HEAVY FEATHER: Mountain Of Sugar

Tja, es gibt sie nunmal, diese Lieblingsbands, die einen schon ewig begleiten. Dazu gehören bei mir ganz klar die Stockholmer Roots-Rocker SIENA ROOT. Entsprechend lange kenne ich Gitarrist Matte Gustavsson. Und Sängerin Lisa Lystam, welche die musikalische Hippie-Kommune nach dem Ausstieg von Samuel Björö live, auf der Vinylsingle “In The Fire” und auf dem letzten Album “The Secret Of Our Time” unterstützt hat. Zusammen machen sie die LISA LYSTAM FAMILY BAND, wo es deutlich bluesiger zugeht. Und seit einiger Zeit halt auch HEAVY FEATHER, wo das Duo gemeinsam mit Ola Göransson und Morgan Korsmoe eine nochmal andere Ecke des Retro Rock beackern. Als Fan ist man natürlich begeistert, dass man von den SchwedInnen so fleißig bedient wird. Zumal die Band mit “Débris & Rubble” 2019 ein tolles Debüt vorgelegt hat. Kurz gefasst: eine neutrale Rezension könnt ihr vergessen! Ok, abliefern müssen sie mit “Mountain Of Sugar” trotzdem, aber da braucht man sich wohl keine großen Sorgen machen. Einen Teil der neuen Songs kennen wir ja eh schon, HEAVY FEATHER hatten die Ehre, uns im Februar 2020 in Hamburg als letzte Band mit einer Liveshow zu unterhalten.

HEAVY FEATHER präsentierten die Songs von “Mountain Of Sugar” schon live

“30 Days” startet dann auch gleich knackig und Bewegungsfördernd durch. Es wird schnell deutlich, das neue Album kommt durchaus kraftvoller rüber als das Debüt. Schon der Opener hat einen ordentlichen 70er DEEP PURPLE-Einschlag, vor allem im Gitarrenspiel. Dass man bei “Bright In My Mind” mit dem knurrigen Bass kurz mal an die BLUES PILLS denkt, ist in diesem Genre wohl kaum vermeidbar. Schunkeln ist angesagt, “Love Will Come Easy” kommt mit reichlich Southern-Flair daher. Das zappelige “Mountain Of Sugar” kommt zickig und wütend. Hätte ich zu gern gesehen, wie Lisa den Businesstypen zusammengefaltet hat, der sie mit süßlichen Sprüchen im Hotel versucht hat anzugraben. Auch live ein unterhaltsamer Rocker zum Abzappeln. Wie sie sich durch “Too Many Times” röhrt ist wieder mal klasse. Wenn sich die kleine Powerfrau durch das schwebende “Let It Shine” schnurrt kann man nur dahin schmelzen. Hier schimmert wie auch beim ebenfalls balladesken Schlusstrack “Asking In Need” eine gute Portion FREE oder BAD COMPANY durch, bei letzterem zudem wieder reichlich Southern-Vibes. Jawoll, “Lovely Lovely Lovely”, Kuhglocke, yeah! Mit “Rubble & Débris” gibt´s nochmal einen Gruß an das Debüt “Débris & Rubble”.

“Mountain Of Sugar” bringt kraftvollen 70er Rock und Southern-Flair

Das Album durchzieht eine größere Abwechslung als das schon tollen Debüt, auch der etwas kraftvollere Sound steht HEAVY FEATHER gut. Die kräftige Stimme von Lisa hat etwas sehr eigenes, man erkennt sie sofort. Und live bringt sie genau das, was wir auf dem Album geboten kriegen. Für mich steht sie weiterhin ganz vorn bei den zahllosen Sängerinnen in den zahllosen Retro Rock-Bands. Die Rhythm-Boys machen alles richtig, tragen die Songs passend. Nun ja, Gitarrist Matte schafft es, dass man ihn aus dem Pool ebenso vieler Gitarristen sofort heraushört. Obwohl er sich auch an den klassischen Gitarrenhelden der 60er und 70er orientiert, spielt er egal ob bei SIENA ROOT, der LISA LYSTAM FAMILY BAND oder hier bei HEAVY FEATHER sein sehr eigenes Ding. Das schaffen heutzutage nicht mehr viele Gitarristen. Und beim beswingten Southern-Rocker “Sometimes I Feel” darf er sogar ans Mikro und überrascht mit dezenten ERIC CLAPTON-Vibes in der Stimme. Nun ja, mit so einer Sängerin in der Band wird das aber nur zum netten Gimmick.

