Klarheit schaffen? Von wegen. IN FLAMES tingeln auf "Come Clarity" entscheidungsscheu durch die klanglichen Sehenswürdigkeiten ihrer bisherigen Bandgeschichte.

Klarheit schaffen? Von wegen. IN FLAMES tingeln auf Come Clarity entscheidungsscheu durch die klanglichen Sehenswürdigkeiten ihrer bisherigen Bandgeschichte. Vom Melodiemonster aus den Gräbern der Anfangszeit bis hin zum wüsten Groove der Moderne ist alles vertreten, was den Schweden eine stetig wachsende Fanschar beschert hatte. Und doch entsteht aus dieser Melange keine Quasi-Best-Of, sondern vielmehr ein für IN FLAMES-Verhältnisse erschreckend gesichtsloses Album. Viele der Songideen wirken wie aus zweiter Hand. Hat da gar jemand alte Songideen gefunden und aufgewärmt, statt sie fachgerecht zu entsorgen? Das möchte man dieser so begabten und schaffensfrohen Band nicht unterstellen, doch fehlt es an allen Ecken und Enden an faszinierenden Wendungen. Selbst die großen Stärken der Band – unsterbliche Melodien und mörtelharte Riffwände – sind nur noch als Schatten ihrer selbst vorhanden. Was ist passiert? Ist man sich in der Band unschlüssig, welche Richtung einzuschlagen ist? Zeigte man sich nach der vehementen Kritik alter Fans an der neueren Ausrichtung reumütig und versucht nun alle Seiten zufrieden zu stellen? Sei es, wie es sei, mit diesem Kompromiss macht die Band niemanden glücklich. Selbst das einzige Experiment des Albums, nämlich die Integration der Sängerin Lisa Miskovsky beim ansonsten heftigen Dead End, wirkt zu verhalten und greift zu kurz. Dadurch bleibt Lisa ein Fremdkörper, bei dem man zunächst gar vermutet, jetzt käme wieder mal eine dieser netten Damenstimmen, die einem auf der Promoversion mitten im Lied erklärt, welche Band man da gerade hört und wann die CD herauskommt. Meine Herren, wo ist der gestalterische Mut? Wo ist die Courage, Grenzen nicht zu akzeptieren, sondern lediglich als Herausforderung zu sehen? Manchmal ertappt der Rezensent sich sogar dabei, für ein Fade-out auf der Promo-Version dankbar zu sein, wenn die Stimme von Anders Fridén einmal mehr in zu hohe Lagen abkippt, statt am bewährten Keifen und Fauchen festzuhalten und die klare Stimme nur als Farbtupfer einzusetzen. Da war insbesondere Reroute To Remain ein ganz anderes Kaliber, ob man das Album nun mag oder verdammt! Es wäre wünschenswert, wenn die Band sich nach dieser Platte mehr Zeit zur Besinnung gönnt, um mit etwas Abstand die eigenen Stärken wieder treffsicherer zum Einsatz zu bringen.

Veröffentlichungstermin: 03.02.2006

Line-Up:
Anders Friden – Vocals

Jesper Strömblad – Guitars

Björn Gelotte – Guitars

Peter Iwers – Bass

Daniel Svensson – Drums
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.inflames.com

Tracklist:
Take This Life

Leeches

Reflect The Moment

Dead End

Scream

Come Clarity

Vacuum

Pacing Death´s Trail

Crawling Through Knives

Versus Terminus

Our Infinite Struggle

Vanishing Light

Your Bedtime Story Is Scaring Everyone