HALFORD: Resurrection

Das HALFORD Album "Resurrection" ist nicht die Fortsetzung von "Painkiller"!!! Starke Songs wechseln sich mit durchschnittlichen ab und mit "Locked and Loaded" ist auch ein Totalausfall zu verzeichnen. Dafür zeigt sich Rob Halford wieder einmal von seiner besten Seite. Für Fans alter JUDAS PRIEST sicherlich interessant.

Ohjeohje…was ist im Vorfeld zu dieser CD nicht wieder alles geredet worden? Da war die Rede vom legitimen Nachfolger zu Painkiller – eines der legendärsten JUDAS PRIEST Alben – und von einem Album, das die letzte JUDAS PRIEST Scheibe im Vergleich alt aussehen lässt und was weiß ich was noch alles… Und als mir dann sogar Leute von den ersten Songs im Internet vorschwärmten, auf deren Urteil ich mich eigentlich sonst blind verlassen würde, war ich eigentlich überzeugt davon, dass das neue Werk von *der* Metal-Sirene, Rob HALFORD, ein absoluter Hammer werden müsste. Ein Glück, dass der erste Song, den ich von dem Album zu hören bekam, ausgerechnet der schlechteste des gesamten Albums war, so blieb mir die große Enttäuschung erspart und ich konnte an Resurrecion mit einer ganz anderen Einstellung herangehen.

Ich will jetzt nicht den Eindruck erwecken, das Resurrection der totale Flop wäre. Davon ist das Album weit entfernt, und vor allem Rob Halford selbst überrascht mit einer großartigen Gesangesleistung, die man von ihm gar nicht mehr erwartet hätte (ich sag jetzt mal ganz ketzerisch, dass er fast schon wieder an den Ripper herankommt). In den allgemeinen Lobgesang, der jetzt bereits allüberall erklingt, kann ich jedoch auf keinen Fall mit einstimmen.

Mit dem Titelsong Resurrection findet sich auf jeden Fall ein gelungener Einstieg in das Album, der tatsächlich Erinnerungen an Painkiller weckt und bei dem Rob Halford gleich mal klarstellt, dass er seinen Sirenengesang noch lange nicht verlernt hat. Klasse Song!

Made in Hell dagegen hätte so auch auf Ram it down stehen können, ein klassischer Uptempo-JUDAS-Rocker, der sich bestens fürs Autofahren eignet und der zu der Kategorie von Songs zählen lässt, bei dem man unweigerlich etwas mehr aufs Gas treten möchte (nur der Refrain hätte etwas einfallsreicher ausfallen können).

Mit Locked and Loaded gibt´s dann bereits den ersten Tiefschlag auf dem Album. Uaaarrghhh…wie kann man nur? Ausgelutschtestes Midtempo-Riffing, ein ätzend einfallsloser Refrain und Melodien, die man sich normalerweise so nebenbei unter der Dusche einfallen lässt, wenn man gerade keinen Ohrwurm im Kopf hat. Kurz: ein typischer Lückenfüller.

Nightfall ist dann nicht ganz so furchtig ausgefallen, aber auch bei diesem Song handelt es sich um einen gewöhnlichen Metal-Song, den man so sicher schon hundert mal gehört hat. Guter Durchschnitt, mitreißen kann das Teil aber zu keiner Zeit.

Mit Silent Scream kommt dann der absolute Höhepunkt des Albums. Eine Halbballade, wie sie eigentlich nur von Göttern erschaffen werden kann. Gänsehaut ist garantiert und Rob Halford zeigt sich hier von seiner besten Seite. Die Oberstimme im Refrain lässt mir jedes mal erneut das Blut in den Adern gefrieren. Der Song ist genau von dieser Emotionalität und im zweiten Teil des Songs von dieser Aggression geprägt, die mir im Großteil des restlichen Materials von Resurrection schlicht und ergreifend fehlt. Genau das ist es! Geil!!!

