HIRAES: Solitary

HIRAES können auf ihrem Debüt “Solitary” die Nähe zu bekannten Melodic Death Metal-Größen nicht leugnen, bringen die Ära der frühen 2000er Jahre aber dank packender Arrangements in die Gegenwart.

Ganz oben geht es oftmals durchaus eng zu, wie wir auf unserem letzten Wanderurlaub wieder einmal feststellen durften. Da muss man oft schnell sein, sobald sich am Gipfel eine neue Lücke auftut. Abhalten soll das HIRAES aber nicht, direkt auf die Spitze zu schielen, auch wenn es dort die letzten Jahre im Melodic Death Metal bisweilen arg überlaufen schien.

Dafür hat die Band aus ehemaligen DAWN OF DISEASE-Musikern und Sängerin Britta Görtz (CRITICAL MESS) alle Möglichkeiten in der Hand: Erfahrung, Kompetenz und einen Blick fürs Detail. Auch deshalb ist „Solitary“ ein durchaus beeindruckendes Debüt geworden, das uns aber zunächst verschmitzt auf eine falsche Fährte schickt. „Shadows Break“ sitzt irgendwo in der Nische zwischen Intro und regulärem Song, wo das Stück gekonnt Sehnsucht mit zusehends steigender Erwartung verschmilzt. Die Melodieführung, die getragene Atmosphäre, die Spannungskurve – das alles schreit anfangs geradezu nach INSOMNIUM, deren Handschrift besonders im Bereich der Gitarrenleads auch in „Under Fire“ zu erkennen ist.

HIRAES können die Nähe zu bekannten Genregrößen nicht leugnen, bestechen aber mit packenden Arrangements

Diesen Hauch finnischer Melancholie verschmelzen HIRAES im Weiteren mit dem furiosen Killerinstinkt ARCH ENEMYs zur Gossow-Ära, als die Band noch selbstbewusst Ecken und Kanten zeigte. Diese Lücke ist es, die „Solitary“ nun für sich beansprucht. „Grain of Sand“ und das mit IN FLAMES-Riffing aufwartende „Strangers“ bleiben trotz eingängiger Melodien bissig, während das stampfende „1000 Lights“ dank der fantastischen Vocals von Britta Görtz auch im Midtempo Gift und Galle spuckt.

Den hochaggressiven Screams und Shouts stellen HIRAES ein nicht minder packendes Instrumentalgerüst zur Seite, das zwar seine Nähe zu bekannten Genregrößen selten leugnen kann, dafür aber mit Abwechslung und packenden Arrangements besticht. Neben den immer wieder durchbrechenden ARCH ENEMY-Referenzen („Solitary“), lassen sich im Refrain von „Eyes Over Black“ auch Parallelen zu DARK TRANQUILLITY erkennen.

“Solitary” bringt die Melodeath-Ära der frühen 2000er Jahre in die Gegenwart

Dass man spätestens damit auf der Gewinnerspur unterwegs ist, versteht sich natürlich von selbst; insbesondere, weil HIRAES das Kunststück gelingt, die Melodeath-Ära der frühen 2000er Jahre in die Gegenwart zu bringen. „Solitary“ klingt dabei weder angestaubt noch bemüht, sondern vermag nahezu durchgehend mitzureißen. Lediglich im letzten Drittel hätten wir uns einen kleinen Ruhepol gewünscht, um Kraft für die letzte Etappe zu sammeln.

In dieser Hinsicht zeigt sich das Quintett etwas ausdauernder als wir. Verständlich, denn der Blick Richtung Genre-Olymp offenbart dieser Tage bei genauerer Betrachtung doch die eine oder andere Lücke in der oberen Riege. Und wie HIRAES genauso gut wissen wie wir, muss man für die besten Plätze auf dem Gipfel schnell sein.

Veröffentlichungstermin: 25.06.2021

Spielzeit: 44:13

Line-Up

Britta Görtz – Vocals
Lukas Kerk – Guitars
Oliver Kirchner – Guitars
Christian Wösten – Bass
Mathias Blässe – Drums

Produziert von Jens Bogren

Label: Napalm Records

Homepage: http://www.hiraes.com/
Facebook: https://www.facebook.com/hiraes.official

HIRAES “Solitary” Tracklist

1. Shadows Break
2. Under Fire (Video bei YouTube)
3. Grain Of Sand
4. 1000 Lights
5. Eyes Over Black (Video bei YouTube)
6. Outshine
7. Solitary (Video bei YouTube)
8. Strangers
9. Running Out Of Time