ENCHANT: Tug of war

"Tug of war" klingt vollkommen zeitlos, natürlich und ist künstlerisch faszinierend. Es ist eine CD, die wie die Vorgänger lange im CD-Player bleibt und auch später immer wieder den Weg dorthin findet. Fesselnder kann Rockmusik kaum sein.

Ich hab wohl noch nie so hektisch auf den „Haben wollen“-Button geklickt wie bei der neuen ENCHANT. Wer sich einmal mit dieser Band beschäftigt hat wird sich ihrer Magie kaum mehr entziehen können, sicher nicht nur bei mir stehen sie bei den Prog-Bands ganz ganz vorn. Umso neugieriger war ich auf die neuen Kompositionen aus San Francisco und wurde natürlich nicht enttäuscht (geht das bei dieser Band überhaupt?).

Die Lieder und auch die Produktion klingen nicht ganz so warm wie beim Vorgänger „Blink of an eye“, die Songs sind diesmal etwas knackiger und auch oft deutlich härter. Trotzdem bleibt der Sound warm genug um mit den Stimmungen der Lieder die Seele anzusprechen und nicht den Nackenwirbel. Die Songs sind nie richtig Metal und das ist bei ENCHANT gut so. Sie klingen immer eigenständig und lassen jeden Fan der Band tagelang vor dem CD-Player verweilen, es wird Zeit den Kopfhörer wieder auszugraben. Es gibt in jedem Song unendlich viele Feinheiten zu entdecken und Hobbydrummer könnten sich tagelang mit dem Auszählen der Takte von Sean Flanegan beschäftigen. Aber auch wenn ich finde dass die Progressivität mehr im Vordergrund steht wie auf „Blink of an eye“ sind die Kompositionen nie wirklich anstrengend und immer nachvollziehbar, ihre künstlerischen Finessen geben sie erst richtig preis, wenn man sich intensiv mit der Platte beschäftigt. Allein Basser Ed Platt zuzuhören ist ein Erlebnis und Gitarrist Doug Ott fügt sich meist mit warmen Sound recht weit in den Hintergrund um nur gelegentlich zu explodieren. Der neue Keyboarder Bill Jenkins bringt etwas Abwechslung in den gewohnten ENCHANT-Sound. Auch Sänger Ted Leonard klingt etwas kratziger, was „Tug of war“ etwas von den Vorgängern abhebt. Der melancholische Unterton in seiner Stimme ist aber unverändert vorhanden und verleiht den Songs wie gehabt eine wahnsinnig emotionale Tiefe. Eine Traumballade wie „Beautiful“ hört man wirklich nicht oft. Auch „Comatose“ erreicht das Herz, was hat der Mann nur für eine schöne Stimme. Der Titelsong „Tug of war“ oder „Queen of the informed“ sind fast heavy, fesseln mit tollen Melodien und überraschenden Wendungen.

Eigentlich macht es gar keinen Sinn über einzelne Stücke zu schreiben, jedes Lied ist ein kleines Kunstwerk. Auch das übliche „Klingen wie…“-Blabla kann man sich schenken, ENCHANT sind einfach einzigartig und überhaupt nicht mit anderen Bands zu vergleichen, eventuelle Parallelen sind wenn überhaupt durch einen ähnlichen Background zu begründen.

„Tug of war“ klingt vollkommen zeitlos, natürlich und ist künstlerisch faszinierend, es ist eine CD die wie die Vorgänger lange im CD-Player bleibt und auch später immer wieder den Weg dorthin findet. Fesselnder kann Rockmusik kaum sein.
Die Scheibe wird auch als Slipcase-Version erscheinen mit dem zusätzlichen Live-Track Below zone und einem umfangreicheren Booklet

Spielzeit: 65:32 Min.

Line-Up:
Ted Leonard – Vocals

Douglas A. Ott – Guitars

Ed Platt – Bass

Bill Jenkins – Keyboard

Sean Flanegan – Drums

Veröffentlichungsdatum: 28.07.03

Produziert von Tom Size, Dough Ott & Ken Lee
Label: InsideOut / SPV

Homepage: http://www.theoasis.cc

Email: fanmail@theoasis.cc

Tracklist:
1 Sinking Sand

2 Tug Of War

3 Holding The Wind

4 Beautiful

5 Queen Of The Informed

6 Living In A Movie

7 Long Way Down

8 See No Evil

9 Progtology

10 Comatose