Nach solch einer Göttergabe ist The One you love to hate dann wieder eine echte Ernüchterung, zumal ich mir von einem Gesangsduell zwischen Bruce Dickinson und Rob Halford um einiges mehr versprochen habe. Auch diesem Song fehlt die zündende Idee und langweilt eher, als dass er fesselt. Vor allem der Beitrag von Bruce Dickinson kann wohl zum schlechtesten gezählt werden, was dieser seit langem gemacht hat. Zu Schade, ich hatte mir gehofft, dass diese Begegnung Metal-Geschichte schreiben würde.

Mit Cyber World geht´s dann endlich wieder etwas mehr ab und auch dieser Song passt ganz gut in die Zeit zwischen Ram it Down und Painkiller. Gerade bei diesem Song wünscht man sich aber, dass Rob einfach etwas mehr Emotionalität in den Song bringen und mehr seine berühmten Sirenenvocals einsetzen würde. Guter Song.

Slow down, ein Song im Stile des Defenders of the Faith Albums, kann dann endlich wieder auf ganzer Linie überzeugen. Ein Midtempo-Song, bei dem sich Rob zwar nicht die Seele aus dem Leib schreit, dafür aber durch seinen gefühlvollen Gesang echt Atmosphäre schafft.

Twist ist dann mit seinem fast schon poppig wirkenden Flair wohl der außergewöhnlichsten Song auf dem Album (und es ist keine Cover-Version, da musste ich mich bereits belehren lassen – thanx Nightmare! >g< ). Der Song überrascht auf ganzer Linie, da er zunächst so gar nicht auf dieses Album passen will, dieser Umstand wirkt jedoch umso sympathischer, da Rob Halford bei Resurrection nicht nur auf Nummer sicher gegangen zu sein scheint, sondern tatsächlich auch einen Song auf das Album gepackt hat, bei dem sich auf jeden Fall die Geister scheiden werden. Temptation ist dann wieder ein geradliniger Midtempo-Metal-Stampfer geworden, der vor allem durch seinen Refrain aus der Durchschnittlichkeit anderer Songs auf dem Album herauszustechen weiß. Mit Drive und Saviour gibt es dann noch zwei weitere gut gemachte Metal-Rocker, die jedoch ebenfalls sehr vorhersehbar ausgefallen sind und sich nach einigen Hördurchläufen recht schnell abnutzen. Resurrection durchlebt also Höhen und Tiefen, mit denen man sich beim Kauf einfach arrangieren muss. Fans von alten JUDAS PRIEST werden sich dieses Album eh zulegen, man muss aber auf jeden Fall sagen, dass es derzeit um einiges interessantere Veröffentlichungen gibt. Rob Halford beweist stellenweise beeindruckend, dass er nach wie vor zu den besten Metal-Sängern aller Zeiten gehört und auch was die Mannschaft hinter seinem Rücken betrifft, käme es einer Gotteslästerung gleich, diese kritisieren zu wollen (vor allem das Mitwirken von Bobby Jarzombek hat mich überrascht). Was mich jedoch aufregt ist, ist dieses blinde Abfeiern dieses Albums, das dies einfach nicht verdient hat. Besonders die Vergleiche mit Painkiller hängen mir absolut zum Hals raus. Schon allein der Song Painkiller beinhaltet wohl mehr Breaks und Songideen als das gesamte Resurrection Album. Also, hört euch das Album lieber erstmal im Laden an und entscheidet dann, ob ihr es unbedingt haben müsst oder nicht. Fierce
Veröffentlichungstermin: 07.08.2000

Spielzeit: 48:39 Min.

Line-Up:
Rob Halford – Vocals

Patrick Lachman – guitars

Mike Chlasciak – guitars

Ray Reindeau – bass

Bobby Jarzombek – drums

Produziert von Roy Z
Label: Metal-Is / CMM

Hompage: www.robhalford.com

Tracklist:
1. Resurrection

2. Made in Hell

3. Locked and Loaded

4. Nightfall

5. Silent Screams

6. The One you love to hate

7. Cyberworld

8. Slow Down

9. Twist

10. Temptation

11. Drive

12. Saviour