Mir gefällt es, wenn man genau hört, welche Bands dort sicher schon beim Frühstück laufen. Das pauschal verbratene Trio aus der Info mit FREE, CREAM und LYNYRD SKYNYRD trifft es recht gut. Aber man hört in Stockholm sicher auch gern Bands wie HUMPLE PIE, MOTT THE HOOPLE, BUDGIE/FOGHAT, auch THE KINKS, GRAND FUNK RAILROAD, CANNED HEAT oder CACTUS. Immer wieder kommt beim Gitarrenspiel auch der Gedanke, dass Matte gern mal TEN YEARS AFTER/ALVIN LEE hört. Bei anderen Bands sorgt das bei mir meist dafür, dass ich wieder mal die Originale rausziehe. HEAVY FEATHER gelingt es, dass ich einfach wieder und wieder eben HEAVY FEATHER höre. Ok, Matte Gustavsson schafft es, durchgehend DEEP PURPLE durchklingen zu lassen in ihrer für mich besten Zeit 1970-73, da werde ich sicher mal ins Plattenregal greifen. Aber nur, wenn “Mountain Of Sugar” da irgendwann mal eine Pause einlegt.

“Mountain Of Sugar” kann den vielen Retro Rock-Fans ohne Umwege ans Herz gelegen werden

Wenig überraschend haben HEAVY FEATHER ein tolles Album abgeliefert, dass jeden Fan glücklich macht, das den vielen Retro Rock-Freaks ohne Umwege ans Herz gelegen werden kann. Es klingt nichts nach der nächsten gehypten Trendband, das hier klingt nach echtem unverfälschten 70er-(Hard)Rock von MusikerInnen, die eben diese Musik im Blut haben. Und sich einen doch recht eigenen Sound erspielt haben, was es in dieser Ecke ja auch nicht oft gibt. Eine tolle Band, die hoffentlich bald wieder ihr Feuer auf die Bühne bringen kann. Nichts dagegen, wenn HEAVY FEATHER unsere erste nächste Live-Band sind. Aber aus dem genannten Roots-Triumvirat komme ich eh nicht raus. Die SIENA ROOTS-Tickets warten auf das Nachhol-Konzert, und die LISA LYSTAM FAMILY BAND unterhielt uns gestern live im Fernseher mit einer weiteren Streaming-Show. Nun dreht sich hartnäckig wieder “Mountain Of Sugar”.

LISA LYSTAM FAMILY BAND: Streaming-Konzert aus dem Victoriateatern Malmö

Veröffentlicht am 09.04.2021

Spielzeit: 38:28 Min.

Lineup:
Lisa Lystam – Vocals, Harmonica
Matte Gustavsson – Guitar, Vocals (8)
Morgan Korsmoe – Bass
Ola Göransson – Drums

Label: Sign Records

Mehr im Web: https://www.facebook.com/HeavyFeatherRock

Die Tracklist von “Mountain Of Sugar”:

1. 30 Days
2. Bright In My Mind (Video bei YouTube)
3. Love Will Come Easy (Audio bei Bandcamp)
4. Mountain Of Sugar (Video bei YouTube)
5. Too Many Times
6. Let It Shine
7. Come We Can Go
8. Sometimes I Feel
9. Lovely Lovely Lovely
10. Rubble & Débris
11. Asking In Need