FAUN: Eden

Bedächtig und ruhig – "Eden" zeigt die romantische und tagträumerische Seite der weltoffenen Folk-Band FAUN.

Eines muss man FAUN in jedem Fall zugute halten: Sie lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Lässt man die Akustikplatte “Buch der Balladen” außen vor, so ist nun mit Rairda nach dem Ausstieg von Sängerin Lisa Pawelke im Jahr 2008 bereits die dritte Sängerin und Instrumentalistin seit dem letzten Studioalbum “Totem” zu hören. Die Münchner sind aber professionell genug, um auch den Verlust von Sandra Elflein aufzufangen. Neu-Mitglied Rairda fügt sich stimmlich perfekt in das eigenständige Konzept FAUNs ein und bringt durch ein breit gefächertes Instrumentarium genügend kreative Ideen mit, um das musikalische Spektrum des Quintetts weiter zu entwickeln.

Im direkten Vergleich mit “Totem” beleuchtet “Eden” eine weniger düstere Seite des weltoffenen Pagan Folks – moderne Stilmittel wie Computerbeats oder verschiedene Samples sind zwar nach wie vor präsent, aber diesmal wesentlich subtiler und organischer eingebunden als in der Vergangenheit. Die große Stärke FAUNs, mit ihrem umfangreichen Instrumentarium sowie mehrstimmigem Gesang mystische Klänge zu erzeugen, die aus den Wäldern einer fantasievollen und nie gekannten Welt zu stammen scheinen, bleibt auch auf “Eden” ungebrochen.

“Eden” ist ein Album für Tagträumer

Das Tor zu einem anderen Reich öffnet “Lupercalia” mit beschwörerischem Gesang und dosierten Sackpfeifenspitzen – nie aufdringlich, doch ebenso effektiv wie subtil. Dass sich FAUN in dieser Rolle pudelwohl fühlen, zeigen nicht nur die Vertonungen traditioneller Texte wie “Adam Lay Ybounden”. Auch mit dem charakteristischen “Zeitgeist”, bei dem Oliver S. Tyrs angenehm warme Stimme bezaubert, berühren die fünf Musiker das Innerste der eigenen Gefühlswelt.

“Eden” ist ein Album für Tagträumer und romantische Naturen – tanzbares Uptempo-Material bleibt diesmal außen vor, weil selbst die Instrumentalstücke “The Butterfly” und “Polska Från Andersson” um ein entspanntes, betörendes Hörerlebnis bedacht sind. Eigentlich keine tragische Angelegenheit, da das orientalische “Pearl”, “Oyneng Yar”, “Alba” und das vorsichtig-beschwingte “Hymn To Pan” mit seinem federleichten Marimba-Fundament ein großes Maß an Abwechslung bereithalten.

FAUN sind der Schlüssel zum Tor einer fremden Welt

Was allerdings trotz allem an “Eden” knabbert, ist die enorm lange Laufzeit von 72 Minuten, wodurch ein gelegentliches Abtauchen in entlegene Gedankenströme nahezu unvermeidbar ist. Ein paar schnelle Stücke vom Schlage eines “Satyros” oder “Rhiannon” vom Meilenstein “Renaissance” hätten diesbezüglich wohl Wunder gewirkt.

Aber vielleicht ist das allein auch gar nicht das erklärte Ziel von “Eden”. Vielleicht wollen uns FAUN einfach nur bei der Hand nehmen, uns in eine malerische und unerforschte Fantasiewelt entführen, die wir selbst entwerfen und gestalten. FAUN sind dann der Schlüssel zum Tor einer fremden Traumebene und zugleich der sichere Rückhalt, der uns auf den rechten Pfad zurückbringt, falls wir ihn verloren haben. Das zumindest verspricht “Eden” wie kein Werk der Bayern zuvor.

Veröffentlichungstermin: 24.06.2011

Spielzeit: 72:03 Min.

Line-Up:
Oliver S. Tyr – Gesang, Nyckelharpa, Bouzouki, keltische Harfe, Gitarre, Saz, Tar, Kontrabasharpa
Rairda – Gesang, Keltische Harfe, Flöten, Whistles, Drehleier
Fiona Rüggeberg – Gesang, Dudelsack, Dombra, Rebab, Oud, Flöten, Chalumeaux, Pommer
Rüdiger Maul – Darabuka, Framedrums, Davul, Timba, Taiko, Percussions
Niel Mietra – Computer, Sampler, Synthesizer

Produziert von FAUN, Christopher Kaufmann, Chhristopher Juul und Eroc
Label: Screaming Banshee / Alive

Homepage: http://www.faune.de

FAUN “Eden” Tracklist

01. Lupercalia
02. Zeitgeist
03. Iduna
04. The Butterfly
05. Adam Lay Ybounden
06. Hymn To Pan
07. Pearl
08. Oyneng Yar
09. Polska från Anderson
10. Alba
11. Ynis Avalach
12. Arcadia
13. The Market Song
14. Golden Apples