DORNENREICH: Freiheit

DORNENREICH: Freiheit
Das nunmehr achte Album von DORNENREICH  Freiheit steht in den Startlöchern, welches gleichzeitig auch als die letzte Veröffentlichung für längere Zeit von Seiten der Band gehandelt wird. Dementsprechend hoch ist natürlich die Erwartungshaltung von Fans und Wegbegleitern, dass man sich würdevoll in den vorläufigen Ruhezustand verabschiedet. Die Gründe dafür, dass DORNENREICH  diesen gefühlten Abschied im Voraus der Veröffentlichung publik machen, könnte man schlicht im Promotion- und Marketingsektor vermuten. In meinen Augen zeigt dieser Schritt jedoch vor allem, mit wie viel Selbstvertrauen man hinter dem Werk Freiheit steht. 
Die Österreicher waren noch nie eine Band, bei der es ausreichte, sich auf die musikalische Seite zu fixieren. Sicherlich konnte man zu älteren Veröffentlichung wie der Avantgarde-Metal-Perle Her von Welken Nächten  auch nur gepflegt die Pommesgabel recken, doch verpasste man damit schlichtweg einen Großteil der Faszination DORNENREICH . Denn Wort und Klang gingen in ihrem Kosmos seit jeher eine tiefe Symbiose ein, und so überrascht auch nicht die Konzept-Ausrichtung des neuen Albums. Wie so oft befasst sich Eviga mit den Thema der Ich-Suche, -Reifung und -Findung im Wechselspiel mit seiner umgebenden Natur. In meiner Interpretation beschreibt Freiheit den Prozess des Menschwerdens über verschiedene Lebensphasen hinweg. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht vorausschicken, denn das Eintauchen in die Lyrics sollte jedem selbst überlassen sein. 
Freiheit im künstlerischen Sinne bedeutet für mich das Ignorieren von Erwartungshaltungen anderer, und so überrascht der Auftakt durchaus, denn das live eingespielte Eröffnungstrio, bestehend aus Im ersten aller Spiele, Von Kraft und Wunsch und jungen Federn und Des Meeres Atmen weißt stilistisch große Parallelen zum Akustik-Album In Luft geritzt auf. Die typische Zwei-Mann-Instrumentierung bewegt sich dabei sehr dynamisch durch die recht schlicht gehaltenen Liedstrukturen. Das Interagieren und Reagieren der beiden Protagonisten ist spürbar voller Leidenschaft und Emotion, und trotz aller Qualität empfindet eine Seite von mir diesen Auftakt als ungenutzte Chance, sich auf neues Terrain vorzuwagen. Doch dies ist Kritik auf hohem Niveau, wenn man die dramatische Geigen-Melodie am Beginn zu Von Kraft und Wunsch und jungen Federn oder den stimmungsvollen Umschwung in Des Meeres Atmen bedenkt. 
Mit fortwährender Spielzeit und Erzählung wandelt auch Freiheit sein Gesicht und DORNENREICH  besinnen sich erstmals in Das Licht vertraut der Nacht zurück auf ihre Metal-Wurzeln. In diesem Hybriden aus behäbig stampfenden Distortion-Gitarren und zurückhaltendem Akustik-Gezupfe steuert erstmals auch der Drummer seinen Beitrag zu einem Song bei. Den Härtegrad alter Tage erreichen DORNENREICH auf Freiheit willentlich zu keinem Zeitpunkt. Auch nicht im treibendensten und zugleich letzten heavy Song Aus Mut gewirkt, was aber nicht weiter ins Gewicht fällt, da das neue Album von intimer Stimmung lebt und oft auch von Zurückhaltung dominiert wird. 
Nachdem die erste Albumhälfte vom Feeling her etwas zähfließend ist, stellt sich ab Im Fluss die Flammen eine Sogwirkung ein. Die wunderschönen Instrumentalpassagen nehmen immer weiter zu und die Textanteile ab, bis sie schließlich in Blume der Stille ganz verschwunden sind. Die letzten beiden Songs stellen für mich die Highlights von Freiheit dar. Sie sind geprägt von einer fast schon freundlichen Grundstimmung, besonders Blume der Stille wirkt wie eine zufriedene Retrospektive. Im Einklang mit sich selbst verabschieden sich DORNENREICH  in einem langen Fade-Out und in die hoffentlich nicht allzu lange Eiszeit. 
Freiheit“ ist ein Querschnitt durch die letzten Jahre ihrer Karriere und besitzt dementsprechend viele Selbstzitate, die in Vermischung miteinander aber genügend Tiefe und Substanz bereithalten. Durch den gestaffelten Aufbau fällt es dem Album etwas schwer auf Anhieb zu zünden, doch erhöht sich die Begeisterung mit jedem neuen Durchlauf. Wie hoch man das neue Werk letztendlich im Vergleich mit den Vorgängern einordnet, sollte jeder selbst entscheiden, doch empfinde ich die abgelieferte Qualität durchaus eines Schlussstriches würdig.

Veröffentlichungstermin: 02.05.2014

Spielzeit: 47:22 Min.

Line-Up:

Evíga – Vocals, Gitarren, Texte
Inve – Violine
Gilvan – Drums

Label: Prophecy Productions

Homepage: http://www.flammentriebe.com

Mehr im Netz: https://www.facebook.com/Dornenreich.official

Tracklist:

01. Im ersten aller Spiele
02. Von Kraft und Wunsch und jungen Federn
03. Des Meeres Atmen
04. Das Licht vertraut der Nacht
05. Aus Mut gewirkt
06. Im Fluss die Flammen
07. Traumestraum
08. Blume der Stille