IMMOLATION: Unholy Cult

Join the "Unholy Cult"…

Als ich vor einigen Jahren IMMOLATION zum ersten Mal hörte war es ein verregneter, ungemütlicher Herbst, dunkel und depressiv. Ich denke das war mein Glück, denn wäre es ein heißer, sonniger Sommer gewesen, so hätte ich diese Band vielleicht nie kennen und schätzen gelernt. IMMOLATIONs Musik ist Death Metal, finster, kalt und depressiv und funktioniert nur in ebensolcher Umgebung. Ihre sperrigen und überaus aggressiven Alben haben eigentlich nichts Gutes in sich, aber geben dennoch ein ums andere Mal durch ihre Intensität Kraft.

Close to a World Below, das zu meinen Lieblingsalben schlechthin zählt, zeigte die Band am Zenith ihres Schaffens. Durch eine endlich mal gelungene Produktion und unnachahmlicher Originalität im Songwriting war dieses Album mit Abstand das Beste, das jemals von dieser Band kam. Irgendwie war mir schon im Vorfeld klar, dass Unholy Cult, das neue Werk der amerikanischen Death Metaller, seinen Vorgänger nicht übertreffen könnte. Aber es war eine Überraschung, als ich dieses Album zum ersten Mal hörte, denn Unholy Cult ist auf jeden Fall genauso gut!

Mit einem düsteren Akkustik-Intro beginnt der Opener Of Martyrs and Man, der sich bald zur gewohnten und geschätzten Stärke entfaltet und durch seine hypnotisierenden, da oft wiederholten aber niemals langweilig werdenden Riffs, das aussagekräftige Drumming und die tiefe Stimme von Ross Dolan unendlich viel Kraft beinhaltet. Trotz gewohnter Stärken; der Hörer merkt sofort, es geht noch sperriger und technischer denn je zur Sache, denn die Riffs sind kürzer und disharmonischer und manchmal fast schon jazzig gehalten.

Diese Einflüsse präsentieren IMMOLATION dieses Mal aber nicht das ganze Album hindurch, sondern haben ein gutes Händchen dafür zu wissen, wann es dem Hörer auch mal zu viel wird. So werden geschickt auch mal melodische und groovige Parts eingebaut, die leichter nachzuvollziehen sind, als die technische Hölle, die sich in vielen Blast-Parts eröffnet. So wurde der achtminütige Titelsong, der durch seine Schwerfälligkeit, in Bezug auf die anderen Songs schon fast Easy Listening darstellt, als drittes eingebaut und hilft Konzentrationsreserven aufzubauen. Unholy Cult lässt auch Erinnerungen an den Song Close to a World Below wach werden; er hat eine Ohrwurmmelodie, die den Hörer auch danach nicht mehr loslässt.

Was die Musiker technisch draufhaben ist unglaublich. Die Gitarrenfraktion strotzt geradezu vor Ideen, die ihresgleichen suchen, kein Riff oder Solo wird langweilig oder erweckt den Eindruck, dass es ausgelutscht wäre, selbst wenn sie alle in einem ähnlichen Kontext stehen. Schlagzeuger Alex Hernandez schafft es, dass man ein IMMOLATION-Album bereits nach 2 Sekunden erkennt, denn sein verspieltes Drumming ist einzigartig, und sei es nur das offensichtlichste Merkmal, die Tom-Wirbel zwischen den Blast-Beats. Diese Fähigkeiten vermischt mit songwriterischer Genialität sorgen nicht das erste Mal dafür, dass ein Album dieser Band lange Zeit im Schacht rotiert und sich von gängigen Trends durch Songs wie Sinful Nature, dass eines der besten Riffs der Bandgeschichte enthält, wohltuend abhebt.

Und selbst, wenn mir der Albumtitel zu Beginn plakativ erschien, so wird nach dem Hören von Unholy Cult klar, was damit gemeint ist: Der Hörer wird in den Bann der Band gezogen, hinein in einen Kult, der die philosophischen antireligiösen Ansichten der Band dem Hörer auf äußerst intensive Art und Weise näherbringt und trotz aller Finsternis und Sperrigkeit zu 100% süchtig macht, lässt man sich richtig darauf ein.

Spielzeit: 41:46 Min.

Line-Up:
Ross Dolan – Bass & Vocals
Robert Vigna – Guitar
Thomas Wilkinson – Guitar
Alex Hernandez – Drums

Label: Listenable Records

Homepage: http://www.immolationdirect.com

Tracklist:
1. Of Martyrs and Men
2. Sinful Nature
3. Unholy Cult
4. Wolf Among the Flock
5. Reluctant Messiah
6. A Kingdom Divided
7. Rival the Eminent
8. Bring them Down