DORNENREICH: Durch den Traum

DORNENREICH: Durch den Traum

Erstaunlich rasch folgt auf das letztjährige Hexenwind das aktuelle DORNENREICH-Album Durch den Traum. Um so erstaunlicher erscheint diese Tatsache angesichts des Austrittes von Valnes im Frühjahr 2006, was DORNENREICH nun zum Solospielfeld von Eviga macht, auf welchem andere Musiker lediglich als Gäste auftreten können. Und doch – diese Veränderungen im Line-Up scheinen weniger tiefgreifende Konsequenzen auf die musikalische Welt der österreichischen Ausnahmeformation zu haben, als man es zuerst vermuten würde. Denn schon die ersten dissonanten Töne von Durch den Traum lassen keine Zweifel aufkommen: Das können nur DORNENREICH sein.

Und dieser Eindruck wird in keiner Sekunde von den dargebotenen, anspruchsvollen Klangbildern zerstört. Anno 2006 scheint sich die klassische Handschrift DORNENREICHs wieder deutlicher durchzusetzen als auf dem direkten Vorgängerwerk. Fesselnd, fragil und wehmütig erscheinen die Songs, von Engeln wird gesungen und von dunkler Leidenschaft. Die schwarzmetallisch anmutenden, verzerrten Gitarren betreten die Soundbühne wieder selbstbewusster als noch vor einem Jahr und liefern sich ein spannendes Wechselspiel mit ihren cleanen Kollegen. Von der Produktion werden die abwechslungsreichen Klänge gut unterstützt, nur kommt das Gefühl auf, es handle sich um eine digitale Produktion, welcher ein Tick Natürlichkeit fehlt. Die dargebotenen Songs sträuben sich währenddem jeglicher Katalogisierung. So befinden sich in III Verzweiflung, Verletzlichkeit und Zerbrechlichkeit während beinahe 13 Minuten in einer stets aufrecht erhaltenen Spannung – nur um in das sehr ruhige IV hinüberzugleiten. Einen Anspieltipp herauszugreifen entpuppt sich rasch als unmöglich, denn bei Durch den Traum ist nichts zu wenig, nichts zu viel und jeder Song ist ein unabdingbarer Bestandteil des Gesamtbildes. Dieses erweist sich als gleichzeitig kraftvoll und verletzlich, und dank des charakteristischen, eindringlichen Gesangs Evigas offenbaren sich auch sämtliche Schattierungen dazwischen.

Obwohl es nicht an das überragende Her von welken Nächten heranreicht, ist DORNENREICH mit Durch den Traum ein fesselndes, melancholisches Album gelungen. Wer sich auf ein emotionales, intensives Klangerlebnis einlassen möchte, sollte den Lockrufen Evigas folgen…

Veröffentlichungstermin: 01.12.2006

Spielzeit: 50:29 Min.

Line-Up:
Evíga: Vocals, Gitarren, Texte

Gastmusiker:
Valnes: Synths, Vocals in II
Michael Stein: Drums

Label: Prophecy Productions

Homepage: http://www.dornenreich.com

Email: dornenreich@prophecyproductions.de

Tracklist:
1. I
2. II
3. III
4. IV
5. V
6. VI
7. VII
8. VIII

Arlette Huguenin Dumittan
Arlette ist seit 2000 bei vampster und unsere Schweizer Fachfrau für schwarze Musik und vegane Backrezepte. Lieblingsbands: DARKTHRONE, MAYHEM, HAIL OF BULLETS. Genres: Black Metal, Death Metal, Dark Metal/Rock.