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ELUVEITIE: Everything Remains (As It Never Was)

ELUVEITIE: Everything Remains (As It Never Was)

Da mir bislang im Grunde alle Folk- und Mittelalter-Metal-Bands, die wirklich in härteren Gefilden unterwegs sind, entweder zu prollig, zu seicht oder zu unausgegoren geklungen haben, hatte ich zugegebenermaßen lange einen großen Bogen um ELUVEITIE gemacht. Zu groß waren die Vorbehalte, die sich mit der Zeit bei mir angesammelt hatten, als dass mich der Hype um die Schweizer hellhörig gemacht hätte. Nun, da Everything Remains (As It Never Was) in den Startlöchern steht, muss ich meine Haltung revidieren. Denn auch wenn von dem perfekten Album, wie es die Presseinfo vollmundig verkündet, nicht die Rede sein kann, so fügen ELUVEITIE Folk-Elemente und melodischen Death Metal so stimmungsvoll und gekonnt ineinander, dass alle beherbergten Vorurteile auf der Stelle beiseite gefegt wurden.

Was ELUVEITIE von anderen Bands des Genres unterscheidet ist, dass die Folk-Anleihen nicht aufgesetzt sind und im Gegenzug der Metalanteil aus weit mehr besteht als nur tief gestimmten Gitarren und Doublebass. Prinzipiell liegt den Kompositionen auf Everything Remains (As It Never Was) nämlich ein waschechtes Melodic Death Metal-Gerüst zugrunde, das vermutlich auch ohne die Ethno-Instrumente funktionieren würde, aber eben erst durch deren geschickte Einbindung so einmalig klingt. So ersetzen Flöten und Drehleier beim fantastischen Titeltrack ganz einfach die Lead-Gitarre, während sie bei Nil kurzerhand in die Rolle des Keyboards schlüpfen. Diese Wandlungsfähigkeit hat zur Folge, dass Drehleier und Geige manchmal nicht ganz natürlich klingen. Negativ wirkt sich dies auf das modern und druckvoll produzierte Soundgewand jedoch nicht aus, denn so ist zumindest sichergestellt, dass Metal- und Folk-Elemente einen homogenen Eindruck vermitteln.

Was ELUVEITIE außerdem von anderen Genrevertretern wie KORPIKLAANI unterscheidet, ist der wesentlich größere musikalische Abwechslungsreichtum, der auf Everything Remains (As It Never Was) zelebriert wird. Auch wenn Gitarre, Schlagzeug und Vocals stets der göteborgsche Melo-Death im Stil von IN FLAMES oder DARK TRANQUILLITY zugrunde liegt, so ist man darum bemüht, von diesem Ausgangspunkt aus eine möglichst große stilistische Bandbreite zu erreichen. Da gibt es schnelle und tanzbare Hits der Marke Kingdom Come Undone, dessen Whistle-Parts deutlich von irischer Folk-Musik beeinflusst sind, hymnische Midtempo Refrains (The Essence Of The Ashes, Thousandfold) und natürlich (halb-)akustische Instrumentalstücke wie Isara, die geschickt Tempo und Lautstärke rausnehmen, um einer allzu schnellen Übersättigung entgegenzuwirken. Und als wäre das noch nicht genug, greift Drehleier-Spielerin Anna Murphy beim eingängigen Quoth The Raven sogar zum Mikro und verpasst dem Stück einen der hartnäckigsten Ohrwurmrefrains, die das noch junge Musikjahr bislang gehört hat.

Warum Everything Remains (As It Never Was) also kein perfektes Album geworden ist, hat den einfachen wie banalen Grund, dass sich zwischendrin doch ein paar Riffs eingeschlichen haben, die nicht mehr ganz taufrisch klingen. Zudem finden sich mit Sempiternal Embers und Setlon in der zweiten Hälfte der Platte zwei solide, aber keinesfalls aufregende Kompositionen, die den Albumfluss zum Ende hin etwas stocken lassen.

Nichtsdestotrotz ist ELUVEITIE ein sehr gutes Album gelungen, das einem Musterbeispiel für die Symbiose aus Folk und Metal erstaunlich nahe kommt. Die Kombination aus traditionellen Instrumenten und Stromgitarren mag eine deutsche Erfindung sein, bei der Transkription in den extremen Bereich haben die Schweizer jedoch die Nase vorn. Everything Remains (As It Never Was) ist der strahlende Beweis hierfür.

Veröffentlichungstermin: 19.02.2010

Spielzeit: 47:09 Min.

Line-Up:
Chrigel Glanzmann – Vocals, Acoustic Guitar, Mandolin, Uillean Pipes, Bodhràn, Tin & Low Whistles, Gaita
Meri Tadic – Fiddle
Anna Murphy – Hurdy Gurdy, Vocals
Päde Kistler – Bagpipes, Whistles
Ivo Henzi – Guitar
Simeon Koch – Guitar
Lay Brem: Bass
Merlin Sutter: Drums

Produziert von Tommy Vetterli
Label: Nuclear Blast

Homepage: http://www.eluveitie.ch

MySpace-Seite: http://www.myspace.com/eluveitie

Tracklist:
01. Otherworld
02. Everything Remains (As It Never Was)
03. Thousandfold
04. Nil
05. The Essence Of The Ashes
06. Isara
07. Kingdom Come Undone
08. Quoth The Raven
09. (Do)Minion
10. Setlon
11. Sempiternal Embers
12. Lugdunon
13. The Liminal Passage

Florian Schaffer
Florian hat von 2008 bis 2015 Reviews und Live-Berichte für vampster geschrieben. Seit 2019 ist er wieder mit dabei. Lieblingsbands: AMORPHIS, ARCHITECTS, BARONESS, CULT OF LUNA, DARK TRANQUILLITY, GHOST BRIGADE, IN FLAMES, THE OCEAN. Genres: Black Metal, Death Metal, Melodic Death Metal, Metalcore, Post Metal, Progressive, Rock, Thrash Metal