GRABAK: Scion

Schwarzmetallische Hausmannskost: GRABAK kredenzen auf ihrem siebten Album „Scion“ ein eher liebloses Menü.

Es ist respektabel, was GRABAK geschafft haben: 25 Jahre Bestehen, trotz stark wechselnder Besetzungen und Labelzugehörigkeiten immer wieder zusammen gerauft und weiter gemacht, so dass im Frühjahr das mittlerweile siebte Album „Scion“ veröffentlicht wurde. Da die Leipziger niemals in die oberen Ränge im deutschen Black Metal aufgestiegen sind, darf man ihnen attestieren, dass sie die Band aus Überzeugung und mit Leidenschaft betreiben. Es ist aber auch ein Indiz dafür, dass GRABAK bisher maximal für solide Hausmannskost standen. Einen großen Schritt haben sie allerdings schon nach vorne gemacht. Mit „Scion“ überzeugen GRABAK nun – und erstmalig optisch: Ein handwerklich gut gemachtes und stimmungsvolles Cover macht Lust auf die Veröffentlichung und auch der Digipack ist sehr gut gestaltet.

„Scion“ punktet mit einer liebevollen Aufmachung, musikalisch  bleiben GRABAK hinter ihren Möglichkeiten.

Dann braucht nur noch die Musik zu passen, richtig? Und hier liegt das Problem von „Scion“. GRABAK orientieren sich an der schwedischen Black Metal-Szene und zeigen sich neben rasend auch gerne melodisch. Leider zünden beim Leipziger Quartett im Vergleich zu (frühen) DARK FUNERAL und SETHERIAL die Ideen nur selten wirklich. Zwingende Riffs gibt es immer wieder zu hören, die aber nur funktionieren, wenn GRABAK nicht Vollgas geben, also eher im Midtempo. Somit gehen also „The Sirens Song“, das melodische „My Art Is Death“ und das abschließende „Echoing The Sound Of Hell“ schon mal klar.

Ansonsten spezialisieren sich GRABAK auf Blast Beats, die jedoch meist irritierend neben dem Takt gespielt sind. Zusammen mit dem penetranten Mix und Mastering entsteht eine wummernde Lärmkulisse, die brutal und wild wirkt, aber bewirkt, dass kein Gefühl aufkommen mag und das Album über weite Strecken am Hörer vorbeirauscht. Das Credo scheint zu sein: Hauptsache brutal. Auf diese Weise werden Klischees aufgefahren, die seit 20 Jahren keinen mehr hinter dem Ofen vorlocken, weder musikalisch noch konzeptuell. Apropos, lyrisch ist ebenso eher Standard geboten. Die beiden deutsch verfassten Texte sind dann doch recht pubertär.

Im Midtempo sind GRABAK hörbar, wird „Scion“ schnell und brutal entsteht eine wummernde Lärmkulisse.

Insgesamt ist „Scion“ eher für beinharte Schweden-Black Metal-Fans, denen Brutalität wichtiger ist als Atmosphäre und ausgewogenes Songwriting und Fingerspitzengefühl (ja, auch das ist im Black Metal wichtig). GRABAK mögen zu den Urgesteinen der deutschen Szene zählen, wirklich mitreißend ist ihre Musik auch nach 25 Jahren noch nicht. Eben eher unspektakuläre Hausmannskost, die man isst, nur weil man wirklich hungrig ist, auch wenn der Sinn nach einem anderen Gericht stünde.

Wertung: 4 von 9 Sauerbraten

VÖ: 31. März 2021

Spielzeit: 43:01

Line-Up:
Hellthroat – Vocals
Serpent – Guitar
C.L. – Guitar
B.S. – Drums

Label: Talheim Records

GRABAK „Scion“ Tracklist:

1. Scion
2. Epitomes Of Cruelty
3. Furia II – Weltenbrand (Official Audio bei Youtube)
4. Blutkelch
5. The Siren’s Song
6. Heirs of The Serpent (Official Audio bei Youtube)
7. My Art Is Death
8. Black Water
9. Echoing The Sound Of Hell

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