HIBRIA: Defying The Rules

Die Brasilianer liefern ein Stück Heavy Metal, das ursprünglich und doch zeitlos ist, schnell aber nie hektisch und irgendwie typisch, jedoch nicht – zumindest musikalisch – klischeehaft wirkt.

Entgegen dem Trend, große Stücke auf atmosphärische Keyboard-Klangteppiche zu legen, innovative Songstrukturen vom Stapel zu lassen oder balladeske Songs radiotauglich in ein Album einzustreuen, liefern HIBRIA mit Defying The Rules ein waschechtes Heavy Metal-Album ab, das zeitlos seine Runden im CD-Player drehen könnte.

Dabei klingt das brasilianische Quintett überraschend europäisch, was am Einfluss Piet Sielcks liegen mag, der für das kontinentale Debüt HIBRIAs hinter den Reglern saß. Aber auch heraushörbare Parallelen wie zu alten HELLOWEEN-, JUDAS PRIEST– oder sogar IRON MAIDEN-Scheiben, sind eher dem alten Kontinent zuzuordnen als dem härteren Dunstkreis rund um Porto Alegre, der Heimatstadt des Fünfers.

Das Album kennzeichnet sich durch eine nahtlose Eingängigkeit und Frische, die keiner Anlaufzeit bedarf. Im Uptempobereich werden Speed und Power Metal zum Besten gegeben, auf langsamere Rhythmen verzichtet und geradlinig nach vorne gespielt. Mit Präzision werden die aufnahmewilligen Melodien von den Gitarren dargeboten, der Bass spielt konsequent sein Pensum herunter und die Drums sorgen für den nötigen Rückhalt. Der Gesang thront nicht nur von der Tonlage her über den Instrumenten, sondern besticht trotz seiner Helligkeit mit seiner Durchsetzungskraft. Darüber hinaus erfreut sich der Hörer über verspielte Soli in jedem Song.

Dieses klassische Strickmuster für puren Heavy Metal treiben die Südamerikaner bis zur Perfektion – im Falle des Covers übertreiben sie es sogar. Doch ansonsten verfallen HIBRIA eigentlich nie in den Trott der Klischeehaftigkeit. Die einzelnen Songs klingen trotz klarer und fehlerfreien Produktion authentisch und laden nicht nur einmal zum Mitsingen (Living Under Ice) oder Abrocken (Defying The Rules) ein.

Restlos überzeugen mag mich das Album aber trotzdem nicht. So sind die Songs trotz verspielter Soli und durchschlagskräftigen Riffs nichts weiter als temporäre Momentaufnahmen, die nicht allzu lange in den Gehörgängen herumwurmen. Darüber hinaus fehlt es an Abwechslung: gerade die ersten drei Songs ähneln sich sehr stark und scheinen nur dahingehend optimiert worden zu sein, den Hörer für die weiteren sechs Songs in Fahrt zu bringen. Doch zum Glück motiviert zum Abschluss das knapp acht Minuten lange Stare At Yourself doch noch einmal die Play-Taste zu drücken, indem es mit einem abwechslungsreicheren Songwriting mehr vom Potenzial der Band zum Ausdruck bringt.

Veröffentlichungstermin: 22.11.2004

Spielzeit: 52:07 Min.

Line-Up:
Luri Sanson – Vocals

Abel Camargo – Guitar

Diego Kasper – Guitar

Marco Panichi – Bass

Savio Sordi – Drums

Produziert von Piet Sielck
Label: Remedy Records

Homepage: http://www.hibria.com

Email: hibria@hibria.com

Tracklist:
Intro

1. Steel Lord on Wheels

2. Change your Life Line

3. Millenium Quest

4. A Kingdom to Share

5. Living under Ice

6. Defying the Rules

7. The Faceless in Charge

8. High Speed in Charge

9. Stare at Yourself